Gemeindenetzwerk

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Der Internationale Gideon-Bund

Montag 21. Oktober 2013 von Jörgen Bauer


Jörgen Bauer

Der erfolgreiche junge Rock-Musiker hat sich in einem Hotelzimmer eingemietet. Dabei hat er eine Pistole mit der er beabsichtigt, Selbstmord zu begehen. Trotz aller Erfolge und den Möglichkeiten, die die sich ihm bieten, ist er des Lebens überdrüssig. Es ist alles so leer und sinnlos. Er setzt sich an den Tisch um einen Abschiedsbrief an seine Mutter zu schreiben. Dabei fällt sein Blick auf das auf dem Tisch liegende Gideon Hotel-Testament.

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden, für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“ (Matthäus 11, 28-30).

Diese Verse sprechen den potentiellen Selbstmörder so an, dass er von seinem Vorhaben ablässt, das erste Mal nach langer Zeit ruhig schläft und sich danach neu orientiert.

Das ist kein Einzelfall. Dem Gideonbund liegen zahllose Berichte dieser und ähnlicher Art vor. Es ist erwiesenermaßen so, dass bereits vom geschriebenen Wort Gottes eine Wirkung ausgeht, und darauf setzt der Gideonbund, wenn er weltweit Bibeln und Neue Testamente (Schriften) verbreitet.

Der Gideonbund nahm seinen Anfang im Herbst 1898. In einem Hotel in Wisconsin / USA begegneten sich zwei fremde Handlungsreisende, die sich als Christen erkannten. Nach einer gemeinsamen Abendandacht kamen sie auf den Gedanken, eine Vereinigung christlicher Handelsreisender zu gründen, die ihre Reisetätigkeit dazu nutzen Bibeln in die Hotels zu bringen, in denen sie jeweils übernachten.

Mit diesem Vorhaben begannen sie im folgenden Jahr, zusammen mit einem Dritten, der als Einziger von einhundert eingeladenen Handlungsreisenden und Geschäftsleuten (1%) zur Gründungsversammlung erschienen war.

In Anlehnung an den biblischen Gideon, der von 30.000 Kämpfern nur 300 (= 1%) behalten durfte, um eine Überzahl von Feinden in die Flucht zu schlagen, nannten sie sich fortan „Gideons“ und begannen, im Vertrauen auf Gott, mit ihrem, anfänglich aussichtslos erscheinenden, Werk.

Der Gideonbund ist mittlerweile in 195 Ländern vertreten und weltweit auf ca. 197.000 Mitglieder gewachsen. Seit seiner Gründung hat der Internationale Gideonbund weltweit über 1,7 Milliarden Bibeln und Neue Testamente weitergegeben, davon allein im letzten Geschäftsjahr 2012, über 84 Millionen, in 95 Sprachen. Und das bleibt nicht ohne Wirkung.

Die Ehefrauen der Gideons sind zum Teil im Gideon-Frauendienst organisiert, der sich hauptsächlich mit der Weitergabe von Schriften in medizinischen Einrichtungen und Arztpraxen befasst. Der Gideonfrauendienst umfasst weltweit ca. 106.000 Mitglieder.

In Deutschland gibt es ca. 3000 Gideons und ca.1200 Gideonfrauen, die in 142 Gruppen organisiert sind. In Deutschland wurden im Geschäftsjahr 2012 etwa 609.000 Schriften weitergegeben.

Die Schriften werden in Hotels, Krankenhäusern, Sanatorien, Pflegeheimen, Altenheimen, Wartezimmern von Ärzten, Hochschulen, Schulen, in Justizvollzugsanstalten, bei der Polizei, der Bundeswehr, auf Schiffen, in Flugzeugen, anderen vergleichbaren Einrichtungen sowie im persönlichen Gesprächen weitergegeben oder ausgelegt. Das ist immer mit einem persönlichen Zeugnis verbunden und kostenlos für die Empfänger.

Besondere Aktionen sind die „Bibelblitze“, bei denen die Gideons konzentriert in Städten oder ländlichen Bezirken auftreten, um in geballter Bibeln in den infrage kommenden Einrichtungen oder in Einzelgesprächen weiterzugeben.

Die Kosten für die Schriften werden je zu einem Drittel von den Gideons, von einem Freundeskreis und von den Kirchengemeinden – Kollekten nach einem Kirchenzeugnisdienst – aufgebracht. So die offizielle Version. Tatsächlich dürften es die Gideons selbst sein, die den Hauptanteil der Kosten tragen. Zum Glück können die Schriften äußerst preisgünstig in Schottland gedruckt werden.

Kirchenzeugnisdienst heißt, dass die Gideons während des Gottesdienstes über ihre Arbeit berichten. Da die Mitglieder evangelischen Gemeinden angehören, verstehen sich die Gideons als im Dienst der Gemeinden tätig, um kirchenferne Menschen für den Glauben zu gewinnen.

Der Segen der erkennbar auf der Arbeit des Gideonbundes ruht, dürfte darin liegen, dass sich der Bund, im festen Vertrauen auf Gott und im Gebet, Richtlinien gegeben hat, die streng eingehalten werden.

Dazu gehört, dass wer Gideon werden will, eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen muss. Da ist das Bekenntnis zu Jesus Christus, als Sohn Gottes und die Annahme als persönlichen Erlöser (Wiedergeborensein), das Bekenntnis, dass die Bibel inspiriertes, irrtumsfreies Wort Gottes ist und die Mitgliedschaft in einer evangelischen Gemeinde.

