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Was ist die Ehe wert?

Donnerstag 29. August 2013 von Dr. Joachim Cochlovius


Dr. Joachim Cochlovius

Eine biblische Orientierung als Antwort auf die „Orientierungshilfe“ der EKD „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“

Die im Juni 2013 erschienene Familienschrift der EKD fordert dazu auf, „Familie neu zu denken und die neue Vielfalt von privaten Lebensformen unvoreingenommen anzuerkennen und zu unterstĂŒtzen“. Diese Aufforderung wird von der Verfasser-Kommission „als eine normative Orientierung“ verstanden, d.h. als neue Norm und Aufgabe evangelischer Ethik. Zur BegrĂŒndung heißt es „Die traditionellen Leitbilder halten den neuen Herausforderungen in Wirtschaft und Gesellschaft sowie den vielfĂ€ltigen Erwartungen an Familien nicht mehr stand“. Die Ehe ist also nach Meinung der Verfasser den Anforderungen der modernen Gesellschaft letztlich nicht mehr gewachsen. Demzufolge wird am christlichen Ehebild massive Kritik geĂŒbt.

1. Die in der Bibel bezeugte Einsetzung der Ehe durch Gott wird bestritten. „Ein normatives VerstĂ€ndnis der Ehe als ‚göttliche Stiftung‘ und eine Herleitung der traditionellen Geschlechterrollen aus der Schöpfungsordnung“ wird wegen „der historischen Bedingtheit des familiĂ€ren Zusammenlebens“ in den biblischen ErzĂ€hlungen abgelehnt.1

2. Die biblische Zuordnung von Mann und Frau in der Ehe wird als zeitbedingt und ĂŒberholt zurĂŒckgewiesen. Das Hilfesein der Frau und das Hauptsein des Mannes werden problematisiert. Den biblischen Texten wird unterstellt, dass sie eine „Geschlechter-Hierarchie“ und eine „Dominanz des Mannes“ in Kirche und Theologie etabliert hĂ€tten.2

3. Die Ehe ist in der Familienschrift nur noch eine Lebensform unter vielen anderen, ein zwischenmenschlicher, jederzeit auflösbarer Vertrag, durch den man sich gegenseitige Hilfe zusichert. „Die evangelische Kirche wĂŒrdigt die Ehe als besondere StĂŒtze und Hilfe, die sich auf VerlĂ€sslichkeit, wechselseitige Anerkennung und Liebe grĂŒndet“. Das Versprechen lebenslanger Treue wird dabei als Zumutung empfunden.3

Angesichts dieser eheabwertenden Auffassungen entsteht die Frage, was eigentlich die Ehe gegenĂŒber anderen Lebensformen von Mann und Frau auszeichnet und worin ihr spezifischer Wert liegt. Diese BroschĂŒre gibt Antwort.

1.)      Die Ehe – eine göttliche Stiftung und Wohltat

Als Gott am Anfang Mann und Frau erschuf und einander zufĂŒhrte, hat er die Ehe als lebenslange Gemeinschaft von Mann und Frau eingesetzt (1 Mose 2,4b-25). Indem er beide mit Fruchtbarkeit segnete, gab er ihnen die FĂ€higkeit, Nachkommen zu zeugen und zu erziehen (1 Mose 1,28). Jesus hat die göttliche Stiftung der Ehe bestĂ€tigt. In einem StreitgesprĂ€ch mit den PharisĂ€ern stellte er fest „Der am Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau“ (Mt 19,4). Auch der Epheserbrief bekrĂ€ftigt die göttliche Stiftung der Ehe. In Eph 5,31 wird 1 Mose 2,24 zitiert, wo die eheliche Verbindung von Mann und Frau auf Gottes Willen zurĂŒckgefĂŒhrt wird. Nach Eph 5,32 ist am ehelichen Einssein von Mann und Frau die geistliche Einheit von Christus mit seiner Gemeinde ablesbar. Es gibt also keinen Zweifel, dass die Bibel Alten und Neuen Testaments ein „normatives VerstĂ€ndnis der Ehe als göttliche Stiftung“ hat. Wer das nicht sieht, ist blind vor der RealitĂ€t.

