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Demografischer Wandel – ein Problem?

Dienstag 18. Mai 2010 von Administrator


Demografischer Wandel ÔÇô ein Problem?
Prof. Dr. Klaus Meyer zu Uptrup

Es fehlt an Ingenieuren, es fehlen qualifizierte Fachkr├Ąfte ÔÇô klagt die Wirtschaft. Da stimmt was nicht in unserem Bildungssystem ÔÇô sagt die Politik. In einer Schule ein Aushang zum ┬╗Girls-Day┬ź (┬╗M├Ądchen-Zukunftstag┬ź): ┬╗M├Ądchen, w├Ąhlt naturwissenschaftliche F├Ącher! Werdet Ingenieure!┬ź Sind die Renten sicher? Ja, sie sind sicher, wird uns versichert. Das Rentenalter wird auf 67 Jahre erh├Âht. L├Ąuft das nicht auf eine Rentenk├╝rzung hinaus? Gespenstisch ist das Unwort vom ┬╗sozialvertr├Ąglichen Ableben┬ź aufgetaucht.

Man redet vom ┬╗demografischen Problem┬ź. Das klingt so, als m├╝sse man etwas tun, um es zu l├Âsen. Aber was ist das f├╝r ein Problem? Ein politisches? Ein wirtschaftliches? Ein geistiges? Ein ideologisches? Darf man es so weiter laufen lassen? ÔÇô Wie betrifft uns das pers├Ânlich? Als Gesellschaft? Als ┬╗Demos┬ź (Volk) unserer Demokratie? Was muss anders werden? Bei uns pers├Ânlich? Politisch?

1. Die g├Ąngige Rede vom ┬╗demografischen Wandel┬ź verschleiert, was wirklich passiert.

Das v├Âllige Ausma├č des demografischen Problems wird ├Âffentlich nicht bewusst. Die Renten werden durch Eintritt in das Rentenalter mit 67 Jahren praktisch gek├╝rzt, die Gefahr einer Altersarmut ist damit f├╝r viele noch nicht gebannt.

Man merkt, dass Kinder fehlen, ┬╗Krippenpl├Ątze┬ź sollen her. Keine politische Partei hat bislang gewagt, Familien- und Rentenpolitik miteinander zu verkn├╝pfen. Denn die Kinderzahl, ja ob ├╝berhaupt ein Kind, ist Privatsache. In die Rentenkasse zahlt man ein, um das Eingezahlte im Alter wieder herauszubekommen. Das ist eine Illusion. Der Generationenzusammenhang l├Ąsst sich nicht au├čer Kraft setzen. Was in die Rentenkassen eingezahlt wird, sichert den Lebensabend der Elterngeneration. Eine Erwerbsbev├Âlkerung, die keine Kinder geboren und gro├čgezogen hat, w├╝rde, alt geworden, nur leere Rentenkassen vorfinden und m├╝sste in Armut zugrunde gehen. Tats├Ąchlich sichert ein Paar seine Rente dadurch, dass es zwei Kinder gro├čzieht, die dann als Erwachsene in die Rentenkasse einzahlen, aus der ihre Eltern ausbezahlt werden k├Ânnen.

Mit einem Gedankenexperiment ist Herman Adrian, Professor f├╝r Physik an der Universit├Ąt Mainz, dahintergekommen, dass auch f├╝r die strukturelle Arbeitslosigkeit haupts├Ąchlich das seit etwa 35 Jahren anhaltende Geburtendefizit verantwortlich ist ÔÇô worauf die Wirtschaftswissenschaftler in 30 Jahren nicht gekommen sind: ┬╗Es wird angenommen, seit 1975 w├Ąren ├╝berhaupt keine Kinder mehr geboren worden … Es g├Ąbe niemanden mehr, der mit der Betreuung, Erziehung oder Ausbildung von Kindern besch├Ąftigt w├Ąre. Es g├Ąbe keine Kinderg├Ąrten, Schulen, Universit├Ąten, Kinder├Ąrzte etc. mehr. Kein Mensch w├╝rde mehr G├╝ter herstellen, die von Kindern gebraucht werden … Jahr f├╝r Jahr w├╝rden 500.000 Wohnungen frei. Die Sozialsysteme w├Ąren schon lange zusammengebrochen … Die jungen Menschen h├Ątten schon vor Jahren begonnen, das Land zu verlassen … Diese Horrorsituation haben wir nur zu einem Drittel, weil uns nur ein Drittel des Nachwuchses fehlt … Wir verlieren im Durchschnitt pro Jahr etwa 1% Kaufkraft und damit 2% Wohlstand. Dies wird sich bei anhaltendem Geburtendefizit noch verst├Ąrken und in die n├Ąchsten 30 Jahre fortsetzen.┬ź Nach Hermann Adrians Berechnungen gehen im Verlauf von 30 Jahren gut 4 Mio. Arbeitspl├Ątze verloren, j├Ąhrlich rund 160.000, wenn die Fertilit├Ąt von 2,1 auf 1,35 Kinder pro Frau sinkt. Und so ist es geschehen.1

