Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Israel in der Endzeit: Jerusalem – Taumelschale der Nationen (Sacharja 12,1–10)

Sonntag 20. Juli 2025 von Johann Hesse


Johann Hesse

Der Gottesbeweis des preußischen Generals

Der berühmte preußische General Hans Joachim von Zieten, bekannt für seine militärischen Erfolge, sein sehr enges und freundschaftliches Vertrauensverhältnis zu Friedrich dem Großen und seinen tiefen christlichen Glauben wurde einmal vom Preußenkönig gefragt, ob er ihm einen Gottesbeweis nennen könne. Zieten soll geantwortet haben: „Majestät – die Juden“. Möglicherweise ist diese Geschichte nur eine von vielen Preußenlegenden, aber der Sache nach ist sie richtig. Wer sich mit der Geschichte Israels und des jüdischen Volkes befasst, wird unschwer die Handschrift des souveränen Gottes und Weltenlenkers darin erkennen.

Wir lesen Sacharja 12,1–10: Jerusalem – Taumelschale der Nationen

„Dies ist die Last, die der HERR ankündigt. Über Israel spricht der HERR, der den Himmel ausbreitet und die Erde gründet und den Odem des Menschen in ihm macht: 2 Siehe, ich will Jerusalem zum Taumelbecher zurichten für alle Völker ringsumher, und auch Juda wird’s gelten, wenn Jerusalem belagert wird. 3 Zur selben Zeit will ich Jerusalem machen zum Laststein für alle Völker. Alle, die ihn wegheben wollen, sollen sich daran wund reißen; alle Völker auf Erden werden sich gegen Jerusalem versammeln. 4 Zu der Zeit, spricht der HERR, will ich alle Rosse scheu und ihre Reiter irre machen, aber über das Haus Juda will ich meine Augen offen halten und alle Rosse der Völker mit Blindheit plagen. 5 Und die Fürsten in Juda werden sagen in ihrem Herzen: Die Bürger Jerusalems sind meine Stärke in dem HERRN Zebaoth, ihrem Gott! 6 Zu der Zeit will ich die Fürsten Judas machen zum Feuerbecken mitten im Holz und zur Fackel im Stroh, dass sie verzehren zur Rechten und zur Linken alle Völker ringsumher. Aber Jerusalem soll auch fernerhin bleiben an seinem Ort zu Jerusalem. 7 Und der HERR wird zuerst die Hütten Judas erretten, auf dass sich nicht zu hoch rühme das Haus David noch die Bürger Jerusalems wider Juda. 8 Zu der Zeit wird der HERR die Bürger Jerusalems beschirmen, und es wird zu dieser Zeit geschehen, dass, wer von ihnen strauchelt, sein wird wie David; und das Haus David wird sein wie Gott, wie der Engel des HERRN vor ihnen her. 9 Und zu der Zeit werde ich darauf bedacht sein, alle Völker zu vertilgen, die gegen Jerusalem gezogen sind. 10 Aber über das Haus David und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets. Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um das einzige Kind, und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübt um den Erstgeborenen.“ (Sacharja 12,1–10)

1. Die Rückkehr der Juden und die Staatsgründung Israels

1.1      Die Botschaft des Propheten Sacharja

Der Prophet Sacharja lebte um das Jahr 500 v. Chr. Das 70-jährige babylonische Exil lag bereits einige Jahrzehnte zurück. Die Perser unter Führung ihres großen König Kyros, hatten die Babylonier besiegt und den Juden erlaubt, in ihre Heimat zurückzukehren und den Tempel in Jerusalem wiederaufzubauen. Doch während der Wiederaufbau des Tempels stockte und ständig verschoben wurde, wurden in Jerusalem schon prächtige und kostbar getäfelte Privathäuser gebaut. Sacharja forderte das Volk auf, sich wieder dem Bau des Tempels zuzuwenden. Doch Sacharja sieht viel mehr: In seinen Prophetien sieht er die Zukunft Israels, der Völker, das erste und das zweite Kommen des Messias. Besonders die Kapitel 12-14 handeln von einem letzten großen Krieg um Jerusalem und der Wiederkunft des Messias.