Im Großen Katechismus rĂŒhmt Luther den Ehestand als den „allgemeinsten, edelsten Stand, der durch den ganzen Christenstand, ja durch alle Welt geht und reicht“. Gott hat ihn „als einen göttlichen, seligen Stand“ eingesetzt und „vor allen StĂ€nden aufs reichlichste gesegnet“. „Darum habe ich immerdar gelehrt, dass man diesen Stand nicht verachte noch gering schĂ€tze, wie die blinde Welt und unsere falschen Geistlichen tun, sondern ihn nach Gottes Wort ansehe, mit dem er geschmĂŒckt und geheiligt ist, so dass er nicht nur anderen StĂ€nden gleichgesetzt ist, sondern vor und ĂŒber sie alle geht, es seien Kaiser, FĂŒrsten, Bischöfe und wer sie wollen.“4

Wenn wir nach der Wohltat der Ehe fragen, mĂŒssen wir die GrundbedĂŒrfnisse der menschlichen Seele kennen. Jeder Mensch braucht Grunderfahrungen von Heimat, Treue und Geborgenheit, denn er lebt in einer Welt, die ihm keine dauerhafte Heimat, keine absolute Treue und keine letzte Geborgenheit in den Nöten seines Lebens bietet. Um ihm diese Erfahrungen zu geben, hat Gott in seiner FĂŒrsorge und Weisheit zwei Gemeinschaftsformen gestiftet, die Ehe und die christliche Gemeinde. Durch die Ehe segnet er die ganze Menschheit, den Segen der Gemeinde erfahren diejenigen, die kraft Taufe und Glauben zu Christus gehören. NatĂŒrlich können Ehe und Gemeinde keine vollkommene Heimat, Treue und Geborgenheit vermitteln, denn sie werden von fehlbaren Menschen gestaltet, aber sie können trotzdem einen Vorgeschmack auf die himmlische Herrlichkeit geben, wo die Erlösten die vollkommene Treue und Geborgenheit Gottes empfangen. Deswegen kann man Ehe und Gemeinde als göttliche Stiftungen nicht hoch genug schĂ€tzen.

Dabei sollte klar sein, dass nur die öffentlich auf Lebenszeit geschlossene Ehe von Mann und Frau diese Grunderfahrungen vermitteln kann. Nur wenn sich beide verbindlich und d.h. öffentlich die lebenslange Treue zusprechen und ihr Versprechen mit Gottes Hilfe einlösen, wird die Ehe zur Wohltat und schenkt Heimat und Geborgenheit. Ebenso sollte klar sein, dass der Segen Gottes fĂŒr die Ehe eben nur der Ehe von Mann und Frau gilt und nicht den immer ĂŒblicher werdenden anderen sexuellen Lebensformen, zu denen sich Menschen zusammenschließen.

Es gehört zu den grundlegenden theologischen Fehlern der EKD-Familienschrift, dass sie „die neue Vielfalt von privaten Lebensformen“ der Ehe gleichstellt, sie kirchlich legitimiert und dadurch den Eindruck vermittelt, dass auch sie in gleicher Weise unter Gottes Segen stehen.5 Es wird nicht mehr unterschieden zwischen Lebensformen, die Gott eingesetzt hat und die damit unter seinem Segen stehen, und solchen, zu denen sich Menschen eigenmĂ€chtig zusammenschließen. Ulrich Eibach stellt dazu fest, dass es nach dieser „Legitimationsethik“ ĂŒberhaupt keine Lebensform mehr gibt, „die man als Missachtung des Gebots Gottes, als SĂŒnde bezeichnen kann und darf. Ethik wird so immer mehr zur Legitimation des faktisch gelebten Lebens, zur BestĂ€tigung menschlicher WĂŒnsche“6. Die Folge dieser kirchlichen Gleichstellung aller Lebensformen hat Gerhard MĂŒller gezeigt: „Wir kehren zurĂŒck in die hellenistische, vorchristliche Zeit. Auch damals lebten die Menschen vielfĂ€ltig. Es war die jĂŒdisch-christliche Lehre, die den Hedonismus zurĂŒckdrĂ€ngte, den Wunsch, sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen.“ 7

Wir können festhalten: Die Ehe ist von Gott gestiftet und steht unter seinem Segen. Andere Formen des sexuellen Umgangs und Zusammenlebens werden in der Bibel zurĂŒckgewiesen bzw. unter Strafe gestellt (1 Kor 6,9; Gal 5,21; Kol 3,5f.).

