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Weltweites Moratorium zur Abtreibung

Mittwoch 9. Januar 2008 von Armin Schwibach


Weltweites Moratorium zur Abtreibung 
Neuer Weg im Einsatz für die Achtung des ungeborenen Lebens

ROM, 8. Januar 2008 (ZENIT.org).- Der italienische Journalist und Direktor der Zeitung „Il Foglio“ hat letzte Woche den Stein ins Rollen gebracht: Nachdem die Vollversammlung der Vereinten Nationen vor allem auch durch den Einsatz Italiens für ein internationales Moratorium zur Todesstrafe gestimmt hatte, griff Ferrara nach der Feder und forderte ein auf den Schutz des entstehendes Lebens ausgerichtetes Moratorium zur Abtreibung. Das Interessante und die gesamte Zivilgesellschaft Provozierende dabei ist: Ferrara stammt nicht aus dem „katholischen Lager“. Er gehört keiner Lebensschutzbewegung an, und es liegt ihm fern, mit grausamen Bildern von abgetriebenen Kindern auf die Gefühle der Gutmenschen Einfluß zu nehmen, die sich gerade wieder einmal wohl gesättigt vom reich gedeckten Weihnachtstisch erhoben haben.

Ferrara, der eine lange Geschichte der politischen Militanz in der Kommunistischen Partei Italiens vorweisen kann und sich durch die Zerstörung der politischen Ordnung im Italien Anfang der 90er-Jahre, verbunden auch mit dem Eintritt des Medienmoguls Silvio Berlusconi in die Politik, von seiner roten Vergangenheit verabschiedet hatte, wird von seinen alten Parteigenossen und den Linkskatholiken gerne als „frommer“ Atheist bezeichnet, um nicht zu sagen verhöhnt…

Intelligenz, Logik, Kohärenz und eine innere Abneigung gegen pseudodemokratische Heuchlerei im Stile des intellektuellen Nach-Achtundsechzigerproletariats gehören zu den interessantesten Charakteristiken Giuliano Ferraras, der nicht davor zurückschreckt, an vier Abenden der Woche zur „prime time“ um 20.30 Uhr auch im Fernsehen schwierige Themen anzugehen und dabei auf fast eine Million an Publikum kommt…

Bei seiner Idee eines weltweiten Moratoriums zur Abtreibungen geht Ferrara von der Feststellung aus, daß die Massenabtreibung in den letzten Jahrzehnten Ausmaße eines Völkermordes angenommen hat – ein „perverses Phänomen“ aufgrund seines sexistischen und eugenischen Hintergrunds, wie Ferrara erklärte. „Allein in Asien fehlen 200 Millionen Mädchen, denen das Leben verwehrt wurde, da sie als unnütz angesehen werden. Gleichzeitig stehen wir vor einer fortschreitenden Eliminierung von Millionen von Menschen, die sich durch eine potentielle Behinderung charakterisieren, die zudem nur nach Wahrscheinlichkeitsrechnungen festgestellt wird.“ Das weibliche Geschlecht ist, so Ferrara, auch nach diesen Statistiken Hauptopfer der Massenabtreibungen.

Optionen für die Abtreibung auch im Namen der Wissenschaft und des besseren Lebens sind für Ferrara „vorwissenschaftlich“. Er vergleicht sie gern mit dem Konzept des „Tarpejischen Felsens“, von dem im antiken Rom an der südlichen Spitze des Kapitolhügels Todesurteile durch Felsensturz vollstreckt wurden. Die Sensibilität des Italieners gestattet es ihm, das zu tun, was im deutschsprachigen Raum gerne zu einem lauten und moralisierenden Aufschrei führt: nämlich die Praxis und die zugrunde liegende Theorie der eugenischen und Leben verbessernden Abtreibung mit dem „transhumanen Exprimentieren“ eines Doktor Joseph Mengele und dem „sozialdemokratischen Utopismus“ der „Neuen Welt“ zu vergleichen.

„Das christliche Mittelalter erfand in den Konventen die Kinderklappe“, so Ferrara, „um unerwünschte Kinder aufnehmen zu können. Die modernen Zeiten verschreiben sich dem Gebrauch der chirurgischen Guillotine oder der Vergiftung im Bauch durch RU486.“ Der Journalist fragt: „Ist dies ein Fortschritt?“ Nein. Es handle sich um eine moderne Form der Versklavung des Menschen unter der Maske der Ausübung eines Rechts, das auf blasphemische und sophistische Weise „verantwortliche Fortpflanzung“ genannt wird.

Mit dem Moratorium tritt Ferrara für eine klare Entscheidung ein: philosophisch und juridisch sowie auch ethisch das Nein zur Abtreibung zu sanktionieren.

Dazu müsse der Artikel 3 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ergänzt werden. Bis jetzt lautet dieser: „Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“ Der neue Text soll lauten: „Jeder hat das Recht auf Leben, von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende, auf Freiheit und Sicherheit der Person.“ Dieser neue Text wäre dann „ipso facto“ ein Moratorium jeglicher Form von Sklaverei fördernder Politik.

Die Rechfertigung für den Zusatz des „Rechtes auf Geborenwerden“ ist für Ferrara nicht konfessioneller Natur, sondern Ausdruck von Vernünftigkeit, Ausdruck des „Geistes der Menschlichkeit, der Freiheit, der Gleichheit, der Brüderlichkeit, das heißt der laizistischen Religiosität, die die Antriebsfeder der Gründerväter der modernen liberalen Demokratien war und welche gerade von den Frauen mit ihrem spezifischen Denken und mit ihren Kämpfen für die Freiheit legitimiert und genährt wurde, um zunächst die nichtverhandelbaren Prinzipien der verschiedenen Menschenrechts- und Unabhängigkeitserklärungen zu verfassen und dann im praktischen Leben umzusetzen“. Ein solcher Zusatz zur Menschrechtserklärung würde der „gründende Kern einer neuen Aufklärung und eines neuen Rationalismus erkennbar machen, der laizistische und jüdisch-christliche Wurzeln hat und gleichzeitig auf dem kategorischen Imperativ der kantischen Moral und den Imperativen der jüdisch-christlichen Anthropologie und Pastoral aller Zeiten gründet, die auf der Heiligung des alltäglichen Lebens und auf den Begriff der Person basiert“.

Das Moratorium ist für Ferrara eine konkrete und praktikable Idee, die vernünftig, laizistisch, logisch und zutiefst religiös zugleich ist und ohne konfessionelle Bindungen. „Make love, not abortion“ – dies ist für Ferrara der Slogan, mit dem er ins Jahr 2008 eintreten will. 40 Jahre nach 1968 soll dieser Slogan zum Wahlspruch einer neuen aufgeklärten Menschheit werden…

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 9. Januar 2008 um 16:56 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Lebensrecht.