Gemeindenetzwerk

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GlaubensprĂŒfung

Freitag 24. September 2021 von Friedemann Wunderlich


Friedemann Wunderlich

Wir westlichen Christen im 21. Jahrhundert mĂŒssen uns in unserem Glauben erst noch bewĂ€hren. Die aktuellen Entwicklungen in der Welt stellen uns alle vor große Herausforderungen. Welche Entscheidung ist richtig und welche falsch? Gibt es ĂŒberhaupt eindeutige Antworten? Ca. 250 n. Chr. schrieb Dionysius, ein Leiter der Gemeinde Jesu in Alexandrien, anlĂ€sslich der Diskussionen ĂŒber die Feier des Osterfestes einen Brief an viele Gemeinden. Aufgrund neuer Gesetze und vieler gesellschaftlicher Diskussionen gerieten die Gemeinden erneut in eine Christenverfolgung. Dazu kam eine Pandemie, durch die mehr als ein Viertel(!) der Bevölkerung im Römischen Reich starb. Mich stimmen die Worte von Dionysius vor ĂŒber 1700 Jahren nachdenklich:

„Den Nichtchristen dĂŒrfte die gegenwĂ€rtige Lage nicht als Festzeit erscheinen. 
 Jetzt ist alles voll Klagen. Alle trauern, und Wehgeschrei hallt wider in der Stadt wegen der Menge der Toten und derer, die noch tĂ€glich sterben. Viel Schreckliches haben wir zuvor schon erlitten. ZunĂ€chst hat man uns vertrieben, und nur wir wurden von allen verfolgt und dem Tode ausgeliefert. Aber gleichwohl begingen wir auch damals unser Fest. Jeder Ort, wo einer zu leiden hatte, ein Feld, eine WĂŒste, ein Schiff, eine Herberge, ein GefĂ€ngnis, wurde fĂŒr uns zum Festplatz. Das allerfröhlichste Fest aber feierten die vollendeten MĂ€rtyrer, die zum himmlischen Mahle geladen wurden. Nach der Verfolgung kamen Krieg und Hunger, die wir gemeinsam mit den Heiden zu tragen hatten. Allein trugen wir all die Schmach, die sie uns zufĂŒgten; aber auch an dem, was sie sich selbst gegenseitig antaten und litten, hatten wir Anteil. Dann freuten wir uns wiederum des Friedens Christi, den er uns allein gegeben. Aber sehr kurz war die uns und ihnen gegönnte Ruhepause. Es brach die gegenwĂ€rtige Krankheit aus. FĂŒr die Heiden ist sie ein UnglĂŒck, das alle Schrecken und jede Drangsal ĂŒbertrifft. FĂŒr uns jedoch ist sie kein solches UnglĂŒck, fĂŒr uns bedeutet sie vielmehr Erziehung und PrĂŒfung gleich den frĂŒheren Drangsalen. Wenn auch die Krankheit uns nicht verschonte, aber ihr ganzer Schrecken zeigte sich doch nur bei den Heiden.“ (aus Eusebius, VII 22,1-7)

Kann es sein, dass Jesus Christus uns gegenwĂ€rtig prĂŒfen möchte oder gar erziehen will (HebrĂ€er 12,4.5)? Sind wir als Christen in unserem tagtĂ€glichen Verhalten geprĂ€gt von einer „Heidenangst“ (HebrĂ€er 2,14.15) oder richten wir uns in unserem Verhalten an Gottes Wort aus? PrĂŒfungszeiten sind nicht leicht. Aber in diesen Zeiten entscheidet sich unser Leben hier auf der Erde und unser Weg in die Ewigkeit.

Ehrfurcht schenkt Erkenntnis

Wer sich als Christ heute zum Thema „Corona“ Ă€ußert, der wird schnell in eine bestimmte Ecke gedrĂ€ngt. Und so finden sich viele Christen, die unruhig geworden sind und Fragen stellen oder die „falschen“ Antworten geben, entweder rechts oder links wieder. Gebraucht werden aber Christen, die weder rechts noch links denken, sondern von „oben“ her das Leben betrachten. Alle irdischen Richtungsweiser geben uns zu wenig Orientierung. Wir brauchen die Leitung durch Gott selbst. Das geschieht durch sein Wort. Gott und sein Wort sind wie ein Leuchtturm mitten in der Brandung. Entscheidungen unseres Lebens, die sich allein an der diesseitigen Welt ausrichten, fĂŒhren ins Verderben. „Die Ehrfurcht vor dem HERRN ist der Anfang der Erkenntnis; nur Narren verachten Weisheit und Zucht!“ (SprĂŒche 1,7)

Die Gesundheit des Glaubens

Die aktuellen Diskussionen ĂŒber unsere Gottesdienste in „Corona-Zeiten“, ĂŒber die Bedeutung der physischen Gemeinschaft unter uns Christen und die AusfĂŒhrung unseres Auftrages in der Welt, offenbaren unseren geistlichen Zustand. Seit vielen Jahren schon spĂŒren wir, dass irgendetwas nicht stimmt. Mehr als durch jeden Virus in der Welt sind wir in der Gesundheit unseres Glaubens bedroht und gefĂ€hrdet. Auch Gemeinden können krank werden und sterben, und jede Hilfe kommt zu spĂ€t. Entscheidend ist, wie Jesus Christus uns beurteilt.

