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FĂŒnf Thesen zur Schwangerschaftskonfliktberatung

Dienstag 23. Juni 2009 von Dr. Joachim Cochlovius


Dr. Joachim Cochlovius

FĂŒnf Thesen zur Problematik einer Mitwirkung evangelischer Beratungsstellen in der Schwangerenkonfliktberatung nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG)

Bezug: Schwangerschaftskonfliktgesetz in der Letztfassung vom 21.8.1995; W. Huber, In Konflikten einen Weg finden – Beratung im Feld von Ehe, Familie, Schwangerschaft als Aufgabe der Kirche. 18.9.2000, Festveranstaltung des Evang. Zentralinstituts fĂŒr Familienberatung (www.ekd.de/vortraege/huber)

1.) Das Schwangerschaftskonfliktgesetz schreibt eine „ergebnisoffene“ Beratung auf der Grundlage „der Verantwortung der Frau“ vor und verpflichtet zur Ausstellung einer Beratungsbescheinigung. Alle drei Voraussetzungen sind fĂŒr Christen, die ihre ethischen MaßstĂ€be am Neuen Testament ausrichten, nicht akzeptabel. Sie können nicht „ergebnisoffen“ beraten, weil ihr Ziel die Vermeidung einer Abtreibung ist. Sie können nicht eine Letztverantwortung der schwangeren Frau und das dahinter stehende autonome Menschenbild akzeptieren, weil der Mensch damit aus seiner Verantwortung vor Gott gelöst wird. Und sie können keine Bescheinigung ausstellen, die als Legitimation von Abtreibungen genutzt wird, weil sie nicht mitschuldig am Töten menschlichen Lebens werden können. Das SchKG bĂŒrdet der Frau die Letztverantwortung fĂŒr das Leben bzw. den Tod ihres ungeborenen Kindes auf. Aufgabe einer christlichen Beratung wĂ€re es aber, der Frau zu zeigen, daß Gott als der Schöpfer selber die Verantwortung fĂŒr das Kind ĂŒbernommen hat und in der Lage ist, Wege aus dem Konflikt zu weisen.

2.) Die Beratung nach dem SchKG gibt vor, die Gewissensentscheidung der Frau zu achten (W. Huber: „Aus dieser Einsicht heraus kann kirchliche Beratung und können evangelische Beraterinnen und Berater sich zu einer ergebnisoffenen Beratung bekennen, in welcher die Achtung vor der Gewissensentscheidung von Frauen im Schwangerschaftskonflikt zum Ausdruck kommt“.) In Wirklichkeit wird hier das autonome Gewissen des einzelnen Menschen zur letzten Instanz ĂŒber Leben und Tod erhoben. Nach evangelischer Ethik ist aber nur das an die Heilige Schrift gebundene Gewissen in der Lage, ethisch verantwortliche Entscheidungen zu treffen.

3.) Die Beratung nach dem SchKG gibt vor, „SolidaritĂ€t“ mit den Frauen zu ĂŒben. (W. Huber. „Worum es geht, ist glaubwĂŒrdige SolidaritĂ€t mit Frauen in Konfliktsituationen“.) SolidaritĂ€t im Sinn ganzheitlicher Hilfe fĂŒr einen in Not geratenen Menschen wird aber nur dort geĂŒbt, wo er ganzheitlich wahrgenommen und ernstgenommen wird, also als Geschöpf Gottes, der unter Gottes Anspruch und Zuspruch steht, und als soziales Wesen, das in Verantwortungen gegenĂŒber anderen Menschen lebt. SolidaritĂ€t in diesem Sinn warnt den anderen vor Entscheidungen, die ihn in Konflikt mit Gottes Wort und Willen bringen, und verweigert sich irgendeiner Mitwirkung an solchen Entscheidungen.

4.) Die Beratung nach dem SchKG gibt vor, das Leben des Kindes und das Leben der Frau in gleicher Weise zu achten (W. Huber: „Wir nehmen diese Aufgabe wahr, weil wir uns dem Leben des Kindes und dem Leben der Mutter in gleicher Weise verpflichtet fĂŒhlen“.) Das Ernstnehmen des menschlichen Lebens kann nur so geleistet werden, daß der Mensch als Geschöpf Gottes unter dem Anspruch und Zuspruch Gottes gesehen wird. Das schließt ein Ernstnehmen der unverfĂŒgbaren Geschöpflichkeit des Kindes und ein Ernstnehmen der Verantwortung der Frau vor Gott ebenso ein wie die Gewißheit, daß Gott als der Schöpfer des Lebens auch der Erhalter des Lebens ist und mannigfaltige Hilfe in jeder Art von Konflikten geben kann.

5.) Die Beratung nach dem SchKG gibt vor, ein Kompromiß zwischen dem Selbstbestimmungsrecht der Frau und dem Lebensrecht des Kindes darzustellen (W. Huber: „Lieber ein Kompromiß als pure Unbarmherzigkeit“.) In Wahrheit ist es zutiefst unbarmherzig, der schwangeren Frau die BĂŒrde der Letztverantwortung fĂŒr Leben und Tod ihres ungeborenen Kindes aufzuerlegen und ihr mit der Ausstellung des Beratungsscheins den Schritt zur Abtreibung ihres Kindes zu ermöglichen und sie damit in tiefe seelische Konflikte und Schuld vor Gott und dem ihr anvertrauten Kind zu stĂŒrzen. Barmherzig wĂ€re es, sie vor einem solchen Schritt der Unbarmherzigkeit gegenĂŒber ihrem Kind zu bewahren, ihr damit zu einem freien Gewissen vor Gott zu verhelfen und sie schließlich zu einem Ja zu ihrem Kind zu fĂŒhren. Eine „ergebnisoffene“ Beratung auf der Grundlage „der Verantwortung der Frau“ mag ein Kompromiß sein zwischen dem postmodernen autonomen Menschenbild und dem den Embryos zugestandenen Lebensrecht. Eine ganzheitliche Hilfe fĂŒr die ungewollt schwangere Frau ist sie nicht.

Pastor Dr. Joachim Cochlovius

15.11.2008

Bezug: Schwangerschaftskonfliktgesetz in der Letztfassung vom 21.8.1995; W. Huber, In Konflikten einen Weg finden – Beratung im Feld von Ehe, Familie, Schwangerschaft als Aufgabe der Kirche. 18.9.2000, Festveranstaltung des Evang. Zentralinstituts fĂŒr Familienberatung (www.ekd.de/vortraege/huber)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 23. Juni 2009 um 10:00 und abgelegt unter Kirche, Lebensrecht.