Die Herausforderung des Postevangelikalismus und die Suche nach dem Unaufgebbaren
Donnerstag 11. September 2025 von Dr. Martin P. GrĂŒnholz

Wir leben in einem sĂ€kularen Zeitalter. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Neu ist, dass die Welle von GlaubensabbrĂŒchen und Kirchenaustritte nicht allein die groĂen protestantischen Kirchen und die katholische Kirche betrifft, sondern zunehmend auch die Evangelikale Bewegung. Doch bei dieser Abkehr vom Evangelikalismus, die in den vergangenen zehn Jahren immer prĂ€senter geworden ist, geht es nicht um SĂ€kularisierung, auch wenn sie davon sicherlich mit beeinflusst ist, sondern um Dekonstruktion. Wir nennen diese Bewegung inzwischen Postevangelikalismus.
Analyse der Situation: Was ist das Problem?
Der Postevangelikalismus stellt eine Reihe ernstzunehmender Fragen an die Evangelikale Bewegung, manchmal als Hinweis auf blinde Flecken, teilweise als Grundsatzkritik. Es handelt sich aber nicht um eine in sich kohĂ€rente Gruppe, sondern viel mehr um eine FĂŒlle von Lebensberichten mit Anfragen, Kritik und Zweifel, die sich hinter dem Sammelbegriff des Postevangelikalismus verbergen. Ein zentraler Vertreter der deutschsprachigen Szene ist Thorsten Dietz, der in seinem Buch âMenschen mit Missionâ dazu schreibt, dass es sich weniger um eine breite Fluchtbewegung aus evangelikalen Gemeinden und Netzwerken handele, sondern um eine intensive Diskussion darĂŒber, wie viel DiversitĂ€t der Evangelikalismus vertrĂ€gt. Seiner Ăberzeugung nach handelt es sich um eine Bewegung, die sich vor allem gegen einen konservativen Evangelikalismus abgrenzt, Wert auf eine intellektuelle Redlichkeit legt â der beim Evangelikalismus vermisst wird â und sich in kulturellen hermeneutischen und ethischen Fragen widerspiegelt.[1] Dietz schreibt:
âMein Vorschlag ist an dieser Stelle, Postevangelikale weder als liberale AbtrĂŒnnige noch als FlĂŒchtende vor dem Fundamentalismus zu betrachten. FĂŒr zusammenfassende Bewertungen des Spektrums ist es noch zu frĂŒh. Alle einfachen Deutungen entweder als Abfall oder als Bewegung des geistlichen Wachstums dĂŒrften der Vielfalt des Feldes nicht gerecht werden.â[2]
Postevangelikale verstehen sich als eine Bewegung, eine Denk- und Lerngemeinschaft, in der so empfundene ungesunde Praktiken und theologische Ăberzeugungen verworfen oder angepasst werden. Dies sind klassische Dekonstruktionsprozesse, die nicht notwendigerweise zum Abfall vom christlichen Glauben fĂŒhren, allerdings fĂŒhren sie auch nicht zur Bildung neuer Denominationen. HĂ€ufig wechseln Postevangelikale ihre Gemeinde und schlieĂen sich liberalen Gemeinden im landeskirchlichen oder freikirchlichen Spektrum an, doch bleibt eine kritische Grundintention als wesentlicher Teil ihrer SpiritualitĂ€t erhalten, die sich hĂ€ufig auch in einer bleibenden Entfremdung von christlichen Kirchen und Denominationen widerspiegelt.[3]
Der Begriff Postevangelikalismus geht auf ein im Jahr 1995 erstmals veröffentlichtes Buch von Dave Tomlinson zurĂŒck, einem langjĂ€hrigen Vikar in der Kirche von England und heutigem Kaplan am St. Ethelburgaâs Centre for Reconciliaten and Peace in London. Obwohl damals die Evangelikale Bewegung noch im Wachstum begriffen war, kritisierte Tomlinson, dass das VerhĂ€ltnis von Glaubenslehre und Glaubenspraxis immer weiter auseinanderdriftete und die Evangelikalen den Kontakt zur Mainstream-Gesellschaft verlieren. Aus seiner Ansicht wurde ein Wahrheitsanspruch und ein BibelverstĂ€ndnis vertreten, welches ideologisch verengt und nicht im Einklang mit der akademischen Wissenschaft sei. Dazu komme in der Praxis der Einsatz fĂŒr die soziale Gerechtigkeit viel zu kurz. Tomlinson forderte, dass es eine neue Christenheit fĂŒr eine neue Zeit brauche, die er in der Postevangelikalen Bewegung sah. Seine Kritik und sowohl der Begriff wie auch das Konzept des Postevangelikalismus fanden jedoch erst nah der Neuauflage des Buches im Jahr 2014 eine gröĂere Resonanz.[4]
Interessanterweise unterschied Tomlinson bereits zwischen postevangelikal und exevangelikal.[5] Letzteres versteht er als ein âceasing to beâ (aufhören zu sein) wĂ€hrend er postevangelikal als âfollowing on fromâ (anschlieĂend an) versteht.[6] Betrachtet man aktuelle Gruppen und sogenannte âAussteiger Netzwerkeâ in den sozialen Medien, so wird deutlich, dass nicht alle dieser begrifflichen Differenzierung gefolgt sind. Die Grenze zwischen âpostevangelikalâ, âexevangelikalâ und âEx-Christâ verlĂ€uft eher flieĂend und ist im Einzelfall sorgfĂ€ltig zu prĂŒfen.
WĂ€hrend Tomlinsons Buch 2014 in englischer Sprache neu aufgelegt wurde, veröffentlichte Torsten Hebel, ehemaliger Evangelist von Jesus-House, dem Jugendformat von proChrist in der Nachfolge Billy Grahams, im Jahr 2015 in Deutschland das Buch âFreischwimmer. Meine Geschichte von Sehnsucht, Glauben und dem groĂen, weiten Mehrâ.[7] Seine erschreckende Selbstreflexion ergab: âMein ganzes Konstrukt âGlaubeâ, das ich mir lange schöngeredet habe, ergibt fĂŒr mich einfach keinen Sinn mehr.â[8] In seinem Buch tauchen prominente Namen wie Christina Bruderreck oder Andreas Malessa auf, die auf unterschiedliche Weise mit Ă€hnlichen Fragen und Antworten ringen.[9] Zur Szene zĂ€hlen sich frĂŒh auch der Evangelist und Musiker Gofi MĂŒller, unter anderem mit seinem Buch âFlucht aus Evangelikalienâ[10] bis hin zum ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz und PrĂ€ses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener mit seinem 2021 veröffentlichten Buch âRaus aus der Sackgasse!â[11] sowie der Theologe Martin Benz mit âWenn der Glaube nicht mehr passt. Ein Umzugshelferâ.[12]
International viel beachtet und diskutiert wurde die Entwicklung von Joshua Harris, Autor des im Jahr 1997 erschienenen Buches âI Kissed Dating Goodbyeâ, von dem weltweit ĂŒber 1,2 Millionen Exemplare verkauft wurden.[13] Der langjĂ€hrige Pastor der US-Megachurch Covenant Life Church, Gaithersburg, Maryland, trat 2015 zunĂ€chst von seinem Pastorenamt zurĂŒck, Ă€uĂerte im darauffolgenden Jahr Zweifel an seinem Glauben und seinem eigenen Buch und verbot schlieĂlich 2018 den weiteren Verkauf des Buches. Im Juli 2019 erklĂ€rte er öffentlich, dass er und seine Frau Shannon sich aufgrund von âbedeutenden VerĂ€nderungen die in uns beiden stattgefunden habenâ sich scheiden lieĂen.[14] GegenĂŒber der Zeitung The Guardian erklĂ€rt er, dass er seinen Glauben verloren habe und sich nicht mehr lĂ€nger als Christ verstehe.[15]
Parallel dazu entwickelte sich im deutschsprachigen Raum eine breite, postevangelikale Szene, die maĂgeblich durch den 2014 von Gofi MĂŒller und Jakob Friedrichs gestarteten Podcast âHossa Talkâ[16], dem 2021 von Thorsten Dietz und Tobias Faix betriebenen Ethik-Podcast âKarte und Gebietâ[17] sowie die in der Schweiz seit 2019 bestehende, einflussreiche Plattform âRefLabâ, die mit unterschiedlichen Podcast- und Blogformaten aktiv ist, geprĂ€gt wird.[18] Eine SchlĂŒsselstellung im deutschsprachigen Raum nimmt dabei die 2010 durch Martin Christian HĂŒnerhoff gegrĂŒndet Mediathek âWorthausâ ein, die primĂ€r durch ihre Hauptreferenten Siegfried Zimmer und Thorsten Dietz bekannt wurde.[19] Worthaus erhebt den Anspruch, einen âunverstellten Blickâ auf die Bibel zu vermitteln, âkeine Denk- und Sprechverboteâ zu haben und kritisiert, dass ein âungeschichtliches BibelverstĂ€ndnisâ in die Sackgasse fĂŒhrt, was in den VortrĂ€gen immer wieder als expliziter Vorwurf gegenĂŒber einer konservativen, Evangelikalen Bewegung formuliert wird.[20]
Je lĂ€nger die Postevangelikale Bewegung besteht, desto schĂ€rfer wird die Kritik an der klassischen, Evangelikalen Bewegung. In einem 2023 auf Englisch und 2024 auf Deutsch erschienen Buch ĂŒber das SelbstverstĂ€ndnis von Postevangelikalen wird als Ziel formuliert:
âJesus im 21. Jahrhundert zu folgen bedeutet, ihm auĂerhalb bestimmter evangelikaler Normen zu folgen. Es bedeutet, diese Tempel des Götzendienstes abzubauen und andere zu ermutigen, dasselbe zu tun. In den Interviews und Recherchen, die ich fĂŒr dieses Buch gefĂŒhrt habe, kamen viele verschiedene evangelikale Normen als Themen zur Sprache, die Christen heute dekonstruieren. Einige der groĂen Themen waren Politik, Purity Culture, eine âplatteâ, wenig differenzierte Lesart der Bibel, die Behandlung und Ausgrenzung der LGBTQ+-Gemeinschaft, die Lehre von der Hölle und Scheinheiligkeit. [⊠Wir werden uns] damit befassen, wie man am besten vorankommt, wenn Teile des Christentums (nĂ€mlich der Evangelikalismus) ganz klar dekonstruiert werden mĂŒssen.â[21]
Der Vorwurf des âevangelikalen Götzendienstesâ und die Aufforderung, die Evangelikale Bewegung zu dekonstruieren, kommen nicht von auĂenstehenden Kritikern, sondern von innen: von postevangelikalen Christen, Mitarbeitern, Pastoren, Theologen und anderen, die sich selbst als eine Art Aussteiger sehen und ihre BĂŒcher in der Regel auch in als evangelikal bekannten Verlagen veröffentlichen. Ihre Polemik betrifft die Grundlagen des christlichen Glaubens und nicht allein einer bestimmten, theologischen Tradition. Der Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL), Prof. Volker GĂ€ckle, schreibt dazu:
âDie Debatte nahm ihren Ausgangspunkt bei der Frage nach der Bewertung gleichgeschlechtlicher SexualitĂ€t und ist mittlerweile bei viel zentraleren theologischen Fragen gelandet: Gibt es ein letztes Gericht Gottes? Ist der Glaube an Jesus Christus das entscheidende Kriterium fĂŒr Rettung und Verlorenheit? Ist die Heilige Schrift auch in geschichtlicher Hinsicht eine zuverlĂ€ssige und vertrauenswĂŒrdige Grundlage fĂŒr Glaube und Leben der Gemeinde? DarĂŒber hat der Pietismus in den 60er- und 70er-Jahren mit der Ăkumenischen Missionsbewegung und der liberalen Theologie auf Kirchentagen und Synoden gestritten. Heute streiten wir ĂŒber Ă€hnliche Fragestellungen im eigenen Laden.â[22]
Analyse der Ursachen: Was ist evangelikal?