Was bedeutet es fĂŒr uns als Mission, als Teil der Gemeinde, im politischen Ausnahmezustand und mit vielen staatlichen BeschrĂ€nkungen unseres Dienstes zu leben? In vielen unserer Arbeitsgebiete leben die Christen in den Gemeinden seit Langem in Konfrontation zur weltlichen Gewalt. In unserem Teil der Welt werden zumeist drei GrĂŒnde angefĂŒhrt, warum Gemeinden PrĂ€senzveranstaltungen reduzieren oder darauf sogar ganz verzichten: Gesundheitsschutz, Gehorsam gegenĂŒber der Obrigkeit und SolidaritĂ€t mit weltlichen Gruppen, um ein positives Zeugnis zu sein. Alle diese GrĂŒnde sind weltlich und kein Ausdruck von Gottesfurcht und Gottvertrauen. Es ist hier nicht der Platz, die biblischen Argumente zu erlĂ€utern. Aber die Zeugnisse der Geschwister, die vor unserer Zeit Glauben gelebt und sich darin bewĂ€hrt haben, und die aktuellen Zeugnisse aus unseren Arbeitsgebieten machen mich nachdenklich und fragend. Kann es sein, dass wir uns Gemeinde oder Kirche nennen und es in Jesu Augen gar nicht sind? Kann es sein, dass wir uns Christen nennen und in seinem Urteil gar nicht bestehen?

„Kommt her, alle ‚3G‘!“

WĂ€hrend ich diese Zeilen schreibe, beginnen Diskussionen in Gemeinden, ob ab Herbst nur noch Geimpfte, Genesene und Getestete Zugang bekommen sollen zur Gemeinschaft mit Jesus Christus. Wer solche Gedanken Ă€ußert, sollte die Einladung Jesu (MatthĂ€us 11,28) abĂ€ndern und schreiben: „Kommt nur her zu mir, alle, die ihr ‚3G‘ seid!“ Wer so denkt und handelt, hat nichts mehr mit einem Heiland zu tun, der seine Nachfolger auffordert: „Geht schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und bringt die Armen und KrĂŒppel und Blinden und Lahmen hier herein 
 dass mein Haus voll werde!“ (aus Lukas 14) Wenn ich die Zeugnisse unserer Mitarbeiter lese, dann berĂŒhrt es mich, wie Gemeinden jeden Tag ihre TĂŒren öffnen fĂŒr Menschen von der Straße, die in unseren klinisch sauberen Gemeinden kein Hygienekonzept erfĂŒllen können. Wir folgen einem Herrn, der AussĂ€tzigen die Hand gereicht hat und mit jedem Gemeinschaft suchte. Gerne erinnere ich mich an Abendmahlfeiern mit Geschwistern, die viele Krankheiten mitbrachten. Es gab kein poliertes Silbergeschirr, sondern eine alte Öldose und dreckiges Brot. Und alle tranken aus einem Kelch und saßen eng beieinander, weil sie Jesus liebten und Jesus vertrauten.

Bibellesen schenkt Orientierung

„Ich will nicht zwei Jahre ins GefĂ€ngnis!“, schrieb vor einigen Tagen einer unserer Mitarbeiter aus dem Osten. Es ging dabei um die Frage, ob er eine Jugendfreizeit planen sollte oder nicht. Neue Gesetze verbieten es, solche Freizeiten durchzufĂŒhren. Kinderfreizeiten werden verboten – angeblich aus „GesundheitsgrĂŒnden“! Und die Mitarbeiter fĂŒhren diese Veranstaltungen trotzdem durch, weil ihnen das Leben und die Ewigkeit von Kindern und Jugendlichen wichtiger sind als staatliche Gesetze. Der Gehorsam dem Staat gegenĂŒber endet immer beim Wort Gottes. An so vielen Orten gibt es keine Möglichkeit, sich staatlich genehmigt zu versammeln. Noch nie habe ich gehört, dass Nachfolger Jesu deshalb auf die ZusammenkĂŒnfte der Gemeinde – wo auch immer – verzichten.

