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Predigt: Jesus kommt wieder – bist Du bereit?

Freitag 17. Juni 2011 von Pfr. Dr. Theo Lehmann


Pfr. Dr. Theo Lehmann

Eines ist mir klar: Keiner kennt die Zukunft – mit einer Ausnahme, und das sind wir Christen. Wir Christen sind die einzigen, die über die Zukunft Bescheid wissen, weil Jesus uns über die Zukunft Bescheid gesagt hat. Er sagt zum Beispiel in Matth. 24: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Es ist eigenartig, dass Er ausgerechnet die Worte nennt, die unvergänglich sind. Denn das Wort ist ja nun das Vergänglichste, was es überhaupt gibt. Das ist gesprochener Lufthauch, und dann ist es weg. Überlegt einmal, wie viele Wörter an einem Tag geredet, gequasselt, gequatscht, gesendet, gedruckt werden – es ist unglaublich. Und das alles wird eines Tages zu Ende sein. Und alles, was an gedruckten Worten in den Bibliotheken der Welt gesammelt wird an Weisheiten und Erkenntnissen der Menschheit geht alles den Bach hinunter. Nur die Worte von Jesus – „meine Worte“, sagt er – bleiben.

Er sagt: „Himmel und Erde werden vergehen.“ Und das heißt: Eines Tages ist der letzte Tag. Eines Tages ist Schluss. Eines Tages ist die Welt zu Ende. Jesus nennt einige Anzeichen, an denen die Nähe des Endes erkennbar wird. Zum Beispiel: Es werden Leute auftreten, die von sich behaupten, dass sie Christus wären. Es wird Kriege geben. Es wird Revolutionen geben. Ein Volk wird gegen das andere auftreten. Es wird Erdbeben geben, es wird Hungersnöte geben. Es wird eine große Christenverfolgung geben: „Ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen!“ (Matth. 24,9). Der Unglaube wird überhand nehmen. Die Liebe wird in vielen erkalten. Es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich bei allen Völkern. Und so lesen wir im Lukas-Evangelium: „Es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange sein, und sie werden verzagen, und das Meer und die Wasserwogen werden brausen, und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die da kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ (Luk. 21,25 – 28).

Nun hat es ja schon zu allen Zeiten Hungersnöte, Kriege und Erdbeben und so etwas gegeben. Aber noch nie sind diese Erscheinungen, die da genannt werden, in dieser Vielzahl und Massivität gleichzeitig aufgetreten. Die Sammlung des Volkes Israel nach 2000 Jahren Zerstreuung ist ja eines der deutlichsten Zeichen unserer Zeit.

Es geht mir jetzt nicht um die Vorzeichen und auch nicht um die Reihenfolge, wie das alles ablaufen wird. Das weiß ich selber auch nicht. Es geht um das Ereignis, worauf die Anzeichen hindeuten, nämlich auf die Wiederkunft Jesu. Denn das sagt Jesus ganz klar, er kommt wieder. Das hat er immer wieder gesagt. Aber er ist immer wieder gefragt worden: „Wann wird das sein?“ Seine Antwort im Matthäus-Evangelium lautet: „Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch nicht der Sohn, sondern allein der Vater.“ (Matth. 24, 36). Also zum Beispiel auch nicht die Zeugen Jehovas. Die haben den Weltuntergang angekündigt erst für 1874, dann für 1914, dann 1918, dann 1925, dann 1975. Der nächste Termin, der ansteht, ist das Jahr 2034. Und nicht nur die Zeugen Jehovas haben sich so etwas erlaubt. Es hat auch noch andere Leute gegeben. In den 80er Jahren hat in Amerika ein Prediger ein Buch geschrieben: „88 Gründe für die Wiederkunft Jesu Christi im September 1988“. Boshafterweise drehte die Welt sich weiter, nichts passierte. Er schob es auf einen Rechenfehler und schrieb sein zweites Buch, nämlich: „89 Gründe für die Wiederkunft Jesu im September 1989“. Immerhin sind davon 4 Millionen Exemplare verkauft worden. Es lässt sich in mancher Hütte recht gut leben, wenn man solchen Unsinn in die Welt setzt.

Also mach dir jetzt mal keinen Kopf drüber, wann Jesus kommt, und lass dich nicht kopfscheu machen von Leuten, die die Bibel mit dem Rechenschieber lesen. Sondern überleg lieber einmal, wie du vor ihm bestehen kannst, wenn du vor ihm stehen wirst. Jetzt kann sich ja jeder Mensch noch davor drücken, aber das geht dann nicht mehr, wenn Jesus wiedergekommen ist. Die Bibel sagt: „Wir werden ihn sehen, wie er ist.“ (1.Joh.3, 2). Das ist die schönste Zusammenfassung, die es gibt für das, was uns erwartet oder was wir erwarten. Wir werden ihn sehen! Es gibt Leute, die vertrauen darauf, dass sie ihre Katze im Himmel wiedertreffen, und ich weiß nicht, wen noch alles – im Ernst! Das ist aber nicht das Thema von uns Christen – überhaupt nicht. Wir werden ihn sehen, und da wird ausdrücklich noch hinzugefügt: „… wie er ist.“ Und für die, die das nicht wahrhaben wollen, drückt es die Offenbarung noch ein bisschen deutlicher aus: „Es werden ihn sehen aller Augen und auch die, die ihn durchbohrt haben“ (Offb. 1, 7), das heißt auch die, die gegen Jesus gewesen sind. Die müssen spätestens dann der Tatsache ins Auge blicken, dass sie sich getäuscht haben, dass die Bibel nicht gelogen hat und dass die Christen nicht gesponnen haben. Wenn Jesus wiederkommt, kann sich auch niemand durch den Tod drücken, denn auch die Toten werden auferstehen. Egal, ob du am Jüngsten Tag schon längst gestorben bist oder ob du dann noch lebst: Du wirst bei dem Treffen mit Jesus auf jeden Fall dabei sein. Du wirst ihn sehen – du wirst ihn sehen müssen. Und er wird dich fragen, und du wirst ihm antworten müssen. Im Jüngsten Gericht muss jeder Mensch Rechenschaft geben über das, was er gelebt, gemacht oder auch nicht gemacht hat. Das hängt nun ganz von dir ab, wo du deine Ewigkeit verbringst. Entweder du lebst in Ewigkeit bei Gott – das ist der Himmel. Oder du lebst in Ewigkeit ohne Gott – das ist die Hölle.

