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Offener Brief an den Ratsvorsitzenden der EKD

Dienstag 7. Juli 2015 von Lutherischer Konvent im Rheinland


Lutherischer Konvent im Rheinland

Offener Brief des Vorsitzenden des Lutherischen Konvents im Rheinland an den Ratsvorsitzenden der EKD vom 28.6.2015

Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Bedford-Strohm,

Sie haben sich im „Spiegel“ (Nr.23/2015) fĂŒr die Gleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und Ehe in Staat und Kirche ausgesprochen: „Zentrale biblische Gebote…wie das Liebesgebot Jesu und seine Goldene Regel… wiegen fĂŒr mich schwerer als einzelne Bibelstellen, die HomosexualitĂ€t kritisieren“. In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen folgende Fragen stellen:

– Sicher ist Ihnen bekannt, daß die Ablehnung von HomosexualitĂ€t im Alten Testament nicht nur ihre gewaltsame AusĂŒbung betrifft (1.Mose 19,4-11; Ri 19,22-30), sondern grundsĂ€tzlich gemeint ist (3.Mose 18,22; 20,13) und deshalb im Neuen Testament bestĂ€tigt wird (Röm 1,26f.; 1.Kor 6,9-11; 1.Tim 1,8-11). Geben Sie mit der angestrebten Gleichstellung von Homopartnerschaft und Ehe nicht die Schöpfungsordnung Gottes auf, nach der nur aus der Liebe von Mann und Frau Kinder geboren werden und das Leben weitergegeben wird (1.Mose 1,27f.; 2,24; Mk 10,5-9)? Ist die Liebe zu Gott und seinen Geboten bei Jesus nicht klar der NĂ€chstenliebe vorgeordnet? (Mk 12,29ff.; Joh 15,10)

 – Aus staatlicher Sicht (Art. 6 Abs. I GG) ist deshalb nur die Ehe förderungswĂŒrdig, weil sie dem Fortbestand der Bevölkerung dient. Das Bundesverfassungsgericht hat daher in seinem Urteil zum Lebenspartnerschaftsgesetz vom 17.2.2002 deutlich zwischen der von der Verfassung privilegierten Ehe als einer „Vereinigung eines Mannes und einer Frau zu einer auf Dauer angelegten Lebensgemeinschaft“ und anderen Lebenspartnerschaften unterschieden, die „von diesem Schutz nicht erfaßt“ werden. Warum möchten Sie daran etwas Ă€ndern?

 – Obwohl nur 2-5% der Bevölkerung homosexuell empfinden, nur 2-3% der Homosexuellen die standesamtliche Partnerschaft eingegangen sind und auch die Zahl kirchlicher Homosegnungen verschwindend gering ist, versucht die Homo-Lobby seit Jahren mit Erfolg, die gesellschaftliche Akzeptanz der „Homoehe“ durchzusetzen. Möchten Sie den Interessen dieser kleinen Minderheit gegenĂŒber der großen Mehrheit heterosexuell veranlagter und lebender Menschen Vorschub leisten? Ist dies angesichts der anhaltenden demographischen Krise unseres Landes das richtige Zeichen?

 – Nachdem mit Spanien, Frankreich, Malta und Irland sich traditionell katholische LĂ€nder fĂŒr die Homoehe – wenn auch gegen erhebliche vom katholischen Episkopat organisierte WiderstĂ€nde – geöffnet haben, denken viele, nun solle endlich auch Deutschland und die freiheitlichere, modernere evangelische Kirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften der Ehe gleichstellen. Nicht bedacht wird dabei, daß in den genannten LĂ€ndern die traditionelle Sexualmoral der katholische Kirche durch zahlreiche MißbrauchsfĂ€lle ihrer Priester unglaubwĂŒrdig geworden war und hier eine Befreiung von klerikaler Bevormundung erkĂ€mpft wurde, die in Deutschland und anderen evangelischen LĂ€ndern bereits mit der Reformation und der AufklĂ€rung gegeben ist.

 – Die offensichtlich dem Zeitgeist geschuldeten Ă€hnlichen Äußerungen fĂŒhrender evangelischer Kirchenvertreter gefĂ€hrden zunehmend die Ökumene mit der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche, die hier treuer zu den biblischen Grundlagen stehen. So hat die russisch-orthodoxe Kirche jĂŒngst die formalen Beziehungen zur Protestantischen Kirche in Frankreich und Kirche von Schottland beendet, weil diese die traditionelle christliche Sexualmoral zugunsten gleichgeschlechtlicher Trauungen verlassen hĂ€tten. Ist die Hl.Schrift nicht mehr die Grundlage der Evangelischen Kirche? Ist die Auslegung der Bibel in unserer Kirche subjektiv („fĂŒr mich“) und beliebig? Stehen Sie als EKD-Ratsvorsitzender wie der Papst ĂŒber der Hl.Schrift? Ist Ihnen die kleine Gruppe der Homosexuellen, die zumeist wenig an einer kirchlichen Segnung interessiert sind, wichtiger als die große, weltweite Gemeinschaft der Christen?

 – Mit den Vorgaben von NĂ€chstenliebe, Treue, Verbindlichkeit, VerlĂ€ĂŸlichkeit und Dauerhaftigkeit lassen sich auch die polygame Mehrehen der Muslime und Mormonen fĂŒhren und InzestverhĂ€ltnisse zwischen Eltern, Kindern, Geschwistern und MinderjĂ€hrigen, PĂ€derastie, ja selbst Sodomie mit Tieren nicht ausschließen. Im Neuen Testament werden dagegen gegenĂŒber dem bunten heidnischen Umfeld Ehe und Familie als Schöpfungs-ordnungen betont und nur im eschatologischen Horizont relativiert. Will die EKD unter Ihrer FĂŒhrung diese Jahrhunderte lang gĂŒltige und selbstverstĂ€ndliche Position nun dem liberalen Zeitgeist opfern und der sexuellen Beliebigkeit und Revolution auch in der Kirche TĂŒr und Tor öffnen?

 – Martin Luther schreibt im Großen Katechismus zum 6.Gebot, daß Gott den „Ehestand …vor allen andern eingesetzt hat und darĂŒmb unterschiedlich Mann und Weib geschaffen“ habe, daß sie „sich zusammen halten, fruchtbar seien, Kinder zeugen, nĂ€hren und aufziehen zu Gottes Ehren“ . Er betont, daß die Ehe nach Gottes Wort „nicht allein andern StĂ€nden gleich gesetzt ist, sondern vor und ĂŒber sie alle gehet“ (BSLK 612f.). Eine Gleichstellung von Ehe und Homopartnerschaften, wie Sie sie fordern, widerspricht deshalb der Hl.Schrift und den Bekenntnissen der Evangelisch-lutherischen Kirche.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen

Pfr. Winfrid Krause,  Vorsitzender des Lutherischen Konvents im Rheinland, 28.6.2015

www.ekir.de/lutherkonvent

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 7. Juli 2015 um 17:11 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Kirche, Sexualethik, Theologie.