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Eine lutherische Kirche entsteht – die Nordamerikanische Lutherische Kirche (NALC)

Mittwoch 1. August 2012 von Landesbischof i. R. Heinrich Herrmanns


Landesbischof i. R. Heinrich Herrmanns

Eine lutherische Kirche entsteht –
die Nordamerikanische Lutherische Kirche (NALC)

Was treibt Christen in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts dazu, sich um zentrale biblische, reformatorische Inhalte des christlichen Glaubens zu sammeln? Enorme Anstrengungen sind nötig, geistliche und theologische KlĂ€rungen neu zu erarbeiten, Fehlentwicklungen, die langsam und dann immer stĂ€rker in einer Kirche um sich greifen, zu beschreiben und sich davon biblisch fundiert abzugrenzen. Ein massiver Leidensdruck lag auf jenen, die den Weg der Anpassung an gesellschaftliche Entwicklungen nicht mitgehen konnten und aus einer Überzeugung der Treue nicht mitgehen wollten. In der Evangelischen Lutherischen Kirche in Amerika (ELCA), die vor gut 30 Jahren als ein Zusammenschluss verschiedener Einwandererkirchen aus Europa entstanden war, hatten sich in der Synode und unter der Pfarrerschaft, auch unter den Bischöfen, eine Mehrheit gebildet, die zu einer verbindlichen Schriftauslegung auf Abstand ging. Es hatten sich Mehrheiten gebildet, die nicht mehr zu einer Umkehr, einer Buße im Sinne von „metanoia ( Sinneswandel )“ bereit waren.

Ein Teil der lutherischen Christen innerhalb der ELCA versuchte aus ihrer Treuebeziehung zu der Heiligen Schrift und den Bekenntnissen heraus, die Entwicklung aufzuhalten. Es bildeten sich vereinzelt ZusammenschlĂŒsse von Gemeindegliedern, Pastoren, Theologieprofessoren und ganzen Kirchengemeinden, um sich untereinander zu stĂ€rken und zu trösten. Andererseits verfolgte man intensiv das GesprĂ€ch, das bekennende Eintreten fĂŒr die Grundlagen der Kirche, wie sie in der Verfassung niedergelegt sind.

Diese bekennenden Christen, wie sie sich manchmal bezeichnen, bekennen sich zur Geltung der Heiligen Schrift, zu den altkirchlichen Bekenntnissen und den Grundeinsichten der Reformation. Diese Glaubenserkenntnisse wollten und wollen sie fĂŒr sich und ihre Nachkommen unbeschĂ€digt und unverfĂ€lscht bewahren und weitergeben.

Der Auftrag Jesu, des Auferstandenen, zur VerkĂŒndigung des Evangeliums in der NĂ€he und weltweit, fußt auf einer klaren Ansage der großen Taten Gottes zur Erlösung von Menschen fĂŒr Zeit und Ewigkeit.

Etwa die Versöhnungstat Jesu am Kreuz, das „FĂŒr euch“ von Kreuz und Auferstehung, war in der ELCA zunehmend umstritten, teils auch rundweg abgelehnt. Das erstreckt sich auch auf die Glaubenseinsicht der Dreieinigkeit Gottes und wesentliche Aussagen der altkirchlichen Bekenntnisse. Gotteslehre und Christologie und die daraus folgenden Konsequenzen fĂŒr die Sakramente und die Beichte waren das eine umstrittene Feld. Das andere war und ist die Ethik, die biblische Anthropologie im VerstĂ€ndnis des Menschen. Was gibt Gott als Leitlinien vor fĂŒr die Frömmigkeit in den ersten drei Geboten, was gibt er zur ernsthaften Beachtung vor fĂŒr den Zusammenhalt der Generationen, die eheliche Treue und StabilitĂ€t. Diese Gebote haben sich im sĂ€kularen Umfeld verflĂŒchtigt zu Lebensstilfragen, die man so oder auch anders beantworten kann. Da ist weder in den USA noch in Europa aus den „liberalen“ Kirchen ein entschlossenes Auftreten gegen diese Fehlentwicklungen zu bemerken. Gleiches gilt von jenem 5. Gebot im Blick auf die erschreckenden Zahlen von abgetriebenen Kindern: Auch hier ĂŒblicherweise ein wegschauendes Schweigen.

