Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Predigt über Offenbarung 2,8-11: Himmlischer Trost in irdischer Trübsal

Freitag 16. Juni 2023 von Prädikant Thomas Karker


Prädikant Thomas Karker

Wenn sie zu wählen könnten, in welcher Stadt wollten sie leben? In München, der Weltstadt mit Herz oder vielleicht in Hamburg, die Stadt mit dem Tor zur Welt, oder Rom, der ewigen Stadt, oder Prag, der goldenen Stadt, oder gar Athen, der Stadt der Götter? Ich sags ihnen, ich würde gerne in Stuttgart wohnen: Es heißt zwar von den Schwaben: „Mir kennet älles, außer Hochdeutsch!“, aber das ist die Stadt zwischen Wald und Reben. Da wo die Welt noch in Ordnung ist. Stuttgart sehen und sterben. Aber wenn man damals so gefragt hätte, wo man leben möchte, dann hätte es damals sicher nur eine einzige Antwort gegeben, und diese Antwort hätte geheißen: Smyrna!

  • Ohne Zweifel! Einwohner von Smyrna, das war es. Diese Stadt war einmal die Stadt der Sonne. Der Redner Aristides schwärmte: ein Liebreiz, der wie ein Regenbogen über allem lag, von dem Glanz der Stadt, der wie ein Bronzeschimmer der homerischen Waffen sei. Dort hat also die Sonne geschienen. Der Zauber wurde noch erhöht durch den Westwind, so sagen die Kenner. Der sanfte Zephyrus, so hat der geheißen, der durch die Stadt strich. Eine Schönheit, die der Menschheit sonst nirgends beschert worden sei, sagten die Einwohner und Kenner dieser Stadt. Eine Stadt der Sonne, das war Smyrna.
  • Und zweitens, es war eine Stadt des blühenden Handels. Es war ja die Lage am Ende eines tief hineinragenden Meeresarm und dort war ein sehr geschützter Hafen. Die Münzen von Smyrna, auf denen war bezeichnenderweise ein Handelsschiff, das zum Auslaufen bereit war, abgebildet. Und durch die Stadt führten wichtige Handelsstraßen, die durch Lydien und Phrygien in den fernen Osten führten. Also eine Stadt des Handels, in der man alles kaufen konnte.
  • ŽDrittens war es außerdem eine Stadt der Künste und der Wissenschaften. Es gab damals eine bekannte Musikhalle, eine öffentliche Bibliothek, und muss man wissen Smyrna, das war der Geburtsort Homers, diesem großen Dichter. Und deshalb gab es auch ein Homerkion, eine Art Palast, in dem dieser Dichter verehrt worden ist.
  • Und dazu viertens, war es noch eine Stadt der Tempel. Ein Tempel für Zeus, Apoll, Nemesis, Aphrodite und Asklepios, eine Blütenwiese heidnischer Religionen. Für den Historiker Mommsen war es dann eine Stadt, sogar ein Paradies städtischer Eitelkeiten. Jede Stadt damals und vor allem Smyrna, versuchte die Erste zu sein, nämlich die man zuerst besuchte und auch die Letzte, nämlich die Letzte, die man jemals vergessen konnte. Die Erste und die Letzte.

Diese glänzende Stadt war bei den Christen die Stadt des Leidens, die Stadt des Leidens, das war Smyrna. Smyrna heißt Bitterkeit. In dieser Stadt hat Bischof Polikarp von Smyrna, gelebt. Um 155 nach Christus fanden wieder die alljährlichen Spiele statt. Smyrna hatte alljährlich große Wettkämpfe und dort war das Volk ohnehin schon erregt und plötzlich kam dieser Ruf dieser übermütigen Meute. Lasst uns den Polikarp suchen!

