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Den Netzen des Antichristen entfliehen

Montag 6. Juli 2015 von Jan Hus (1369-1415)


Jan Hus (1369-1415)

Mit diesem Beitrag erinnern wir an den M├Ąrtyrertod des fr├╝hen Reformators Jan Hus am 6. Juli 1415 in Konstanz.

„Der Kinder des Reichs, der getreuen Anh├Ąnger Jesu des Gekreuzigten, der Liebhaber seiner Schmach, Seiner Demuth, Seiner Einfalt und Armuth; der m├Ąnnlichen Ver├Ąchter der Welt, ihres Reichthums, ihrer Woll├╝ste, ihrer Ehre sind so Wenige, wie wenn man im Weinberge nachlieset; so verborgen, als wenn sie vor dem Sturm des Ungewitters in einer Grube unter der Erde steckten. Ein Mann ist theurer, denn Gold, und die Heiligen haben so abgenommen, da├č kein Prophet mehr ist. Es ist eine solche Bedr├Ąngni├č und Verfolgung, nicht von den Ausw├Ąrtigen, sondern von den Einheimischen; nicht von den S├╝ndern, sondern von denen, die den Schein der Heiligkeit haben; nicht von Geringen, sondern von den Vorgesetzten und Vorstehern, nicht durch eine offenbare Grausamkeit, sondern mit scheinbaren Ueberredungen, und unter dem Eifer der Gerechtigkeit; eine Verfolgung, die mit der Liebe zur Jugend geschm├╝ckt ist, da├č von der Wahrheit verf├╝hrt werden m├Âchten, wo es m├Âglich w├Ąre auch die Auserw├Ąhlten. Und wo diese Tage nicht bald verk├╝rzt w├╝rden, so w├╝rde kein Mensch selig; daher auch meine F├╝├če beinahe geglitten, und mein Herz gewankt h├Ątte.

Wo mein gekreuzigter Jesus mir nicht beigestanden w├Ąre, so w├╝rde meine Seele bald in der H├Âlle haben liegen m├╝ssen. Aber mein frommer und treuer Jesus hat mir den Sinn der gro├čen Parthei offenbaret, da├č ich die Gestalt des verf├╝hrerischen Weibes (Spr. Sal. c. 7.) erkannt habe, welche alle unvorsichtigen J├╝nglinge an den Ecken der gassen an sich zieht, und unter allerhand Schein auf den breiten Weg abf├╝hrt. Hingegen der schmale Weg, der zum Leben f├╝hrt, weil er beschwerlich ist, wird von den fleischlichen Lehrern als verd├Ąchtig und sch├Ądlich den Seelen vorgestellt. Darum habe ich zu Gott, dem Vater unsers Herrn Jesu Christi, treulich gebeten, meine Bibel habe ich mit meinen H├Ąnden gegen Ihn emporgehoben, und mit Mund und Herzen habe ich gerufen: O Gott, mein Herr und Meister meines Lebens, verla├č mich nicht! Uebergieb mich nicht in den Sinn und Rath dieser Leute, beh├╝te mich, da├č ich mich nicht selbst klug d├╝nke, noch diesen Leuten heuchle, und in schwere S├╝nden falle!