2. Der Kindermangel seit den 1970er Jahren verursacht in der Wirtschaft einen Mangel an Fachkr├Ąften, erzeugt eine verschleierte Ungerechtigkeit bei den Renten und verunsichert die Zukunft.

Das demografische Problem besteht also darin, dass seit den 1970er Jahren j├Ąhrlich ein Drittel der Erwerbsbev├Âlkerung kinderlos bleibt. Die Folgen treten jetzt zutage: Weil ein Drittel der Erwerbsbev├Âlkerung fehlt, beklagt die Wirtschaft fehlende Ingenieure, ├╝berhaupt einen Mangel an Fachkr├Ąften.2 Zudem m├╝ssen nun die Rentenanspr├╝che von drei Dritteln alter Menschen aus den Beitr├Ągen von zwei Dritteln arbeitender Bev├Âlkerung befriedigt werden. Das f├╝hrt nicht nur zu Rentenk├╝rzungen, sondern zu einer Ungerechtigkeit, die bisher kein Politiker zu benennen gewagt hat: Dasjenige Drittel, dass sich die Kosten f├╝r Kinder erspart hat (Fachleute sprechen von 300.000 Euro), also im Grund nichts f├╝r ihre Rente getan hat, l├Ąsst sich nun seine Anspr├╝che erf├╝llen aus den Beitr├Ągen einer Bev├Âlkerung, f├╝r deren Heranwachsen und Ausbildung sie nichts geleistet hat. Zudem machen diese Leute aufgrund unserer Rentengesetze h├Âhere Anspr├╝che geltend als die Frauen, welche die jetzigen Beitragszahler geboren und gro├čgezogen haben als ┬╗Nur-Hausfrau┬ź und ┬╗Heimchen am Herd┬ź.

In der Mitte dieses Jahrhunderts droht unsere einheimische Bev├Âlkerung in die Minderheit gegen├╝ber den Zugewanderten zu geraten. Die politische Korrektheit verbietet zu fragen, ob daraus innenpolitische Probleme erwachsen k├Ânnen. ÔÇô In 120 Jahren werden bei anhaltendem Trend die Deutschen, aber auch andere europ├Ąische V├Âlker, ausgestorben sein. Bildkr├Ąftig sagt ein Wissenschaftler, wie einst das R├Âmische Reich, so w├╝rde Europa in den Wellen einer V├Âlkerwanderung versinken.3 W├╝rde dann der Islam das Christentum abl├Âsen?

3. Das demografische Problem hat geistige Ursachen in den ┬╗aufgekl├Ąrten┬ź Lebensidealen, verst├Ąrkt durch die sogenannte ┬╗Antibabypille┬ź Ende der 1960er Jahre.

Diese Ideale sind:

┬╗Selbstverwirklichung┬ź. Der Blickwinkel ist auf die Lebensspanne des einzelnen Menschen verengt; der Generationenzusammenhang und die darin beschlossenen Pflichten kommen nicht in den Blick.

┬╗Gleichstellung der Frau┬ź. Moralisch zu begr├╝├čen, der Unterschied der Geschlechter aber bleibt. Nur Frauen k├Ânnen Kinder geb├Ąren. Das Problem ist die aus diesem Ideal abgeleitete Unterbewertung der Familienarbeit gegen├╝ber der Erwerbsarbeit.

┬╗Nur Wunschkinder┬ź. Tatsachen beweisen, dass solche, zumal nach der ┬╗Antibabypille┬ź, zur Bestanderhaltung der Bev├Âlkerung nicht ausreichen.