Aber obwohl er hätte entfliehen können, tat er es nicht. Er hatte nämlich 3 Tage vorher geträumt, dass er wahrscheinlich den Märtyrertod sterben müssen. Er sah in einem Traum, wie sein Kopfkissen anfing zu brennen. „Man wird mich lebendig verbrennen,“ hat er noch seinen Schülern gesagt. Er hat sich ganz dem Gebet gewidmet. Nach seiner Gefangennahme, am Rüsttag vor Ostern, befahl er seinen Schülern für die Soldaten noch ein Festmahl zu bereitet. Nach einer Stunde des Gebets wurde er dann abgeführt.

Und auf dem Weg dann zur Stadtmitte, flehte der Polizeibeamte, er solle doch nur diesen einen Satz nach sprechen nämlich: Herr ist Kaiser! Nicht Jesus ist Gott oder Jesus ist König, sondern: Der Herr ist der Kaiser. Was ist schon dabei. Aber Polikarp blieb fest. Jesus ist der Herr!

Der Prozess: Der Statthalter: Schwöre und ich lasse dich frei, schmähe Christus! Polykarp: 86 Jahre diene ich ihm, und er hat mir nichts Böses getan, soll ich meinen König lästern, der mich erlöst hat? Statthalter: Schwöre bei der Fortuna des Kaisers. Polykarp: So vernimm mein freimütiges Bekenntnis: Ich bin ein Christ. Statthalter: Ich habe wilde Tiere, diesen lasse ich dich vorwerfen, wenn du deinen Sinn nicht änderst. Polykarp: Rufe sie, denn unvollziehbar ist für uns die Sinnesänderung vom Besseren zum Schlechteren, gut dagegen ist es, sich vom Schlechten weg zum Rechten zu wenden. Statthalter: Durchs Feuer lasse ich dich verzehren, wenn du deinen Sinn nicht änderst. Polykarp: Du drohst mit Feuer, welches eine Zeitlang brennt und bald verlischt, du kennst nicht das Feuer des Gerichts und der ewigen Strafe, welches den Gottlosen vorbehalten ist. Jedoch, was zögerst du, lass kommen, was beliebt!

Da schrie das ganze Volk: Dies ist der Lehrer Asiens, der Vater der Christen, der Vernichter der Götter, der viele lehrt, ihnen nicht zu opfern und sie nicht anzubeten. Da schrien sie einmütig, er solle Polykarp lebendig verbrennen. Als nun der Scheiterhaufen errichtet war und sie ihn an dem Pfahl befestigen wollten, sprach er: Lasst mich so, wie ich bin! Der mir die Kraft verleiht, das Feuer zu erdulden, der wird mir auch Kraft verleihen, unbewegt auf dem Scheiterhaufen stehenzubleiben. Und als das Holz dann angezündet wurde, betete er jenes berühmt gewordene Gebet: Ich preise dich, dass du mir diesen Tag gewährst, in der ich einer deiner Zeugen sein und teilhaben darf an dem Becher des Christus um der Auferstehung des Leibes und der Seele zum ewigen Leben willen. Gelobt seist du und verherrlicht werde dein Name durch den ewigen himmlischen Hohepriester Jesus Christus, deinen geliebten Sohn, durch den dir und ihm und dem Heiligen Geist Ehre sei jetzt und immerdar. Amen.

So starb er, und so behält man ihn im Gedächtnis. Wenn man nur ein kleines Stücklein dieses Glaubens hätte. Liebe Freunde, Smyrna war nicht bekannt durch seine Aktion so wie die Gemeinde in Ephesus, eine tätige und strahlende Gemeinde, Smyrna war bekannt durch seine Passion. Durch sein Leiden. Auch Passion kann christliches Handeln sein. Wir haben das weithin vergessen. Heute meint man wäre nur dort christliche Gemeinde, wo auch christliche Aktivität, politisches Engagement und soziale Aktion zu finden ist. Smyrna hatte nichts vorzuweisen. Aber es hatte eines: das Zeugnis des Leidens.

