Gemeindenetzwerk

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Umgang mit nicht-kooperativen Ehepartnern

Montag 30. Dezember 2013 von Ruth Heil


Ruth Heil

‚ÄěUnsere K√ľche ist veraltet, unver√§ndert seit Mutters Tod. Ich lebe darin wie die Generation vor mir. Wie oft habe ich meinen Mann angebettelt, dass wir sie erneuern. Es liegt nicht am Geld. Es ist vielmehr das Prinzip meines Mannes, dass nichts erneuert wird, das noch funktionsf√§hig ist. Wir k√∂nnen √ľber dieses Thema nicht sprechen. Sobald ich es anschneide, rastet er aus.‚Äú Warum geht mein Partner nicht auf W√ľnsche ein? Wieso blockiert er jedes Gespr√§ch, bei dem ich Kl√§rung w√ľnsche? Warum regt er sich auf, wenn ich Vorschl√§ge mache? Wieso will er immer genau das Gegenteil von dem, was ich w√ľnsche?

„Da lie√ü Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen (1.Mose 2,21)‚Ķ und Gott baute eine Frau und brachte sie zu ihm (1. Mose 2,22b)“. Das Ergebnis waren zwei Menschen, beide perfekt und vollkommen, aber vollkommen anders! Diese f√ľhrt Gott zueinander als Bereicherung, als Freude, als gleichwertige Partner, als Erg√§nzung! Miteinander sollten sie eine Einheit, ein Ganzes bilden. Das ist bis heute von Gott her nicht anders gedacht. Doch wir leben nicht mehr im Paradies, sondern in einer gefallenen Welt. Schon im Mutterleib bekommen wir Eindr√ľcke mit. Zur einzigartigen DNA kommen alle Pr√§gungen dazu, die wir aus Verhalten, Worten, Taten der Umwelt – und speziell aus unserer Ursprungsfamilie – automatisch aufnehmen und lernen.

Dieses komplizierte Etwas tritt uns im Alltag mit unserem Ehepartner entgegen. Zur Anfangszeit stand die Faszination des Andersseins im Vordergrund der Beziehung – das Gef√ľhl, angenommen, bewundert und geliebt zu werden. Im Lauf der Jahre aber macht sich der Eindruck breit, vom anderen manipuliert, nicht ernst genommen, unterdr√ľckt, gedem√ľtigt, falsch verstanden zu werden.

Dabei spielen h√§ufig fr√ľhere Erfahrungen mit, die – bewusst oder unbewusst – Vorsichts- oder Abwehrma√ünahmen ausl√∂sen: Schweigen oder Ausrasten, je nach Temperament. Schweigen ist eine Entscheidung, w√§hrend man ausrastet, weil man die Kontrolle verliert.

Was ich aus dem Mund der Männer höre (manchmal auch von Frauen):

Ich habe Angst davor, von ihm/ihr √ľberfahren zu werden.

Sie/er gibt mir keine Zeit, dar√ľber nachzudenken.

Sie/er ist viel wortgewandter als ich. Mir fehlen die passenden Antworten. Also blockiere ich zunächst alles.

–¬†Wenn sie weint, erinnert es mich an meine Mutter, die mich mit Tr√§nen immer unter Druck setzte.

–¬†Wenn ich schweige, will ich sie/ihn nicht verletzen. Ich bin nur √ľberfordert und wei√ü nicht, was ich sagen soll.¬†¬†–¬† Ich wei√ü oftmals nicht einmal, was er/ sie will.

–¬†Manchmal h√∂re ich bewusst nicht hin, weil es nur endlose Diskussionen gibt.

–¬†Wenn meine Frau/mein Mann meint, wir sollten √ľber etwas reden, endet es gew√∂hnlich in einem Durcheinander von Gef√ľhlen und Streit. Zum Schluss verstehe ich gar nichts mehr, und es ist schlimmer als zuvor.

