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Lettland: Lutherische Kirche schafft Frauenordination ab

Montag 6. Juni 2016 von idea e.V.


idea e.V.

Riga (idea) – Die Evangelisch-Lutherische Kirche Lettlands hat die Frauenordination offiziell abgeschafft. Das hat die Synode am 3. Juni in Riga beschlossen. 201 von 282 Synodalen sprachen sich dafür aus, die Verfassung zu ändern und künftig nur noch Männer zum Pastorenamt zuzulassen. Der Präsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), begrüßte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea die Entscheidung. Die Synode habe sich bewusst von Texten der Heiligen Schrift leiten lassen und dem „enormen Druck des Zeitgeistes und der Genderideologie“ widerstanden.

Vertreter anderer lutherischer Kirchen, etwa aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), hätten versucht, das Wahlergebnis mit der Aussage zu beeinflussen, dass die Frauenordination „unverzichtbarer Bestandteil der reformatorischen Kirche“ sei. Das stimmt laut Rüß nicht, da die Frauenordination in der lutherischen Kirche keinen Bekenntnisrang habe. Die Internationale Konferenz Bekennender Gemeinschaften und die Konferenz Bekennender Gemeinschaften in Deutschland erwarteten nun Respekt und Achtung für die Entscheidung der Synode, so Rüß. Er sieht ferner mit Sorge, dass in lutherischen Kirchen in Deutschland junge Theologen nicht in den Pfarrdienst übernommen würden, wenn sie sich aus Gewissensgründen kritisch zur Frauenordination äußerten. In einer „innerlutherischen Ökumene“ müsse aber auch Platz für sie sein.

Regionalbischöfin: „Wo bleibt unser Proteststurm?“
Die Pforzheimer Dekanin Christiane Quincke hingegen sprach auf der Facebook-Seite der Evangelischen Nachrichtenagentur idea von einer unbiblischen und frauenfeindlichen Entscheidung. Die Regionalbischöfin für München und Oberbayern, Susanne Breit-Keßler, schrieb auf ihrer Facebook-Seite: „Das ist ja wohl die Höhe! Zurück ins Mittelalter oder was? Wo bleibt unser Proteststurm?“ Der Präsident der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der Erziehungswissenschaftler Prof. Wilfried Hartmann (Hamburg), äußerte sich traurig und enttäuscht. Seine Stellvertreterin, die bayerische Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk (Marktbreit/Franken), schrieb auf der Facebook-Seite der in Norddeutschland erscheinenden „Evangelischen Zeitung“, sie sei wütend, traurig und fassungslos. Die lettische Kirche habe einen großen Fehler gemacht.

Nordkirche: Beziehungen zur Kirchenleitung werden abgebrochen

Bereits im Vorfeld hatte es aus Deutschland Kritik an dem geplanten Synodenbeschluss gegeben. Pastorinnen aus der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers hatten in einem offenen Brief gegen das Vorgehen protestiert. Sie seien über die Absicht entsetzt. In einem offiziellen Grußwort der Nordkirche an die Synode hieß es, dass der Schritt den Geist und das Wesen der lutherischen Kirche Lettlands verändern werde: „Weitere Trennungen könnten folgen. Die Liebe wird leiden, Streit könnte beginnen.“ Auch die Kirchengemeinschaft im Lutherischen Weltbund werde dadurch ernsthaft geschwächt: „Ein Jahr vor dem 500-jährigen Jubiläum der Reformation stimmt uns insbesondere das traurig.“ Die Nordkirche kündigte ferner an, Beziehungen zur Leitung der Kirche in Lettland abzubrechen: „Wie es in Zukunft genau weitergeht, wird die Kirchenleitung unserer Kirche entscheiden, wenn Ihre Beschlüsse gefasst sind.“ In der lutherischen Kirche Lettlands wurden von 1975 bis 1985 und von 1989 bis 1992 Frauen als Pastorinnen ordiniert. Janis Vanags (Riga) hat seit seiner Einsetzung als Erzbischof 1993 keine Frauen mehr ordiniert. Er hatte im Februar gegenüber idea betont, dass die Praxis, ausschließlich Männer als Pastoren zu ordinieren, den biblischen Grundlagen und der apostolischen Tradition entspreche. Die lettische Kirche steht mit ihrer Haltung im Lutherischen Weltbund (LWB) nicht alleine. Etwa 30 der insgesamt 145 Mitgliedskirchen praktizieren keine Frauenordination. Die römisch-katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen lehnen sie ebenfalls ab. Zu ihnen gehören rund 1,5 der 2,3 Milliarden Christen.

Quelle: www.idea.de, 5.6.2016

Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 6. Juni 2016 um 13:12 und abgelegt unter Christentum weltweit, Kirche, Theologie.