1. Sein tröstlicher Name

Wir leiden ja alle darunter Theologenchinesisch zu sprechen, nur, wenn der Herr spricht, ist es verständlich.

Bei ihm heißt es ja, das Wort ward Fleisch. Er kleidet seine Worte in die Uniform unseres Menschseins. Er geht hinein in unsere Lebensbezüge. Und das sehen sie auch in diesem Vers. Die aus Smyrna waren ja die Ersten im Lande. Sie hatten ein ungebrochenes Selbstbewusstsein, und sie waren auch die Letzten in Rom. Wenn Rom in Kleinasien nachfragte, dann wurde als Letzter immer noch einmal Smyrna, genannt. Also sie fühlen sich auch so, als die Ersten, die Wichtigsten, die Achse der Weltgeschichte, der Mittelpunkt der Erde. Die Welt drehte sich um Smyrna und sonst um nichts. Und manchmal denken wir auch so. Die Welt dreht sich um uns, genauer, die Welt dreht sich um mich. Ich bin die Mitte. Ich bin die Achse der Weltgeschichte.

Und jetzt ist in Smyrna die Christusgemeinde an der Schwelle des Martyriums. Nicht war, verlieren ist nicht schön. Der Erste will man sein. Noch im hohen Alter der Erst. Liebe Freunde, das ist Befreiung. Jesus sagt. Ich bin der Erste, der Herr! Ich kann es und ich muss es auch gar nicht mehr sein. All unser versteckter Ehrgeiz, der wird hier auf die Seite geschoben. Ich kann noch so ein strahlender Primus sein. Zum Ersten in der Welt ist noch ein riesiger Abstand, der Herr ist der Erste. Dem kann ich dienen.

Wie zwei hohe Pfeiler ragen die Worte auf: der Erste und der Letzte. Der ganze Weltlauf ist, wie eine riesige, kühn konstruierte Hängebrücke, an diesen beiden Pfeilern aufgehängt. Alles, was geschieht, ist von der Macht und Treue dieses Herrn umfasst. Der Erste ist Jesus Christus, so gewiss er der Sohn des lebendigen Gottes ist, vom Vater gezeugt vor Grundlegung der Welt. Niemand kann ihm diese Würde, diesen absoluten Vorrang streitig machen.

Und genauso derselbe: Der Letzte ist Jesus Christus, der sich auch dann noch behauptet, wenn alle andern Herren dieser Erde abgetreten sind. Er hat das letzte Wort. Er spricht das Urteil aller Welt. Er ganz allein, entscheidet über unser ewiges Geschick. Wie wichtig, dass wir uns an diese weltüberlegene Majestät unsres Herrn erinnern lassen! Er ist kein Meteor, der plötzlich auftaucht und dann wieder am hohen Firmament erlischt. Der Erste ist er, durch den alle Dinge geschaffen sind und jeder Mensch sein Leben hat.

Er ist der Letzte, auch wenn wir heute ängstlich fragen: Was wird denn eigentlich das Letzte sein? Der Hitzetod, die Radioaktivität oder gar die Eiszeit? Hier heißt es: Er ist der Letzte. Er und sonst überhaupt nichts. Und wenn ich frage in meinem Leben, wenn man älter wird: Was wird denn das Letzte in meinem Leben sein. Ein Krebsgeschwür, das ich noch gar nicht kennen. Eine plötzliche Herzattacke, Wasser im Herzen und in der Lunge? Was wird es den sein? Und dann sagt er: Ich bin der Letzte. Ich bin das allerletzte in deinem Leben, wenn du mir gehörst. Der Ehrgeiz ist weg, und die Angst ist weg. Er ist der Erste oder Letzte meines Lebens. Und um den kann dieses Leben frei schwingen.

Nicht war, Kaiser Julian, er kämpfte, dass der neu platonische Geist das Christentum wieder verdränge und ist dann tödlich getroffen worden. Da bekannte er: Mir war es nicht beschieden, Christus zu verdrängen. Ein ganz großer Kaiser Julian. Mir war es nicht beschieden, Christus zu verdrängen. Niemand war es beschieden.

