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Die Kirche ist ein Irrenhaus

Donnerstag 10. Januar 2008 von Pfr. Dr. Theo Lehmann


Pfr. Dr. Theo Lehmann

Die Kirche ist ein Irrenhaus

„Die Kirche ist ein Irrenhaus.“ Dieser Satz entfĂ€hrt mir wöchentlich mindestens zweimal, wenn ich z. B. höre und lese, daß ein großer Teil der Pfarrerschaft nicht an die Auferstehung Jesu glaubt oder, daß man bei einem GlĂ€schen Bier wieder in die Kirche eintreten kann. „Es weiß gottlob jedes Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei“ – so oder so Ă€hnlich soll sich Luther geĂ€ußert haben.Doch sag mir, wo die Kinder sind, wo sind sie geblieben? Heute wissen viele nicht mehr genau, was die Kirche ist und regieren den Laden frei aus dem Bauch heraus. Bei kritischen Anfragen genĂŒgt es, mit der linken Hand die Fundamentalismuskeule zu schwingen und mit der rechten das ToleranzfĂ€hnlein zu schwenken, und so schwankt die Kirche dahin wie ein Betrunkener besoffen vom Zeitgeist.

Die Geister zu unterscheiden ist die große Aufgabe aller Christen aller Schichten, vom schlichten Gemeindeglied bis in die obersten FĂŒhrungsgremien. Wobei wichtig ist zu wissen, daß die Gabe der Unterscheidung der Geister, wie mal jemand gesagt hat, zu neunzig Prozent Bibelkenntnis ist. Das Dilemma ist nur, daß es in der Kirche nicht mal mehr eine gemeinsame Bibel gibt. Selbst darĂŒber ist Streit ausgebrochen; sĂ€kulare Tageszeitungen berichten genĂŒĂŸlich darĂŒber, daß ein paar Bischöfe fĂŒr und ein paar gegen das Feministinnen-Machwerk sind, das sich auch noch verlogenerweise als BibelĂŒbersetzung ausgibt.

Es gibt in der Kirche mehrere Kirchen, die sich wie Feuer und Wasser gegenĂŒberstehen und immer mehr auseinanderdriften. Die Einheitssoße der Marke „Wir sind doch alle BrĂŒder“, die ĂŒber die freundlich sogenannte „Vielfalt“ ausgegossen wird, schmeckt allerdings denen nicht, die die Wahrheit suchen, und die ist bekanntlich manchmal auch bitter.

Eine ganz schlichte Wahrheit ist zunĂ€chst, daß Grundlage und Richtschnur allen kirchlichen Handelns die Bibel und das Bekenntnis ist. Die Aushöhlung der Bibel, wie sie an breiter Front an vielen AusbildungsstĂ€tten betrieben wird, ist ja immerhin noch eine BeschĂ€ftigung mit der Bibel. Aber wer beschĂ€ftigt sich mit dem Bekenntnis? Da wird ja noch nicht mal was dagegen geredet, da wird ĂŒberhaupt nicht darĂŒber geredet. Vieles lĂ€uft, als ob es ĂŒberhaupt keine Bekenntnisschriften gĂ€be.

Da verhandelten z. B. eine lutherische und eine unierte Kirche ĂŒber einen Zusammenschluß. Da geht’s um die Knete, um Strukturen und um was weiß ich, aber wie das eigentlich gehen soll, wenn eine lutherische und eine unierte Kirche ins Bett steigen, darĂŒber redet keiner ein Wort. Heißt das nun, daß die lutherische Kirche zur Unionskirche wird? Man wird doch noch mal fragen dĂŒrfen, warum niemand darĂŒber spricht, daß genau danach gefragt werden muß.

Oder ein anderes Beispiel: Eine Pastorin einer lutherischen Kirche bedankt sich öffentlich mit einem „Göttin sei Dank“. Das ist die gleiche Person, die fĂŒr die unterhalb der GĂŒrtellinie angesiedelten Kabarettexte verantwortlich war, die eine Gruppe von Pfarrern auf einer Tagung hinter verschlossenen TĂŒren zum Besten gab. Der, der das OrdinĂ€re dieser Ordinierten kritisierte, wird gemaßregelt – von der gleichen Kirche, die die feministische Pfarrerin deckt. Irrenhaus!

Und immer wieder fragt man sich – ist das noch meine Kirche? Bin ich hier noch zuhause? Das ist fĂŒr mich keine rhetorische Frage. Das ist ein existenzieller Konflikt, in dem ich stehe, seit ich in der Kirche in Lohn und Brot stehe. Und so hĂ€nge ich stĂ€ndig zwischen sĂ€mtlichen StĂŒhlen, ein Leben lang im Hinterkopf die Frage, wie lange ich dem Laden noch die Treue halten kann oder soll. Und dann ist ja die nĂ€chste Frage, wohin man gehen soll, denn nach meiner Kenntnis stinkt es ĂŒberall, nur unterschiedlich stark. Das Irrenhaus hat viele Abteilungen.

Ich habe fĂŒr mich entschieden, daß ich in der Kirche bleibe, solange die Bekenntnisschriften, auf die ich mich bei meiner Ordination mĂŒndlich und schriftlich verpflichtet habe, wenigstens noch offiziell in GĂŒltigkeit sind. Und ich plĂ€diere dafĂŒr, daß lieber die endlich abhauen sollen, die die Kindertaufe ablehnen, von der Jungfrauengeburt bis zur Auferstehung nichts glauben, geschweige denn von der Wiederkunft von Jesus, Gericht, Hölle und Verdammnis wissen oder predigen. NatĂŒrlich weiß ich, daß genau die gerade nicht daran denken, die Kirche zu verlassen. Es ist unser Problem, daß wir mit ihnen leben mĂŒssen. Das muß ja auch so sein, denn der Antichrist kommt ja nicht aus der Freimaurerloge, sondern aus der Sakristei. Der Kampf um die Wahrheit bleibt uns nicht erspart. Einheit ist was Schönes, Erstrebenswertes und von Jesus Gewolltes. Aber Einheit mit Irrlehre ist weder schön noch erstrebenswert, noch von Jesus gewollt, sondern Masche der Antichristen. Bei allem berechtigten Einheitsstreben habe ich immer weniger Lust, mir stĂ€ndig anhören zu mĂŒssen, daß die Konfessionsgrenzen endlich ĂŒberwunden werden mĂŒĂŸten. Im Gegenteil, ich bin bekennender Lutheraner und der festen Überzeugung, daß das Irrenhaus Kirche nur saniert werden kann, wenn Bibel und Bekenntnis wieder das einzige Fundament sind.

Editorial CA II/2007

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 10. Januar 2008 um 11:40 und abgelegt unter Kirche.