Um die Unterschiede besser verstehen zu können, mĂŒssen wir uns den nĂ€heren UrsprĂŒngen der Postevangelikalen Bewegung von zwei Seiten nĂ€hern: von einer historischen und einer theologischen.
Historisch gesehen taucht der Begriff evangelikal zum ersten Mal im Englischen bei William Tyndale im Jahr 1531 auf, aller er von âevangelical truthâ (evangelischer Wahrheit) spricht.[23] Dies bezog sich auf die Wahrheit des Evangeliums sowie das Vertrauen in dieses Evangelium allein. Im englischen Sprachraum setzt sich der Begriff âevangelical Churchâ durch und wurde hĂ€ufig synonym zu âprotestantischer Kircheâ verwendet und fuĂt in der Reformation des 16. Jahrhunderts. In den folgenden zwei Jahrhunderten erfuhr der Begriff eine Wandlung, insbesondere in der durch die VerkĂŒndigung von John Wesley und George Whitefield ausgelösten Erweckung in England und Nordamerika. Als âevangelikalâ bezeichneten sich voran Christen, die eine persönliche Bekehrung erlebt haben und das Anliegen eines geheiligten Lebensstils vertraten.[24] Zu âeinem wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der Evangelikalen Bewegung sollte das Aufkommen des sogenannten Fundamentalismus innerhalb der Evangelikalen Bewegung in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden. Dieser entstand als Gegenbewegung zur SĂ€kularisierung und einer von Europa nach Amerika ĂŒberschwappenden modernistischen und liberalen Theologie infolge der AufklĂ€rungâ.[25] Die GrĂŒndung der National Association of Evangelicals (NAE) 1942 fĂŒhrte wieder stĂ€rker zu den ursprĂŒnglichen GrundĂŒberzeugungen der Evangelikalen Bewegung mit der starken Betonung der AutoritĂ€t der Bibel als Heilige Schrift zurĂŒck, ohne jedoch in die polemischen und separatistischen Tendenzen des Fundamentalismus abzudriften. Aus der NAE heraus wurde 1951 die World Evangelical Alliance (WEA) neugegrĂŒndet, wie sie seit ihrem Namenswechsel 2002 wieder heiĂt.[26]
Wie Martin Reppenhagen kĂŒrzlich nachgezeichnet hat, lĂ€sst sich anhand der USA sehr gut nachzeichnen, dass ab der Mitte des 20. Jahrhunderts es zu einem beispiellosen Niedergang der liberalen âMainlinekirchenâ (vergleichbar, wenn auch strukturell anders gelagert mit dem deutschen Landeskirchen und der reformierten Kirche in der Schweiz) kam, wĂ€hrend konservative, evangelikale Gemeinden, nicht-WeiĂe und ĂŒberdenominationelle Gemeinden einen deutlichen Aufschwung erlebt haben.[27] Besonders durch die weltweite Evangelisationsbewegung von Billy Graham, der konsequent von âevangelicalâ sprach, sowie Theologen wie Martyn Lloyd Jones und John Stott im englischsprachigen sowie im deutschsprachigen Kontext durch den langjĂ€hrigen Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, Fritz Laubach, setzte sich der Begriff immer weiter durch und wurde als Selbstzeichnung der eigenen IdentitĂ€t von vielen ĂŒbernommen.[28] Im historischen und soziologischen VerstĂ€ndnis wurde der Begriff mit der Reformation verbunden, in Deutschland mit dem Pietismus als innerkirchlicher Erneuerungsbewegung, international mit Erweckungsbewegungen wie der The Great Awakening und mit der 1846 in London gegrĂŒndeten Evangelischen Allianz.
Die Evangelikale Bewegung allerdings allein aus dieser soziologischen Perspektive zu betrachten, wĂŒrde Ihrem SelbstverstĂ€ndnis nicht gerecht werden, da ihre PluralitĂ€t nicht allein auf diese Weise erfasst werden kann. So argumentiert der Rektor der Union School of Theology, Michael Reeves, in
âWenn âEvangelikalismusâ lediglich eine soziologische Kategorie ist und nichts anderes bedeutet als die gemeinsamen Merkmale aller, die diese Bezeichnung verwenden, dann ist der Evangelikalismus natĂŒrlich eine oberflĂ€chliche Sache. Wenn die âevangelikaleâ Theologie so gedehnt wird, dass sie zu allem passt, was sich evangelikal nennt, dann ist sie nicht das Produkt von historischen und biblischen Lehren, sondern von jener Theologie, die gerade en vogue ist. Der âEvangelikalismusâ mĂŒsste dann zwanglĂ€ufig leer und unbestĂ€ndig sein.â[29]
1989 fasste der Historiker David Bebbington die vier Kernelemente der Evangelikalen Bewegung im so genannten âBebbington-Quadrilateralâ zusammen. Er argumentierte, dass Evangelikale 1) sich als bibeltreu verstehen und die VertrauenswĂŒrdigkeit der Bibel betonen, 2) fĂŒr das stellvertretende SĂŒhneopfer als zentrales Element der Rechtfertigungslehre eintreten. 3) Dass sie von der Notwendigkeit der persönlichen Bekehrung ĂŒberzeugt sind und daher sich in besonderer Weise fĂŒr die praktische Evangelisation einsetzen und diese betreiben, damit so viele Menschen wie möglich gerettet werden. 4) Und sie legen Wert auf soziales Handeln als Zeugnis des Evangeliums und der praktischen NĂ€chstenliebe.[30] Bebbington versteht die Evangelikale Bewegung stĂ€rker als ein soziologisches Gebilde, das eng um theologische Positionen herum organisiert ist.
Gerade im Blick auf die Postevangelikale Bewegung wird deutlich, dass eine historisch definierte IdentitĂ€t des Evangelikalismus nicht ausreicht und auch nicht im Vordergrund stehen sollte, denn gemeinsame Wurzeln zu haben bedeutet nicht zwangslĂ€ufig, eine gemeinsame, theologische IdentitĂ€t zu teilen. Die StĂ€rke der Evangelikalen Bewegung liegt gerade darin, dass sie ein gemeinsames, theologisches Fundament hat, eine geistlich-theologische IdentitĂ€t, die unabhĂ€ngig von soziologischen Strukturen, Institutionen oder selbst einer gemeinsamen, historischen Entwicklung besteht. Aus diesem Grund konnten und können bis heute auch Denominationen in die Evangelikale Bewegung integriert werden, die aus einem anderen, christlich-theologischen Hintergrund kommen. Reeves plĂ€diert deshalb auch dafĂŒr, die wahre Evangelikale Bewegung darin verankert zu sehen, wo eine klare Theologie mit drei essentiellen Lehren gelehrt wird â1. Die Offenbarung durch den Vater in der Bibel. 2. Die Erlösung durch den Sohn im Evangelium. 3. Die Wiedergeburt durch den Geist in unseren Herzen.â[31] Mit anderen Worten: Evangelikale sind bewusst trinitarisch. Damit schlieĂt er sich auch der Ăberzeugung von John Stott an, der sagte: âIch behaupte dass der evangelikale Glaube nichts anderes ist als der historische christliche Glaube: das ursprĂŒngliche, biblische, apostolische Christentum.â[32]
Analyse der HintergrĂŒnde: Was ist Dekonstruktion?
