Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Weihnachten, was ist denn das?

Dienstag 26. Dezember 2023 von Prädikant Thomas Karker


Prädikant Thomas Karker

Manch einer fragt sich vielleicht, was diese Frage überhaupt soll. Aber: Nicht jeder kann heute sagen, was Weihnachten überhaupt ist. Für den einen ist es eine Geschenkaktion, für den anderen eine Dekorationsaktion und dritte machen eine Christbaumaktion daraus. Die Nordmanntanne hat ihren Preis, und ihre Mängel. Fünf Zweige müssen implantiert werden, damit sie nicht mit einem Besen verwechselt wird. Wohl dem, der einen Plastikbaum hat: klappbar, elektrifiziert, aufgerüstet mit Watte und Glitzer. „O Tannenbaum, wie treu sind deine Blätter.“ Und dann ist Weihnachten auch noch Besuchsaktion. Vier Geschwister kommen zu Besuch und laden zum Gegenbesuch ein. Dann warten Großeltern und Tanten aufs Vorbeischauen. Die Freunde dürfen nicht vergessen werden. Das sind noch viele Kaffeetermine mit Stollen, Lebkuchen und Spekulatius. „O du fröhliche und selige“ Weihnachtszeit! All diese Aktionen gehören zum Fest wie die Kerzen zum Baum, vielleicht willkommene Nebenaktionen angesichts der eigentlichen weihnachtlichen Rettungsaktion.

Sterbensaktion

Ein Pfarrer erzählt: Wir schlenderten den Fluss entlang. Plötzlich trieb ein Mann mitten im Wasser. Er kämpfte um sein Leben. Die Wellen warfen ihn hin und her. Die Strömung war zu stark. Seine Lage lebensbedrohend. Der Mann wäre verloren, wenn nicht ein Mitstudent mit einem Satz ins eiskalte Wasser gesprungen wäre. Er bekam den Ertrinkenden zu fassen und zog ihn ans Ufer. Der Gerettete war dem Tod entrissen, sein Leben war ihm neu geschenkt. Freude, Freude über Freude! Der Retter – hingegen ist einige Zeit später an einer Krankheit gestorben, die er sich als eine Folge der Rettung zugezogen hatte! Das ist Weihnachten: Jesus springt in den Strom der Welt, um uns zu retten und selbst zu sterben.

Rettungsaktion

Wir sind im Strom der Zeit. Treiben dem Ungewissen entgegen. Jeder kämpft um sein Leben. Wir bekommen keinen festen Boden unter die Füße. Die Zeit- und Denkströmungen sind zu stark. Die Mode- und Protestwellen werfen uns hin und her. Die Lage ist höchst bedrohlich. Wir wären verloren, wenn … ja, wenn uns nicht einer sähe. Ihm schneidet unsere Lage ins Herz. Von ihm singt der Choral: „Da jammert Gott in Ewigkeit mein Elend Übermaßen.“ Der ruft nicht:  „Kämpfe!“ oder „Du schaffst das schon!“ Der wirft uns auch kein Seil aus handgedrehten Ideologien zu. Jesus Christus entledigt sich seiner Kleider. Er wirft Königsmantel, Krone und Zepter ab, die ihn als König aller Könige ausweisen. So springt er uns nach. Der Gottessohn taucht elend, nackt und bloß im Strom unter. Alle Kraft bietet er auf, um uns zu retten. Er schwimmt gegen den Strom. Er ruft über die Wasser: „Her zu mir!“ Er macht die Arme ganz weit auf. Er schwimmt jedem nach und will jeden ans rettende Ufer ziehen.

Keiner muss im Strom des Leides versinken, niemand im Strom der Tränen untergehen. Jeder hat die Chance zum Leben. Weihnachten – was ist denn das? Eine Rettungsaktion, denn Christ der Retter ist da. Deshalb sollte zu Weihnachten auch die Erinnerung an den nicht zu kurz kommen, der uns zur Rettung ins kalte Wasser sprang.

Prädikant Thomas Karker

Bremen, im Dezember 23

Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 26. Dezember 2023 um 12:51 und abgelegt unter Predigten / Andachten.