2.)      Die Zuordnung von Mann und Frau – ein geniales Konzept Gottes

Mit großer Anmaßung („Heute wissen wir
“) zieht die EKD-Familienschrift gegen die von Gott verfĂŒgte unterschiedliche Bestimmung von Mann und Frau zu Felde. In den biblischen Schöpfungsberichten spiegele sich eine „Geschlechter-Hierarchie“, in einigen biblischen Texten wĂŒrde sich „die Dominanz des Mannes“ abbilden, das „Schöpfungsgeschehen“ sei „vom Mann her gedacht“, die Frau werde „als ‚GefĂ€hrtin‘ des Mannes“ verstanden, die biblischen ErzĂ€hlungen wĂŒrden u.a. von „einem ĂŒberholten RollenverstĂ€ndnis“ zeugen.8

Diese Klischee-Urteile sind sÀmtlich falsch. Was sagen die biblischen Texte wirklich zur göttlichen Bestimmung von Mann und Frau?

Dem Ehemann wird die Aufgabe ĂŒbertragen, fĂŒr seine Frau Verantwortung, Schutz und FĂŒrsorge zu ĂŒbernehmen. Die Bibel verwendet dafĂŒr den Begriff „Haupt“. Was er bedeutet, wird aus 1 Kor 11,3 deutlich, wo vom Hauptsein Gottes fĂŒr Christus die Rede ist. Als Haupt Christi gibt Gott alles, was er ist und hat, seinem geliebten Sohn. Was das heißt, steht sehr schön und anschaulich in Hebr 1,1-5. Gott ĂŒbertrĂ€gt ihm sein ganzes Erbe, er erschafft durch ihn die ganze Welt, er gibt ihm vollen Anteil an seinem göttlichen Charakter, er verleiht ihm die Kraft, den gesamten Kosmos in der Existenz zu halten, er reinigt durch ihn die Menschheit von den SĂŒnden, und er bestĂ€tigt seinem Sohn seine Vaterschaft immer wieder aufs Neue. Das ist also das göttliche Hauptsein. Keine Spur von Dirigismus, von Beherrschen und bestimmender Dominanz. Vielmehr sehen wir bedingungslose Liebe, die alles fĂŒr den anderen gibt.

An diesem liebevollen Hauptsein Gottes fĂŒr Christus soll der Mann Maß nehmen und sein eigenes Haupt-sein ausrichten. Dabei wird er (und seine Frau!) allerdings bald merken, dass er damit restlos ĂŒberfordert ist, weswegen ihm Eph 5,25 den Rat gibt, bei Christus hingebungsvolle Liebe zu lernen. Der liebende und verantwortungsfĂ€hige Mann ist eine Wohltat fĂŒr seine Frau und Familie. Wir merken: Gott hat sein Ehekonzept auf Christus hin entworfen, denn nur durch Christus kann der Mann sein Hauptsein in Liebe verwirklichen. Ohne die Liebe Christi verfĂ€llt er schnell der Versuchung, seine Frau und Kinder beherrschen zu wollen.

Der Ehefrau wird die Aufgabe ĂŒbertragen, ihrem Mann zur Seite zu stehen (wie sie ja auch aus seiner „Seite“ entnommen ist, 1 Mose 2,21f.). Sie soll ihm durch Ermutigung und Ermahnung helfen, ein verantwortungsfĂ€higer Mann zu werden. Aufgrund ihrer Berufung zur Schwangerschaft verfĂŒgt sie – selbst wenn sie niemals Mutter wird – ĂŒber eine besondere soziale Kompetenz, die sie dazu in die Lage versetzt.9 Die Bibel verwendet an dieser Stelle den herausgehobenen und sonst fast nur auf Gott bezogenen Begriff der Hilfe bzw. des Helfers (1 Mose 2,18).