Es sind solche theologischen Ăberzeugungen, von denen sich Postevangelikale schrittweise lösen. Und wenn sie das tun, fĂ€llt hĂ€ufig ein Begriff, der eng damit verbunden ist, nĂ€mlich âDekonstruktionâ. Dekonstruktion mag inzwischen zwar fast schon zu einem Modewort verkommen zu sein, allerdings ist das dahinterliegende Konzept nicht neu, auch wenn es heute teilweise anders verstanden und angewendet wird. Die philosophischen Wurzen liegen bei RenĂ© Descartes (1596-1650) und seinem methodischen Zweifel, der die moderne Philosophie begrĂŒndete, der rationalistischen und empiristischen Infragestellungen von Immanuel Kant (1724-1804), der die Vernunft ĂŒberhöhte, bis hin zum französischen Philosophen Jacques Derrida (1930-2004), der als BegrĂŒnder und Hauptvertreter des Dekonstruktivismus gilt.[33] Erstmals wurde der Begriff 2008 auf das Christentum von dem StraĂburger Philosophen Jean-Luc Nancy (1940-2021) angewendet in seinem Buch âDekonstruktion des Christentumsâ.[34] Nancy ging es darum, festgelegte Systeme zu demontieren, abzubauen, um somit neue HandlungsspielrĂ€ume zu schaffen, wobei er offen lieĂ, ob und in welcher Form etwas anschlieĂend rekonstruiert oder neu zusammengesetzt wird bzw. werden sollte. Im Kontext der Postevangelikalen Bewegung wird daraus ein Denkprozess abgeleitet, der das bisherige Glaubenssystem hinterfragt. Im eingangs erwĂ€hnten Buch ĂŒber das SelbstverstĂ€ndnis der Postevangelikalen Bewegung wird folgende Definition vorgeschlagen: âDekonstruktion bedeutet, eine Idee, eine Praxis, eine Tradition, einen Glauben oder ein System in kleinere Bestandteile zu zerlegen, um ihre Grundlage, ihren Wahrheitsgehalt, ihren Nutzen und ihre Auswirkungen zu untersuchen.â[35]
Der Glaube und das Glaubenssystem werden also auf ihre TragfĂ€higkeit getestet, wobei als MaĂstab hĂ€ufig der praktische Nutzen gewĂ€hlt wird. Eine Dekonstruktion des Glaubens kann mit einfachen Anfragen beginnen wie: âDas leuchtet mir nicht einâ und zu grundsĂ€tzlicheren Zweifeln wie âGlaube âfunktioniertâ bei mir nichtâ bis hin zu tiefgreifenden Infragestellungen fĂŒhren: âDer Glaube tut mir nicht gutâ. Dieser Prozess fĂŒhrt jedoch nicht zwangslĂ€ufig zum Verlust des Glaubens, auch wenn es viele dokumentierte Berichte von Menschen gibt, die einen Dekonstruktionsprozess durchlaufen haben und schlieĂlich eine âDekonversionâ erlebt, also ihren christlichen Glauben verloren haben, insbesondere als Folge der oben angefĂŒhrten Blogs und Podcasts.[36] Verfolgt man die Podcasts, Blogs und BĂŒcher von prominenten Postevangelikalen Vertretern, ist es erschĂŒtternd festzustellen, wie viele von ihnen nach und nach den Weg von der Dekonstruktion zur Dekonversion gehen.

Die Biographien zum Beispiel von Rebecca McLaughlin[37], Natha[38] und Alisa Childers[39] zeigen jedoch, dass ein Dekonstruktionsprozess nicht zwangslĂ€ufig zur Dekonversion fĂŒhren muss, sondern auch zu einer gereiften Rekonstruktion des Glaubens fĂŒhren kann. Childers schreibt dazu:
âDie progressive Welle, die mich gegen Gott, den âstarken Felsâ, geschleudert hatte, hatte meine eingefahrenen Vorannahmen ĂŒber Jesus, Gott und die Bibel zerschmettert. Nun aber ordnete derselbe Fels diese BruchstĂŒcke allmĂ€hlich neu, legte einige beiseite und setzte die richtigen Teile dorthin zurĂŒck, wo sie hingehörten. Dies nun ist mein Bericht von der Rekonstruktion meines Glaubens.â[40]
Nach einer Phase des Infragestellens ihres Glaubens sind diese Menschen auf ganz neue Weise von der Gnade Gottes und von Gottes Wesen ergriffen worden. Ihre BĂŒcher sind sowohl biographisch als auch argumentativ starke Zeugnisse fĂŒr eine Rekonstruktion des Glaubens in der klassisch evangelikalen Tradition. Der zentrale Punkt war, dass sie ganz neu in einen persönlichen Kontakt mit Jesus Christus und mit der Botschaft des Evangeliums in BerĂŒhrung gekommen sind sowie Zugang zu guten Argumenten aus der biblischen Theologie und der christlichen Apologetik erhalten haben.
Analyse der Unterschiede: Postevangelikale Positionen
Wo unterscheiden sich Postevangelikale nun also im Detail von Evangelikalen? Der âUmzugshelferâ von Martin Benz sowie sein seit September 2016 betriebener Podcast: Movecast haben eine groĂe Reichweite und zustimmende Resonanz in Postevangelikalen Kreisen.[41] Benz fĂŒhrt eine Vielzahl von Themen der evangelikalen Dogmatik und Ethik an, die ânicht mehr passenâ, seiner Ansicht nach weder fĂŒr Postevangelikale, noch generell in unsere Zeit. Konkret nennt er das allgemeine SchriftverstĂ€ndnis, die Unfehlbarkeit von Gottes Wort sowie das InspirationsverstĂ€ndnis. Fragen rund um den Umgang mit Gewalt in der Schrift, die Kreuzeslehre insbesondere die Lehre der stellvertretenden SĂŒhne, der Erlösung und die Lehre einer ewigen Verdammnis. Ebenso verweist er auf evangelikale Positionen in der Sexualethik, insbesondere die Haltung zur HomosexualitĂ€t und LGBTQI+. Er kritisiert eine erlebte Heuchelei, Machtmissbrauch unter Christen und eine fehlende Barmherzigkeit und Liebe, die sich hĂ€ufig in einem strengen Schwarz-WeiĂ-Denken offenbart.[42]
An der Breite der Kritik und Vielzahl an Themen, Benz selbst fĂŒhrt in seinem Buch die Themen BibelverstĂ€ndnis, Gottesbild, Liebe, Fundamentalethik und Sexualethik am Beispiel der HomosexualitĂ€t nĂ€her aus[43], wird einerseits deutlich, wie weitreichend die theologische Entfremdung zwischen Evangelikalen und Postevangelikalen innerhalb kurzer Zeit vorangeschritten ist, andererseits verdeutlich diese aber auch, dass Postevangelikale mit ihrer Neupositionierung sowie der Kritik an der Evangelikalen Bewegung nichts völlig Neues lehren, sondern eine groĂe NĂ€he zu einer anderen, theologischen Tradition aufweisen. Benjamin Kilchör fĂŒhrt in seiner Buchbesprechung zu Benz dazu treffend aus:
âEvangelikale und liberale Theologie sind Schwestern, beides sind Erfahrungstheologien. Zwar sehen evangelikale und liberale Christen vieles völlig unterschiedlich, aber sie teilen die gemeinsame Ăberzeugung, dass Glaube und Erfahrung ĂŒbereinstimmen sollten. Wenn Glaube und Erfahrung nicht ĂŒbereinstimmen, dann hinterfragt der Evangelikale sein Leben, der Liberale seinen Glauben. Das Buch von Martin Benz handelt vom âUmzugâ aus der alten evangelikalen Wohnung in eine neue liberale Wohnung. Er bezeichnet die neue Wohnung lieber als progressiv oder postevangelikal, doch seine zentralen Thesen haben enge Entsprechungen zu den AnfĂ€ngen der liberalen Theologie und sind nicht so innovativ, wie das Label âprogressivâ suggeriert. Auch Friedrich Schleiermacher, der Vater der liberalen Theologie, bezeichnete sich nach seiner Abwendung vom Pietismus nicht als liberal, sondern als âPietist höherer Ordnungâ, sozusagen als Post-Pietist.â[44]
Ein zentraler Kritikpunkt, der von fast allen Postevangelikalen angefĂŒhrt wird, ist die Sexualethik. Sie ist hĂ€ufig der Auslöser und Ausgangspunkt fĂŒr eine VerĂ€nderung oder Angelpunkt, an dem ein tiefgreifender Wandel, der stattgefunden hat, schlieĂlich sichtbar wird. Kritisiert wird das gesamte Spektrum der Sexualethik, von der Ablehnung vorehelichen und auĂerehelichen Geschlechtsverkehrs ĂŒber die âpurity cultureâ (Kultur der Reinheit) bis hin zu Abtreibung, Scheidung und Wiederheirat. Einer der bedeutenden Vertreter der Postevangelikalen Bewegung in Amerika ist David P. Gushee, ein ehemaliges Mitglied der Southern Baptist Convention und Professor fĂŒr Ethik in Louisville, der aufgrund â aus seiner Sicht â zu enger, sexualethischer Positionierung, die UniversitĂ€t verlassen musste. Inzwischen ist er Professor an der Mercer University in Atlanta, die sich als fĂŒhrend im Bereich der postevangelikalen Theologie versteht.[45] Gushee formulierte seine Kritik so:
âEtwas, das in vielen evangelikalen Kontexten furchtbar schiefgelaufen ist, war die Hinwendung zur sexuellen Reinheit als Hauptweg, um die moralische Norm zu definieren, und die Geschlechterzuweisung der Verantwortung dafĂŒr. […] Die Reinheitsbewegung war mit dem evangelikalen Patriarchalismus verbunden.â[46]
Doch wo die Sexualethik als so problematisch angesehen wird, bleiben die Fragen natĂŒrlich nicht auf den Bereich der Ethik beschrĂ€nkt, sondern es steht die gesamte theologische Konzeption zur Debatte. AuffĂ€llig ist, dass viele postevangelikale Tendenzen von Ethikern ausgehen, die sich fĂŒr einen grundlegenden Richtungswechsel einsetzen. In Deutschland steht dafĂŒr der Entwurf der zweibĂ€ndigen Transformativen Ethik von Tobias Faix und Thorsten Dietz.[47] Im dazugehörigen Podcast sagt Dietz:
âSehr konservative, traditionelle, fundamentalistische Ethiken versuchen, Menschen in Normen, in Raster, in KĂ€stchen zu sperren und haben Null Sinn fĂŒr Autonomie, fĂŒr Selbstbestimmung, fĂŒr Selbstwirksamkeit. Es ist einfach reine Heteronomie, reine Fremdbestimmung. Und wenn Menschen daran zerbrechen, dann kann man nichts machen, es ist Gottes Wille. Das ist lebensfeindlich. Das wird dem befreienden Gott der Bibel nicht gerecht, das ist unbarmherzig, das ist hartherzig. Da sind wir absolut dabei, christliche Freiheit, Freiheit auch als Selbstbestimmung und Autonomie stark zu machen.â[48]