Es ist sein Siegername: Er, das A und O, durch welchen die Welt geschaffen ist, durch den sie auch vollendet wird; der die Geschlechter kommen und gehen sieht. Er ist’s, der auf dem Platze bleibt, wenn Himmel und Erde vergehen, er ist’s, der Sieger bleibt. Aber er ist es nur, weil er zugleich der ist, der tot war und ist lebendig geworden. Beachte die Vergangenheitsform dieser Aussage! Ich war tot – Jesus Christus ist der Einzige, der dies von sich sagen kann. Wir werden eines Tages tot sein und dann sind wir tot, eingereiht in die riesige Armee der Gestorbenen. Er aber kann sagen: Ich war tot!

Der Gekreuzigte und Auferstandene. Diese beiden Namen gehören zusammen; denn keiner ohne den andern könnte uns trösten: nicht das Kreuz ohne Auferstehung, nicht seine Herrlichkeit ohne seinen Kreuzestod.

Warum nennt sich aber Christus in unserem Text mit diesem Namen? Weil er nur als dieser Herr, als der Sieger über Leiden, Tod und Grab, als der Erste und Letzte der Trost seiner Kreuzgemeinde ist. Smyrna sollte wissen: Der Jünger ist nicht über seinen Meister; aber der Meister ist ein Sieger auch über Tod und Hölle. Und alle Gemeinden aller Zeiten und alle einzelnen Christen sollen es wissen: Jesus bleibt Sieger.

Bezzel: „Der Erste und der Letzte“ grüßt seine Gemeinde. Sie soll es wissen, dass mitten durch die einsame Erde, die so kalt und tot vor ihr liegt, ein Weg führt mit sicheren Zeichen, ein Pfad, klar und scharf sich abhebend von all dem, was ringsum liegt. An diesen Spuren aber soll die Gemeinde sich trösten.

2. Sein tröstliches Auge

In diesem Selbstzeugnis des erhöhten Herrn steckt bereits ein gewaltiger Trost. Wir spüren die Absicht, die dieser Brief verfolgt: Jesus Christus will seiner Gemeinde alle Todesfurcht und Leidensscheu aus dem Herzen nehmen. Und so bekommt auch dieses „Ich weiß“ im Sendbrief an Smyrna einen tröstlichen Klang.

  • „Ich weiß!“ Auch hier, wie bei Ephesus, heißt es jetzt: „Jesus Christus weiß.“ Er redet mit der Gemeinde in Smyrna von ihrem bedrückten Zustand: Du bist in der Enge und Trübsal, du hast Auswege gesucht und nicht gefunden, du hast aus den Verlegenheiten heraus gewollt und sie wurden größer.
  • Ich weiß deine Enge. Ich weiß! Schau doch! – O die ihr den Weg sucht, während vor euren Augen sich der Weg öffnet, den er selbst gegangen ist! In dem „ich weiß!“ liegt zugleich der Ausweg. Das ist ja seine Gnade, dass wir seinen Weg erkennen können. Ich weiß deine Not. Sei unbekümmert, auch wenn sie sagen: Wo ist nun dein Gott?
  • „Aber ich weiß deine Armut, du bist reich.“ Es zeigt uns Christus damit, was vom Menschenurteil zu halten ist. „Was alles gilt, gilt nichts in deinen Augen; was nichts ist, hast du, großer Herr, recht lieb.“ (H. Bezzel) Die Gemeinde klagt über ihre Armut, aber er spricht: „du bist reich“ und hebt dadurch mit souveräner Gewalt alles Menschenurteil auf. Auch wenn alles sich gegen uns wendet, dann spricht er: „Du bist reich.“

Erst dann, wenn ein Mensch in der vollkommensten Armut sich befindet, dass ihm nichts mehr Freude machen will, erst dann erfährt er das Wort: „Du bist reich!“ Es ist etwas Großes um das Urteil Jesu Christi und jetzt schon werden wir einen Vorgeschmack von dem haben, was er einst zu uns sagen wird.