Wenn wir das Hilfe-sein der Ehefrau ernstnehmen, ergibt sich daraus logischerweise die HilfsbedĂŒrftigkeit des Mannes. Manche MĂ€nner hören das nicht gern. Aber wenn man sich vergegenwĂ€rtigt, dass Gott die Frau aus dem Mann heraus geformt hat (was ĂŒbrigens im Zeitalter der Molekularbiologie keineswegs eine absurde Vorstellung ist) und dass ihm nun ein StĂŒck seines Wesens fehlt, dann versteht man das Angewiesensein des Mannes auf die Frau besser.

Das Hilfesein der Ehefrau ist keine Degradierung fĂŒr sie, sondern eine unerhörte Aufwertung. Sie besitzt damit den SchlĂŒssel zur Seele und zum Charakter ihres Mannes, sie ist in der Lage, ihm zu helfen, ein wirklicher Mann nach dem Bild Gottes zu werden. Viele Frauen haben leider ihre entsprechenden BemĂŒhungen resigniert aufgegeben. Sie haben vergessen, Gott um Weisheit zu bitten (vgl. Jak 1,5).

Wir merken also auch im Blick auf die Frau, dass Gott seine Zuordnung der beiden Geschlechter auf Christus hin entworfen hat. Nur mit Christi Hilfe kann Gottes Konzept vom Mannsein und Frausein verwirklicht werden. Ohne Christus verfĂ€llt die Frau schnell in Resignation, oder sie versucht, ihren Mann zu dominieren, oder sie geht eigene Wege, um sich zu „verwirklichen“.

Gottes Konzept findet in unserer Zeit nicht viele offene Ohren. DarĂŒber sollte sich niemand wundern. Wer den postmodernen Traum der Autonomie des Individuums trĂ€umt, fĂŒhlt sich durch diese Zuordnung der Geschlechter schnell fremdbestimmt.

Dietrich Bonhoeffer hat das vorhergesehen. „Es sind ungesunde Zeiten und VerhĂ€ltnisse, in denen die Frau ihren Ehrgeiz darin sucht, zu sein wie der Mann, und der Mann in der Frau nur das Spielzeug seiner Herrschsucht und Freiheit erblickt. Es ist der Beginn der Auflösung und des Zerfalls aller menschlichen Lebensordnungen, wenn das Dienen der Frau als ZurĂŒcksetzung, ja als KrĂ€nkung ihrer Ehre, und die ausschließliche Liebe des Mannes zu seiner Frau als SchwĂ€che oder gar als Dummheit angesehen wird.“10

Wer hingegen das Hauptsein des Mannes und das Hilfesein der Frau als göttliche Verheißung und als lohnende Lernaufgabe begreift, der hat den SchlĂŒssel zu einem gelassenen und frohmachenden Miteinander der Geschlechter gefunden.

3.)      Ein Leben lang – mit Gottes Hilfe

Nach Auffassung der EKD-Familienschrift grĂŒndet sich die Ehe „auf VerlĂ€sslichkeit, wechselseitige Anerkennung und Liebe“11. Ähnlich heißt es schon im Pfarrdienstgesetz der EKD von 2010, dass kirchliche AmtstrĂ€ger „in ihrer LebensfĂŒhrung im familiĂ€ren Zusammenleben und in ihrer Ehe“ an „Verbindlichkeit, VerlĂ€sslichkeit und gegenseitige Verantwortung“ gebunden sind.11 Wir haben hier eine rein anthropologische EhebegrĂŒndung vor uns. Menschen „suchen nach verlĂ€sslichen Partnerinnen und Partnern“, Menschen sollen „einander zu verlĂ€sslichen BĂŒndnispartnern und zum Segen werden“, der Mensch ist derjenige, durch den die Ehe „gestaltet werden muss.“

Aber: welch eine Verkennung der menschlichen KrĂ€fte und Möglichkeiten! Welch eine Verkennung der Macht der SĂŒnde! Als ob der Mensch aus eigener Kraft ein Leben lang eheliche Treue und Liebe aufbringen könnte! Bei solch einem Ansatz sind EnttĂ€uschung und Verzweiflung schon vorprogrammiert.