Und wo die Ethik neu ĂŒberdacht wird, stellt sich natĂŒrlich auch die Frage nach der Dogmatik. Wenn biblische Normen und Gebote zur Disposition stehen, weshalb dann auch nicht andere, theologische Ăberzeugungen? Jakob Friedrichs schrieb in seinem Buch ĂŒber Ostern: âWenn es Dir also wichtig ist, an Jesus als den Sohn einer Jungfrau zu glauben, dann tu es. Mit Freude. Wenn dich diese Vorstellung jedoch eher befremdet, dann lass es. Und bitte nicht minder freudig.â[49] Die Jungfrauengeburt, obwohl biblisch bezeugt und in den ökumenischen Bekenntnissen des Nizaenums und Apostolikums verbindlich anerkannt, wird als Option dargestellt, die man glauben kann, aber nicht muss. Folgerichtig steht auch die ganze Frage nach der Gottheit Jesu zur Debatte, ob und in wie fern man davon ĂŒberhaupt sprechen kann. Der postevangelikale Theologe und Influencer, Jason Liesendahl, ist der Ansicht, Jesus hatte gar keinen Selbstanspruch, der Sohn Gottes zu sein. Er sah sich nicht als Teil eines göttlichen Heils- und Erlösungsplans, der bewusst auf Golgatha zusteuerte und im geplanten Triumph am Ostermorgen seine Vollendung fand. In Seinem Buch ĂŒber die Prozesstheologie, zu der viele postevangelikale Theologen neigen:
âJesus war ein Mensch. Er war ein glĂ€ubiger Jude. Möglicherweise hat er in seinen jungen Jahren eine uns nicht bekannte Erfahrung mit Gott gemacht, die ihn fĂŒr sein ganzes Leben geprĂ€gt hat. Deswegen hat Jesus sein Leben der Sache Gottes gewidmet. [âŠ] Vielleicht ist am Kreuz nicht nur Jesus gestorben, sondern auch der Glaube an Gott in Jesus. Und in den Freunden von Jesus.â[50]
Und es ist nur logisch, dass unter zentralem Angriff von Postevangelikalen auch die Lehre der stellvertretenden SĂŒhne Jesu am Kreuz von Golgatha steht.[51] Bei der Aussage: âJesus war der Gottessohn und der Retter der Welt, er kam um zu sterben und er hat viele Wunder getanâ, kommentiert Siegfried Zimmer von Worthaus: âDa muss ich fast kotzen.â[52] Im anschlieĂenden Vortrag fĂŒgt Dietz scherzhaft hinzu: âDiese stellvertretende Strafleidenstheorie â wo ist das im Neuen Testament? Such, such, such â es ist nicht zu finden.â[53] Bewusst provozierend zugespitzt sagt schlieĂlich Jakob Friedrichs im Podcast Hossa Talk die Lehre der stellvertretenden SĂŒhne sogar eine âScheiĂ-ErklĂ€rungâ.[54]
Und schlieĂlich muss auf die VerĂ€nderungen im Bereich der Eschatologie verwiesen werden. Postevangelikale Publikationen kritisieren das traditionelle VerstĂ€ndnis von Himmel und Hölle, Verdammnis und der Auferstehung. Auch hier gibt es eine auffĂ€llige NĂ€he zur Prozesstheologie, wie sie unter anderem bei Liesendahl zu finden ist:
âIn der Prozesstheologie herrscht gegenĂŒber diesem jenseitigen Lohn-Strafe-System eine groĂe Skepsis. Diskutiert wird sogar, inwiefern es ĂŒberhaupt ein jenseitiges Weiterleben im Sinne eines persönlichen Bewusstseins geben kann. [âŠ] Wird Gottes Locken am Ende erfolgreich sein und den klebrigen Prozess der Heilung der Welt zu einem guten Ziel bringen? Ich finde das das ehrlich gesagt unwahrscheinlich. Aber vielleicht ist Gott ja fĂŒr Ăberraschungen gut.â[55]
Inzwischen dĂŒrfte klar sein, dass sich die post-evangelikalen Positionen stark von evangelikalen Ăberzeugungen unterscheiden und dass sie im Wesentlichen eine andere Theologie vertreten. Das evangelikale Offenbarungs- und GeschichtsverstĂ€ndnis, die HistorizitĂ€t und Hermeneutik der Bibel und insbesondere die Inspirationslehre, die die gesamte Bibel als Heilige Schrift ansieht und sie als Irrtumslos oder unfehlbar lehrt, werden scharf kritisiert und abgelehnt. Gushee, zum Beispiel, kommentiert:
âTrotz ihrer tiefgrĂŒndigen Bedeutung kann die Bibel nicht ganz das Gewicht tragen, das Evangelikale von ihr erwarten. […] Einige Schrifttexte zeigen konsequent, dass sie von Gott inspiriert sind, weil sie sich als so nĂŒtzlich fĂŒr das Lehren erweisen. Ein gesunder postevangelikaler Ansatz zur Bibel wird den Realismus darĂŒber verstĂ€rken, dass die Bibel immer ein interpretierter Text ist und dass wir fehlerhafte, begrenzte Menschen die Interpreten sind.â[56]
FĂŒr Postevangelikale ist die Bibel nicht vollstĂ€ndig inspiriert, sondern nur in Teilen. Das Unterscheidungskriterium ist die NĂŒtzlichkeit. Postevangelikale positionieren sich ausdrĂŒcklich âjenseits von sola scripturaâ, wie Gushee erfreulich offen zugibt:
âJenseits von sola scriptura. Postevangelikale sind nicht mehr in der Lage, ĂŒbertriebene Behauptungen ĂŒber die Irrtumslosigkeit und AllgenĂŒgsamkeit der Bibel zu akzeptieren. Wenn wir am Christentum festhalten, werden wir einen neuen Ansatz benötigen, um Gottes Stimme zu hören und Gottes Willen zu erkennen.â[57]
Postevangelikale Theologie unterscheidet sich daher deutlich von evangelikaler Theologie. Obwohl beide einen gemeinsamen historischen Ursprung haben, sind ihre theologische Positionen unvereinbar, auch wenn sich Postevangelikale selbst gern als BrĂŒckenbauer zwischen Evangelikalen und Liberalen, Evangelikalen und der Wissenschaft oder Evangelikalen und der Gesellschaft verstehen. Rolf Hille kommt, in einer Reaktion auf das Ăberblicksbuch von Thorsten Dietz, die aber stellvertretend fĂŒr den Postevangelikalismus verstanden werden kann, zu folgendem Urteil:
â[Thorsten] Dietz sucht die Zeitgenossenschaft und den bruchlosen Anschluss an die Neuzeit. Er möchte als Vermittlungstheologe die gegenwĂ€rtige Kultur mit der christlichen Offenbarung versöhnen. Das kann jedoch nur gelingen, wenn er die AutoritĂ€t der Bibel neu interpretiert, denn Biblizismus oder gar Fundamentalismus sind ihm, wie er nicht zu wiederholen mĂŒde wird, zuwider. Als moderner Theologe ĂŒbt er souverĂ€n die Deutungshoheit ĂŒber die Schrift aus. Wissenschaft, AufklĂ€rung und modernes LebensgefĂŒhl mĂŒssen mit dem ehrwĂŒrdigen Buch aus dem Alten Orient und der Antike so verknĂŒpft werden, dass Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts damit weder intellektuell noch emotional in Konflikt geraten. Damit ist vonseiten des Postevangelikalen Thorsten Dietz ein Bruch vollzogen und eine Grenze ĂŒberschritten.â[58]
Berechtigte Anliegen: Umgang mit Zweifeln und JĂŒngerschaft
Wie bei jeder Kritik, vor allem wenn sie nicht nur von Einzelnen, sondern von einer gröĂeren Zahl von Vertretern der ehemals gemeinsamen Bewegung geĂ€uĂert wird, gibt es natĂŒrlich berechtigte Argumente, die nicht ignoriert werden sollten. Die Tatsache, dass viele Postevangelikale biografische BrĂŒche und Verletzungen erlitten haben, kann und muss anerkannt und ernst genommen werden. Gerade wenn diese Wunden in der Begegnung mit evangelikalen Gemeinden und GlĂ€ubigen entstanden ist, muss innerhalb der Evangelikalen Bewegung die SensibilitĂ€t gesteigert werden, wo eigenes Verhalten und Strukturen nicht dem eigenen Anspruch entsprochen haben. Auch Evangelikale sind und bleiben SĂŒnder, die von und aus der Gnade und Vergebung Gottes heraus leben mĂŒssen. Im Namen der Evangelikalen Bewegung sind IrrtĂŒmer, Irrlehren und Missbrauch geschehen und geschehen weiterhin. Verletzungen mĂŒssen ernstgenommen und angesprochen werden; SĂŒnde muss aufgedeckt und benannt werden, z. B. wenn Missbrauch stattgefunden hat. Wo Versagen erkennbar wird, ist es wichtig, es klar zu benennen, Schuld einzugestehen und es vor Gott und mit den Menschen zur KlĂ€rung und Vergebung zu bringen. Die Evangelikale Bewegung als Ganzes kann aber umgekehrt nicht fĂŒr jede SĂŒnde verantwortlich gemacht werden, die von Einzelnen begangen wurden. Nicht alle VerstöĂe und Irrlehren, die im Rahmen oder unter dem Label âevangelikalâ begangen werden, können der Bewegung insgesamt zugeschrieben werden. Reeves hĂ€lt daher differenziert fest:
âNein, der heutige Evangelikalismus ist nicht wahrhaftig oder vollstĂ€ndig evangelikal. Im schlimmsten Fall, wenn etwa jemand als âevangelikalâ bezeichnet wird, der die Dreieinigkeit Gottes leugnet, ist es schwer zu verstehen, was mit diesem Wort ĂŒberhaupt gemeint sein soll. Es ist folglich kein Wunder, dass sich viele von dieser Bezeichnung distanzieren. Klar ist auch, dass jeder Evangelikale versagt. Keiner wird der Anforderung, ein Mensch des Evangeliums zu sein, vollkommen gerecht.â[59]
Aus praktisch-theologischer Sicht haben Cedric Grossmann und Benjamin Carstens praktische Empfehlungen fĂŒr Gemeinden und Betroffene gegeben, damit solche VorfĂ€lle, die bei Einzelnen oft massive Fragen aufwerfen, nicht zu einer Dekonstruktion des Glaubens (oder einer Vorstufe davon), sondern zu einer Rekonstruktion des Glaubens fĂŒhren. Ihre Anregungen können hier nur kurz erwĂ€hnt werden und sollen einen Ansatz bieten, wie pastoral-seelsorgerlich erste Schritte eines hilfreichen Kulturwandelns gegangen werden könnten:
FĂŒr Gemeinden:
- nicht mit Verboten kÀmpfen
- eine Gemeindekultur schaffen, die Zweifeln zulÀsst
- Biographische SensibilitÀt in der Glaubenszeugnisse geteilt werden
FĂŒr Betroffene:
- Sich auf Jesus Christus zu konzentrieren
- Lernen, Unklarheiten und Zweideutigkeiten anzuerkennen und zu leben
- Die eigenen Zweifel anzweifeln
- Das eigene Herz schĂŒtzen
- Den Glauben und das Vertrauen von Kindern zum Vorbild nehmen[60]
Es wird von entscheidender Bedeutung sein, ehrliche Antworten auf ehrliche Fragen zu suchen und Menschen durch einen manchmal langwierigen Genesungsprozess zu begleiten. Vor allem die Schönheit christlicher Freundschaften wird eine ganz neue Bedeutung erlangen. In der Arbeit mit einzelnen Menschen in der Seelsorge, in Hauskreisen und Ortsgemeinden ist viel EinfĂŒhlungsvermögen und seelsorgerliche Weisheit gefragt, um die Betroffenen bei ihren Zweifeln zu begleiten und sie in ihrem Prozess zu unterstĂŒtzen. Es ist wichtig, die Menschen ernst zu nehmen, gerade auch in und mit ihren Zweifeln. Dabei ist es wichtig, nicht zu versuchen, mit allen Zweifeln gleichzeitig umzugehen, sondern eine Unsicherheit nach der anderen zu bearbeiten.