Neben diesen wirklich tiefgreifenden, das Humanum im Sinne des Schöpfers gedacht, beschĂ€digenden Entwicklungen, wird in der ELCA (und auch anderwĂ€rts) mit Mehrheiten durchgesetzt, dass gleichgeschlechtliche Menschen christliche Gemeinden leiten und auch das Bischofsamt ausĂŒben.

In einem Beitrag „A time to rebuild“ von Eddy Perez ist zu dieser AnhĂ€ufung von innerkirchlichen Problemen zu lesen: „Heute stehen wir vor einer beispiellosen Krise in der Geschichte der ELCA. [
] Die kontroversen Entscheidungen der gesamtkirchlichen Synode beinhalten die Ablehnung von Gottes Kompass, der unser Leben als Kirche leitet. [
] Nach dieser Synode war meine Beziehung zur ELCA zerbrochen. Die Kirche, der ich einst mit Stolz diente, hat mich jetzt enttĂ€uscht. Inmitten unserer tiefen Traurigkeit, inmitten dieser spirituellen Demontage und inmitten der Dunkelheit, der wir uns gegenĂŒber sehen, sind wir froh, dass sich Gott viele berufen hat, die wie Nehemia zum Wiederaufbau (von Mauer und Tempel Jerusalems) bereit sind.

Gott hat uns zusammengefĂŒhrt in der lutherischen Erneuerung (Lutheran CORE), im Netzwerk von „Das Wort allein“, in den lutherischen Gemeinden verbunden in der Mission fĂŒr Christus (LCMC) und vielen anderen Bewegungen fĂŒr Reform und Erneuerung. [
]

Wir sind gewiss, dass wir nicht wiederaufbauen können in unserem eigenen Namen, sondern allein im Namen von Jesus Christus. Wir können das Luthertum in Nordamerika nicht gestalten aus eigener Kraft, sondern allein im Vertrauen auf die Kraft von Jesus Christus.“

Pastor Eddy Perez (frĂŒher Arzt) spricht fĂŒr die große Mehrheit der spanisch sprechenden lutherischen Gemeinden in Florida. Die Zitate aus seinem Beitrag lassen erkennen, wie breit die GrĂ€ben in der ELCA geworden sind. Wie tief EnttĂ€uschungen und ErschĂŒtterungen jene erfasst haben, die sich nun zum Handeln entschlossen haben.

Das summarische Wort aus Apostelgeschichte 2, 42: „Sie blieben bestĂ€ndig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet,“ wirkte als Zielvorstellung. Man suchte und wollte eine geistliche Heimat, in der die Heilige Schrift geachtet wird, die altkirchlichen Bekenntnisse und die der Reformation Geltung besitzen und nicht nur als Urkunden vergangener Zeiten abgetan werden.

Parallel zu dieser erneuten IdentitĂ€tsfindung lutherischer Christen verliefen die Kontakte zu den Lutherischen Kirchen in Afrika und anderwĂ€rts. Auch jene konnten BeschlĂŒsse von „liberalen Kirchen“ in Europa mit ihrem theologischen Gewissen nicht vereinbaren. Man spĂŒrt die Vorherrschaft des Relativismus in Europa und teilweise in Nordamerika. Man spĂŒrt, dass ein prinzipieller Pluralismus die Treue und das Bekenntnis zur Wahrheit in Christus angreift. Auch ein von Gott losgelöstes ToleranzverstĂ€ndnis mit der Tendenz zur Beliebigkeit zerbröckelt ein christliches VerstĂ€ndnis von HumanitĂ€t. Der Weg der „liberalen Kirchen“ nahe bei diesen postmodernen Erscheinungen und Entwicklungen irritiert lutherische Kirchen quer durch den Lutherischen Weltbund. Der Glaubensschwund, der Mitgliederschwund wird jedenfalls nicht als ein hilfreicher „Exportartikel“ betrachtet.