Jetzt komm nun nicht mit dem Einwand, das könntest du dir alles gar nicht vorstellen: Alle Menschen auf einem Haufen beim Gericht und wie lange das nun dauern soll und so weiter. Das weiß ich auch nicht. Das kann ich mir auch nicht vorstellen. Aber du sollst dir ja die Wiederkunft Jesu auch nicht vorstellen, sondern du sollst dich darauf einstellen. Jesus hat ja nicht gesagt: „Leute, stellt euch mal vor, ich komme wieder…“ Nein – er hat gesagt: „Seid bereit. Ich komme zurück!“ (Matth. 24,44). Das kann man sich leicht merken. Seid bereit!

Also ist die Frage: Bist du bereit? Wenn du zur Kirche gehörst, dann heißt das noch lange nicht, dass du bereit bist. Deine Kirchenzugehörigkeit, deine Taufe, Konfirmation, kirchliche Trauung ist alles für die Katz, wenn da keine völlige Hingabe, kein persönlicher Glaube an Jesus dahinter steht. Deine Kirchensteuer und deine Kollekte für Brot für die Welt ist alles Geldverschwendung. Dein Bibellesen und dein Rennen in die Kirche ist die reinste Zeitverschwendung, wenn du nicht bekehrt bist. Zum Bereitsein gehört zweierlei: 1.) eine klare Bekehrung und 2.) eine praktische Bewährung.

Bekehrung ist, wenn du dich trennst von deiner Sünde und dich Jesus anschließt und nach ihm lebst. Bewährung ist, wenn du das, was du glaubst und bekennst, auch tust. Das nennt die Bibel Heiligung. Christsein ohne Bekehrung ist Nonsens, und Bekehrung ohne Bewährung ist auch Nonsens. Bereitsein – das ist alles. Und deshalb sagt Jesus hier: „Seid bereit.“

Leute, stellt euch vor, wenn wir an jedem Tag so leben würden, als wäre es der letzte Tag vor dem letzten Tag, also der vorletzte Tag der Weltgeschichte. Was würde das für eine Veränderung geben in dieser Welt! Wie sich schnell noch Menschen vergeben würden, zum Beispiel Ehepaare, verkrachte Familien und so weiter. Welche Veränderung würde da stattfinden! Und um diese Veränderung geht es. Jesus will dir doch nicht Angst machen vor dem Jüngsten Tag. Er will dir Mut machen für den heutigen Tag. Lebe du heute so, dass du morgen vor deinem Herrn erscheinen kannst. Und dann lebst du frei. Dann lebst du gut, dann lebst du richtig, dann hast du das wahre, dann hast du das ewige Leben. Es geht Jesus ja gar nicht um eine Vertröstung auf ein Jenseits, sondern um eine Veränderung des Diesseits. Und deswegen sagt er: „Seid bereit!“

Ihr braucht euch nun gar nicht zu fragen: „Warum werden wir hier agitiert mit Bereitsein? Wir haben das doch längst alles in der Tagung gehört und kapiert. Und wir sind ja auch nicht irgendwer. Wir sind so eine Art Elite-Christenversammlung. Wir kennen schon den Plan Gottes mit Israel und solche Dinge mehr. Warum erzählst du uns so etwas?“ Ich vermute, dass Jesus diesen Einwand schon vorausberechnet hat. Vielleicht hat er seinen Hörern diesen Einwand: „Warum erzählst du uns so etwas?“ bereits an der Stirn abgelesen. Denn wenn ihr in Matthäus genau hineinschaut, werdet ihr sehen, dass da nicht steht (so wie ich es bisher zitiert habe): „Seid bereit“, sondern da steht: „Seid auch ihr bereit!“ Ausdrücklich sagt Jesus zu seinen frommen Hörern: „Auch ihr!“ Also auch ihr Theologen, die alles wissen, unterbelichtete Gemeindeglieder, bekehrte Namenschristen, alles, was es so gibt. Wir können uns ja jetzt noch selber und den anderen noch etwas vormachen. Aber wenn Jesus kommt, dann kommt auch die große Scheidung  der Entschiedenen und der Unentschiedenen. Dann ist es eben zu spät für Reue und Korrektur. Es gibt eben auch ein zu Spät.

