Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Nicht seriös, nicht brauchbar, nicht empfehlenswert

Donnerstag 10. Januar 2008 von Prof. Dr. Freiherr Axel v. Campenhausen


Prof. Dr. Freiherr Axel v. Campenhausen

Nicht seriös, nicht brauchbar, nicht empfehlenswert
Zur „Bibel in gerechter Sprache“

Die Bibel in deutscher Sprache gibt es in vielen Übersetzungen: Klassisch und dank wiederholter Revisionen unĂŒbertroffen die Lutherbibel seit 1534, daneben die ZĂŒrcher Bibel bereits seit 1529 und die aus einer ökumenischen Zusammenarbeit erwachsene EinheitsĂŒbersetzung (von 1978 an). Sie hat ihren Namen von ihrer Zwecksetzung: Es handelt sich um eine einheitliche BibelĂŒbersetzung der deutschsprachigen römisch-katholischen BistĂŒmer in Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien und der Schweiz. Daneben gibt es Übersetzungen mit betont missionarischer Tendenz. Sie wollen die sperrige, in Jahrhunderten zusammengewachsene Botschaft durch zeitgemĂ€ĂŸe Sprache auch den religiös nicht bewanderten Menschen nahe bringen. Als Beispiel nenne ich die „Gute Nachricht Bibel“ (1997), das Ergebnis interkonfessioneller und internationaler Zusammenarbeit von Theologen unter BerĂŒcksichtigung von VorschlĂ€gen, die sich um „frauengerechte“ Sprache bemĂŒhte. Hier beginnt die Grenze von Übersetzung und Deutung unklar zu werden. Das kann eine erlaubte BemĂŒhung sein, um dem Leser die LektĂŒre nicht unnötig schwer zu machen. Das war zum Beispiel die Tendenz in Jörg Zinks Werk von 1963: „Womit wir leben können. Das Wichtigste aus der Bibel in der Sprache unserer Zeit“. Die fĂŒr tĂ€gliche Lesung ausgewĂ€hlten und neu ĂŒbersetzten Texte gingen ĂŒber die bloße Übersetzung hinaus, aber trotz homiletischer Elemente war und ist sie seriös und hilfreich.

Dagegen stellt die dieses Jahr erschienene „Bibel in gerechter Sprache“ ein Problem dar. Auch beim Rheinischen Merkur gehen gegen sie wĂŒtende Proteste ein. Religiöse Empörung fĂŒhrt jedoch meist nicht weiter. Man darf aber prĂŒfen, ob das von vier MĂ€nnern und sechs Frauen vorgelegte Werk seriös, brauchbar und empfehlenswert ist. Als Übersetzung scheint mir die „Bibel in gerechter Sprache“ schon aufgrund der ausdrĂŒcklich genannten Vorgaben der Autoren nicht seriös, nicht brauchbar und nicht empfehlenswert. In seinem Vorwort nennt Peter Steinacker drei besondere, man kann sagen ideologische Ziele, denen diese Bibelversion verpflichtet ist: Zum Ersten soll der „Geschlechtergerechtigkeit“ GenĂŒge getan werden, eine den Texten fremde Absicht. Die ergĂ€nzende EinfĂŒhrung von Richterinnen, PharisĂ€erinnen und so weiter ist historisch irrefĂŒhrend und philologisch willkĂŒrlich. So wird (wie schon im textverfĂ€lschenden Motto des letzten Kirchentages) Jesus von Gottes Sohn zum „Kind Gottes“. Das „Wort“ am Anfang des Johannesevangeliums wird Weisheit, weil Jesus „auch viele ZĂŒge der weiblichen göttlichen Gestalt der Weisheit“ trage. Sodann ist das Werk dem christlich-jĂŒdischen Dialog verpflichtet. Nach eigener Vorgabe hieß das fĂŒr die Übersetzer, auf jede antijudaistische Interpretation zu verzichten. Damit werden sachliche GegensĂ€tze verharmlost. Prophetische Texte wurden in ihrer SchĂ€rfe kastriert, der theologische Fortschritt durch Jesus verdunkelt. Furchtbar ist das Durcheinander der unbiblischen mĂ€nnlichen und weiblichen Gottesbezeichnungen, die auf jeder Doppelseite als Kopfzeile zur Auswahl des Lesers aufgereiht sind. Schließlich wird der sozialen Gerechtigkeit besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Anstelle des historischen Textes, der zu idyllisch klinge, werden „harte soziale RealitĂ€ten“ von heute eingetragen.

Als Anregung mag diese Bibel dem bibelfesten Leser manches bringen. Aber als Übersetzung kann sie keine Anerkennung erwarten, weil sie die Regeln philologischer Kunst nicht beachtet. Sichtweisen und Vorgaben der „Übersetzer“ durchdringen den Text. Die Gefahr ist nicht gebannt, die Texte nach eigenem Geschmack zurechtzulegen. Die Grenze zur SchwĂ€rmerei ist damit ĂŒberschritten. Der Bibeltext darf weder von antikirchlichen noch von lehramtlich kirchlichen Interpreten zurechtgelegt werden. Die evangelische Kirche in Deutschland hat es zu Recht abgelehnt, die „Bibel in gerechter Sprache“ von Amts wegen der Öffentlichkeit zu prĂ€sentieren. Diese Übersetzung folgt Vorgaben, die dem Text nicht zu seinem Recht verhelfen. Die Schriften der Bibel wuchsen in Jahren zusammen; davon zeugen innere Spannungen, Entwicklungen und theologische Entdeckungen. Das darf nicht wegharmonisiert werden. Die „Bibel in gerechter Sprache“ aber ĂŒberformt den Text und bevormundet den Leser mit den Überzeugungen der Übersetzer. Die Frage ist nicht, ob diese Überzeugungen brav sind, sondern daß sie nicht die des Textes sind. Der Leser sucht den Originalton, und den ohne Vorgaben und eingetragene Deutungen, die nach Überzeugung der Verfasser den Text erst erschließen sollen. Wie das zusammenpassen soll, bleibt ein RĂ€tsel. Mit Recht ist deshalb gesagt worden: „Die ,Bibel in gerechter Sprache‘ ist weder richtig noch gerecht, sondern konfus“, so Ingolf U. Dalferth in der „NZZ“ vom 18. November 2006.

Rhein. Merkur Dez. 06

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 10. Januar 2008 um 10:37 und abgelegt unter Rezensionen, Theologie.