1.2      Eine Botschaft für Israel und die Völker vom Schöpfer des Himmels und der Erde

„Dies ist die Last, die der HERR ankündigt. Über Israel spricht der HERR, der den Himmel ausbreitet und die Erde gründet und den Odem des Menschen in ihm macht“ (Sach 12,1).

Sacharja hat eine Botschaft des Herrn empfangen: Es ist eine Weissagung über Israel. Das ist insofern bezeichnend, als es „Israel“ in der Lebenszeit des Propheten gar nicht mehr gibt. Das Nordreich Israel gab es schon seit 722 v. Chr. nicht mehr und Juda war nicht mehr als ein persischer Verwaltungsbezirk. Israel? Welches Israel? Sacharja sieht ein kommendes Israel, es geht um ein Israel in einer kommenden Zeit, ein endzeitliches Israel, wie der Zusammenhang der Kapitel 12-14 ohne Zweifel deutlich macht.[1]

Wer spricht hier? Es ist Jahwe, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott Israels. Es ist der Gott, der den Himmel ausgebreitet und die Fundamente der Erde gesetzt hat; es ist der Gott, der den Menschen geschaffen und zum Leben erweckt hat. Er, der Himmel und Erde gemacht hat und den Menschen erschaffen hat, er hat die Autorität und Macht die folgenden Ereignisse über Israel, die Nationen und das Ende der Weltgeschichte anzukündigen und auch zur Erfüllung zu bringen. Selbst wenn zwischen Prophetie und Erfüllung ein Zeitraum von Jahrtausenden liegen sollte, dann wird das eintreffen, was Gott hier sagt. „Denn wenn er spricht, so geschieht’s; wenn er gebietet, so steht’s da.“ (Psalm 33,9)

1.3      Eine Botschaft für das Ende der Geschichte

Es gibt einen weiteren Hinweis darauf, dass Sacharjas Spruch auf eine ferne Zukunft, ja auf das Ende der Geschichte überhaupt weist. Zunächst einmal der Zusammenhang: Es ist offensichtlich, dass die angekündigten Ereignisse im engen Zusammenhang mit der Durchbohrung des Messias und seiner sichtbaren Wiederkunft am Ende der Zeiten steht (Sach 12,10; Offb 1,7–8). Außerdem ist es die Formulierung: „Zu dieser Zeit“ oder genauer: „An diesem Tage“ (בַּיֹּ֣ום הַה֡וּא). Sacharja sieht einen Tag in der Zukunft, einen kommenden Tag, an dem sich diese Prophetien erfüllen werden. Wir finden die Wendung „an diesem Tage“ in den Versen 3, 4,6,8,9,11; 13,1.

1.4      Die Zeit der Nationen

Wie verlief die jüdische Geschichte nach Sacharja? Die Perser wurden von Alexander dem Großen besiegt. Nun herrschten die Griechen im Nahen Osten (Seleukidenreiche). Diese wurden von den Römern abgelöst. Jesus wurde unter den Römern vor den Toren Jerusalems gekreuzigt. Vierzig Jahre später wurde Jerusalem erobert, der Tempel zerstört und das jüdische Volk in die Sklaverei geführt (70 n. Chr.), so wie es Jesus vorhergesagt hatte. In den folgenden Jahrhunderten gab es kein nationales Israel mehr. Jerusalem und das verheißene Land fielen in die Hände der Völker: Römisches Reich, Byzanz, die persischen Sassaniden (614–628), die Araber (638), die Kreuzfahrerstaaten, die Osmanen (1517–1917), britisches Mandatsgebiet Palästina (1922–15. Mai 1948).

Jesus hat über diese Zeit folgendes gesagt: „Und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind“ (Lk 21,24). Jesus kündigte die Eroberung Jerusalems durch die Römer und einen unbestimmten Zeitraum an, in dem Jerusalem von den Nationen der Erde zertreten werden wird. Genau das ist in den folgenden 1.900 Jahren geschehen. Im Verlauf der Geschichte gab es kein nationales Israel mehr und Jerusalem wurde von den Nationen erobert und zertreten.

