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Christus ist auferstanden

Mittwoch 7. April 2010 von Erzbischof Janis Vanags


Erzbischof Janis Vanags

Christus ist auferstanden

Am Morgen des Ostertages machten sich drei Frauen auf den Weg zum Grabe, in das man Jesus legte, nachdem man ihn vom Kreuz herabgenommen hatte. Sie gingen dorthin, obwohl sie nicht wussten, wie sie an ihn herankommen könnten. Ängstlich fragten sie sich gegenseitig: „Was wird uns am Ende unseres Weges erwarten? Wer wĂ€lzt uns den Stein von des Grabes TĂŒr?“ Der Stein an der TĂŒr des Grabes ist mehr als ein Anlass fĂŒr den Kummer und die Sorge von drei Frauen in einer sehr weit zurĂŒckliegenden Vergangenheit. Es ist die TĂŒr zu unserem GefĂ€ngnis. Wenn sich Christus hinter dem Stein befindet, wo die Frauen ihn suchen, dann sind wir es, die im GefĂ€ngnis des Todes und der Hölle eingesperrt bleiben. Dann ist unsere Predigt und euer Glaube vergeblich, sagt der Apostel Paulus. Dann bleiben wir tot in unseren SĂŒnden und sind die elendesten unter allen Menschen. Wer wĂ€lzt uns den Stein von des Grabes TĂŒr?

Am Grabe angekommen, finden die Frauen den Stein weggewĂ€lzt. Gott hat ihren Kummer und ihre Sorgen in seine Hand genommen. Jesus selbst tritt an sie heran und grĂŒĂŸt sie. Das Grab, in dem die Frauen ihn zu finden hofften, ist der einzige Ort in der Welt, an dem er nicht ist. Christus ist auferstanden, um ĂŒberall dort zu sein, wohin immer wir in unserem Leben gelangen könnten. Um fĂŒr jeden von uns das Ziel seines Weges zu sein. Er hat den Tod besiegt, um unseren Kummer und und unsere Sorge ebenso in die Hand zu nehmen wie die Sorge der Frauen am Ostermorgen. Die Wirklichkeit der Auferstehung können wir aus den Worten des 139. Psalms heraushören:

„Von allen Seiten umgibst du mich.  FĂŒhre ich gen Himmel, so bist du da.
Bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
NĂ€hme ich FlĂŒgel der Morgenröte und bliebe am Ă€ußersten Meer,
so wĂŒrde auch dort deine Hand mich fĂŒhren und deine Rechte mich halten.
SprÀche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Liebe um mich sein,
so wÀre auch Finsternis nicht finster bei dir und die Nacht leuchtete wie der Tag.
Finsternis ist wie das Licht.“

Selbst wenn uns die Last zu schwer wird und die Welt ungastlich und ĂŒbermĂ€ĂŸig kompliziert erscheint, wenn die EnttĂ€uschung tief ist, wenn Verluste weh tun und das Leben nicht mehr als Gewinn erscheint, so umgibt uns der Sieger ĂŒber den Tod, Christus, von allen Seiten. Er spricht: „Kommet her zu mir alle, die ihr mĂŒhselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ (Matth. 11,28) Noch mehr als die Frauen zum Grabe Jesu, sollten wir zum lebendigen Christus eilen, um zu dem Ort zu werden, in dem Er gegenwĂ€rtig ist. Um in der Finsternis der allgemeinen Unkenntnis zu Inseln seiner göttlichen Gegenwart zu werden und zu Lichtpunkten der Erkenntnis Gottes. Die Gegenwart Christi macht jeden Ort sicher. Der Unfriede um uns herum verliert seine Bedeutung angesichts der Unruhe, die wir in uns selbst erzeugen. Die wahre Unruhe und der wahre LĂ€rm sind das Echo auf die Dinge in uns selbst.

Der grĂ¶ĂŸte Teil der Einwohner Lettlands ist getauft. Was bedeutet das fĂŒr Euch? Haben wir begriffen, wie reich wir beschenkt sind? Uns ist das Geheimnis anvertraut, durch das wir zu Teilnehmern an der Auferstehung und dem Sieg Christi werden. Wir sind im Besitz des glĂŒcklichen Vorzuges, nicht nur unsere SĂŒnden und Fehler wie alle Menschen bereuen zu können, sondern auch Gottes Vergebung und Hilfe zu empfangen, um Frucht des Geistes fĂŒr ein besseres Leben zu bringen. Uns ist die Lehre Christi anvertraut, die uns unser VerhĂ€ltnis zu Gott, unseren Mitmenschen und zu uns selbst begreifen und entwickeln lĂ€sst. Den Leib und das Blut Christi dĂŒrfen wir im Heiligen Abendmahl empfangen und sind auserwĂ€hlt, der Kirche als Seinem lebendigen Leibe anzugehören.

Und dennoch ist trotz zweitausend Jahren nach unzĂ€hligen MĂŒhen der Mission der wesentliche Inhalt des christlichen Glaubens fĂŒr viele Menschen unbekannt geblieben. Nicht nur an fernen Enden der Erde, sondern auch in Europa und in Lettland. Nicht nur bei den Agnostikern und Heiden, sondern auch bei Getauften. Das ist die Ursache vieler Krisen, Ängste und großer Unkenntnis. Der Tod und die Auferstehung Christi ist Gottes Werk fĂŒr uns – sein Kampf fĂŒr uns bis zum Tode. Beziehen wir das auch wirklich auf uns? Haben wir uns auch wirklich darin mehr vertieft als in ein StĂŒck vorklassischer Literatur? BemĂŒhen wir uns immer mehr, das alles zu begreifen und zu erleben? FĂŒhrt uns in unserem Alltag unser Weg dorthin, wo Christus uns grĂŒĂŸen und unseren Stein fortwĂ€lzen kann? Solange wir leben, haben wir dazu die Möglichkeit. Solange wir leben, erwartet er uns. Gottes Liebe gegenĂŒber uns ist unermesslich. Sein Wunsch, uns zu vergeben, ist so groß, dass er Christus nach Golgatha gefĂŒhrt hat. Alles, was er von uns erwartet, und was ihm außer uns niemand schenken kann, ist unsere Äußerung dazu und unsere Freundschaft. Ich grĂŒĂŸe euch zum Fest der Auferstehung unseres Herrn Christus und wĂŒnsche euch einen gesegneten Gebrauch des folgenden ganz alten Gebetes:

Mein Herr und mein Gott, nimm von mir alles,
was mich daran hindert, dir nÀher zu kommen.
Mein Herr und mein Gott, gib mir alles, was mich zu dir fĂŒhrt.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir selbst weg
und gib mich dir ganz zurĂŒck.

Deutsche Übersetzung: Johannes Baumann

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 7. April 2010 um 10:34 und abgelegt unter Predigten / Andachten.