Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Wer zu Jesus gehört, kann nicht von Jesus schweigen

Dienstag 10. Februar 2026 von Pastor Johannes Frey


Pastor Johannes Frey

Liebe Schwestern und Brüder, unsere Kirche braucht Erneuerung. Ein Vorbild dafür ist die Reformation Martin Luthers: Luthers Wiederentdeckung des Fundamentes auf dem Gott Seine Kirche baut, und Luthers unerschrockenes Eintreten für die erkannte Wahrheit.  Luthers Einsicht und Luthers Einsatz sind uns Vorbild. Aber beides hatte Luther nicht aus sich: Die Einsicht und den Mut zum Einsatz – beides fand Luther im Wort der Heiligen Schrift. Ich möchte heute mit Euch den Bericht vom ersten Bekenntniskampf in der Kirchengeschichte lesen. Es ist der Kampf der Apostel für das, was auch das Kernanliegen von Luthers Kampf mit der Amtskirche seiner Zeit war . Der Kampf und das Fundament der Kirche und die Quelle des Heils – der Kampf um das „solus christus“ – Christus allein! Christus allein rechtfertigt. Christus allein rettet. Christus allein offenbart den einen Gott, der die Welt erschaffen hat und sie vollenden wird.

Die Auseinandersetzung begann mit einer Heilung; durch den Namen Jesu haben die Apostel einen gelähmten Mann auf die Füße gestellt und nicht nur zum Gehen, sondern zum Laufen und Springen gebracht. Dann erklärten sie die Heilung durch die Macht des Auferstandenen Christus. Das ärgerte die Kirchenleitung die von dem Auferstehungsglauben wenig hielt. So stellten sie die Apostel zur Rede. Hört, was Lukas in Apostelgeschichte vier davon berichtet:

“Petrus aber und Johannes antworteten und sprachen zu ihnen: Urteilt selbst, ob es vor Gott recht ist, dass wir euch mehr gehorchen als Gott. Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben. “ (Apostelgeschichte 4,19-20)

Durch den Namen Jesu ist ein Wunder geschehen.  Ein unheilbar Kranker ist gesund geworden. Das erweist Jesus – den Gekreuzigten – als Heiland. Und es erweist Jesus – den Gekreuzigten – als Lebendigen. Denn ein Toter kann niemanden heilen. Der gekreuzigte ist auferstanden! Und als Auferstandener ist er der Retter vom Tode! Das war die Botschaft der Reformation: Jesus allein! Das war die Botschaft der Bekenntnisbewegung bei dem reformatorischen Aufbruch vor sechzig Jahren: Jesus – der Gekreuzigte – lebt! Und weil er lebt, nur weil er lebt, kann er uns retten. Nur er kann uns retten. Diese Botschaft führte die Apostel in den Konflikt mit ihrer Kirchenleitung in Jerusalem – genau wie Martin Luther tausendfünfhundert Jahre später die Botschaft: „Jesus allein rettet“ in den Konflikt mit seiner Kirchenleitung in Rom geführt hat. Aber warum nur? Was haben die Bischöfe und Oberkirchenräte von Jerusalem im Jahr 33 über Rom 1520 bis Wittenberg 2025 dagegen, daß Jesus lebt! Was haben sie dagegen, daß der Gekreuzigte uns rettet?

Es ist der gleiche Grund, der auch in unseren Gemeinden vor allem religiöse und fromme und sittlich anspruchsvolle Menschen gegen diese Botschaft aufbringt. Die Botschaft von der Rettung durch den Gekreuzigten, den für die Schuld aller Menschen, aber eben auch für ihre Schuld Gekreuzigten, spricht sie schuldig. Das Kreuz spricht alle Menschen schuldig : Das ist das Gesetz! Das Kreuz spricht alle schuldig, indem es die Schuld für alle bezahlt: das ist das Evangelium! Darum stößt das Evangelium auf Ablehnung. Das ist das göttliche Paradoxon: Die gute Botschaft impliziert eine schlechte Botschaft. Und wer die gute Botschaft für sich annimmt, erkennt damit die schlechte über sich an. So stellt das Evangelium stellt den Hörer in die Entscheidung: Entweder Gott recht geben – und begnadigt werden – oder sich selber recht geben – und gerichtet werden.