Aber heute nicht. Heute sagt dir Jesus klipp und klar, worauf es ankommt und was du zu erwarten hast. Es kommt darauf an, dass du mit Jesus gehst, denn sonst vergehst du im Feuer des Gerichts: „Die Welt wird durch Feuer zerstört werden. Das geschieht an dem Tage des Gerichts, an dem die Menschen, die Gott nicht gehorcht haben, verdammt werden.“ (2.Petr. 3,7).

Nun weiß ich natürlich, dass heute viele, wenn sie so etwas hören, denken oder sagen: „Das ganze Gerede von Gericht und Wiederkunft und Verdammnis und Hölle und Vergehen der Welt im Feuer sind Schauermärchen aus der mittelalterlichen Mottenkiste! Das ist doch religiös verbrämte Science fiction! Das ist Angstmacherei! Das ist frommer Seelenterror! Veraltetes Weltbild! Das kannst du deinen alten Ossi-Omas in der Hinterlausitz erzählen, aber doch nicht modernen Menschen. Das kann ein moderner Mensch doch alles gar nicht mehr Ernst nehmen.“ 

So modern ist diese Reaktion nun gerade auch nicht. Genau diese Reaktion hat Jesus vorausgesehen. Denn als er gefragt wurde: „Was wird denn nun das Zeichen des Endes sein und von deinem Kommen und vom Ende der Welt?“, da hat er geantwortet: „Wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohnes. Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut – sie aßen, sie heirateten und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging; und sie achteten nicht darauf, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin -, so wird auch sein das Kommen des Menschensohnes.“ (Matth. 24,37- 39).

Damals ließ Gott die Menschen also durch den Noah warnen. Aber, so heißt es hier, die Menschen achteten nicht darauf. Noah ging also zu seinen Freunden und sagte: „Freunde, ich muß euch was erzählen. Hört mal alle her!“ Da sagten sie zu ihm: „He, hast du einen neuen Witz auf Lager? Lass mal hören!“ – „Nein, kein Witz. Es ist eine ernste Sache: Das Gericht kommt!“ – Erst peinliches Schweigen, dann höhnisches Gelächter. Alle Freunde sagen: „Noah, das ist wirklich ein guter Witz. Wir haben dich alle herzlich gerne. Du bist ein guter Kumpel. Aber mit dem Quatsch lass uns mal in Ruhe. Das kannst du deinen alten Frauen in der Bibelstunde und verschone uns mal mit solchen Scherzen!“ Sie achteten nicht darauf.  

Noah geht zu seinen Kollegen im Betrieb. Er bittet ums Wort bei der Betriebsversammlung. „Das Wort hat der Kollege Noah!“ Noah sagt: „Kollegen, herhören! Ich habe eine ernste Botschaft an euch: Das Gericht kommt!“ Peinliches Schweigen. Endlich angelt einer von der Gewerkschaftsleitung nach dem Mikrofon. Nachdem er sich geräuspert hat, sagt er: „Kollege Noah, religiöse Überzeugung, das ist ja in Ordnung, die  kann ja jeder haben wie er will. Aber Religion ist Privatsache. Wir sind hier im Betrieb. Wir kümmern uns um die Wasserwirtschaft dieser Stadt. Wir müssen hier hart arbeiten. Lass uns bitte mit diesem Zeug in Ruhe. Nächster Punkt der Tagesordnung!“ Sie achteten nicht darauf.

Noah geht zu seinem Betriebsarzt: „Herr Doktor, ich muß Ihnen mal was erklären!“ Der Doktor sagt: „Na, schön, daß ich Sie mal wieder sehe. Wie geht’s denn so? Sie haben wohl wieder einmal ein bisschen zu viel getrunken, was? Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils…“ –„Nein, Herr Doktor, es geht um etwas Ernstes!“ –„Na, es wird doch wohl nicht gleich so Ernst sein, was?“ – „Nein, Herr Doktor, Sie haben mich missverstanden. Es geht nicht um mich. Es geht um Sie!“ – „Na, wieso denn?“ – „Na, das Gericht kommt!“ Da sagt der Doktor: „Herr Noah, darf ich Ihnen mal den Puls fühlen? Sie sind wohl ein bisschen überarbeitet. Soll ich Ihnen mal eine Kur verschreiben? Wassertreten und so? Das wäre vielleicht das Geeignete, dass Ihre Seele mal zur Ruhe kommt. Lassen Sie sich von der Schwester ein Rezept geben. Der nächste Patient bitte…!“ Sie achteten nicht darauf.

Noah geht zu seinem Abgeordneten, zum Pfarrer, zu den Studenten in der Universität, zu den Leuten in den Kaufhäusern. Und überall die gleiche Reaktion, überall das gleiche höhnische Gelächter: „Der glaubt noch an das Gericht! Also, gibt’s denn so was!“ Sie achteten nicht darauf. Die haben ihn überhaupt nicht beachtet. Sie haben ihn nicht Ernst genommen. Sie waren mit ganz anderen Sachen beschäftigt. Sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten. Essen, Trinken und Heiraten sind ja drei sehr nützliche, angenehme und von Gott gewollte Beschäftigungen. Aber wenn von jemandem nicht mehr zu sagen ist, als dass er isst und trinkt und Geschlechtsverkehr hat, dann weiß man nicht, ob von einem Menschen oder von einem Hund die Rede ist.  Denn Essen, Trinken und Sex haben wir mit dem lieben Vieh gemeinsam. Da muß es doch noch einen Unterschied geben. Und den gab es damals eben nicht. Das Leben der Menschen vor der Sintflut erschöpfte sich in Saufen, Fressen und Sex. Das war alles. Und darum drehte sich alles. Und etwas anderes fiel Jesus zur Charakterisierung dieser Generation nicht ein. Mehr war zu ihrer Charakterisierung nicht zu sagen. Sie lebten sich selber. Sie liebten sich selber. Sie lobten sich selber. Und so etwas wie Gott lag völlig außerhalb ihres Gesichtskreises. Nun sagt Jesus: „Genau so, wie die damals waren, so wird es sein, wenn ich wiederkomme.“ Hat Jesus etwa übertrieben? Also wenn das stimmt, sind wir ziemlich nahe dran am Ende. Es kann doch niemand leugnen, dass viele Menschen unserer Zeit schon treffend charakterisiert sind durch die drei Begriffe Saufen, Sex und Fressen.