Das wird selten gehört. Die Verbindung zu Jesus, bringen nicht nur Freude und Befreiung, Friede und Kraft zu neuem Leben. Die Beziehung zu Jesus bringt auch Leiden. Werden wir den Mut haben, einer Weltanschauung entgegenzutreten, die das Leben leicht macht, um das Sterben zu vergessen?

Haben wir den Mut, auch die Beleidigungen und Schmähungen von solchen zu tragen, welche glauben uns einen Dienst zu tun, wenn sie uns den Weg breit und die Pforte weit machen, wenn sie uns die Leichtigkeit ihrer eigenen Lebensanschauungen einimpfen wollen?

In der Apg-Geschichte wird immer wieder von der Oberschicht der Juden das Volk mit Verlästerung aufgehetzt. Die Synagoge des Satans. Bitte ist hier kein Antisemitismus, sondern der Schmerz darüber, dass das Bundesvolk Gottes zu einem Werkzeug wird in der Hand des Teufels. Es gibt fünf Verleumdungen damals gegen die Christen.

  • ŒDas eine war: Beim Abendmahl sagen die Christen, dies ist mein Leib, dies ist mein Fleisch und Blut. Christen hätten somit sehr enge Verbindungen zu Kannibalen. Das war die erste Verleumdung, die damals in Smyrna umging.
  • Die zweite war: das Liebesmal, das Christen feiern, wurde dargestellt als Orgien der Wollust und der Sinnlosigkeit. Anders könne man Liebesmähler nicht verstehen.
  • ŽDrittens: weil der Glaube auch Familien entzweite. Ich bin gekommen, das Schwert, so hat dieses Jesus gesagt um Vater und Kinder zu trennen. Da war für sie klar: Die Christen sind familienfeindlich.
  • Weiter wurde gesagt, die Christen hätten gesagt: Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden. Christen sind Brandstifter. Und so hat es dann ja auch Nero ausgenützt
  • Und fünftens: Sie wollten eine neue Welt, also sind es Revolutionäre, die beten, die nicht beten Herr ist Kaiser, sondern die sagen, der Herr ist Jesus.

Und diese Lästerungen, die wurden ihnen vorgehalten. Darum blickt auf zu deinem Herrn und lerne von ihm den himmlischen Blick in irdischer Trübsal: „Herr, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.“

3. Sein tröstlicher Mund.

„Fürchte nichts, was du auch leiden wirst!“ So ruft er seiner Gemeinde zu. Das ist freilich eine seltsame Art, zu trösten. Wir erwarten viel eher, dass er die Verzagten aufrichten würde, indem er ihnen ein baldiges Ende der Verfolgung in Aussicht stellt: Seid getrost! Eure Lage wird sich in Kürze ändern. Ihr kommt heraus aus eurer Trübsal, und Armut. Heile, heile Segen, drei Tage Regen, tut nicht mehr weh. So denken wir. Stattdessen kündigt der Herr neue Leiden und Verfolgungen. Du wirst leiden! So steht es da. Es steht nicht da, was wir in solcher Lage zu sagen pflegen: Du musst das nicht so schwer nehmen; es geht vorüber, es ist halb so schlimm. Jesus Christus hält nichts von solchen Redensarten. Sein Trost ist kein billiger Trost. Du wirst leiden – trotzdem: Fürchte nichts! Lasst uns auf die dreifache Begründung achten:

  • ŒAlles, was du leiden wirst, kommt nicht von ungefähr, sondern geht an den Augen des Herrn vorüber. Schon die Tatsache, dass Er selbst das Leiden ankündigt, zeigt an, dass keine Katastrophe über die Gemeinde hereinbricht, wie eine Lawine, die auf ein Gebirgsdorf niedergeht. Durchschaut ist der Feind in Smyrna. Dadurch verliert das Leiden den Charakter des Unheimlichen, Unberechenbaren. Ein bitterer Stachel ist ausgebrochen.
  • Zeit und Maß des Leidens ist von Jesus Christus bestimmt und genau befristet. „Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen.“ Nicht alle, etliche! Genau so viele, als ihm der Herr erlaubt, und keine andern, als er will und des Martyriums für würdig erachtet. „Und ihr werdet Trübsal haben, zehn Tage.“ Die Zahl ist sicher nicht buchstäblich zu verstehen. Wie kurz oder lang diese Zeit der Trübsal währen mag, entscheidend ist, sie ist genau abgemessen, vom Herrn selbst befristet. Wer leiden muss, hat meist das Gefühl: Ich bin in einem dunklen Tunnel, der nicht enden will. Welch ein Trost, zu wissen: ehe uns die Hand des Herrn in diesen Tunnel hineinführt, hat er die Länge des Tunnels schon bestimmt und den rettenden Ausgang freigelegt. Der Teufel kann nicht wie er will. Er ist seit der Auferstehung Christi wie ein Hund an die Kette gelegt. Und wenn einer sagt: Bei mir gehts schon 30 Jahre, so sagt er: zehn Tage. Und einer sagt, ich leide schon Monate darunter, er sagt: zehn Tage. Und einer meint, bei mir hat überhaupt kein Ende. Er sagt: zehn Tage. Er setzt das Maß ihres Leidens. So tröstet er.
  • ŽDas Leiden ist nicht sinnlos. Es geschieht, „auf dass ihr versucht werdet.“ Eine gnädige Absicht Christi steht dahinter. Der Teufel will das Werk des Herrn zerstören, die Gemeinde vom Glauben reißen. Aber in seinem Toben muss er das Werkzeug dessen sein, der stärker ist. In überlegener Weise benützt Jesus Christus den Angriff, um seine Kirche zu versuchen, das heißt: zu erproben. Er gibt ihr Gelegenheit, ihre Treue zu bewähren. Wenn wir bedenken, wie viel unechtes, verwaschenes, kraft- und salzloses Christentum es heute gibt, begreifen wir, dass es zuweilen des Feuers der Verfolgung und der Glut der Trübsal bedarf, um das Gold von den Schlacken zu scheiden.

Und nun folgt jene tröstliche Verheißung von dem, der tot war und ist lebendig geworden: „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“ Ja, Treue begehrt der Herr: Treue im Glauben und Bekennen, Treue im Lieben und Dienen, Treue im Hoffen und Harren, auch unterm Leiden, Treue bis an den Tod, auch wenn es das Leben gelten sollte über der Nachfolge Christi. Denn nur „wer bis ans Ende beharrt, der wird selig.“ Dieser Treue verheißt er die Krone.

Es gibt 4 Kronen für den Christen. Die erste ist die Gnadenkrone, davon sagt Psalm 103. . . . der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit.“ Die zweite ist die Krone der Gerechtigkeit, die Paulus bekommt (2. Tim 4,8) Die dritte ist die Dornenkrone des Leidens Christi, welche der Jünger seinem Herrn nachzutragen hat. Die vierte ist die Krone des Lebens, die der Herr geben wird denen, die Treue gehalten haben. Aus der Gnadenkrone sprießt die Krone der Gerechtigkeit, daraus wächst die Dornenkrone, aus der Dornenkrone erblüht die Krone des Lebens.