Es wird auch fĂŒr die Kirchen auf der SĂŒdhalbkugel der Erde, denen der Segen Gottes ein erstaunliches Wachstum oft unter großen BedrĂ€ngnissen schenkt, immer deutlicher, dass die Frage noch der Schriftauslegung von geistesgeschichtlichen KrĂ€ften bestimmt ist, die der Wahrheit in Christus nicht dienen, sondern sich ĂŒber sie erheben. Das autonome Individuum hat sich selbstherrlich in die Mitte gestellt. Wohl kann der einzelne Mensch in freier Entscheidung sich der AutoritĂ€t Gottes unterstellen, seinem Anspruch auf sein Geschöpf und seiner Gnadengabe im Kreuz Christi, die zur Rettung in Ewigkeit dient. Jedoch dieser Glaube bestimmt nicht die Mehrheiten in Europa. Die Christen in anderen Teilen der Christenheit beobachten dies ebenso wie in den evangelischen Denominationen Nordamerikas. Sie fragen direkter nach der Substanz in den „liberalen Kirchen“, nach ihrer geistlichen Frucht in Verehrung und Dank gegen Gott. Uns in Europa und in einem Teil Nordamerikas sind die geistesgeschichtlichen HintergrĂŒnde gelĂ€ufig. Es wird aber einsehbar, warum sich so schnell und so vertrauensvoll das Einvernehmen zwischen der neugegrĂŒndeten NALC und etlichen afrikanischen lutherischen Kirchen einstellte.

Keine finanzielle AbhĂ€ngigkeit, sondern Vertrauen und Konsens waren die Basis fĂŒr die Verbundenheit. Es braucht letztendlich Klarheit in dem, was gilt, was falsch oder richtig ist, was „gute Lehre“ (1 Tim 4,6) ist oder Irrlehre.

Dazu hat der Apostel Paulus sehr deutlich gewarnt: „Ich ermahne euch aber, liebe BrĂŒder, dass ihr euch in acht nehmt vor denen, die Zwietracht und Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und euch von ihnen abwendet. [
] ich will aber, dass ihr weise seid zum Guten, aber geschieden vom Bösen.“ (Röm 16,17-19).

So war beispielsweise in einem Text zu lesen, dass in etlichen Gemeinden und Teilsynoden der ElCA etwa die Gottesanrede „Vater unser im Himmel“ verĂ€ndert wurde in „unsere Mutter, die du in uns bist“. Sind dies beliebige Variationen oder steht eine lutherische Gemeinde vor der verbindlichen Verpflichtung gegenĂŒber dem Wortlaut, wie Jesus seine JĂŒnger gelehrt hat zu beten. Falsch oder richtig? Wer bestimmt? ZĂ€hlen die Argumente der Relativierung, wird gar der Bauchaufschwung zur gerne zitierten „Freiheit“ gewĂ€hlt, oder gibt es eine AutoritĂ€t, die begrĂŒndet „allein die Schrift“ sagt, das geht in einer lutherischen Gemeinde nicht.

Die erwĂ€hnte Koalition zur lutherischen Erneuerung – CORE – hatte sich schon in den vorhergehenden Jahren um Bekenntnisaussagen geschart, die den fragenden Gemeindegliedern sagen sollten, worum es geht. Den bewussten Lutheranern sollte in aller Knappheit die Mitte des christlichen Glaubens vor Augen gestellt werden, zum Trost und zur Vergewisserung.

Sieben SĂ€ulen werden beschrieben. Sie tragen die Überschriften:

1. Der Herr Jesus Christus

2. Das Evangelium von der Erlösung

3. Die AutoritÀt der Schrift

4. Gemeinsames Glaubensbekenntnis

5. Das Priestertum aller GlÀubigen

6. Ehe und Familie

7. Mission und Amt der Gemeinde

Diese sieben Artikel, in wenigen SĂ€tzen ausgefĂŒhrt, wurden spĂ€ter zu einer Profilbeschreibung der Kirche –NALC komprimiert. Sie versteht sich als:

– Christuszentriert

– Zur Mission angespornt

– In der Tradition gegrĂŒndet

– Auf die Gemeinde konzentriert

Mit diesem Profil lĂ€dt die Kirche ein und wirkt hinein in die Gesellschaft vor Ort und weltweit. So war auch bei der EinfĂŒhrung und Segnung des ersten Bischofs Paul Spring unter den Segnenden ein Bischof der Lutherischen Kirche in Tanzania.