1.5      Die Sammlung Israels am Ende der Zeiten

Doch wo immer das jüdische Volk in den vergangenen fast 2.000 Jahren hinkam, nahm es die Schriften der Propheten mit sich. Die Juden studierten die Thora und lasen von der Rückkehr des jüdischen Volkes nach Jerusalem und auf die Berge Judäas und Samarias:

Die Juden konnten Jerusalem nicht vergessen (Psalm 137,5–6) und sie wussten, dass es einst eine Wiederherstellung der Nation geben würde, denn beim Propheten Hesekiel, der kurz vor Sacharja gewirkt hat, sagt Gott über eine feindliche Großallianz von Völkern, die Israel angreifen wird:

„Nach langer Zeit sollst du aufgeboten werden. Zur letzten Zeit (בְּאַחֲרִ֨ית הַשָּׁנִ֜ים = Am Ende der Jahre [Menge, ELBF]; in ferner Zukunft [HfA]),  wirst du in ein Land kommen, das dem Schwert entrissen ist, das aus vielen Völkern gesammelt ist, nämlich auf die Berge Israels, die lange Zeit verwüstet gewesen sind, und nun ist es herausgeführt aus den Völkern, und sie alle wohnen sicher“ (Hesekiel 38,8).

Und die Juden wussten, dass Gott in der Vergangenheit genauso gehandelt hatte: Auf Vertreibung, Deportation und Leben im Exil folgte die Sammlung und Rückkehr ins verheißene Land:

„Höret, ihr Völker, des HERRN Wort und verkündet’s fern auf den Inseln und sprecht: Der Israel zerstreut hat, der wird’s auch wieder sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde; denn der HERR wird Jakob erlösen und von der Hand des Mächtigen erretten“ (Jeremia 3,10–11).

1.6      Die Ankündigung von Johann-Heinrich Jung Stilling (1740–1817)

Im Jahr 1795 schrieb der Augenarzt und Dichter Johann Heinrich Jung-Stilling in seinem vierbändigen Werk „Heimweh“ folgende mit prophetischer Weitsicht aufgezeichneten Worte:

„Es wird einmal eine Zeit kommen, wo einer etwa in einem Winkel oder in einer alten Büchersammlung ein verlegtes, längst vergessenes Buch von vier Bänden finden und den Titel „Das Heimweh von Heinrich Stilling“ lesen wird, und wenn er dann im Durchblättern auf diese Stelle kommt, so wird er stutzen und sagen: „Es gab auch damals Leute, die in jenen dunklen, trüben und verworrenen Zeiten in die Zukunft sahen und ein und anderes ahnen konnten. Ja, lieber Urenkel! Wer du auch sein magst, wir haben ein festes prophetisches Wort….

Aus dieser Quelle schöpfe ich auch nun eine Antwort: „Gott hat durch seine Knechte, die Propheten der alten Zeit, verkündigt, dass das Volk Israel in alle Welt zerstreut werden sollte. Wer kann leugnen, dass es nicht geschehen sei? Eben durch die nämlichen Propheten hat er auch verkündigt, dass dieses Volk wieder aus allen vier Winden gesammelt und zur letzten Zeit wieder in das Land gebracht werden soll, das er ihren Stammvätern und ihren Nachkommen auf ewig zu besitzen verheißen hat. Das Land Palästina wird also dereinst bald in christliche Hände kommen und dann dem jüdischen Volk wieder eingeräumt werden. … Wer lachen oder spotten mag, der lache und spotte, die Zeit wird mich rechtfertigen.“[2]

1.7      Die Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948

Rund 1.900 Jahre nach der Zerstörung Jerusalems und der Vertreibung der Juden, ihrer Zerstreuung im ganzen Römischen Weltreich und nach Jahrhunderten in der weltweiten Diaspora, sammelte sich das jüdische Volk nach dem Holocaust wieder im verheißenen Land. Am 14. Mai 1948 kam es zur Wiedergeburt des Staates Israel und zur Wiederbelebung des jüdischen Volkes, jüdischer Kultur und hebräischer Sprache. Uralte Prophezeiungen hatten sich erfüllt, um die Bühne zu bereiten für das große Finale der Weltgeschichte.