Ich muß immer wieder einmal zur Kur wegen meiner Herzgeschichten. Dann bin ich fünf Wochen lang zusammen mit Männern des verschiedensten Lebensalters, der Lebenseinstellung, des Gehaltsniveaus und des Bildungsniveaus. Dann ist fünf Wochen lang das Hauptthema der meisten: Das Fressen, das Saufen und die Frauen. Ich brauche mich nicht über die sexuelle Zügellosigkeit nicht auszubreiten. Über die Sexwelle zur Zeit Noahs berichtet die Bibel ja ausführlich. Über die Sexwelle unserer Zeit muß ich nichts weiter sagen – die ist ja schon breit genug. Es wird sein wie in den Tagen Noahs.

Bleiben wir mal beim Essen und Trinken. Seit Jahrzehnten sterben in jedem Jahr an den Folgen des Hungers 50 Millionen Menschen. An die Zahl haben wir uns schon gewöhnt. 500 Millionen Kinder haben kein richtiges Trinkwasser, das gesund ist und sterben deswegen an allen möglichen Krankheiten. Die Hungernden werden nicht weniger, eher im Gegenteil. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Und wenn das stimmt, was ich einmal gelesen habe, wenn wir wirklich alle anfangen mit Biosprit zu fahren, dann wird das auch Millionen Menschen das Leben kosten, weil wir deren Nahrungsmittel in unsere Tanks kippen.

Leute, das alles ist nichts Neues. Das sagt jeder politische Redner in jeder zweiten Rede. Das erzählt jeder Pfarrer in jeder zweiten Predigt. Das haben wir alles schon x-mal gehört, und deswegen fängt es schon an, uns zu langweilen. Und das ist das allerschlimmste. Jesus hat gesagt, wenn er kommt, dann kommen nicht nur Hungersnöte, sondern er sagt: „Dann wird die Liebe in vielen erkalten“ (Matth. 24,12). Wir leben doch schon längst im Zeitalter der Lieblosigkeit, wo jeder nur an seinen eigenen Fortschritt denkt, die Menschen alleine und auch die Völker. Es wäre doch sonst nicht möglich, dass in jeder Minute etwa acht Menschen an den Folgen des Hungers sterben, aber gleichzeitig eine Million Dollar für Rüstungszwecke ausgegeben wird. „Nach uns die Sintflut“ – das ist ungefähr das Motto der Rüstungsgesellschaft, der Wohlstandsgesellschaft. Da können uns Wissenschaftler und andere Leute warnen, soviel sie wollen. Das wird alles in den Wind geschlagen. „Nach uns die Sintflut“.

Vor ein paar Jahren stand im Spiegel ein Artikel mit der Überschrift: „Die Menschheit ist am Ende.“ Der Verfasser schrieb darin, dass die Menschen heute alle alles wollen. Aber es ist nicht mehr alles für alle da. Es wäre wohl genug Nahrung für alle da. Aber das nun alle ein Haus, eine Villa, Gasheizung und so weiter haben können, das ist zuviel. Das gibt die Natur nicht mehr her. Wir sind am Ende. Die Menschheit kann sich nicht mehr weiter steigern. „Die Menschheit ist am Ende“. So hieß dieser Artikel. Das ist nun schon ein paar Jahre her, aber wir haben alle fröhlich weitergemacht: „Nach uns die Sintflut.“

Und so leben wir ja auch heute bei uns hier in der Bundesrepublik. Wir machen Schulden, deren Größe wir uns gar nicht vorstellen können, was wir unseren Enkeln überlassen. Wir leben ganz gut weiter, und wie die Enkel damit zurechtkommen, ist uns egal. „Nach uns die Sintflut“.

Die Flut um uns steigt. Es steigen die Rüstungsausgaben. Es steigen die Abtreibungen, der Aberglaube, der Alkoholismus, die Selbstmorde, die Ehescheidungen. Es steigt die Kriminalität, die Gewalt, die Angst, der Terrorismus, der Hunger, die Preise, die Drogensucht, die Umweltverschmutzung. Jede Nachrichtensendung bestätigt die Angaben der Bibel. Und jede Tagesschau ist eine neue Wasserstandsmeldung der bevorstehenden Sintflut. Die Vorzeichen einer untergehenden Welt sind vor unser aller Augen. Die Zeichen der Zeit sind einfach nicht zu übersehen. Aber die Menschen unserer Zeit wollen sie nicht sehen. Es ist wie zu den Zeiten Noahs: „Und sie achteten nicht darauf“.