┬╗Gleichwertigkeit aller sexuellen Verhaltensweisen┬ź. Dies ist ein falsches Ideal. Denn geschlechtliche Verh├Ąltnisse, aus denen keine Kinder hervorgehen, sind gesellschaftlich irrelevant und Privatsache. Die Ehe ist grundgesetzlich gesch├╝tzt um der Kinder willen als Keimzelle des Staatsvolkes.

Mit diesen Idealen sind in den 1970er Jahren rechtliche und wirtschaftliche Verh├Ąltnisse entstanden, die zu einem Schwund der Bev├Âlkerung gef├╝hrt haben. J├Ąhrlich sterben 144.000 Menschen mehr als geboren werden. So viele Kinder fehlen! J├Ąhrlich!

Unsere Ideale sind wie eine wunderbare Medizin gegen ├╝berholte Verh├Ąltnisse. Doch die Nebenwirkungen bekommen wir nicht in den Griff.

4. Alle politischen Ma├čnahmen, mehr Kinder zu bekommen, k├Ânnen das demografische Problem nicht l├Âsen, solange ein ├ťbel an der Wurzel nicht beseitigt wird und eine grundlegende Gegebenheit im Verh├Ąltnis der Geschlechter hinsichtlich der Generationen unber├╝cksichtigt bleibt.

Das gegenw├Ąrtige ├ťbel besteht darin, dass Kinderlosigkeit in der pers├Ânlichen Lebensplanung eine kostenlose Option darstellt und das Aufziehen von Kindern praktisch als eine private Liebhaberei gilt. Das kostet mehr, aber daf├╝r haben Eltern eben ihren Spa├č an den Kindern. Solches ist nur m├Âglich, wenn man sich den Generationenzusammenhang verschleiert und die Verpflichtung, die daraus f├╝r jede und jeden folgt. Die Richtung auf Gerechtigkeit f├╝r Familien hat Wolfgang Huber in seinem Buch ┬╗Familie haben alle┬ź (2006) angedeutet: Dem Beitrag, den ein Paar mit Kindern durch Versicherungszahlungen und Kindererziehung leiste, m├╝sse im Grundsatz der Beitrag entsprechen, den ein kinderloses Paar f├╝r seine Alterssicherung nur durch Zahlungen zu leisten habe.4 F├╝r Uneinsichtige hat j├╝ngst eine Mutter von f├╝nf Kindern, zur Rede gestellt von einer Kinderlosen, wie sie das nur machen k├Ânne (untergr├╝ndig zu verstehen: wie sie nur so bl├Âd sein k├Ânne), eine treffende Antwort gegeben: ┬╗Sie wollen wohl, dass meine Kinder Ihnen im Alter den Hintern abputzen.┬ź Der Einwand Kinderloser, sie zahlten ja schon so viele Steuern, ist nur eine angenehme Selbstt├Ąuschung: ┬╗Wenn man nur das Existenzminimum steuerfrei stellt und f├╝r die Kinder nicht wie in Frankreich ein Familien-Splitting-Verfahren anwendet, dann m├╝ssen die Eltern jeden Euro, den sie ├╝ber das Existenzminimum hinaus f├╝r ihre Kinder aufwenden, mit ihrem pers├Ânlichen Steuersatz versteuern … In Deutschland zahlen Familien die h├Âchsten Einkommenssteuern, nicht Kinderlose, wenn man das Pro-Kopf-Einkommen betrachtet, was man aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten gerechterweise tun muss.┬ź (Prof. Dr. Hermann Adrian, Johannes-Gutenberg-Universit├Ąt Mainz; www.kinder-und-familie.de; September 2006).

Wie Dr. Martin Werding vom Ifo-Institut f├╝r Wirtschaftsforschung, M├╝nchen, feststellt, ┬╗bewirkt das deutsche Steuer- und Sozialsystem daher eine laufende Umverteilung von jungen und zuk├╝nftigen Generationen zur mittleren und ├Ąlteren Generation, die innerhalb jeder Generation zugleich zu einer Umverteilung von Familien durchschnittlicher und ├╝berdurchschnittlicher Gr├Â├če zu Kinderarmen und Kinderlosen f├╝hrt┬ź.5

Die Beseitigung dieser Ungerechtigkeit an der Wurzel ist die Voraussetzung daf├╝r, dass staatliche Ma├čnahmen, das demografische Problem ├╝berhaupt zu l├Âsen, auch greifen k├Ânnen! Kein Politiker aber hat sich bisher getraut, Familien- und Rentenpolitik miteinander zu verbinden! In ernsthaften wissenschaftlichen Studien kann man alle diese Dinge nachlesen.6 In den Zeitungen findet man sie h├Âchstens im Feuilleton, nicht aber auf den Seiten ├╝ber politische Auseinandersetzungen.