 

2. Die globale Allianz gegen Israel und der Angriff auf Jerusalem

„Siehe, ich will Jerusalem zum Taumelbecher zurichten für alle Völker ringsumher, und auch Juda wird’s gelten, wenn Jerusalem belagert wird. Zur selben Zeit will ich Jerusalem machen zum Laststein für alle Völker. Alle, die ihn wegheben wollen, sollen sich daran wund reißen; alle Völker auf Erden werden sich gegen Jerusalem versammeln“ (Sacharja 12,2–3).

2.1      Jerusalem als Taumelschale und Laststein für die Völker

Was ist ein Taumelbecher oder genauer eine Taumelschale (סַף־רַ֛עַל)? Dies ist ein bekanntes Bild, das wir auch bei anderen Propheten finden: Wen der Herr bestrafen und richten will, dem reicht er einen Kelch mit Wein, der ausgetrunken werden muss und den, der es trinkt, zum Taumeln und zum Stürzen bringt (Ps 60,5; Jes 52,17; vgl. Jer 13,12–13; ). Der Herr will Jerusalem zu einer großen Schale machen, aus der die Völker der Erde Wein trinken und sich daran berauschen, taumeln und zu Fall kommen werden.

Was ist ein Laststein (אֶ֤בֶן מַֽעֲמָסָה֙)? Hier ist ein sehr schwerer Stein im Blick, der entweder in einem Wettbewerb oder als Beute nach der Eroberung einer Stadt weggeschleppt werden soll, aber diejenigen, die ihn tragen wollen, verheben sich daran und verletzen sich so schwer, dass ihr Unterfangen scheitert.

Wer ist der Handelnde? Es ist Gott selbst. Er wird dafür sorgen, dass Jerusalem zum Taumelbecher und zum Laststein für die Völker wird. Gott kündigt hier an, dass er selbst die Völker zu einem letzten großen Krieg nach Israel versammeln wird. Er wird Ihnen Jerusalem zum Zankapfel werden lassen, um den sich alle Völker streiten werden.

Welches Ziel verfolgt Gott damit? Die Völker der Erde sollen sich daran berauschen, taumeln und stürzen, sie sollen sich an Israel und Jerusalem verheben, verletzen und fallen – Gott leitet so das Gericht über die Völker ein, das er schon lange angekündigt hat.[3]

2.2      Der Kampf der Völkerallianz gegen Jerusalem

Der Herr kündigt hier an: „alle Völker auf Erden werden sich gegen Jerusalem versammeln“ (Sach 12,3).

Wir finden diese Ankündigung auch im 14. Kapitel des Sacharjabuches:

„Siehe, es kommt für den HERRN der Tag, dass man in deiner Mitte austeilen wird, was man dir geraubt hat. Denn ich werde alle Völker sammeln zum Kampf gegen Jerusalem. Und die Stadt wird erobert, die Häuser werden geplündert und die Frauen geschändet werden. Und die Hälfte der Stadt wird gefangen weggeführt werden, aber das übrige Volk wird nicht aus der Stadt ausgerottet werden“ (Sach 14,1–2).

Sacharja macht deutlich, dass die gottfeindlichen Mächte in der letzten Schlacht der Weltgeschichte, die unter der Führung des Antichristen gegen Jerusalem und das Volk Israel in den Krieg ziehen werden, zunächst die Oberhand haben werden. Es gelingt der globalen Allianz, Israel in die Enge zu treiben und die Oberhand zu gewinnen. Israel muss zunächst durch eine schreckliche Bedrängnis hindurch und es sieht alles nach einer gewaltigen und verlustreichen Niederlage aus.

Im Propheten Hesekiel lesen wir, dass Gott am Ende der Zeit eine großes Völkerheer unter der Führung von Gog aus Magog gegen Israel ziehen lassen wird.

