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ZĂ€nkische Frauen

Freitag 16. Mai 2014 von Ruth Heil


Ruth Heil

Warum sucht die Frau das GesprÀch mit ihrem Mann, obwohl das oft in einer Sackgasse endet?

„Was machen Sie, wenn Ihre Frau ein GesprĂ€ch mit ihnen will?“ fragte ich bei einem Seminar die MĂ€nner.

Der Erste zog Luft durch die ZĂ€hne, der NĂ€chste meinte, er verschiebe das GesprĂ€ch auf den Abend danach. Einer wollte bei dem GesprĂ€ch lieber im TĂŒrrahmen stehenbleiben, um rechtzeitig „fliehen“ zu können. Ein Einziger hatte eine gute Antwort: „Wenn es um eine Reparatur geht, können wir gleich darĂŒber reden!“

Was macht MÀnner so sprachlos? Manche wissen wahrscheinlich aus Erfahrung, dass es besser ist, ein GesprÀch zu vermeiden oder, wenn es unumgÀnglich ist, zu schweigen. Das haben sie von ihrem Vater abgeschaut. Einfach schweigen, sich Àrgern und warten, bis sie aufhört zu reden! Oder auch schreien, damit sie endlich den Mund hÀlt?

Warum gibt es – in den Augen der MĂ€nner – so viele zĂ€nkische Frauen?

Ich habe viel darĂŒber nachgedacht. Warum wollen Frauen sprechen? Sie wollen sich mitteilen. Ihrem Mann wollen sie sagen, wie es ihnen geht, warum sie denken, was sie denken – und fĂŒhlen, was sie fĂŒhlen. SpĂ€testens beim Letzteren ist der Mann oft ĂŒberfordert. Er sucht nach Lösungen, arbeitet angestrengt, um der Frau Hilfe zu geben – und merkt enttĂ€uscht, dass sie seine RatschlĂ€ge gar nicht wissen will. Die Frau redet oftmals unsortiert – fĂŒr den Mann undurchschaubar – meist auch ĂŒber Beziehungen, die er so nicht nachvollziehen kann.

Doch mit einem guten Zuhörer findet die Frau Erleichterung und oftmals sogar die Antwort. Das aber scheint fĂŒr den Mann sinnlos. Warum hinhören, wenn sie ohnehin keinen Rat will? Er beginnt damit, wegzuhören, oder er gĂ€hnt, was fĂŒr die Frau heißt: Er langweilt sich. Er will gar nichts von mir wissen.

Dann beginnt das nĂ€chste Problem. Da er anscheinend nicht zuhört, ist er nicht wirklich an ihr interessiert. Das tut weh. FĂŒr die Frau heißt das auch: Er liebt mich nicht, sonst wĂ€re er jetzt ganz Ohr.

Der tiefste Wunsch einer Frau ist es aber, geliebt zu werden.

Es ging um Kleinigkeiten. Sie wĂŒnschte sich einfach nur, dass er sonntags nicht immer sein kariertes Hemd trĂ€gt. Wenigstens ein Hemd mit helleren Farben könnte er sonntags tragen.

Der Streit war vorprogrammiert. Er fĂŒhlte sich in Frage gestellt. Immer habe sie etwas zu meckern. Sie hatte diesen Wunsch schon oft geĂ€ußert.

Ihm waren anscheinend die Dinge nicht wichtig, die ihr etwas bedeuteten. Er dachte nicht wirklich ĂŒber sie nach. Ja, zugegeben, er war ein treu sorgender Ehemann und Vater der Kinder. Aber liebte er sie? Liebte er sie wirklich? Weil sie sich diese Frage stellte, wollte sie wissen, warum er ihren Wunsch nicht erfĂŒllte. Eigentlich wollte sie nur hören, dass sie ihm wichtig war. Im Grunde suchte sie in seinem Herzen nur einen Platz, der ihr allein gehörte. Tief drinnen stellte sie sich die Frage, ob sie ihm etwas bedeutete.

Stattdessen war er Ă€rgerlich ĂŒber sie. Er sprach von der Rolle seines Vaters, der auch schon so sehr unter der Mutter gelitten hatte. Auch sie wĂ€re stĂ€ndig unzufrieden mit ihrem Mann gewesen. Nun ging es ihm ebenso. Diese Frauen, die ihre MĂ€nner so quĂ€lten, indem sie dauernd nach Möglichkeiten suchten, einen Streit vom Zaun zu brechen. Was wollten Frauen eigentlich?

Tat er nicht alles, um ihr zu zeigen, dass er zu ihr stand? Er war wĂŒtend und enttĂ€uscht zugleich. Obwohl er sonst kaum weinte, war ihm zum Weinen zumute. Ja, er gab sein Bestes, aber anscheinend war es nicht gut genug. Man konnte geben, so viel man wollte, es war immer noch nicht gut genug. Sie stempelte ihn in seinen Augen zum Versager.

Das gemeinsame GesprĂ€ch brachte nichts. Sie versuchte, klarzumachen, dass sie letztlich nach seiner Zuneigung suchte und hoffte, dass er sie durch dieses kleine Zeichen geben wĂŒrde. Er war beleidigt, dass sie nicht anerkannte, was er tĂ€glich im Beruf und sogar im Haushalt leistete. FĂŒr ihn war sie die zĂ€nkische Frau, bei der man lieber auf dem Dachboden wohnen sollte als in der gemeinsamen Wohnung.

Sie hatte einmal wieder gesagt, was sie sich wĂŒnschte. Aber es hatte sich nichts geklĂ€rt, außer, dass zwischen beiden die Mauer wuchs. Er fĂŒhlte sich angeklagt, sie dafĂŒr nicht verstanden.

Gab es einen Weg heraus?

Nicht alles kann geklĂ€rt werden. Vieles trĂ€gt Spuren der Vergangenheit, von denen der andere nichts weiß. Aber einer kennt sie. Einer kennt uns. Einer versteht beide – vollkommen. Einer leidet mit. Einer wartet darauf, dass wir zu ihm kommen und ihm alles sagen. Einer bittet uns, den ersten Schritt zur Einheit zu gehen. Einer sagt: Komm an mein Herz, damit ich deine Sehnsucht stillen kann. Einer legt seine Hand auf unseren Kopf und lĂ€sst uns wissen: Ich bin bei dir. Einer bindet diese beiden unterschiedlichen SchnĂŒre mit dem goldenen Band seiner Liebe zusammen.

Merke:

Wir werden den anderen nie völlig verstehen können. Aber wir sollten niemals aufhören, ihn verstehen zu wollen.

Gebet:

Herr, „schiebe nach“, wo meine Liebe ausgehen und die Flamme nicht mehr flackern will.
Herr, gieße nach, wo mein GefĂŒhlstank leer geworden ist und der Treibstoff fehlt, der zum Weitermachen motiviert.
Herr, gib mir heilsame Worte. Lehre mich zu reden und zu schweigen im Hinhören auf dich.
Sei du unser Dolmetscher!

Zum Nachdenken:

Die Sprachverwirrung besteht seit dem Turmbau zu Babel. Wir brauchen keine großen Bauwerke, um den Himmel zu erreichen. In Jesus kommt uns der Himmel nah, um uns Ohr und Herz fĂŒreinander zu öffnen.

Ruth Heil

Quelle: Family Life Mission, Nr. 129, 2. Quartal 2014

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 16. Mai 2014 um 16:51 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Seelsorge / Lebenshilfe.