Darum erweist sich die Wahrheit des Evangeliums nicht im Erfolg bei den Massen, nicht in der Zustimmung der Mehrheit. Weil das Evangelium die Hörer in diese Entscheidung stellt, bewirkt es immer Zustimmung und Ablehnung, Glaube und Unglaube, Dankbarkeit und Feindschaft, Die Feindschaft gilt nicht dem Glauben. Die Feindschaft gilt dem Bekenntnis. Christen können sogar im Iran ziemlich unbehelligt leben – wenn sie ihren Glauben für sich behalten. So auch hier: den Autoritäten ist es egal, was die Apostel glauben – nur daß sie davon reden, muß unterbunden werden.  Denn das Bekenntnis stellt die Machtfrage: wer ist der Herr? Gott oder der Mensch? Wer hat das letzte Wort? Gott oder der Mensch? Wer ist am meisten zu fürchten – Gott oder der Mensch? Um nichts anderes ging es schon im Paradies. Adam und Eva haben diese Frage im Sinne der Schlange beantwortet. Die Folgen sind bekannt.

Die Apostel haben die Machtfrage anders beantwortet: “Urteilt selbst, ob es vor Gott recht ist, dass wir euch mehr gehorchen als Gott.” Hätten die Apostel den Mund gehalten, hätten sie mit ihrem Glauben in Ruhe leben und in Frieden eines natürlichen Todes sterben können. Wenn sie geschwiegen hätten. Aber das geht nicht!: “Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben”. Wer zu Jesus gehört, kann nicht von Jesus schweigen. Denn von Jesus schweigen heißt: sich von Jesus scheiden! Ohne Bekenntnis zu Jesus, kein Zugang zu Gott, kein Zutritt zum Himmel, keine Vergebung der Sünden, keine Rettung aus dem Gericht, kein ewiges Leben. Wenn die Apostel von Jesus geschwiegen hätten, hätten sie ihre eigene Erlösung gecancelt. Wenn die Apostel von Jesus geschwiegen hätten, hätten sie die Menschen um ihre Erlösung betrogen. Wenn die Apostel geschwiegen hätten, hätten sie Jesus um die Frucht seines Leidens und Sterbens betrogen. Und würden wir von Jesus schweigen, dann würden wir die Menschen um denn Sinn ihres Leben betrügen. Wir würden sie Sünde, Tod und Teufel und der ewigen Verdammnis überlassen. Wenn wir von Jesus nur das verschweigen würden, was Anstoß erregt, dann würden wir damit alles verschweigen, was zur Errettung nötig ist. Dann würden wir der Kirche das Fundament entziehen. Dann würden wir der ewigen Hoffnung den Grund entziehen. Wir würden Christus verleugnen und den Himmel wieder verschließen, den er auf Golgatha aufgeschlossen hat.

Der gekreuzigte Christus ist allen Menschen von Natur aus zuwider. Den Juden ist er – wie allen „guten“ Menschen – ein Ärgernis und den Griechen ist er – wie allen „aufgeklärten“ Menschen – eine Torheit. Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir gerettet werden, ist´s eine Gotteskraft! Darum sind wir hier. Wir sind nicht hierher gekommen, um uns an der Gemeinschaft Gleichgesinnter zu erbauen. Wir sind nicht hierher gekommen, um einander darin zu bestätigen, daß wir besser sind als die anderen – die Gesetzlichen und die Liberalen und die Modernisten und Synkretisten … Wir sind auch nicht hierher gekommen, um uns im Glanz der Heldentaten unseres großen Reformators zu sonnen. Wir sind hierher gekommen, um uns einzureihen in die Schlachtreihe der Kämpfer Jesu Christi! Wir sind hierher gekommen, um uns auf’s Neue dem anzugeloben, der den Sieg für uns errungen hat. Wir sind hierher gekommen, um uns auf’s Neue dem hinzugeben, der sich für uns gegeben hat. Wir sind hierher gekommen, um uns auf´s Neue senden zu lassen in die gottvergessene Welt und eine christusvergessene Kirche. Wir wollen uns senden lassen mit dem Wort vom Kreuz, das uns, der Welt und der Kirche das Leben gibt. Denn in keinem Anderen ist die Rettung und kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, durch den wir gerettet werden sollen! Dieser Name sei gelobt in Ewigkeit!

Amen.

Pfarrer Johannes Frey

Diese Andacht wurde gehalten auf der ‘Echoing Wittenberg 2025’ – Konferenz am 1. November 2025 im Katharinensaal der Stadtkirche Wittenberg.

Den Beitrag hier auf Youtube ansehen. 

 

Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 10. Februar 2026 um 17:19 und abgelegt unter Kirche, Predigten / Andachten.