„Ich will dich herumlenken und dir Haken ins Maul legen und will dich herausführen mit deinem ganzen Heer. … Du wirst heraufziehen und daherkommen wie ein Sturmwetter und wirst sein wie eine Wolke, die das Land bedeckt, du und dein ganzes Heer und die vielen Völker mit dir. So spricht Gott der HERR: Zu jener Zeit wird dir dies in den Sinn kommen, du wirst Böses planen“ (Hesekiel 38,4.9–10; vgl. Offb 16,14–16).

Gott wird dafür sorgen, dass sich am Ende der Geschichte eine globale Völkerallianz versammeln wird, um das Jerusalem-Problem und die Israel-Frage ein für alle Mal und endgültig zu lösen.

2.3      Israel rückt in den Mittelpunkt des Weltgeschehens

Am Ende der Geschichte verlagert sich der Schwerpunkt des Weltgeschehens wieder nach Israel, dem Land der Väter: „Dort fing die Heilsgeschichte an, dorthin konzentriert sie sich am Ende. Israel, der geographische Ausgangspunkt der biblischen Offenbarung, wird in den Tagen des Endes noch einmal in den Mittelpunkt des Weltinteresses rücken.“[4]

2.4      Die Israel-Obsession der Vereinten Nationen

Die Vereinten Nationen mit Sitz in New York erlassen regelmäßig Resolutionen gegen solche Nationen, die gegen das Völkerrecht verstoßen. Wer führt diese Liste der Schurkenstaaten wohl an? Nordkorea, Russland, das Mullah-Regime im Iran, Afghanistan? Fehlanzeige. Die Liste wird angeführt von Israel.

„Für den Zeitraum zwischen 2015 und 2022 dokumentiert UN-Watch 140 Resolutionen der UN-Generalversammlung zu Israel. Gleichzeitig habe es 68 Beschlüsse zu anderen Ländern gegeben. … Der UN-Menschenrechtsrat wiederum hat demnach von 2006 bis 2022 insgesamt 99 Resolutionen gegen Israel verabschiedet. 41 weitere richteten sich gegen Syrien, 13 gegen den Iran, vier gegen Russland und drei gegen Venezuela.“[5]

Die UN hat eine regelrechte Israel-Obsession. Sie verurteilt Israel mehr und öfter als alle anderen Nationen der Erde zusammen.

Das gleiche Phänomen findet sich in den Medien: Viele Konflikte der Erde werden kaum thematisiert, aber sobald etwas in Israel passiert, berichten alle Medienhäuser der Erde und immer mehr sehen wir, wie Israel in der Berichterstattung negativ dargestellt wird.

Weltweit beobachten wir ein Phänomen, das es in dieser Intensität in den vergangenen 77 Jahren seit der Staatsgründung Israels nicht gegeben hat: Ein wachsender Hass auf Israel, eine Explosion eines hasserfüllten Antisemitismus an den Universitäten, in den Medien und auf den Straßen und Plätzen auf der ganzen Erde. Israel gerät immer mehr in eine globale Isolation, Ächtung und Außenseiterstellung.

Hier bereitet sich offensichtlich vor, was Gott angekündigt: „Zur selben Zeit will ich Jerusalem machen zum Laststein für alle Völker. Alle, die ihn wegheben wollen, sollen sich daran wund reißen; alle Völker auf Erden werden sich gegen Jerusalem versammeln.“

 

3. Die nationale Errettung und Erweckung Israels

„Und zu der Zeit werde ich darauf bedacht sein, alle Völker zu vertilgen, die gegen Jerusalem gezogen sind. 10 Aber über das Haus David und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets“ (Sach 12,9–10).

Der Herr kündigt eine doppelte Rettung Israels an. Zum einen wird er die globale Völkerallianz vollständig vernichten und vertilgen und zum anderen das jüdische Volk geistlich erwecken.

3.1      Die nationale Errettung Israels

Gott beschirmt Israel und vernichtet das Heer der Vereinten Nationen: „Und zu der Zeit werde ich darauf bedacht sein, alle Völker zu vertilgen, die gegen Jerusalem gezogen sind“ (Sach 12,9).