Hier nun einige AuszĂŒge aus einem Vortrag von Larry Vogel im Vorlauf zur GrĂŒndungssynode der NALC, um die AbwĂ€gungen mit zu vollziehen. Es stellt fest: „Es ist schwer zu verstehen, was das Wort ‚Lutherisch‘ bedeutet, wenn man radikal auseinanderliegende VerstĂ€ndnisse feststellt zwischen denen, die den gleichen Begriff gebrauchen. Mehr noch, wenn man einen Begriff nicht klar definieren kann, verliert er seine Bedeutung, und in diesem Fall sollten wir nicht ĂŒberrascht sein, wenn eine bedeutende Anzahl von Leuten beschließt, sofern ‚Lutherisch‘ nicht viel bedeutet, unsere Kirchen aufzugeben, oder nach einer anderen Kirche zu suchen, die weiß, worum es geht. Recht gebraucht sind kirchliche Statistiken ziemlich wichtig, und Verluste von Mitgliedern in der ELCA und der LCMS in den letzten Jahrzehnten deuten ein IdentitĂ€tsproblem an von einer erheblichen GrĂ¶ĂŸenordnung. [
]

So sollten wir nicht ĂŒberrascht sein vom Wachstum des sogenannten ‚Nicht-Denominationilismus‘ unter Christen. Wenn die Kirchen mit Namen nicht mehr wissen, was ihre Namen bedeuten, werden die ‚namenlosen‘ Kirchen zunehmen. [
]

Etwas Schlimmeres freilich geschieht als Sektierertum in der Folge unserer Krise der lutherischen IdentitĂ€t. Wenn nĂ€mlich jemand in einer Kirche großgeworden ist und erkennt, dass die Kirche ihre IdentitĂ€t verloren hat, wird sie oder er versucht sein festzustellen, dass die Christenheit insgesamt ziemlich bedeutungslos ist. Denn, was diese Person von der Christenheit (dem christlichen Glauben) weiß, hat sie in einer spezifischen Kirche gelernt. So gilt von jeder einzelnen Person, die unsere Kirchen (luth.) verlĂ€sst, um sich einer anderen Denomination anzuschließen, dass es andere Personen gibt, die die Kirche verlassen und nie mehr zurĂŒckkommen.“

Woher kann Besserung kommen? Diese wird in sorgfĂ€ltiger Katechese in Kinder- und Jugendarbeit gesehen. Ebenso in intensiver Beheimatung der Gemeindeglieder im Gottesdienst, in den GrundzĂŒgen der Heiligen Schrift, den altkirchlichen Bekenntnissen und dem Kleinen Katechismus. Vertiefung und Befestigung im Glauben steht obenan – also JĂŒngerschaft heute. – Auch in diesem Vortrag des lutherischen Theologen Larry Vogel leuchtet das Profil hindurch: Christuszentriert, missionarisch engagiert, in der Tradition gegrĂŒndet und auf die Gemeinde konzentriert.

Inmitten der Krisenzeiten der ELCA bereiteten bekenntnistreue Gemeindeglieder, Pastoren und Theologieprofessoren die GrĂŒndung einer Kirche vor, die nicht nur „lutherisch“ heißt, sondern aus ihren Grundlagen sichtbar und nachvollziehbar lebt. Im August 2010 versammelten sich ca. 1100 lutherische Christen zur GrĂŒndungssynode der Nordamerikanischen Lutherischen Kirche – NALC. Eine vorlĂ€ufige Verfassung lag vor und NamensvorschlĂ€ge zur Besetzung der ersten Leitungsaufgaben. Die theologischen Grundlagen waren vorbereitet und in einer Vielzahl von Konferenzen dargelegt und diskutiert worden.

Inzwischen, nach einem Jahr (September 2011), haben sich ĂŒber 280 Kirchengemeinden der NALC angeschlossen. Diese zĂ€hlen rund 100 000 Mitglieder. Weitere Kirchengemeinden werden erwartet. Dazu werden neue, wohlfundierte Gemeinden gegrĂŒndet, welche die NALC als ihre geistliche Heimat aufsuchen.

Nicht bekannt sind die lutherischen Familien und Einzelpersonen, die den Übertritt vollzogen haben, da ihre Gemeinde in der ELCA verblieben ist.