Wenn man einen Dekonstruktionsprozess durchlĂ€uft, wird natĂŒrlich alles auf den PrĂŒfstand gestellt. Doch sowohl fĂŒr Einzelpersonen als auch fĂŒr Organisationen können solche Prozesse auch eine heilsame Wirkung haben, nĂ€mlich dann, wenn der Wiederaufbauprozess zu einem Glauben fĂŒhrt, der stabiler und authentischer ist als zuvor. Und sowohl die Theologie als auch die Gemeinde mĂŒssen dabei frĂŒher ansetzen und sich des Problems bewusst sein. In ihrer 2023 gemachten Studie âThe Great Dechurchingâ belegen Jim David und Michael Graham, dass Einladen, Gewinnen und BegrĂŒnden des christlichen Glaubens in einer sĂ€kularen Welt durchaus Chancen hat und sich dies auch statistisch belegen lĂ€sst. Dies gelingt gerade bei âKulturchristenâ und bei von der Kirche enttĂ€uschten, sĂ€kularen Christen. Allerdings lĂ€sst sich nachweisen, dass Postevangelikale und Exevangelikale hĂ€ufig nicht nur eine vollstĂ€ndige Dekonversion vollzogen haben, sondern damit einher geht oft auch ein grundlegender Widerstand gegen Evangelikale, der kaum aufzuheben ist.[61]
Alisa Childers und Tim Barnett beenden ihr âDie Dekonstruktion des christlichen Glaubens und wie wir darauf reagierenâ (The Deconstruction of Christinity. What It Is, Why Itâs Destructive und How to Respond) mit der bleibenden Hoffnung auf den lebendigen Gott.[62] Manchmal ertappen wir uns wie Petrus und die anderen JĂŒnger am Karsamstag innerlich: voller Fragen, voller Zweifel, voller Schuld und SĂŒnde. Manche Fragen bleiben auch offen â aber es gibt so viele Antworten, die wir einfach noch nicht kennen. Wenn wir uns am Karsamstag befinden, steht der Ostersonntag vor der TĂŒr!
Wir mĂŒssen uns den Fragen stellen, nach Antworten suchen und vor allem der Weisung Jesu aus Joh 15,5.7 folgen: âIch bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.â ZunĂ€chst ist festzuhalten, dass es essenziell ist, in Jesus Christus zu bleiben; zweitens, dass das Wort Gottes in uns bleibt. DarĂŒber hinaus ist es wichtig, dass wir im Gebet mit unserem Herrn Jesus Christus verbunden bleiben. Denn er ist der gute Hirte, der seine Schafe ruft, und die ihn kennen, die werden seine Stimme hören und er wird sie zum frischen Wasser, zum ewigen Leben fĂŒhren (Joh 10,27-29). Wo dies geschieht, da gibt es eine geistliche Erneuerung und Wachstum. Childers bezeugt:
âLangsam und stetig baute Gott meinen Glauben wieder auf. Die Fragen, die meinen Ăberzeugungen den Boden unter den FĂŒĂen weggezogen hatten [âŠ], wurden nicht einfach nur beantwortet. Sie schrumpften unter handfesten Belegen und einer wasserdichten Logik zusammen, die so robust war, dass ich mir vorkam wie ein Kind im SĂŒĂigkeitenladen, das eben erst herausgefunden hat, dass es SĂŒĂigkeiten gibt.â[63]
Dieses Resultat des Wiederaufbaus, der Erneuerung, der Konsolidierung und StĂ€rkung ist fĂŒr jeden Menschen von unschĂ€tzbarem Wert. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund von groĂer Bedeutung, um die eigene IdentitĂ€t als Kinder Gottes zu entdecken und als mutige Zeugen des Evangeliums in der heutigen Zeit zu agieren. In diesem Zusammenhang ist es von groĂer Bedeutung, dass in den letzten Jahren ein neues Interesse an christlicher Apologetik entstanden ist. Einerseits resultiert aus diesem Interesse fundierte Antworten und gute Argumente fĂŒr den Einzelnen, andererseits wird durch das öffentliche Zeugnis und das persönliche GesprĂ€ch eine Bereicherung erfahren.[64]
Grenzen des Anliegens: GrundzĂŒge einer theologischen Triage
Um berechtigte von unberechtigten Sorgen und Anschuldigungen zu unterscheiden, brauchen wir einige systematische Kriterien, um die verschiedenen Ebenen voneinander zu trennen, damit wir sie unterscheiden und bewerten können. Was es meiner Ansicht nach braucht, ist eine Unterscheidung der Wahrheiten. Nicht alle Themen sind gleichermaĂen fundamental. Vor Kurzem wurde mir in einer Diskussion entgegengehalten, dass man sich in christlichen Gemeinden vor wenigen Jahrzehnten auch noch wegen eines Schlagzeugs im Gottesdienst gespalten hat und heute ja auch damit klarkommt. Diese logische Folgerung sprach mein GesprĂ€chspartner nicht aus, aber sie war: âLass es doch gut sein, darĂŒber zu streiten, in ein paar Jahren sind auch die heute diskutierten Fragen nicht mehr so wichtig.â Die Folge einer solchen Haltung wĂ€re ein Wahrheitsrelativismus, der jede Dogmatik und jegliches Ringen um klare Glaubens- und LehrgrundsĂ€tze ĂŒberflĂŒssig machen wĂŒrde und letztlich der Beliebigkeit und dem subjektiven Empfinden ĂŒberlassen wĂŒrde. Wo ich meinem GesprĂ€chspartner Recht gebe, ist darin, dass nicht alle Fragen gleichermaĂen PrioritĂ€t haben weshalb wir eine geistliche Triage brauchen, ein System um fundamentale Glaubenswahrheiten von wichtigen, aber nicht gleich-essentiellen Lehraussagen und schlieĂlich von persönlichen Meinungen und Vorlieben zu unterscheiden.[65]
Das Fundament: Glaubenswahrheiten
Das entscheidende Fundament des christlichen Glaubens bilden die Glaubenswahrheiten. Sie sind das Fundament und haben höchste PrioritĂ€t, denn sie sind die Basis, die darĂŒber entscheidet, ob jemand zur christlichen Kirche in ihrer 2.000-jĂ€hrigen Form gehört oder nicht. Von zentraler Bedeutung ist das Evangelium, dass Jesus Christus fĂŒr uns und fĂŒr unsere SĂŒnden gestorben und leiblich auferstanden ist, um uns mit Gott zu versöhnen (Röm 3,21-26; 1Kor 15,3-5; 2Kor 5,19-21). Diese Glaubenswahrheiten finden ihren Ausdruck in der Lehre der Bibel als Gottes Offenbarung, in unserer Erlösung durch den Sohn Jesus Christus und in der Wiedergeburt und Sammlung in der Kirche durch den Heiligen Geist.
Dieser Glaube spiegelt sich im SchriftverstĂ€ndnis und in den drei maĂgeblichen altkirchlichen Bekenntnissen wider (Apostolicum, Nicaeno-Constantinopolitanum und Athanasianum). Ungeachtet der Existenz unterschiedlicher Konfessionen geht es hier um Fragen, in denen sich alle Kirchen und Gemeinden durch die Jahrhunderte hindurch einig sind, der sogenannte magnus consensus. Wir sind ĂŒberzeugt, dass diese Grundlage nicht das Ergebnis menschlicher Ăbereinkunft ist, sondern ein Werk des Heiligen Geistes, der die Kirche zu Pfingsten gegrĂŒndet (Apg 2; 15,28) und die Apostel mit AutoritĂ€t und göttlicher Inspiration erfĂŒllt hat (2Tim 3,16; 2Petr 1,21).
Die Lehraussagen
Die Ebene der lehrmĂ€Ăigen Aussagen ist wichtig, wenn auch nicht von gleicher PrioritĂ€t wie die grundlegenden Glaubenswahrheiten. Ortlund schreibt: âMit âzweitrangigâ meine ich jene Lehren, die einen spĂŒrbaren Unterschied darin machen, wie wir das Evangelium verstehen und es ausdrĂŒcken, ohne dass das Evangelium fundamental entstellt wird, wenn man sie ablehnt.â[66] Themen wie eine bestimmte Endzeitlehre (Offb 20), eine bestimmte Taufpraxis (Röm 6), das AbendmahlsverstĂ€ndnis (1Kor 11) oder ekklesiologische Fragen zu den Ămtern in der Kirche (1Tim 2-3) sind höchst relevant und haben oft eine sehr starke identitĂ€tsstiftende Wirkung fĂŒr eine christliche Konfession.
Lehrfragen können und mĂŒssen auf einer grundsĂ€tzlichen Ebene diskutiert werden, aber unterschiedliche Lehraussagen hindern nicht uns daran, mit Christen anderer Ăberzeugungen Gemeinschaft zu haben, vorausgesetzt, dass die Wahrheiten des Glaubens geteilt werden. Auf dieser Ebene arbeiten hĂ€ufig christliche Werke, Institutionen und Netzwerke zusammen, die sich beispielsweise auf die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz als verbindliche Zusammenfassung der Glaubenswahrheiten berufen, gemÀà Paulus in Eph 4,3-6: âUnd seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie auch ihr berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist ĂŒber allen und durch alle und in allen.â WĂ€hrend bei dem Fundament der Glaubenswahrheiten Einigkeit herrschen muss, kann in anderen Bereich der Lehre eine Freiheit bleiben.
