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Wieder Thema im Europarat: „Gefahren des Kreationismus“

Mittwoch 26. September 2007 von Andreas Dippel


Andreas Dippel

Wieder Thema im Europarat: „Gefahren des Kreationismus“

S t r a ß b u r g (PRO) – Der Europarat befasst sich in der kommenden Woche erneut mit dem umstrittenen Dokument „Die Gefahren des Kreationismus in der Bildung“. Am Donnerstag beraten die Mitglieder der europĂ€ische Internationale Organisation ĂŒber den Entwurf, der bereits im Juni zur Abstimmung kommen sollte. Aufgrund eines Antrags konservativer Abgeordneter war das Papier kurzfristig von der Tagesordnung genommen worden. Entworfen hat das Dokument der französische EU-Politiker Guy Lengagne. Laut dem Tagesordnungsprotokoll der Sitzung des Europarates, die in der kommenden Woche vom 1. bis 5. Oktober stattfindet, soll das Papier am Donnerstag zur Abstimmung kommen. Es geht darum, so heißt es in dem Papier, die „Wissenschaft gegen den Kreationismus zu verteidigen“ und „die Lehre der Evolution als eine fundamentale wissenschaftliche Lehre in der Schule zu unterstĂŒtzen“. Der Kreationismus sei nach den USA nun auch in Europa auf dem Vormarsch, GlĂ€ubige wollten die Schöpfungslehre in den Schulen verankern. Daher gelte es zu reagieren, „bevor es zu spĂ€t ist“, heißt es in dem Dokument wörtlich. Und weiter: „Wenn wir nicht wachsam sind, sind Werte, die den Kern des Europarates bilden, in Gefahr, von kreationistischen Fundamentalisten bedroht zu werden.“  

Lengagne: „RĂŒckfall ins Mittelalter“

Nachdem das Dokument bereits im Juni zur Abstimmung kommen sollte, hatte sich der belgische EU-Politiker Luc Van den Brande dagegen ausgesprochen, das Dokument auf der Tagesordnung zu belassen. Seinem Antrag war damals wenige Stunden vor der Sitzung stattgegeben worden. Van den Brande ist Fraktionsvorsitzender der Gruppe der EuropÀischen Volkspartei (EVP/ED) in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. Die EVP/ED ist die Fraktion der EuropÀischen Volkspartei (Christdemokraten) und europÀischer Demokraten im EuropÀischen Parlament und ein Zusammenschluss christlich-konservativer Parteien in der EuropÀischen Union.

Auf den Beschluss, das Dokument ĂŒber „Die Gefahren des Kreationismus in der Bildung“ von der Tagesordnung zu nehmen, hatte der französische EU-Politiker Lengagne mit EntrĂŒstung reagiert. Ers sah darin eine „Machenschaft“ von denjenigen, „die mit allen Mitteln die Evolutionstheorie bekĂ€mpfen und die Ideen des Kreationismus unterstĂŒtzen“. Aus seiner Sicht verĂŒbten AnhĂ€nger des Kreationismus einen „Angriff auf die MenschenwĂŒrde“, es handele sich um einen „RĂŒckfall ins Mittelalter“.

Beispiel aus Deutschland: Gießen

In dem Dokument werden in 105 Punkten HintergrĂŒnde und Entwicklungen des Kreationismus aus Sicht des EU-Parlamentariers zusammengetragen. Zudem werden angebliche EinflĂŒsse des Kreationismus in europĂ€ischen LĂ€ndern dargestellt. Über Deutschland heißt es in dem Bericht (Punkt 73): „In einer UniversitĂ€tsstadt im Land Hessen, Deutschland, sind kreationistische Lehren offenbar bereits in mehreren Schulen verbreitet. Biologielehrer eines staatlich anerkannten Gymnasiums lehren ihre SchĂŒler, dass ein Schöpfer der Ursprung von verschiedenen ‚Haupttypen‘ der Tiere ist. Davon alarmiert wandten sich einige Eltern der SchĂŒler an das Erziehungsministerium des Landes Hessen, das jedoch keinen direkten Verstoß gegen die Unterrichtsvorgaben sah und sich in diesen FĂ€llen fĂŒr nicht zustĂ€ndig erklĂ€rte. Einige Eltern nahmen daraufhin ihre Kinder von dieser Schule.“ Auch „FĂ€lle“ aus den Niederlanden, Großbritannien, Polen, Schweden und zahlreichen weiteren EU-Staaten werden aufgelistet.