Denn ich sage es frei vor Gott und seinem Gesalbten, diese gebrecherische Kirche schm├╝cket sich derma├čen mit dem Schein der Tugend und falscher Demuth, als w├Ąre sie eine Braut Christi, und betr├╝gt damit Manche, so da├č ich von meiner Kindheit an bis auf diesen Tag gleichsam zwischen Th├╝r und angel gestanden, und gezweifelt habe, was ich erw├Ąhlen solle oder nicht, ob ich begierig und unbescheiden nach Ehren und Pfr├╝nden streben solle, welches ich freilich mehrmalen gethan, oder ob ich vielmehr au├čer das Lager hinausgehen, und die Armuth und Schmach Jesu Christi tragen solle? Ob ich ein geruhiges und gem├Ąchliches Leben mit dem gr├Â├čten Haufen suchen, oder der lauteren, d.h. Evangelischen Wahrheit anhangen solle? Ob ich preisen solle, was Alle preisen, rathen, was alle rathen, entschuldigen, wen alle entschuldigen? Die Schrift glossiren, wie in dieser Zeit das alle gro├če, ber├╝hmte, gelehrte und mit allem Schein der Heiligkeit und Weisheit angezogene M├Ąnner sie glossiren? Oder ob ich vielmehr die unfruchtbaren Worte der Finsterni├č dieser Leute m├Ąnnlich anklagen, bestrafen und mich einf├Ąltiglich an die lautere Wahrheit des g├Âttlichen Wortes halten solle, welche offenbar den Sitten derselben widerspricht, und beweiset, da├č sie falsche Christen und Br├╝der sind? Ob ich dem Geist der Andacht und seinen Eingebungen folgen solle, von welchem ich glaube, da├č es der Geist Jesu Christi sey, welcher mir offenbarte, da├č Jenr ihr Leben nur eine Maske der Gottseligkeit sey, indem sie unter dem Schein der Andacht die Welt lieb haben, und nur das Ihre suchen, nicht aber das, was Jesu Christi ist; oder ob ich micht richten solle nach der unz├Ąhligen Menge derer, welche aufs herrlichste und beste, ruhig und gem├Ąchlich, und doch daneben klug und and├Ąchtig leben, und sich getrost r├╝hmen, sie stehen in Christo; aber dabei keine Liebe, keine Barmherzigkeit beweisen, sondern mit Worten und Werken verrathen, da├č sie die Welt und das verg├Ąngliche Leben lieb haben.

Ich bekenne noch einmal, da├č ich bis daher also auf beiden Seiten gehinkt habe. In der einen Stunde, wenn ich die Artigkeit der Weltliebhaber gesehen, lobte ich ihren Flei├č und Gehorsam, den sie Christo zu erweisen schienen, und strafte mich selber, da├č ich ihnen noch nicht nachgefolgt sey. Und dieses begegnete mir gemeiniglich des Morgens. Es geschah aber, da├č ich in einer andern Stunde wieder verwirrt hinwegging, und bereuete, da├č ich sie gelobt hatte, wenn ich nehmlich sahe, wie sie ihre Eitelkeit fortsetzten, und der Wahrheit Jesu Christi, die sie erst mit Worten gelobt hatten, mit Werken widersprachen. Und dieser Widerspruch ist bei ihnen den ganzen Tag, ja das ganze Leben lang zu sehen. Des Morgens geben sie ihren Mund her, Gott zu loben; den ├╝brigen Tag aber gebrauchen sie denselben Mund, eitle Dinge zu reden ,zu fressen, zu saufen, zu l├Ąstern. Des Morgens sind sie and├Ąchtige Leute, den Tag ├╝ber grausam und geizig. Des Morgens halten sie mit gro├čer Ordnung ihre Stunden, aber nach dem Essen reden sie Eitles, suchen Eitles, und entschuldigen doch alles damit, da├č wir schwache Menschen seyen. Da nun das insgemein geschieht, auch von gro├čen und gelehrten M├Ąnnern, die dazu dem Ansehen nach fromm und and├Ąchtig sind, und zwar mit Anziehung der Schrift, mit gro├čer Beredsamkeit und Anf├╝hrung vieler scheinbaren Gr├╝nde, womit sie diese und dergleichen Dinge entschuldigen, so habe ich erkannt, was ich nachmals bekannt habe, da├č, wenn unser Herr und Heiland einem nicht mit einem besondern Schutze beistehe, so k├Ânne kein Mensch diesem verf├╝hrerischen Weibe, diesem Anl├Ącheln und Betr├╝gen des Satans, diesen Netzen des Antichrists entfliehen.“

Jan Hus, Tractat von dem Greuel der fleischlichen Priester und M├Ânche

Quelle: www.glaubensstimme.de

Aus: Der Menschenfreund. Eine christliche Zeitschrift, redigiert von Pastor Sander in Wichlinghausen. Achter Jahrgang. Gedruckt in der Rettungs-Anstalt zu D├╝sselthal, 1832.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 6. Juli 2015 um 8:59 und abgelegt unter Gemeinde, Kirche.