Meinungen
Jeder von uns auch hat (theologische) Ăberzeugungen. Es ist normal, dass GlĂ€ubige unterschiedliche Musikstile bevorzugen, so wie es auch unterschiedliche Meinungen ĂŒber Kleidungsstile und andere ĂuĂerlichkeiten gibt, insbesondere zwischen den Generationen. Das Gleiche gilt fĂŒr Meinungen ĂŒber Politik, Kultur und Gesellschaft. Wenn Meinungen geistlich ĂŒberhöht und zu Glaubenswahrheiten erhoben werden, die Situation wird schnell schwierig. In diesen Bereichen kann es einen echten Dialog miteinander geben, wobei GlĂ€ubige versuchen können, zu ĂŒberzeugenandere mit Argumenten. Aber im Bereich der Meinungen ist es wichtig, Freiheit zu schaffen. Wir sollten nicht in den falschen Fragen Front machen und durch Hartherzigkeit oder stures Verhalten Schuld auf uns laden: âIst aber jemand unter euch, der darĂŒber streiten will, so soll er wissen, dass wir diese Sitte nicht haben â und die Gemeinden Gottes auch nicht.â (1Kor 11,16)
Die Schwierigkeit ist zweifellos, die Themen zu identifizieren und dann den einzelnen Kategorien zuzuweisen. Hierin werden sicherlich etliche Unterschiede bestehen und es kann eben auch dadurch wiederum zu Meinungsverschiedenheiten kommen. Und doch besteht umgekehrt ein Mehrwert in der bloĂen Existenz solcher Kategorien, die Dialogprozesse eröffnen.
Hoffnungsvoller Ausblick: Das Unaufgebbare
Mit dieser theologischen Triage im Hinterkopf können wir nun erneut fragen, wofĂŒr eine evangelikale Theologie steht und wie wir auf die Herausforderungen und Anfragen reagieren können, die von Seiten des Postevangelikalismus gestellt werden, wie oben beschrieben. Woran halten wir als das Unaufgebbare fest?

Beginnen wir auf der Ebene der Fundamentaltheologie, nÀmlich der Lehre der Unfehlbarkeit und göttlichen Inspiration der Bibel als Heilige Schrift, so wie es in der Lausanner Verpflichtung von 1974 in Artikel 2 formuliert wird:
âWir halten fest an der göttlichen Inspiration, der gewiĂmachenden Wahrheit und AutoritĂ€t der alt- und neutestamentlichen Schriften in ihrer Gesamtheit als dem einzigen geschriebenen Wort Gottes. Es ist ohne Irrtum in allem, was es bekrĂ€ftigt und ist der einzige unfehlbare MaĂstab des Glaubens und Lebens. Wir bekennen zugleich die Macht des Wortes Gottes, Seinen Heilsplan zu verwirklichen. Die Botschaft der Bibel ist an die ganze Menschheit gerichtet, denn Gottes Offenbarung in Christus und in der Heiligen Schrift ist unwandelbar. Der Heilige Geist spricht noch heute durch diese Offenbarung. Er erleuchtet Sein Volk in allen Kulturen. So erkennen die GlĂ€ubigen Seine Wahrheit immer neu. Der Heilige Geist enthĂŒllt der ganzen Gemeinde mehr und mehr die vielfĂ€ltige Weisheit Gottes.â[67]
Die Bibel ist genug! Was wir brauchen, ist eine RĂŒckbesinnung auf dieses Grundprinzip der Apostel und der Theologie, damit wir uns an das halten, was die Reformation unter verstand âsola scripturaâ verstanden hat. Packer schrieb sehr treffend: âIch höre auf die Schrift, um Gott predigen zu hören und mich in theologischen und praktischen Angelegenheiten, Glaubens- und Verhaltensfragen, Fragen der Lehre, Fragen der Anbetung, Fragen der Hingabe, Fragen der Orthodoxie (des rechten Glaubens) und der Orthopraxie (des rechten Lebens) unterweisen zu lassen.â[68] Diese Grundhaltung mĂŒssen wir beibehalten und wo nötig wiedergewinnen.
In der Dogmatik mĂŒssen wir an einer heilsgeschichtlichen und bekenntnisgebundenen VerkĂŒndigung des Evangeliums festhalten. Unsere Lehre muss in der Heiligen Schrift verwurzelt sein und sich von dort aus entfalten. Wie Harald Seubert erklĂ€rt:
âWo nicht von Gottes Offenbarung in Christus und seinem Wort her gesprochen und gelehrt wird, bleiben auch Aussagen zu Zeitfragen phrasenhaft, vernebelt, letztlich nichtig. Dies fĂŒhrt zu einer BankrotterklĂ€rung. Kirche ist dort, wo sie sich dem Zeitgeist angliedert und angleicht, in ihrer eigenen Blase befangen, eben weil nicht profund aus der Mitte und Breite und Tiefe, aus dem Wort vom Kreuz und der befreienden Kraft des Evangeliums gelehrt und verkĂŒndigt wird.â[69]
Aus diesem Grund ist die stellvertretende SĂŒhne das HerzstĂŒck unserer Dogmatik. Sie ist nicht optional oder ein Teil unter vielen Aspekten der neutestamentlichen Botschaft, sondern sie ist der innerste Kern des Evangeliums. Daher bekennen wir in der Glaubensbasis der EuropĂ€ischen Evangelischen Allianz (EEA) in Artikel 4 und 5 auch zurecht:
â4. Das stellvertretende Opfer des menschgewordenen Gottessohnes als einziger und allgenugsamer Grundlage der Erlösung von der Schuld und Macht der SĂŒnde und ihren ewigen Folgen.
5. Die Rechtfertigung des SĂŒnders allein durch die Gnade Gottes aufgrund des Glaubens an Jesus Christus, der gekreuzigt wurde und von den Toten auferstand.â[70]
Auf diese Weise verlassen wir uns auf die Erlösung, die objektiv geschehen ist und uns am Kreuz auf Golgatha geschenkt wurde. Wir verlassen uns nicht auf eine individuelle, auf Erfahrung beruhende Ăberzeugung, sondern auf das extra nos der Rechtfertigung allein aus Gnade durch den Glauben. Deshalb stimmen wir an dieser Stelle mit Ingolf Dalferth ĂŒberein, wenn er warnt: âNicht unser Erleben ist daher der Anfang der Theologie, sondern dass man ohne Gott nichts erleben kann. [âŠ] Erfahrungsbasierte Theologie kommt mit dem Tod an ihr Ende. Christliche Theologie beginnt mit der Auferweckung.â[71]
Wenn wir diesen Ansatz in der Lehre auf der Grundlage der Heiligen Schrift haben, können wir auch eine theozentrische Ethik auf der Grundlage des Naturrechts entwickeln. Wie John Lennox und David Gooding in ihrer Ethik erklĂ€ren: âDas Moralgesetz besteht nicht aus einer Reihe von unpersönlichen Regeln und Vorschriften: Es ist der erklĂ€rte Wille des dreieinigen Schöpfers. Der Gehorsam der Menschheit ist daher immer letzten Endes nicht bloĂ eine Frage des Befolgens eines Gesetzes, sondern des Gehorsams gegenĂŒber einer Person.â[72] Der deutsche Ethiker Helmut Burkhardt, beginnt seine theozentrische Ethik deshalb auch mit der Grunddefinition: âRichtig handelt, wer dem Willen Gottes entsprechend handelt.â[73]
Dies fĂŒhrt uns auf das konfliktreichen Mienenfeld der Sexualethik. Auch wenn sich gesellschaftliche Normen verĂ€ndern, muss die christliche Theologie angemessene Antworten finden, aber sie darf sich nicht von diesen VerĂ€nderungen treiben lassen. Was die Evangelikale Bewegung braucht, ist eine protestantische Theologie des Leibes. Carl R. Truman schreibt:
âAuĂerdem muss die Kirche das Naturrecht und eine Theologie des Leibes wiederentdecken. [âŠ] Einfach ausgedrĂŒckt ist es die Vorstellung, dass die Welt, in der wir leben, nicht einfach ein moralisch neutraler âStoffâ ist, sondern in sich selbst eine moralische Ordnung aufweist. Insbesondere unser Körper ist kein GefĂ€Ă, das wir nur bewohnen und beleben. Er ist in tiefer und bedeutsamer Weise integraler Bestandteil unserer IdentitĂ€t, unseres Selbst.â[74]
Und der Neutestamentler Joel White, ergÀnzt:
âEine christliche Sexualethik, die [an den biblischen Standards] ausgerichtet ist, muss uns nicht peinlich berĂŒhren; im Gegenteil: Sie kann auch begeistern â gerade in unserer Zeit, die fĂŒr viele orientierungs- und haltlos geworden ist. Eine biblisch begrĂŒndete Sexualethik ist keine schlechte Nachricht darĂŒber, was Gott uns alles vorenthalten will, sondern eine gute Nachricht darĂŒber, wie schön das Leben sein kann, wenn man Gottes Design fĂŒr das intime Miteinandersein entdeckt.â[75]
Die Evangelikale Bewegung ist sicherlich nicht perfekt. Aber inmitten der gegenwĂ€rtigen Herausforderungen innerhalb der Bewegung und des raschen Wandels in der Gesellschaft steht die Evangelikale Bewegung in der Tradition von der Apostelgeschichte bis ins 21. Jahrhundert und tut ihr Bestes, um die Lehren ihres Herrn Jesus Christus zu verkĂŒnden und umzusetzen; und das in einer der Heiligen Schrift gemĂ€Ăen Weise. Daran mĂŒssen wir festhalten und weiter daran arbeiten. Aus diesem Grund schlieĂe ich dem hoffnungsvollen Ausblick von Carl Truman und Michael Reeves an:
âSchlieĂlich sollte sich die Kirche in ihrer Reaktion auf die gegenwĂ€rtige Zeit weder zu Verzweiflung noch zu Optimismus hinreiĂen lassen. Ersteres hieĂe, die VerheiĂung nicht ernst zu nehmen, dass die Kirche am Ende siegreich dastehen wird, weil die Pforten der Hölle sie nicht ĂŒberwĂ€ltigen werden. Letzteres bedeutet einfach, die Weichen fĂŒr eine tiefere Verzweiflung zu stellen, die sich dann spĂ€ter einstellt. Beide Sichtweisen fĂŒhren letztlich zu UntĂ€tigkeit, die eine aus einem GefĂŒhl der Ohnmacht heraus, die andere wegen ihrer NaivitĂ€t.â[76]
âDies ist weder die Zeit fĂŒr hoffnungslose Verzweiflung noch naiven Optimismus. Ja, lasst uns die verheerenden Folgen des SĂŒndenfalls beklagen, die sich nun auf die spezifische Weise zeigen, die sich unsere Generation ausgesucht hat. Lasst uns die Klage zugleich zum Anlass dafĂŒr nehmen, unsere IdentitĂ€t als Volk Gottes und unseren Hunger nach der groĂen Vollendung zu stĂ€rken, die uns bei der Hochzeit des Lammes erwartet.â[77]
âWĂ€hrend sich jede christliche Tradition im Laufe der Jahrhunderte in gewisser Weise verĂ€ndert hat, zeichnet sich der wahre Evangelikalismus dadurch aus, dass er sich stĂ€ndig reformiert, und zwar nicht, um sich jeder neuen Ăra anzupassen (wie es andere tun), sondern um dem Evangelium inmitten der besonderen Herausforderungen, die jedes Jahrhundert mit sich bringt, treu zu bleiben.â[78]
Martin P. GrĂŒnholz
Quelle: Martin P. GrĂŒnholz, Frank Hinkelmann (Hg.), Christlicher Glaube in den Herausforderungen unserer Zeit, Verlag fĂŒr Theologie und Gemeinde
Band 1: Der unverÀnderte Stellenwert der Heiligen Schrift
Band 2: Die alles entscheidende Bedeutung von Jesus Christus
Band 3: Der kostbare Schatz biblischer Ethik
Band 4: Die begrĂŒndete Einheit der Evangelikalen Bewegung
Wer Interesse an den BÀnden hat, kann die 4 KonferenzbÀnde der Konferenz Jesus25 inkl. Porto bei mir (gruenholz@wiedenest.de) gerne kÀuflich erwerben.