Das Heer der vereinten Nationen der Erde zieht gegen Israel, um die Jerusalem-Frage ein für alle Mal militärisch zu klären, aber Gott wird diese Völkerallianz trotz ihrer gewaltigen Übermacht scheitern lassen. Wir haben hier eine endzeitliche Neuauflage von Davids Kampf gegen Goliath. Israel wird sich einer unüberwindbaren globalen Streitmacht gegenübersehen. Israel wird keine Chance haben, aber Gott sagt seinem Volk zu, für Israel in die Schlacht zu ziehen. Beachten wir die Verse 12,4–8. Die Nationen werden unterliegen:

  • Der Herr wird alle Rosse scheu und ihre Reiter irre machen und sie mit Blindheit schlagen (Vers 4)
  • Zu der Zeit will ich die Fürsten Judas machen zum Feuerbecken mitten im Holz und zur Fackel im Stroh, dass sie verzehren zur Rechten und zur Linken alle Völker ringsumher. (Vers 6)

Israel aber wird unter Gottes besonderem Schutz stehen:

  • aber über das Haus Juda will ich meine Augen offen halten (Vers 4)
  • Und die Fürsten in Juda werden sagen in ihrem Herzen: Die Bürger Jerusalems sind meine Stärke in dem HERRN Zebaoth, ihrem Gott! (Vers 5)
  • Aber Jerusalem soll auch fernerhin bleiben an seinem Ort zu Jerusalem. (Vers 6)
  • Und der HERR wird zuerst die Hütten Judas erretten, auf dass sich nicht zu hoch rühme das Haus David noch die Bürger Jerusalems wider Juda. (Vers 7) 
  • Zu der Zeit wird der HERR die Bürger Jerusalems beschirmen, und es wird zu dieser Zeit geschehen, dass, wer von ihnen strauchelt, sein wird wie David; und das Haus David wird sein wie Gott, wie der Engel des HERRN vor ihnen her. (Vers 8)

Jerusalem wird zur Taumelschale und zum Laststein, denn Gott selbst wird die geballte Völkerallianz zerschlagen und vernichten.

3.2      Die nationale Erweckung Israels

„Aber über das Haus David und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets“ (Sach 12,10).

Wir sehen heute ein Israel, das sich auf seine „Eiserne Kuppel“ (Iron-Dome), seine Atomwaffen, seine Geheimdienste (Der Auslandsgeheimdienst Mossad und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet [Scherut Bitachon]), die IDF (Israel Defense Forces) und auf die Allianz mit den Vereinigten Staaten verlässt. Doch im Angriff der Völkerallianz brechen diese und alle anderen Stützen weg. Israel wird sich nur noch auf den Herrn verlassen können. Es kommt zu einer nationalen Umkehrbewegung in Israel, die Juden werden ihre Schuld und Sünde vor Gott erkennen und bekennen und Gott wird den Geist der Gnade und des Gebets ausgießen auf Israel und das jüdische Volk.

Wenn die Zeiten der Nationen zu Ende gegangen sind, dann wird Israel in der Stunde der höchsten Not eine nationale Erweckung und Umkehrbewegung erleben. Und es wird sich dann erfüllen, was Paulus im Römerbrief angekündigt hat:

„Ich will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist. Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: »Es wird kommen aus Zion der Erlöser; der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob“ (Römer 11,25-26).

„An jenem Tag wird für das Haus David und die Bewohner von Jerusalem eine Quelle geöffnet sein gegen Sünde und gegen Befleckung“ (Sacharja 13,1).

Israel wird an jenem Tage seine Sünden bekennen, es wird vom Heiligen Geist erfüllt werden, es wird im Gebet zu dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs rufen und es wird seinen Messias erkennen, den sie zusammen mit den Römern mehrere tausend Jahre zuvor vor den Toren Jerusalems an ein Kreuz genagelt und durchbohrt haben.

3.3      Die Rückkehr des Durchbohrten

„Und zu der Zeit werde ich darauf bedacht sein, alle Völker zu vertilgen, die gegen Jerusalem gezogen sind. Aber über das Haus David und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets. Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um das einzige Kind, und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübt um den Erstgeborenen“ (Sach 12,9–10).