Da lebte also unter den Menschen damals einer, der Noah, der anders war als die anderen. In der Bibel steht über ihn: „Er lebte mit Gott“ (1.Mose 6, 9). Der ließ sich nicht von der Sex- und Saufwelle seiner Mitbürger mitreißen. Der lebte nicht nach den Maßstäben der Gesellschaft: „Wachstum und Wohlstand.“ Der baute sich nicht noch zusätzlich zu dem Haus, in dem er wohnte, irgendwo eine winterfeste Datsche. Der baute sein Leben nicht auf materiellen Besitz auf, sondern er baute sein Leben auf Gott. Deshalb baute er, als Gott es ihm befahl, ein Schiff – und was für eins: 135 m lang, drei Decks mit einer Ladefläche von 9000 m². Das ist ein Ladevolumen von 40000 m³! Das entspricht dem Ladevolumen von 550 Güterwagen. Das waren mehrere Fußballfelder. Da passt mehr drauf als ein Elefant und zwei Eichhörnchen. Das war ein Monstrum von Schiff in der Größe eines heutigen Ozeanriesen. Und dieses Monstrum baut Noah mit seinen Söhnen nach den Angaben Gottes. „Und Noah tat alles, was der Herr ihm befahl“ (1.Mose 6,22). Der baut mitten auf dem Festland, mitten im Gebirge – weit und breit kein Wasser. Am Anfang war der Mann natürlich eine Sensation: „Haben Sie schon gehört? Da oben auf dem Berg sitzt ein Irrer. Der baut ein Schiff!“ Sonntagnachmittag rammelt alles ’raus, Sonderbusse werden eingesetzt, Verkehrspolizei muß den Verkehr regeln. Mit Kind und Kegel und Cola geht alles los, um sich den Verrückten anzugucken. Und tatsächlich hobelt der da an seinen riesigen Planken herum. Scheint nicht ganz rund zu laufen, der Kollege Noah… Ein Reporter vom Sender RTL – das heißt: „Reden, Talken, Labern“ – macht sich an ihn heran und hält ihm ein Mikrofon unter die Nase und sagt: „Herr Noah, wir sind alle sehr beeindruckt von Ihrer Hobbytätigkeit. Würden Sie bitte den Menschen erklären, was Sie hier machen und was Sie gerade bauen.“ – „Ein Schiff!“ – „Ja, wie eine Gartenlaube sieht’s nicht gerade aus, was Sie hier bauen. Aber, sagen Sie mal: Was haben Sie denn mit dem Schiff vor?“ – „Na, schwimmen!“ – „Schwimmen? Das ist ja interessant! Hier oben im Gebirge? Fehlt Ihnen da nicht ein bisschen was hier oben? Verzeihung, fehlt Ihnen hier oben nicht ein bisschen Wasser?“ – „Es wird vierzig Tage lang regnen, dann ist das Wasser auch hier oben!“ – „Vierzig Tage lang regnen? Was Sie nicht sagen! Beim heiligen Kachelmann! Das widerspricht ja allen Erfahrungen der Wissenschaft. Auch können unsere Meteorologen, die noch niemals logen, nirgendwo einen solchen Überschuss an Wasser beobachten. Na, gut – auf alle Fälle werde ich jetzt in Zukunft nur noch mit Regenschirm ins Büro gehen. Gummistiefel, Schirm und Hut sind bei jeder Flut sehr gut. Hahahaha! Also, sagen Sie mal, Herr Noah, wie sind Sie auf die irre – Verzeihung, auf die interessante Idee gekommen, dieses Schiff zu bauen? Und das mit dem Regen – woher wissen Sie denn das eigentlich alles?“ – „Von Gott!“ – „Woher!?“ – „Na, von Gott!“ – „Herr Noah, Ihre Black & Decker macht so einen Krach. Machen Sie das Ding mal aus. Das ist jetzt wichtig. Von wem wissen Sie das?“ –  „Na, von Gott. Gott lässt euch durch mich sagen: Es wird vierzig Tage lang regnen. Und deshalb, weil die Flut kommt, ändert euer Leben und bekehrt euch. Das sagt Gott.“  – „Ja, das behaupten Sie“, sagt der Reporter, „aber können Sie das auch beweisen?“ – „Nein.“ – „Also, Sie handeln hier aus Gut-Glauben?“ – „Ja.“ – „Glauben ist gut. Aber mit diesem Glauben sind Sie ja nun vollkommen in der Minderheit. Außer Ihnen und Ihrer Familie glaubt das ja kein Mensch. Und ehrlich gesagt, Herr Noah, das ist ziemlich pharisäerhaft und arrogant von Ihnen, wenn Sie behaupten, nur Sie mit Ihrer komischen Arche haben Recht und alle anderen irren sich. Da sitzen Sie auf dem falschen Dampfer!“ – „Die falschen Dampfer sind meistens überfüllt!“ – „Na, wollen Sie damit sagen, dass alle anderen Wissenschaftler sich irren?“ – „Wer Gottes Wort nicht glaubt, irrt.“ – „Herr Noah, eine letzte Frage. Sie berufen sich hier auf das Wort Gottes. Ich frage Sie jetzt auf Ehre und Gewissen: Sind Sie ein studierter Theologe?“ – „Nein.“ – „Na, sehen Sie. Da haben wir doch gleich das Problem erkannt. Sie sind also ein Laie. Also einer, der so ganz naiv glaubt, was Gottes Wort sagt und das Ernst nimmt.“ – „Ja, genau so ist es.“ – „Na, Moment mal. Nun sagen aber manche Theologen, man könne das Wort Gottes nicht so wörtlich nehmen. Also wenn Gott sagt, es kommt eine Flut, dann muß man das bildlich oder symbolisch verstehen. Verstehen Sie? Also so im übertragenen Sinne. Also betrachten wir einmal gemeinsam das Wort Flut: F – L – U – T. Das sind doch die gleichen Buchstaben wie Luft: L – U – F – T. Das ist nur eine andere Reihenfolge. Das ist vielleicht ein Abschreibfehler. Also: Gott meint nicht, es kommt Wasser, sondern es kommt Luft. Und viel Luft ist Wind. Also Gott will sagen, es wird windig. Was halten Sie von dieser Theologie?“ – „Die ist mir zu windig. Ich halte mich lieber an das Wort Gottes. Und wenn Gott sagt, es kommt eine Flut, dann kommt eine Flut.“ – „Wortwörtlich?“ – „Ja.“ – „Ist das Ihr letztes Wort?“ – „Ja.“ – „Herr Noah, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch und verabschieden uns von Ihnen mit dem Gruß: Seefahrt ahoi!“ Und alle Welt ist sich einig: Dieser Mann hat eine Macke. Daran besteht kein Zweifel. Und als der später mit dem gesamten Viehzeug in die Arche hineinmarschiert, da war’s ja klar: Jetzt ist er völlig durchgedreht. Und die Leute haben ihn verspottet, und sie haben gejohlt und gefeixt. Und Noah blieb dabei: „Gott hat es mir befohlen.“ Und über diese Begründung haben sie am meisten gelacht.