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[1]Â Â Â Â Â Vgl. Thorsten Dietz. Menschen mit Mission. Eine Landkarte der evangelikalen Welt. Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2022, 306-333.
[2]Â Â Â Â Â Thorsten Dietz. Menschen mit Mission, 321.
[3]Â Â Â Â Â Vgl. Thorsten Dietz. Menschen mit Mission, 331-333.
[4]Â Â Â Â Â Dave Tomlinson. The Post Evangelical. London: SPCK, 2014.
[5]Â Â Â Â Â Als Beispiel fĂŒr die bewusste Verwendung von Exevangelikal ist: Sarah McCammon. The Exvangelicals. Loving, Living, and Leaving the White Evangelical Church. New York City: St. Martinâs Publishing, 2024.
[6]Â Â Â Â Â Dave Tomlinson. The Post Evangelical, 6.
[7]Â Â Â Â Â Torsten Hebel; Daniel Schneider. Freischwimmer. Meine Geschichte von Sehnsucht, Glauben und dem groĂen, weiten Mehr. Holzgerlingen: SCM HĂ€nssler, 22016.
[8]Â Â Â Â Â Torsten Hebel; Daniel Schneider. Freischwimmer, 113.
[9]Â Â Â Â Â Vgl. Andreas Malessa. Und das soll man glauben? Warum ich der Bibel trotzdem vertraue. GĂŒtersloh: GĂŒtersloher Verlagshaus, 2024.
[10]Â Â Â Gottfried MĂŒller. Flucht aus Evangelikalien. Norderstedt: Books on Demand, 22019.
[11]Â Â Â Michael Diener. Raus aus der Sackgasse! Wie die pietistische und evangelikale Bewegung neu an GlaubwĂŒrdigkeit gewinnt. Asslar: adeo, 2021.
[12]Â Â Â Martin Benz. Wenn der Glaube nicht mehr passt. Ein Umzugshelfer. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlagsgesellschaft, 2022.
[13]   Auf Deutsch erschien das Buch zuerst 1998, Letztauflage (JubilĂ€umsausgabe) erfolgte 2009: Joshua Harris. UngekĂŒsst und doch kein Frosch. Warum sich warten lohnt â radikal neue Einstellungen zum Thema Nr. 1. AĂlar: GerthMedien, 2009.
[14]Â Â Â Vgl. âsignificant changes [that] have taken place in both of usâ: https://www.inâstagram.com/p/B0CtVRingGj/ [letzter Zugriff 09.03.2025].
[15]Â Â Â Vgl. https://www.theguardian.com/world/2019/jul/29/author-christian-relatiâonship-guide-joshua-harris-says-marriage-over [letzter Zugriff 09.03.2025]. Eine hilfreiche Einordnung dazu nach Kevin DeYoung vor: https://www.thegospelcoaliâtion.org/article/reflections-josh-harris-deconversion/ [letzter Zugriff 09.03.2025].
[16]Â Â Â Vgl. https://hossa-talk.de/ [letzter Zugriff 09.03.2025].
[17]Â Â Â Vgl. https://karte-und-gebiet.de/ [letzter Zugriff 09.03.2025].
[18]Â Â Â Vgl. https://www.reflab.ch/ [letzter Zugriff 09.03.2025].
[19]Â Â Â Vgl. https://worthaus.org/ [letzter Zugriff 09.03.2025].
[20]Â Â Â Vgl. https://worthaus.org/fakten/ [letzter Zugriff 09.03.2025].
[21]Â Â Â Preston Ulmer. Anders als geglaubt. Mit Christus vor Augen Dekonstruktion verstehen. Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2024, 103.110f.
[22]Â Â Â Volker GĂ€ckle. Windstille, Wandel und Gottes Wirken. In: Lebendige Gemeinde (4/2021), 16.
[23]Â Â Â Phil Johnson. âThe History of Evangelicalismâ. Pulpit Magazine (3/2009). https://web.archive.org/web/20100616020408/http:/www.shepherdsfellowship.âorg/pulpit/Posts.aspx?ID=4111 (letzter Zugriff 09.03.2025].
[24]Â Â Â Vgl. Frank Hinkelmann. Evangelikal in Deutschland, Ăsterreich und der Schweiz. Ursprung, Bedeutung und Rezeption eines Begriffs. Bonn: VKW, 2017, 9f.
[25]Â Â Â Frank Hinkelmann. Evangelikal, 14.
[26]Â Â Â Vgl. Frank Hinkelmann, Evangelikal, 16-18.
[27]   Vgl. Martin Reppenhagen. Kirchen in der Krise â die Mainlinekirchen in den USA. In: Theologische BeitrĂ€ge 55 (2024), 256-266.
[28]   Wenn auch keine erstmalige Nennung, so doch ein zentrales Elemente beim Durchbruch des Begriffs âEvangelikalâ im deutschen als SelbstverstĂ€ndnis und IdentitĂ€tsbegriff fĂŒr die eigene Frömmigkeit und geistliche PrĂ€gung war das 1972 veröffentlichte Buch Fritz Laubach. Aufbruch der Evangelikalen. Wuppertal: Brockhaus, 1972.
[29]Â Â Â Michael Reeves. Menschen des Evangeliums. Bad Oeynhausen: Verbum Medien, 2024, 145.
[30]Â Â Â Vgl. David W. Bebbington. Evangelicalism in Modern Britain. A History from the 1730s to the 1980s. London: Unwin Hyman, 1989, 2-17.
[31]Â Â Â Michael Reeves. Menschen des Evangeliums, 16.
[32]Â Â Â Michael Reeves/John Stott. The Reformation: What You Need to Know and Why. Peabody: Hendrickson, 2017, 31. Deutsche Ăbersetzung zitiert nach Michael Reeves, Menschen des Evangeliums, 149.
[33]Â Â Â Eine gute EinfĂŒhrung ĂŒber die philosophische Theorie des Dekonstruktivismus gibt Peter V. Zima. Die Dekonstruktion. TĂŒbingen: A. Francke Verlag, 22016. Sowie speziell auf die damit eng verknĂŒpfte Frage nach dem Menschen als Subjekt: Peter V. Zima. Theorie des Subjekts. Stuttgart: UTBA. Francke, 42017.
[34]Â Â Â Jean-Luc Nancy. Dekonstruktion des Christentums. ZĂŒrich/Berlin: Diaphanes, 2008.
[35]Â Â Â Melanie Mudge, zitiert in: Ulmer Preston. Anders als geglaubt, 18f.
[36]   Der Theologe Markus Voss berichtet in einem Vortrag von vielen konkreten Erfahrungsberichten, ohne einen Anspruch auf reprÀsentative Auswertung zu erheben. Vgl. Markus Voss. Dekonstruktion durch Worthaus. 2023: https://youtu.be/aLp3Xdh4fxo?si=0drHdKLPlK5KH5w5 [letzter Zugriff 09.03.2025].
[37]   Rebecca McLaughlin. Kreuzverhör. 12 harte Fragen an den christlichen Glauben. Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 2022.
[38]   Natha Bubenzer. Ăberrascht von Furcht. CorgĂ©mont: Crosspaint, 42022.
[39]    Alisa Childers. Ankern. Eine Verteidigung der biblischen Fundamente in postmodernen GewÀssern. Basel: Fontis Verlag, 32024.
[40]Â Â Â Alisa Childers, Ankern, 19f.
[41]Â Â Â Blog, Predigten sowie die Podcasts âMovecastâ und âLovecastâ (letzter gemeinsam mit seiner Frau speziell zu sexualethischen Themen) von Martin Benz finden sich ĂŒber seine Homepage https://movecast.de/ [letzter Zugriff 09.03.2025].
[42]Â Â Â Vgl. Martin Benz, Wenn der Glaube nicht mehr passt, 13-48.