–¬†Ich habe Angst vor seinen/ihren Emotionen. Deshalb lasse ich es erst gar nicht zu einem Gespr√§ch kommen.

Nicht kooperative Partner sind oft Menschen, die hilflos sind. Manchmal verbergen sich dahinter Unsicherheit und √Ąngste. Was kann helfen?

Die Familiengeschichte des Partners kennenlernen

Reden Sie √ľber Ihre Familiengeschichte! Das muss nicht auf einmal sein. Wenn Ihnen etwas einf√§llt, erz√§hlen Sie es. Berichten Sie von Ferienerlebnissen, √ľber das, was Sie erfreut hat. Sprechen Sie √ľber das, was schwer war. Sagen Sie, wer Sie in Ihrer Teenagerzeit verstanden hat. Fragen Sie nach, wie der Partner es erlebt hat. Sprechen Sie Verstehen aus, wo er gelitten hat. Lachen Sie mit ihm, wenn etwas komisch war f√ľr ihn. Aus diesen Schilderungen kann ein Bild des Verstehens wachsen.

Vertrauen zum Partner aufbauen durch Lob

Den Partner verbal wissen lassen, dass man zu ihm steht und ihn achtet. Sagen Sie z. B.: Ich bin froh, dass Du bei mir bist. Ich bin stolz auf Dein Wissen. Du gehst sorgfältig mit den Finanzen um. Danke! Du hältst alles so gut in Ordnung!

Durch Zuwendung und Nähe

Legen Sie im Vorbeigehen die Hand auf seine/ihre Schulter. Streichen Sie √ľber die Haare. Legen Sie Ihre Hand auf die Seine/Ihre.

Durch Gebet

Das erstaunt Sie vielleicht. Aber das Reden mit Gott √ľber den Partner kann bewirken, dass neues Vertrauen w√§chst. Gott kann Ihnen dabei die Augen √∂ffnen, warum Ihr Partner so ist, wie er ist. Und wenn Sie ihn verstehen, k√∂nnen Sie besser mit seiner Eigenart umgehen und ihn besser annehmen. Wer sich angenommen f√ľhlt, verliert mit der Zeit die Angst, sich zu √∂ffnen. Bitten Sie Gott darum, dass ER Ihr Mittelpunkt wird beim Reden, H√∂ren und Tun.

Manchmal hilft entschiedenes Handeln

Nach Absprache mit einem Therapeuten ist manchmal Handeln angesagt, auch wenn das zun√§chst f√ľr den Partner wie ein √úbergriff erscheint. Trotzdem kann dieses Handeln auf Dauer besser sein als die Bitterkeit und Vorwurfshaltung, die sich zwischen beiden ausgebreitet hat, bestehen zu lassen.

Finden Sie Wege, um Freude in Ihr Leben zu streuen

Ein Musikinstrument erlernen. Musik erfreut das Herz. Sich einbringen in einem Pflegeheim, evtl. zum Vorlesen. Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zur√ľck. In einem Chor mitsingen, Menschen kennenlernen, um nicht um das ungel√∂ste Problem zu kreisen. Malen, basteln, Marmelade kochen, pflanzen, walken, etc. Leben Sie alles, was im Rahmen der M√∂glichkeiten ist, und verlieren Sie nicht Ihr Vertrauen in Gott.

Ein paar Tipps:

Lassen Sie nicht zu, dass die Schwierigkeiten zum Mittelpunkt werden!

–¬† Machen Sie den Partner nicht f√ľr Ihre Lebenserf√ľllung verantwortlich!

–¬† Lassen Sie nicht zu, dass Ihre Zuneigung verloren geht!

–¬† Beten Sie!

–¬† Geben Sie negativen Gedanken keinen Raum. Das schadet Ihnen selbst!

Quelle: Familie ‚Äď Leben ‚Äď Mission live, Nr. 127, 4. Quartal 2013
Family Life Mission
77676 Kehl/Rhein

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 30. Dezember 2013 um 9:08 und abgelegt unter Ehe u. Familie.