Explizit betont wird, dass Kreationismus nicht mehr allein in den USA vorkomme, sondern lĂ€ngst auch Europa erreicht habe. Daher wĂ€re es verhĂ€ngnisvoll fĂŒr die EU, keine vorbeugenden Maßnahmen gegen den Einfluss der Kreationisten zu treffen.

„Religiöse Fundamentalisten greifen an“

„Die Evolutionstheorie wird von religiösen Fundamentalisten angegriffen, die dazu aufrufen, den Kreationismus in europĂ€ischen Schulen parallel zu oder sogar als Ersatz der Evolutionslehre zu unterrichten. Aus wissenschaftlicher Sicht besteht absolut kein Zweifel daran, dass die Evolution eine zentrale Theorie fĂŒr unser VerstĂ€ndnis des Universums und des Lebens auf der Erde ist“, heißt es in dem Dokument.

Kreationismus hingegen sei in allen seinen Formen, wie etwa „Intelligent Design“, „nicht auf Fakten gegrĂŒndet“ und werde nicht wissenschaftlich betrieben. Zum Ziel der Verabschiedung des Dokumentes heißt es: „Der Europarat ruft die Erziehungsministerien seiner Mitgliedstaaten auf, wissenschaftliches Wissen zu fördern und die Evolution zu lehren und jeglichen Versuchen entschieden entgegenzutreten, Kreationismus als wissenschaftliche Disziplin zu lehren.“ Denn es sei das „Hauptziel“ der Kreationisten, ihre Lehre in Schulen unterrichten zu lassen.

Der Europarat, eine aus 47 Mitgliedstaaten bestehende europĂ€ische Internationale Organisation, will laut Sitzungsplan am Donnerstag ĂŒber das Dokument diskutieren und abstimmen, das die Lehre des Kreationismus, den Glauben an einen Schöpfer, scharf verurteilen soll. Der Europarat wurde 1949 gegrĂŒndet und hat seinen Sitz in Straßburg. Die von der Parlamentarischen Versammlung verabschiedeten Texte geben dem Ministerkomitee, in dem alle Außenminister der Mitgliedsstaaten vertreten sind, den nationalen Regierungen, Parlamenten und politischen Parteien sowie anderen Gesellschaftsbreichen „wichtige Orientierungshilfen“.

EuropÀische Evangelische Allianz schaltet sich ein

Die EuropĂ€ische Evangelische Allianz rief unterdessen Christen dazu auf, sich an die Abgeordneten ihrer HeimatlĂ€nder zu wenden, die im Europarat vertreten sind. „Wir rufen die Abgeordneten dazu auf, das Dokument abzulehnen“, so die Allianz. „In einer Demokratie sollte es weder SĂ€kularen noch GlĂ€ubigen möglich sein, eine Lehrmeinung aufzuzwingen. Wenn eine Theorie keine Bedrohung fĂŒr Gesetz und Recht darstellt, sollte es Wissenschaftlern und ihren Studenten ermöglicht werden, diese zu prĂŒfen, darĂŒber zu diskutieren und zu ihren eigenen SchlĂŒssen zu kommen. Es wĂ€re unfassbar, wenn der Europarat die freiheitliche Diskussion ĂŒber Ideen verhindern will“, so die EuropĂ€ische Evangelische Allianz.

(Hier lesen Sie das Dokument im Original:
http://assembly.coe.int/Main.asplink=/Documents/WorkingDocs/Doc07/EDOC11375.htm)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 26. September 2007 um 12:57 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Schöpfung / Evolution.