Bezzel sagt: „Halte aus, halte das Gelübde, das du mir gegeben hast bis zu dem Momente, wo ich dich auf die Probe stelle, indem ich dir alles nehme, alles von dir wenden muss und du gar aus sein sollst.“ Treue und Tod, das sind die beiden Gegensätze und Pflichten, die dem Christen erwachsen. Des Christen Pflicht ist Sterben; aber seine Pflicht ist zugleich leben und Lebenstreue üben. „Indem ich sterbe, bleibe ich treu und weil ich treu bin, darum sterbe ich.“ Er nimmt von uns alles, alles und spricht: „Ich will dir den Kranz des Lebens geben.“

4. Die tröstende Hand

Endlich aber: „Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem andern Tode.“ Jesus redet zu Christen als zu Überwindern; denn sie stehen im Kampf. Vom Überwinden hängt aber alles ab.

Wir haben nur die Wahl: Entweder Überwinder mit Palmen in den Händen, oder überwundene Sklaven mit Ketten an den Händen. Jesus will in dir Sieger bleiben, wenn du nur Ihm die Treue hältst. Das aber ist die Treue, wenn man an den Kreuzweg der Entscheidung kommt, dass man sich für ihn und nicht gegen ihn entscheidet; dass man lieber alles verlieren will, um nur ihn zu behalten.

Vor einiger Zeit habe ich mit meinem Herrn Jesus geredet und er fragte mich: Thomas, wärst du bereit, wenn ich dich einsam in ein anderes fernes Land schicken würde? Ich sagte: Ja Herr, auch wenn es mir schwerfallen würde. Wenn du mich woanders besser gebrauchen kannst, dann bin ich bereit. Dann fragte er weiter. Thomas, wärst du bereit, wenn ich dir deine Frau oder Kinder nehmen würde. Ich sagte. Herr, auch wenn die Tränenströme dann fließen würden, wäre ich bereit dir auch darin nachzufolgen. Dann kam die 3. Frage. Thomas, wärst du auch bereit mir nachzufolgen, wenn ich dir deine Gesundheit, deine Sportlichkeit, deine Sexualität, deine Sehfähigkeit,… nehmen würde? Ich antwortete: Herr, das wäre alles sehr bitter, aber wenn du mich dann besser gebrauchen könntest, wäre ich auch dazu bereit. Dann kam die letzte Frage. Thomas, wärst du auch bereit, auf mich ganz zu verzichten? Das sank ich zum Boden nieder und flehte: Herr nur das nicht, ohne dich kann und will ich nicht leben, nimm mir, was du willst, aber dich brauche ich zum Leben und zum Sterben! Dich kann ich nicht lassen!

Diesen Überwindern verheißt er, dass ihnen kein Leid widerfahren soll von dem zweiten Tode. Meine Lieben, es ist stimmt nicht, was sich so viele einbilden, als ob jeder nach dem Sterben in den Himmel kommen würde. Es ist dies eine der größten Lügen. Jesus sagt es anders: Es gibt einen „zweiten Tod,“ und das ist der ewige Tod, gleichwie es das ewige Leben gibt. Das ist eine der klarsten Wahrheiten, die durch alle Evangelien und durch alle Episteln geht. Jesus ist gekommen, die Seelen der Menschen zu retten. Nur wer Christus ergreift, wird vom zweiten Tode errettet und wird das ewige Leben haben. Ohne Jesus ist Sterben der größte Verlust; denn es führt in den zweiten Tod, in die ewige Verdammnis. Deswegen predigen und rufen wir allen zu: Eile und errette deine Seele; wir bitten eile um Christi willen: „Lasset euch versöhnen mit Gott.“

Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist der Gemeinde sagt. Darum, meine Lieben, Christus allein ist unser himmlischer Trost in teuflischer Trübsal. Sein tröstlicher Name, sein Auge, sein Mund, seine Hand – sie geben uns allein die Gewissheit, dass, wenn wir nur ihn ergreifen, wir auch mit ihm und in ihm geborgen sein sollen im Leben und im Sterben, in Zeit und Ewigkeit.

Amen

Prädikant und Religionspädagoge Thomas Karker, Evangelische Kirchengemeinde Apenburg, 14.5.2023

Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 16. Juni 2023 um 11:08 und abgelegt unter Predigten / Andachten.