Das ist allerdings bis heute so geblieben. Dass Gott einer ist, der den Menschen Befehle gibt und Gehorsam verlangt und Ungehorsam bestraft, das wollten die Leute damals genau so wenig wissen wie heute. Es wird sein wie in den Tagen Noahs. Der liebe Gott ist ein alter Knacker mit einem Wattebart, der auf einer Wolke sitzt und Schäfchen streichelt. Und das herzliebe Jesulein ist aus Marzipan und hat pünktlich am 24. Dezember bei dir unter dem Tannenbaum im Cellophanbeutel zu liegen. So wollen wir es doch gerne haben. Aber dass Jesus der Richter ist, der Richter dieser Welt – davon wollen die Leute nichts wissen.

Wir haben in vielen Bibelstellen gehört, zum Beispiel die, wo es heißt, wenn Jesus wiederkommt, werden Himmel und Erde vor ihm verschwinden – vor solcher Größe von Jesus! Er ist doch nicht das fromme Milchgesicht von einer Kitschpostkarte! Sondern Himmel und Erde werden vor seiner Gegenwart fliehen. Aber sie achteten nicht darauf. Der Noah hat als Mensch seiner Zeit sich auch nicht vorstellen können, dass das Wasser so hoch steigt, dass es über die Berge geht. Das überstieg seine Vorstellungskraft. Aber Gott hat ja nicht zu ihm gesagt, er soll sich das vorstellen, sondern er soll sich darauf vorbereiten. Und auch als alle gesagt haben, er hat eine Macke, da blieb er dabei: „Gott hat’s gesagt, also wird es so kommen.“ Und so kam es ja auch. Und auch wenn ihr alle sagtet, ich hätte eine Macke, bleibe ich dabei: Jesus hat’s gesagt. Also wird  es so kommen. Er wird so kommen, wie er es angekündigt hat: „Dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel und dann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit“ (Matth. 24, 30).

Er wird kommen zu richten die Lebenden und die Toten. Und wenn du an ihn geglaubt hast, bist du gerettet. Wenn du nicht an ihn geglaubt hast, gehst du verloren. Aber Gott will nicht, dass du verloren gehst. Er will, dass du lebst – jetzt in Frieden mit ihm und einem guten Gewissen und dann in Ewigkeit in seinem Reich. In der Bibel steht: „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden“ (1.Tim. 2, 4). Alle – egal, wer du bist, du gehörst zu denen mit dazu. Gott will dich haben, weil er dich lieb hat. Deswegen bitte ich dich anstelle von Jesus, der damals mit ausgebreiteten Armen am Kreuz hing – ich bitte dich: Lass doch einmal deine ganzen Vorurteile beiseite. Sprich deine Sünden aus und lass dir von Jesus vergeben. Komm heraus aus deinem Schneckenhaus, in das du dich verkrochen hast. Steig einfach aus. Steig bei Jesus ein. Geh nicht achtlos an dieser Warnung vorüber. Wir haben früher ein Lied gesungen: „Jesus ruft dich in sein Reich. Warte nicht und komme gleich.“

Erfolg der Predigt des Noah: „Sie achteten nicht darauf.“ 120 Jahre lang hatte Noah Zeit, um seine Mitbürger zu warnen. 120 Jahre lang hat er mit seinen Söhnen an der Arche gearbeitet. Durch Wort und Tat hat er Gericht angekündigt. Und 120 Jahre lang hieß es: „Sie achteten nicht darauf.“ Sie hatten viel Wichtigeres zu tun, als sich zu bekehren: Saufen, Sex und Fressen. „Heute machen wir mal einen drauf – nach uns die Sintflut.“ Es wird sein wie in den Tagen Noahs.