Daneben müssen noch bestimmte berufliche Voraussetzung erfüllt sein und zwei Zeugen benannt werden, die für den Antragsteller einstehen. Über die Aufnahme entscheidet ein Mitgliederausschuss.

Nach den Richtlinien trifft sich die örtliche Gruppe wöchentlich, wobei drei Zusammenkünfte dem Gebet und nur jede Vierte der Aufgabenverteilung dient, wobei die Zusammenkünfte zeugnishaft in öffentlichen Hotels stattfinden sollen.

Ein wesentlicher Grundsatz ist, dass unaufdringlich und unauffällig vorgegangen wird, wobei man sich auf keine Diskussion einlässt. Wo die Weitergebe von Schriften, z.B. vor Schulen, auf Widerstand stößt, zieht man sich dezent zurück.

Weil in den Gideongruppen Mitglieder aus unterschiedlichen evangelischen Denominationen zusammenkommen, sollen innerhalb der Gruppen keine Diskussionen über Glaubensfragen stattfinden, weil dies zu Streitigkeiten führt, welche die Arbeit hemmen. Es geht einzig und allein nur darum, das Wort Gottes zu verbreiten, das für sich selbst spricht.

Nichts ist schlimmer, als das gemeinsame Ziel aus den Augen zu verlieren und sich in eitle Flügel- und Richtungskämpfe zu verirren, die oftmals der Anfang vom Ende einer Sache sind.

Was kann dazu gesagt werden: Die Geschichte des Gideonbundes zeigt auch hier, dass Gott aus kleinen Anfängen, Großes machen kann.

Beispielhaft ist die unauffällige Vorgehensweise. So wird man vom Gideonbund, trotz der Wirkung, die von ihm ausgeht, in den Medien nie etwas hören, und das ist gut so.

Mitglieder des Gideonbundes gehen unter anderem in Schulen, wo an die Schüler die grünen handlichen Schülertestamente verteilt werden. Auch hier gilt, sich auf die Wirkung zu verlassen, die vom Wort Gottes, ohne unser Zutun, ausgeht und der Versuchung zu widerstehen, außer einem kurzen persönlichen Zeugnis und evtl. der Geschichte des Gideonbundes, einen Vortrag oder eine „Predigt“ zu halten.

Selbst wenn Letzteres bei den Hörern gut ankäme, würde doch darüber gesprochen, was Widersacher auf den Plan rufen und zu einer Behinderung der Gideonarbeit führen könnte.

Das heißt nicht, sich bedeckt zu halten um als Christ unerkannt zu bleiben. Es geht darum abzuwägen, wann es sinnvoll ist, den Glauben vor anderen oder öffentlich zu bekennen und wann es besser ist, den Mund zu halten um eine christliche Aktion nicht zu gefährden.

Ganz allgemein ist überlegen, ob es überhaupt sinnvoll ist, heiße Diskussionen über unterschiedliche Glaubensauffassungen, wie zum Beispiel die Taufe, zu führen. Das bindet Kräfte, die anderweitig besser eingesetzt wären.

Was ist vom Wort Gottes dazu zu sagen:

„Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“ (Jesaja 55, Verse 10 und 11)

Diese Verse sind der Leitspruch des Internationalen Gideonbundes. Und die Mitglieder des Gideonbundes dürfen immer wieder erleben, dass es sich mit geschriebenen Wort Gottes ganz genauso verhält. Es entfaltet, ohne weiteres menschliches Zutun, seine Wirkung, was oft kaum zu glauben ist.

Ja, es gelingt, wozu Gott es sendet, und es kommt nicht leer zu Gott zurück. Dieses Wort ist nicht nur Schall und Rauch, ist nicht nur schwarze Buchstaben auf weißen Papier, sondern eine geballte Kraftladung und wird von den Feinden der Christen nicht umsonst gefürchtet.

Und das ist die letzte Meldung, von letzter Woche:

Mein Sohn besucht die 5. Klasse des Gymnasiums in H. Er hat dort heute Morgen eine Gideon-Bibel geschenkt bekommen und sich sehr darüber gefreut. Es hat ihn auch sehr beeindruckt, was einer Ihrer Mitarbeiter aus seinem Leben erzählt hat. Zitat: „Der Mann war schon über 80 Jahre und ist immer noch für den Herrn Jesus unterwegs.“ Wir sind selbst Christen und freuen uns sehr, dass es noch Menschen gibt, die den Mut haben, in Schulen (die oft mit Christsein nichts mehr zu tun haben wollen) Bibeln zu verteilen. Ich selbst habe vor ca. 30 Jahren bereits eine Gideon-Bibel geschenkt bekommen. Ich habe sie immer noch. Während meiner Jugendzeit war sie mir aufgrund ihres handlichen Formates ein lieber Begleiter. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und Gottes reichen Segen für Ihre Arbeit!

Mit dem Bericht über den Internationalen Gideonbund soll gezeigt werden, dass es nach wie vor auch erfreuliche Entwicklungen gibt und die Sache des Reiches Gottes nicht untergeht.

JÖRGEN BAUER (Mitglied im Internationalen Gideonbund)
Am Jagdschlössle 15
89520 Heidenheim
tel. 07321 / 739115

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 21. Oktober 2013 um 10:04 und abgelegt unter Christentum weltweit, Gemeinde, Seelsorge / Lebenshilfe.