[43]   Vgl. Martin Benz, Wenn der Glaube nicht mehr passt, 49-172. Vertieft auf die Fundamentalethik gehen Thorsten Dietz und Tobias Faix in ihrem Ethik-Podcast ein, vgl. https://karte-und-gebiet.de/ [letzter Zugriff 09.03.2025], sowie in dem Buch Thorsten Dietz; Tobias Faix. Transformative Ethik. Wege zum Leben. Eine EinfĂŒhrung in eine Ethik zum Selberdenken. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 2021. In dem jĂŒngst erschienenen zweiten Teil der Reihe behandeln sie detailliert die Sexualethik. Erfreulicherweise stellen sie dieser eine anthropologische Einordnung voran und geben auch einen kurzen Einblick in ihre Hamartiologie. Das auf wenige Zeilen komprimierte VerstĂ€ndnis zeigt, dass sie SĂŒnde primĂ€r immanentistisch verstehen und dadurch menschliche Erfahrungen und rationale Ăberlegungen in den Fokus stellen, wĂ€hrend die transzendente Dimension Gottes kaum berĂŒcksichtigt wird. Diese Konsequenzen zeigen sich im weiteren Verlauf bei fast jeder ethischen Schlussfolgerung, vgl. Thorsten Dietz; Tobias Faix. Transformative Ethik. Wege zur Liebe. Eine Sexualethik zum Selberdenken. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 2025, 69-90.
[44]   Benjamin Kilchör. Eine Buchbesprechung. Glaube und Erfahrung mĂŒssen nicht ĂŒbereinstimmen (17.05.2023); https://www.livenet.ch/news/vermischtes/22972_glaube_âund_erfahrung_muessen_nicht_uebereinstimmen [letzter Zugriff 09.03.2025]
[45]Â Â Â Thorsten Dietz stellt ihn in einem Blogbeitrag vor: Vgl. Thorsten Dietz. David Gushee und die Postevangelikalen â Eine globale Reise (18.09.2022); https://www.refâlab.ch/david-gushee-und-die-postevangelikalen-eine-globale-reise/ [letzter Zugriff 09.03.2025].
[46]Â Â Â David P. Gushee. After Evangelicalism. The Path to a New Christianity. Louisville: Westminster John Knox, 2020, 122f [Sofern nicht anders angegeben und keine deutschsprachigen Ausgaben vorliegen wurden die englischen Zitate vom Verfasser ins Deutsche ĂŒbersetzt].
[47]Â Â Â Siehe FuĂnote 43.
[48]Â Â Â Thorsten Dietz in: Karte & Gebiet. Ethik zu Selberdenken. Hartmut Rosa: Gibt es ein gutes Leben in der Moderne? â Folge 35; (26.04.2024), 1:08:44â1:09:23 https://open.spotify.com/episode/4uC6vWzFyQlOXJiCDhZO9U?si=AzRSXhEURpafFYsIm3Qklg [letzter Zugriff 09.03.2025].
[49]Â Â Â Jakob Friedrichs. Ist das Gott oder kann das weg? AĂlar: Gerth Medien, 2020, 18.
[50]Â Â Â Jason Liesendahl. Gott kann auch nicht alles. EinfĂŒhrung in die Prozesstheologie. Trier: ruach.jetzt, 2024, 40-42.
[51]   Mehr dazu in Band 2 dieser Reihe, vgl. Martin P. GrĂŒnholz. âFĂŒr unsere SĂŒnde. Stellvertretung als Mitte der Erlösungâ. In: Martin P. GrĂŒnholz/Frank Hinkelmann (Hg.): Die alles entscheidende Bedeutung von Jesus Christus. Christlicher Glaube in den Herausforderungen unserer Zeit 2. Petzenkirchen: VGTG, 2025, 125-166.
[52]Â Â Â Siegfried Zimmer. Der Prozess vor Pilatus (Mk 15, 1-15) | 9.4.2 (10.06.2019); https://youtu.be/w2lVEExi164?si=TPlmYbQ9X0zM5Crk&t=3327; 55:20 [letzter Zugriff: 09.03.2025].
[53]Â Â Â Thorsten Dietz. Der Prozess: Warum ist Jesus gestorben? Worthaus 9.4.3, (10.6.2019), 1:10:20-1:10:30 [letzter Zugriff 09.03.2025].
[54]Â Â Â Jakob Friedrichs. WofĂŒr starb Jesus? Teil 1, Hossa Talk #34 (20.03.2016), https://hossa-talk.de/34-das-kreuz-wofuer-starb-jesus-teil-1/, 56:40 [letzter Zugriff 09.03.2025].
[55]Â Â Â Jason Liesendahl. Gott kann auch nicht alles, 194f.
[56]Â Â Â David P. Gushee. After Evangelikalism, 43.
[57]Â Â Â David P. Gushee. After Evangelikalism, 45.
[58]   Rolf Hille. Eine Landkarte in unwegsamem GelĂ€nde. Herausforderungen zu einem kritisch-konstruktiven GesprĂ€ch mit Thorsten Dietz. 6f. Abrufbar ĂŒber: https://www.biâbelundbekenntnis.de/aktuelles/hat-das-postevangelikale-brueckenbauen-grenâzen/ [letzter Zugriff 09.03.2025].
[59]Â Â Â Michael Reeves. Menschen des Evangeliums, 120.
[60]   Vgl. Cedric Grossmann/Benjamin Carstens. Dekonstruktion â Zerstörung oder Rettung des Glaubens? https://www.wiedenest.de/artikel/dekonstruktion-zerstoerung-oder-rettung-des-glaubens [letzter Zugriff 09.03.2025].
[61]Â Â Â Vgl. Jim Davis/Michael Graham. The Great Dechurching. Whoâs Leaving, Why Are They Going, and What Will it Take to Bring Them Back? Grand Rapids: Zondervan, 2023, 215-225.
[62]Â Â Â Vgl. Alisa Childers/Tim Barnett. The Deconstruction of Christianity. What It Is, Why Itâs Destructive, and How to Respond. Carol Stream: Tyndale House, 2023, 199-255.
[63]Â Â Â Alisa Childers. Ankern, 257f.
[64]   Als Auswahl sei, neben den bereits angefĂŒhrten BĂŒchern, auf Folgende verwiesen: Alister E- McGrath. Christian Apologetics. An Introduction. Chichester: John Wiley & Sons Ltd. 2024. Os Guinness. Narrenrede. Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 2025. Gerrit Hohage. Tief verwurzelt glauben. Wie man heute christlich denken kann. Witten: SCM Brockhaus, 2024. Timothy Keller. Warum Gott? VernĂŒnftiger Glaube oder Irrlicht der Menschheit? GieĂen: Brunnen Verlag, 62015. William Lane Craig. theo:logisch. Warum der christliche Glaube vernĂŒnftig ist. Neuried: Christlicher Veranstaltungs- und Mediendienst, 22025. Gavin Ortlund. Warum Gott sinn (er)gibt. Ăber die Schönheit des christlichen Theismus. Neuried: Tenet, 2024. Glen Scrivener. Wie die Luft, die wir atmen. Warum wir alle an Freiheit, MenschenwĂŒrde und Gleichheit glauben. Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 2023. Christopher Watkin. Biblical Critical Theory. How the Bibleâs Unfolding Story Makes Sense of Modern Life and Culture. Grand Rapids: Zoondervan, 2022.
Und ebenso folgende Blogs- und Podcasts: https://apologetik-projekt.de/; https://âbibelfit.markusvoss.net/s/markusvossde; https://danieloption.ch/; https://glauâbendenken.net/; https://offen.bar/; https://www.thegospelcoalition.org/thekelâlercenter/; https://truthunites.org/.
[65]   Mit der Verwendung des Begriffs âtheologische Triageâ schlieĂe ich mich explizit an Gavin Ortlund an, der vor kurzem ein Ă€hnliches Modell vorgelegt hat: Gavin Ortlund. WofĂŒr es sich zu kĂ€mpfen lohnt und wofĂŒr nicht. Ein PlĂ€doyer fĂŒr theologische Triage. Bad Oeynhausen: Verbum Medien, 2025. Einen Ă€hnlichen Entwurf mit dem Versuch von vielen, konkreten Einordnungen in einer Triage hat Haslebacher vorgelegt: Christian Haslebacher. V.U.K.A. â Theologie in einer V.U.K.A. â Welt? (21.01.2021), https://danieloption.ch/theologie/vuka-theologie-ch/ [letzter Zugriff 09.03.2025].
[66]   Gavin Ortlund. WofĂŒr es sich zu kĂ€mpfen lohnt, 115.
[67]   Lausanner Verpflichtung (1974). Art. 2: Die AutoritĂ€t der Bibel https://lausanne.org/âde/statement/lausanner-verpflichtung [letzter Zugriff 09.03.2025].
[68]   J. I. Packer. Engaging the Written Word of God. Peabody: Hendrickson, 2012, 162.
[69]Â Â Â Harald Seubert. Heilsgeschichte und der dreieinige Gott. In: Diakrisis, 43 (3/2022), 132.
[70]Â Â Â European Evangelical Alliance. Glaubensbasis. https://www.europeanea.org/wp-content/uploads/2019/11/2019-11_EEA-basis_of_faith_german.pdf [letzter Zugriff 09.03.2025].
[71]Â Â Â Ingolf U. Dalferth. SĂŒnde. Die Entdeckung der Menschlichkeit. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 32024, 425.
[72]Â Â Â David Gooding/John Lennox. Was sollen wir tun. Was ist das beste Konzept fĂŒr Ethik? (Die Suche nach Wirklichkeit und Bedeutung 3. Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 2021, 121.
[73]Â Â Â Helmut Burkhardt. EinfĂŒhrung in die Ethik Bd. 1. Grund und Norm sittlichen Handelns. Fundamentalethik. GieĂen: Brunnen, 1996, 49.
[74]   Carl R. Trueman. Fremde neue Welt. Wie Philosophen und Aktivisten IdentitÀt umdefiniert und die sexuelle Revolution entfacht haben. Bad Oeynhausen: Verbum Medien, 2023, 230.
[75]Â Â Â Joel White. Was sich Gott dabei gedacht hat. Eine biblische Basis einer christlichen Sexualethik. Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2021, 23.
[76]Â Â Â Carl R. Trueman, Fremde neue Welt, 233.
[77]Â Â Â Carl R. Trueman, Fremde neue Welt, 235.
[78]Â Â Â Michael Reeves, Menschen des Evangeliums, 153.
Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 11. September 2025 um 9:52 und abgelegt unter Buchempfehlungen, Gemeinde, Kirche, Theologie.