Das Verfahren fĂŒr den Übertritt einer ELCA Gemeinde zur NALC vollzieht sich in zwei Gemeindeversammlungen. Im Abstand von 90 Tagen mĂŒssen jeweils zwei Drittel der Gemeindeglieder fĂŒr den Übertritt votieren, ebenso braucht es die Zustimmung des Kirchenvorstands. Der zustĂ€ndige Bischof muss zu einer Konsultation eingeladen werden.

Die starke Abwanderung von Gemeinden und auch einzelnen bekenntnistreuen Christen hat die ELCA wohl ĂŒberrascht. Inzwischen sind weitreichende VerfassungsĂ€nderungen geplant, um Übertritte von Gemeinden massiv zu erschweren.

Einzelne Gemeinden haben sich auch der Lutherischen Kirche der Missonri-Synode angeschlossen.

Andere traten der Gemeinschaft von lutherischen Gemeinden bei, die unter dem Dach „Lutherische Kirche in der Mission fĂŒr Christus – LCMC“ kooperieren. Diese Gemeinschaft (zur Zeit ca. 310 000 Mitglieder) hat sich nicht im vollen Sinne als Kirche (Churchbody) konstituiert, sondern sucht aus der Zusammenarbeit die KrĂ€fte zu bĂŒndeln, um dem Missionsauftrag des Auferstandenen zu dienen.

Das sind alles Anzeichen fĂŒr den großen Leidensdruck der betroffenen Christen einerseits und demgegenĂŒber scharfe gesetzliche Maßnahmen der ELCA, die scheinbar den Weg der Buße nicht findet.

Im Bericht von der Synode der ELCA (August 2011) von Bischof Hanson war zu lesen, dass die Zahl der Mitglieder stark abgenommen hat, ebenfalls die Zahl der Gemeinden und das Aufkommen der Spenden fĂŒr die Aufgaben der Kirche und der Mission. Seit ihrer GrĂŒndung vor 23 Jahren verließen rund eine Million lutherischer Christen die Kirche. Der derzeitige Stand sind 4,275 Mio. Gemeindeglieder. Die offensichtlichen Krisensignale werden an den Rand gedrĂ€ngt, auch die zwar kleinen, aber doch begrĂŒndeten Warnlichter von NALC und LCMC.

Mein Ordinationswort 1 Kor 4,1-2 kommt mir in den Sinn: “DafĂŒr halte uns jedermann: fĂŒr Diener Christi und Haushalter ĂŒber Gottes Geheimnisse. Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie fĂŒr treu befunden werden.“ Ein maßstĂ€bliches Wort, das quer durch die lutherische Konfessionsfamilie und darĂŒber hinaus Geltung sucht, ja fordert.

Erstaunt blicken wir ĂŒber den Atlantik und sehen dort bibel- und bekenntnistreue Christen. Sie nehmen zum Teil ein sehr hohes Risiko auf sich, persönliche Nachteile bei den Pastoren und entscheiden doch mit einem großen Mut und Christusvertrauen. Eine anrĂŒhrende Begeisterung ist oft in den Texten zu spĂŒren, eine Direktheit im Bekennen, die im europĂ€ischen Klima ganz leise geworden ist.

Es geht um GlaubensidentitĂ€t aus Schrift und Reformation nicht nur fĂŒr sich, sondern auch fĂŒr die nachfolgenden Generationen, IdentitĂ€t im Wirrwarr der Postmoderne.

Der Zuruf des Apostels Paulus „Stellt euch nicht dieser Welt gleich“, oder jene andere Unterscheidung Jesu „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, wird weithin ĂŒberhört. Man steht darĂŒber. „Liberale“ Kirchen in Europa oder auch in Nordamerika beugen sich eher unter staatliche, rechtliche Vorgaben.

Es könnte jedenfalls heilsam sein, die NALC auf ihrem Weg zu verfolgen. Zuweilen könnte es tröstlich sein, was Gott fĂŒr Signale in der Christenheit sendet, und ein Grund fĂŒr AufbrĂŒche und die Unbegreiflichkeiten unserer Jahre, die HĂ€nde zu falten.

Landesbischof i. R. Heinrich Herrmanns

Quelle: Diakrisis 4/2011, Institut Diakrisis, Schulstr. 1, 72810 Gomaringen (www.instistut-diakrisis.de). Bestellungen bitte an sekretariat@ikbg.net.

Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.

 

 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 1. August 2012 um 12:58 und abgelegt unter Christentum weltweit, Kirche.