Die grundlegende Gegebenheit, die ber├╝cksichtigt werden muss, ist der fundamentale Unterschied zwischen Erwerbsarbeit und Familienarbeit.7 Man kann sich das am Gleichnis eines Industriebetriebs verdeutlichen: Die Produktion bringt Geld. Forschung und Entwicklung kosten Geld. Sie sind aber eine unerl├Ąssliche Investition in die Zukunft, in die Erneuerung der Produkte. Ohne sie w├Ąre der Betrieb in 20 Jahren pleite! Die Erwerbsarbeit entspricht der ┬╗Produktion┬ź, sie wird bezahlt. Die Familienarbeit ist ┬╗Reproduktion┬ź, eine Investition in die Zukunft. Ohne Kinder, die geboren, erzogen, ausgebildet und gebildet sein m├╝ssen, geht ein Volk, eine Demokratie, eine Kultur pleite! In unserem derzeitigen Bewusstsein ist die Familienarbeit ├╝ber mehr als 30 Jahre hin v├Âllig unterbewertet worden (┬╗Nur-Hausfrau┬ź, ┬╗Heimchen am Herd┬ź). Das Schlagwort hei├čt: ┬╗Vereinbarkeit von Familie und Beruf┬ź. Bei den Wortf├╝hrerinnen hat aber die Berufst├Ątigkeit eindeutig den Vorrang. Familie jedoch ist Investition in die Zukunft! Kinder zur Welt bringen kann nur eine Frau. Wird das nicht gew├╝rdigt durch gesellschaftliche Achtung, Wertsch├Ątzung und Verg├╝tung, werden familienpolitische Ma├čnahmen wie Wasser durch ein Sieb sickern, jedenfalls das ┬╗demografische Problem┬ź nicht l├Âsen.

Fassen wir zusammen: Das demografische Problem wird gerade nur an seiner Oberfl├Ąche erkannt, und ebenso oberfl├Ąchlich bleiben die bisherigen familienpolitischen Ma├čnahmen. Fehler bei Renten und Steuern in der Tiefenstruktur unseres Sozialsystems werden nicht ├Âffentlich bewusst gemacht und beseitigt. Die biologische Tiefenstruktur des Generationenzusammenhangs bei Familienarbeit und Erwerbsarbeit sowie bei der Rente bleibt dem Bewusstsein verdeckt und wird verkannt.

5. Kindergeld und die erstrebte Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden allein das demografische Problem nicht l├Âsen.

In quantitativer Hinsicht ist das Problem unserer schrumpfenden Bev├Âlkerung nicht allein durch den gro├čen Anteil von Kinderlosen (├Âkonomische Vorteile und Selbstverwirklichung), sondern auch durch das Verschwinden der Mehrkinderfamilie (┬╗nur Wunschkinder┬ź) verursacht. Wir werden also auch Familien mit 4 Kindern und mehr ben├Âtigen, um die Kinderlosigkeit auszugleichen.

In qualitativer Hinsicht verschlechtert sich die Begabungsverteilung unter den nachwachsenden jungen Menschen, da gerade die klugen, t├╝chtigen gebildeten Menschen (die ┬╗Elite┬ź) nur sehr wenige Kinder haben bis hin zu keinen. Dass die Wirtschaft heute schon ├╝ber fehlende junge Ingenieure klagen muss, liegt gewiss nicht einfach am Schulsystem. Woher k├╝nftig Wissenschaftler, Erfinder, F├╝hrungskr├Ąfte? PISA? Gerade in der Bildungsschicht wird man wieder Mehrkinderfamilien brauchen.8