Das ist doch eigenartig: Die Menschen können sich heutzutage Dinge ausdenken und Gedankenexperimente machen. Sie können sich Welträume und sonst was vorstellen. Aber die Vorstellung, dass Jesus einmal zum Gericht wiederkommt, ist angeblich nicht vorstellbar. Dabei ist die Frage, wie ich durch das Gericht komme, die wichtigste Frage des Lebens. Dietrich Bonhoeffer, der große Theologe des vorigen Jahrhunderts, hat gesagt: „Die wichtigste Frage des Lebens ist: Wie komme ich durch das Gericht?“ Das war auch die Frage von Luther. Der hat es nur anders formuliert. Er hat gesagt: „Die wichtigste Frage ist: Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ Das heißt: Wie kriege ich mein Leben mit meinen Sünden und meiner Schuld hin, dass ich am Ende einmal vor dem heiligen Gott bestehen kann. Heute sagen die meisten Menschen: „Das interessiert mich herzlich wenig. Wie kriege ich ein neues Auto oder eine billige Wohnung? Das ist mein Problem.“

Ja, es wird sein wie in den Tagen Noahs. Und dann kam das angeblich Unvorstellbare: Dann kam der Regen. Und dann stieg das Wasser und wurde zur Flut, die alles überschwemmte, auch die Gebirge. Und Noahs Kasten hob ab vom Berg und schwamm – dieses Monstrum von einem Schiff schwamm! Und alle, die darin waren, die paar, die waren gerettet. Und alle anderen gingen im Wasser unter.

Ich habe einmal Urlaub gemacht an einer Stelle in Sachsen, an der die Zwickau und die Freiberger Mulde zusammenfließen, zwei Flüsse, die sich da vereinigen. Als ich im Sommer dahin kam, waren gerade heiße Tage. Die Mulde war fast ausgetrocknet. Die kleinen Kinder liefen dort barfuss umher und spielten. Dann kriegte ich einen verregneten Urlaub. Es fing an zu regnen – Tag um Tag. Das Wasser stieg immer weiter und weiter. Es überflutete alles. Riesige Baumstämme schossen da entlang. Das ist eine Wahnsinnsgewalt, wenn so viel Wasser über die Ufer tritt. Das riss alles mit sich. Die beiden Flüsse vereinigten sich. Das Land dazwischen wurde überschwemmt. Die Brücke wurde weggerissen. Da habe ich einmal so einen kleinen Eindruck bekommen, wie das gewesen sein muss bei der Sintflut. Erst einmal ein paar Tage Regen, das ist ja noch nicht so schlimm. Aber nach einer Woche werden die Leute gesagt haben: „Das ist ja eigenartig. Eine Woche lang Regen.“ Und dann noch eine Woche, und überall nur Wasser, und es stieg und stieg. Und dann fiel den Leuten ein: „Da war doch mal so ein Irrer auf dem Berg da oben. Der hat doch davon gesprochen und uns eingeladen. Nun aber nichts wie hin zu ihm!“ Da laufen wieder alle hin zu ihm auf den Berg. Und als sie ankommen, hat die Arche aber schon abgehoben. Und Noah sagt: „Nein – es ist zu spät. Gott hat bis jetzt auf euch gewartet. Aber jetzt hat Gott die Tür zugemacht.“ Und sie schreien: „Noah, Noah, rette uns!“ Aber es wird nichts mehr.

Es gibt ein altes Negrospiritual. Da heißt es, dass die Engel weinen, als die Arche abgehoben ist und die Menschen um Rettung rufen – und es ist zu spät! Den Gedanken, dass die Engel weinen über die Dummheit der Menschen, habe ich so noch nie gehört. Wahrscheinlich hat Gott am allermeisten geweint, der jahrelang die Menschen zu sich gerufen hat und sie ihn abgelehnt haben. Aber dann war es eben zu spät.

Es wird wahrscheinlich in unseren Tagen, wenn es zu unseren Lebzeiten passiert, nicht viel anders sein. Die Menschen werden dann umherlaufen und sagen: „Wo finden wir jetzt noch einen Priester, der uns die Sünden vergibt? Wo gibt es jetzt noch einen Punkt, wo wir gerettet werden können?“ Sie werden erkennen und sagen: „Wir haben ein Leben lang über das Kreuz gefeixt und uns darüber lustig gemacht. Dabei war das der einzige Punkt, wo wir hätten hingehen müssen, um uns retten zu lassen.“ Es wird sein wie in den Tagen Noahs.

Der Schriftsteller Thornton Wilder hat einmal die Szene vom Beginn der Sintflut als Theaterstück auf die Bühne gestellt. Da kommt ein kleines Rinnsal über die Bühne geplätschert. Ein paar Kinder sitzen da, die sich ein kleines Wasserrädchen gebaut haben, wie wir das als Kinder auch gemacht haben. Und sie spielen dort. Eine alte Frau legt beruhigend ihre Hand auf die Köpfe der Kinder und sagt: „Spielt nur weiter. Ihr habt ja noch ein bisschen Zeit.“

Nun ja, spielt nur ruhig weiter mit eurem Leben und mit eurer Gesundheit und mit dem Wort Gottes. Ihr habt ja noch Zeit – zwei Wochen oder zwei Jahre oder zwanzig Jahre – ich weiß es nicht. „Am Ende nahm die Sintflut sie alle dahin“. Und das nächste Mal, sagt die Bibel – das habe ich schon vorgelesen – kommt kein Wasser, sondern da kommt Feuer: „Die Welt wird durch Feuer zerstört werden. Das geschieht an dem Tage des Gerichts, an dem die Menschen, die Gott nicht gehorcht haben, verdammt werden.“ Wenn am 12. Februar 1945 durch Dresden ein Prophet gegangen wäre und gesagt hätte: „Leute von Dresden, morgen wird diese Stadt zu Asche werden! Flieht!“ Ich vermute, es wären wenige Menschen aus der Stadt gegangen. Denn jeder hätte sich gesagt: „Ach, das ist alles Angstmacherei. Diese Stadt ist doch nicht kriegswichtig. Hier sind doch nur lauter verwundete Soldaten und Flüchtlinge. Und diese Perle von Schönheit ist ein einzigartiges Juwel unter den Städten dieser Welt. Es wird doch niemand so barbarisch sein, diese Stadt zu verbrennen.“ Und am nächsten Tag war diese Stadt nicht mehr da. Am 13. Februar ist sie verbrannt.