Wer spricht hier? Es ist immer noch Jahwe, der Gott Israels, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der den Menschen erschaffen und Herr der Geschichte ist. Er sagt jetzt: „Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben“. Wie kann Israel seinen Schöpfer und Gott ansehen als einen, den sie durchbohrt haben?

Der Messias Jesus! Mitten im Satz wechselt der Satz von der Ich-Perspektive zur dritten Person: „Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um das einzige Kind, und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübt um den Erstgeborenen.“

Das ist die Kraft der biblischen Prophetie. Fünfhundert Jahre vor den Ereignissen sieht sie detailgetreu voraus, dass der Messias und Sohn Gottes Jesus am Kreuz angenagelt und von einer Lanze durchbohrt wird. Der Gott Israels opfert sich selbst in seinem Sohn. Sie haben Jahwe durchbohrt, als sie Jeschua durchbohrten.

3.4      Der Geschichtsdurchbruch der Herrschaft Gottes auf Erden

Der Krieg der Nationen gegen Gottes auserwähltes Bundesvolk sowie die nationale Errettung und Erweckung Israels finden unmittelbar vor der Wiederkunft Christi statt und werden von der Rückkehr des durchbohrten Messias abgeschlossen.

Noch einmal Fritz Hubmer: „In diesen Höhepunkt des letzten Weltsturmes hinein geschieht nun nach dem einhelligen Zeugnis des Alten und Neuen Testaments der Geschichtsdurchbruch der Herrschaft Gottes auf Erden – die Wiederkunft Jesu Christi.“[6]

Nachdem die Völkerallianz unter Führung des Antichristen zunächst einen gewaltigen Scheinsieg errungen hat und Israel eine erdrückende Niederlage erleiden muss, kommt der durchbohrte Messias selbst seinem bedrängten Volk zu Hilfe:

„Und der HERR wird ausziehen und kämpfen gegen diese Völker, wie er zu kämpfen pflegt am Tage der Schlacht. Und an jenem Tag werden seine Füße auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem liegt nach Osten hin“ (Sacharja 14,3-4).

Dieses Ereignis wird uns auch in den ersten Versen der Offenbarung angekündigt:

„Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Stämme der Erde. Ja, Amen. Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige“ (Offenbarung 1,7-8).

3.5      Was ist praktisch zu tun?

Wachsamkeit: „Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt“ (Mt 24,42).

Zuversicht: „Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“ (Lk 21,28).

Gebet: Wir beten für die Ausgießung des Heiligen Geistes auf Israel und das jüdische Volk, aber auch auf die islamischen Nachbarvölker und Staaten: Syrien, Iran, Irak, die Menschen im Gaza-Streifen. Jesus ist der Messias der Juden und aller Nationen der Erde.

Mission: „Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen“ (Mt 24,14). Noch ist Gnadenzeit. Lasst uns die gute Nachricht vom gekreuzigten, auferstandenen und wiederkommenden Messias Israels allen weitersagen.

Amen

Johann Hesse, Predigt in der Evang.-freikirchlichen Gemeinde Verden, 29. Juni 2025

Die Predigt zum Anhören.

 

[1] Eugene Merrill, An Exegetical Commentary, Haggai – Zechariah – Malachi, S. 311.

[2] Fritz Hubmer, Weltreich und Gottesreich, Hänssler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart 1989, S. 185.

[3] Martin Luther zu dieser Stelle: „Jerusalem sind die Apostel und ersten Jünger. Die Völker umher sind die Heiden und Juden, so wider sie waren, und wollten sie aussaufen, wie einen Becher“, so in Luthers Sämtliche Schriften Bd. XIV, Spalte 1950.

[4] Fritz Hubmer, Weltreich und Gottesreich, Hänssler-Verlag, 6. Auflage, Neuhausen-Stuttgart 1989, S. 188.

[5] https://www.israelnetz.com/resolutionen-verurteilen-vor-allem-israel/

[6] Fritz Hubmer, Weltreich und Gottesreich, Hänssler-Verlag, 6. Auflage, Neuhausen-Stuttgart 1989.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 20. Juli 2025 um 6:18 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Israel, Predigten / Andachten.