Fremdworte fĂŒr die Gemeinde

„Lockdown“ und „Social Distancing“ sind Fremdworte fĂŒr die Gemeinde Jesu und stehen immer entgegen der Gebote Gottes. Es gibt keine NĂ€chstenliebe ohne körperliche NĂ€he. Es ist dringend geboten, dass wir uns neu mit dem biblisch untrennbaren Zusammenhang von Körper und Seele beschĂ€ftigen, um im Glauben nicht noch krĂ€nker zu werden. Gemeinden verfolgen bei ihren ZusammenkĂŒnften keinen Selbstzweck, sondern kommen vor Gott zusammen, um seine Gegenwart in seinem Wort zu erleben und ihn zu ehren. Das Feiern des „Liebesmahles“ ist nicht in unsere Beliebigkeit gestellt, sondern geistlich lebensnotwendig. Wer darauf verzichtet, nimmt geistlichen Schaden.

Ich will Jesus treu sein

Als jemand, der die Gemeinde Jesu liebt und die Gemeinschaft mit Geschwistern im In- und Ausland genießt, mache ich mir große Sorgen um den Zustand unserer Gemeinden. Als Kind haben wir ein Lied gesungen, an das ich in diesen Wochen oft erinnert werde und heute verstehe ich den Inhalt besser, als ich ihn als Kind verstehen konnte. „Fest und treu, wie Daniel war nach des Herrn Gebot, sei der Kinder Gottes Schar in der grĂ¶ĂŸten Not. Bleibe fest wie Daniel, stehst du auch allein! Wag es treu vor aller Welt, Gottes Kind zu sein! Starke MĂ€nner voller Licht mögen nicht bestehn, wagen Gott zu Ehren nicht in den Tod zu gehen. 
 Doch wer stets wie Daniel dort fest am Herrn sich hĂ€lt, kann im Glauben an sein Wort widerstehn der Welt. Bleibe fest wie Daniel, stehst du auch allein! Wag es treu vor aller Welt, Gottes Kind zu sein!“

Diesen Wunsch hat Jesus mir damals bereits in mein Herz gesĂ€t: „Ich will – wie Daniel – Jesus treu sein!“ Mein Weg ist mit denen, die gottesfĂŒrchtig ihren Glauben leben, auch wenn es Nachteile, Leiden und Sterben mit sich bringt. Die Zukunft unserer Gemeinden findet nicht in schönen GemeindehĂ€usern statt, sondern in „WĂŒsten, Höhlen und KlĂŒften der Erde“ (HebrĂ€er 11,38). Die Zeugnisse aus der Mission und die vielen Zeugnisse aus der Kirchengeschichte spornen mich an, Jesus treu zu dienen und zu folgen.

Noch einmal zurĂŒck zu Dionysius und seinem Aufruf. Er schrieb: „Da die meisten unserer BrĂŒder in ĂŒbermĂ€ĂŸiger Liebe und Freundlichkeit sich selbst nicht schonten und fĂŒreinander eintraten, furchtlos sich der Kranken annahmen, sie sorgfĂ€ltig pflegten und ihnen in Christus dienten, starben sie gleich diesen freudigst dahin, angesteckt vom Leide anderer, die Krankheit der Mitmenschen sich zuziehend, freiwillig ihre Schmerzen aufnehmend. Ganz anders war es bei den Heiden. Sie stießen die, welche anfingen krank zu werden, von sich, flohen vor ihren Teuersten, warfen sie halbtot auf die Straße und ließen die Toten unbeerdigt im Schmutze liegen. So suchten sie der Auslieferung an den Tod und der Gemeinschaft mit ihm zu entgehen, was jedoch trotz aller BemĂŒhungen nicht leicht war.“

Wir westlichen Christen im 21. Jahrhundert mĂŒssen uns in unserem Glauben erst noch bewĂ€hren. Gegen Ende des 1. Jahrhunderts fallen in der Beurteilung Jesu fĂŒnf von sieben Gemeinden durch. Test nicht bestanden! Einer der zwei positiven Gemeinden in diesem Test kĂŒndigt Jesus eine schwere – wenn auch begrenzte – Leidens- und BewĂ€hrungszeit an.

„FĂŒrchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins GefĂ€ngnis werfen, damit ihr geprĂŒft werdet, und ihr werdet BedrĂ€ngnis haben zehn Tage. Sei treu bis zum Tod! Und ich werde dir den Siegeskranz des Lebens geben.“ (Offenbarung 2,10)

Und der uns heute beurteilt ist der HERR, dem allein alle Ehre gehört.

Friedemann Wunderlich
Missionsleiter
Kontakt: Friedemann.Wunderlich@msoe.org

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 24. September 2021 um 14:48 und abgelegt unter Gemeinde, Gesellschaft / Politik, Kirchengeschichte, Mission.