Gott überfällt die Menschen mit seinen Strafgerichten nicht ohne eine Vorwarnung. Er hat die Menschen zur Zeit des Noah gewarnt. Und er hat ein Rettungsmittel hingestellt – das war die Arche. Und er warnt auch uns. Und er hat auch uns ein Rettungsmittel hingestellt – das ist Jesus am Kreuz. Jesus überfällt uns mit seinen Gerichten nicht ohne Vorwarnung. Er sagt es uns vorher. Und heute sagt er es dir. Du kannst am Jüngsten Tage nicht sagen: „Das habe ich nicht gewusst“. Doch – du weißt Bescheid. Also: Seid bereit.

Ich will jetzt noch einmal versuchen, euch den Zusammenhang zwischen dem Bereitsein und dem Gericht klar zu machen. Ihr habt doch Phantasie. Stellt euch einmal den Platz hier oben und den Platz da unten vor. Das ist jetzt einmal der Appellplatz, wo alle Menschen zum Appell vor Gott antreten müssen. Hier stand gestern der Scheinwerfer, der ist inzwischen erdrückt, aber wenn der da wäre, wäre das dann Gott. Denn alle Menschen müssen in den Lichtstrahl Gottes hineintreten. Hier ist Gott – da der Appellplatz – und hier hinten ist eine Tür. Die mache ich jetzt mal auf. Ihr wisst ja, Jesus hat ja einmal gesagt: „Ich bin die Tür“ Joh. 10,9). Das ist jetzt Jesus. Alle Menschen müssen antreten. Nehmen wir an, es geht nach dem Alphabet: A – B – C – … ich habe ja noch Zeit… Da kommt der Buchstabe L, und es rückt immer näher mit den Vornamen… Und dann kommt der Moment, an dem es heißt: „Theo Lehmann vortreten zum Gericht!“ Und wisst ihr, was ich dann mache? Ich gehe da nicht hin. Ich haue ab. Ich verstecke mich hinter der Tür Jesus. Und als zum zweiten Mal gerufen wird: „Theo Lehmann zum Gericht vortreten!“, sage ich: „Jesus, sag du’s!“ Und beim dritten Mal, wo es heißt: „Wo ist der Theo Lehmann?! Vortreten zum Gericht!“, höre ich, wie Jesus sagt: „Hier!“ Und Gott sagt: „Wo? Ich sehe keinen Theo Lehmann.“ Darauf antwortet Jesus: „Ja, Vater, du hast ja Recht. Den kannst du nicht sehen. Aber der ist hier. Er hat sich hinter mir versteckt. Den decke ich. Für den stehe ich gerade. Das ist ein Sünder. Aber wir beide haben getauscht. Er hat mir seine Sünden gegeben, und ich habe für ihn bezahlt und ihm die Vergebung gegeben. Deswegen, Vater, kannst du ihn nicht noch einmal bestrafen. Deshalb bitte ich dich: Lass ihn durchschlüpfen.“

Ja, Freunde, und so komme ich in den Himmel. Durch ihn – Jesus, durch diese Tür. Nur durch ihn. Und wenn du den dann nicht kennst und den nicht als deinen Verteidiger hast, dann hast du schlechte Karten. Dann kommst du nicht in den Himmel. Du kommst nicht an Jesus vorbei. In den Himmel kommst du nur, wenn der dich kennt, wenn der für dich geradesteht. Und da du nicht weißt, wenn er wiederkommt oder wann dein Leben zu Ende geht, darum sagt Jesus: „Seid bereit! Bereite dich vor. Schließ dich mir an. Dann kommst du durch das Gericht.“

Ihr wisst, ich komme aus der DDR. Wir hatten da eine Kinderorganisation, das waren die jungen Pioniere. Jeden Montagmorgen war Schulappell. Da haben sie aus der Bibel dieses Wort gestohlen: „Seid bereit!“ Das war der Gruß der Pioniere in der DDR. Der Lehrer brüllte immer: „Seid bereit!“ Und die ganze Klasse schrie: „Immer bereit!“ Und das machen wir jetzt: „Seid bereit!“ – „Immer bereit!“

Amen

 Predigt auf dem Kongreß des Gemeindehilfsbundes und Gemeindenetzwerks „Siehe, ich komme bald! Das biblische Zeugnis von Wiederkunft, Gericht und Neuschöpfung“, Bad Gandersheim 1.-3. April 2011. Die Tonaufnahme ist als CD erhältnlich bei der Geschäftsstelle des Gemeindehilfsbundes, Mühlenstr. 42, 29664 Walsrode (E-mail: info@gemeindehilfsbund.de)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 17. Juni 2011 um 18:06 und abgelegt unter Predigten / Andachten.