Das Kinderkrippenprojekt der fr├╝heren Familienministerin von der Leyen, wenn finanzierbar, wird gewiss f├╝r viele Frauen die ┬╗Vereinbarkeit von Beruf und Familie┬ź erm├Âglichen, auch Alleinerziehenden hilfreich sein, kaum aber das demografische Problem l├Âsen. Wenn dazu auch Mehrkinderfamilien n├Âtig sind, wird man Vollzeitm├╝tter brauchen. Oder sollen alle Kinder durch au├čerfamili├Ąre Fachkr├Ąfte betreut und erzogen werden, weil ja jede Mutter erwerbst├Ątig sein muss? Ob das f├╝r die Kinder wirklich gut ist?9 ┬╗Wissenschaftlich┬ź wird das ja behauptet. Familienarbeit als Investition in die Zukunft scheint dabei nicht gew├╝rdigt zu sein. Warum soll eine Mutter, die vier eigene Kinder gro├čzieht, nicht auch f├╝r eine solche Investitionsleistung genauso bezahlt werden? Ein Krippenplatz soll monatlich mit 1000 bis 1200 Euro aus Steuermitteln gef├Ârdert werden. Nun sollen Frauen, die sich voll ihren Kindern widmen, ein von der CSU durchgedr├╝cktes Erziehungsgeld erhalten, das sogleich von tonangebenden Frauen als ┬╗Herdpr├Ąmie┬ź diffamiert wird. Die vier Ideale, die als Nebenwirkung den gef├Ąhrlichen Kindermangel gezeitigt haben, werden nicht korrigiert! Die tieferen, Illusionen n├Ąhrenden Grund├╝bel im Renten- und Steuersystem werden nicht beseitigt!

Um ├╝berhaupt die Voraussetzungen f├╝r eine wirkungsvollere Familienpolitik zu schaffen, wird es h├Âchste Zeit, dass unsere politisch Verantwortlichen umgehend bei den Renten ansetzen und eine saubere Trennung zwischen einer kapitalgedeckten und einer durch Kinder als ┬╗Humankapital┬ź gedeckten Rente herbeif├╝hren: kapitalgedeckte Altersrente f├╝r Kinderlose durch die private Versicherungswirtschaft, humankapitalgedeckte Altersrente f├╝r Eltern aus der staatlichen Rentenversicherung. Jede und jeder muss nach den Berechnungen von Prof. Hermann Adrian 30 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, um den Lebensabend der Elterngeneration zu sichern, womit man das 4. Gebot des Dekalogs erf├╝llt. Rentenkreditpunkte gibt es erst f├╝r die dar├╝ber hinaus gehenden Jahre. Die nun f├╝r die Generation der alternden Eltern nicht mehr ben├Âtigten Beitr├Ąge der Kinderlosen k├Ânnen zu einer Minimalrente kapitalisiert werden. F├╝r einen ausk├Âmmlichen Lebensabend m├╝ssen Kinderlose rechtzeitig ├╝ber eine private Rentenversicherung vorsorgen.10 Die auch von Huber geforderte Gerechtigkeit f├╝r Familien kann auf diese Weise hergestellt werden.

Unerl├Ąsslich ist eine Aufkl├Ąrung ├╝ber den Generationenzusammenhang, um die Illusionen ├╝ber die Einzahlungen in die Rentenkasse aufzuhellen. Die heutige junge Generation muss schon in der Schule lernen, dass in der Lebensplanung Kinderlosigkeit keine kostenlose Option ist. Oder ist das ┬╗Selbstverantwortung┬ź, wenn man als gewollt kinderloser Mensch die Kosten f├╝r die eigene Alterssicherung seinen Altersgenossen aufb├╝rdet, die eine Familie gr├╝nden und die k├╝nftigen Beitragszahler f├╝r die ┬╗umlagenfinanzierte┬ź Rente gro├čziehen? Hier muss die Bildungspolitik endlich aufwachen und in die Lehrpl├Ąne schreiben, was wissenschaftliche Einsicht und Gerechtigkeitsempfinden fordern und politisch umgesetzt werden muss!

Ein Knall, der wie bei der drohenden Klimakatastrophe ein Umdenken in der ├ľffentlichkeit und wirksame Ma├čnahmen der Regierung bewirkt, wird von der drohenden demografischen Katastrophe hoffentlich bald und nicht zu sp├Ąt kommen!

Prof. Dr. Klaus Meyer zu Uptrup (Quelle: Deutsches Pfarrerblatt, Diskussion und Dialog, 04/2010)

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 18. Mai 2010 um 16:26 und abgelegt unter Demographie, Gesellschaft / Politik.