Mit Wolfhart Pannenberg muss man einer solchen BegrĂŒndung der Ehe „auf die Liebesgemeinschaft der Partner“ deutlich widersprechen. „Im christlichen VerstĂ€ndnis ist die Ehe gerade nicht auf die gegenseitige Zuwendung der Partner und auf ihr GefĂŒhl der Zusammengehörigkeit gebaut, obwohl der Entschluss zur Ehe davon ausgehen mag. Die Dauerhaftigkeit der christlichen Ehe grĂŒndet darin, dass sie vor Gott geschlossen wird. In ihr erneuert sich darum die liebende Zuwendung der Partner immer wieder aus der vergebenden Liebe Christi. Dadurch wird es möglich, der Unvollkommenheit des Partners ebenso wie dem Bewusstsein der eigenen Unvollkommenheit standzuhalten und aus der Erfahrung gegenseitigen Verstehens und gegenseitiger Vergebung ein vertieftes Bewusstsein der Verbundenheit zu gewinnen.“13

Es gibt in einer der schönsten Ehegeschichten der Bibel, wie Isaak seine Frau Rebekka bekam, eine kurze Bemerkung, die diese Einsicht auf den Punkt bringt: „
sie wurde seine Frau, und er gewann sie lieb“ (1 Mose 24,67). Nicht die Liebe trĂ€gt die Ehe, sondern die Ehe die Liebe. Nicht wir sind es, die eine eheliche Verbindung „verlĂ€sslich“ machen, sondern Gott.

Wie Ă€ußert sich die EKD-Familienschrift zum notvollen Thema Ehescheidung? Anstatt Ehepaaren in einer Ehekrise seelsorgerlich Mut zu ihrer Überwindung zu machen und einen Neuanfang der Ehe durch Beichte und Vergebung zu eröffnen, spricht sie unter merkwĂŒrdiger Bezugnahme auf Gal 3,26-28 von der „Freiheit, die Schicksalhaftigkeit familiĂ€rer und sozialer Bindungen aufzulösen, den eigenen Lebensentwurf zu gestalten, der eigenen Berufung zu folgen und sich aus eigener Entscheidung in neue Bindungen zu stellen.“14

Die reformatorische „Freiheit eines Christenmenschen“ wird hier zur Freiheit, den eigenen Lebensentwurf notfalls auf Kosten anderer durchzusetzen. Wenn man meint, die eigene Ehe könnte der persönlichen Lebensplanung im Weg stehen, dann kann man sie nach dieser Definition von Freiheit durchaus wieder verlassen. Krasser kann man christliche Freiheit nicht verkennen.

Die Bibel geht an das Thema Scheidung ganz anders heran. Sehen wir uns einmal die BemĂŒhungen Gottes an, mit denen er versucht, die Ehe ein Leben lang zu schĂŒtzen und zu gewĂ€hrleisten.

In 1 Mose 2,24 heißt es wörtlich, dass Gott Mann und Frau in der Ehe aneinander „anklebt“. Er kennt die zentrifugalen KrĂ€fte, die an der Ehe rĂŒtteln, nur zu gut. Aber weil er in seiner Weisheit und Liebe den Eheleuten ihr ganzes Leben lang Heimat, Treue und Geborgenheit vermitteln möchte, fĂŒgt er sie ganz fest zusammen, körperlich, seelisch, geistlich.

Mit dem Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“ stellt er sich schĂŒtzend vor die Ehe, wehrt Angreifer ab und bedroht sie mit dem Ausschluss aus dem Reich Gottes (1 Kor 6,9).

Jesus sagt klipp und klar, dass die Ehe eine lebenslange Stiftung und Wohltat Gottes ist und nicht geschieden werden soll. „Was Gott zusammengefĂŒgt hat, soll der Mensch nicht scheiden“ (Mt 19,6).15

Paulus verbietet den Christen genauso eindeutig die Scheidung ihrer Ehe (1 Kor 7,10f).

Doch das allerstĂ€rkste Bollwerk gegen jegliche Eheresignation hat Jesus in seinen Ich-bin-Worten aufgerichtet. „Ich bin der Weg“ (Joh 14,6) – dieses Wort fegt alle EnttĂ€uschung, Resignation und Verzweiflung hinweg. Wenn Jesus Christus der Weg ist, dann hat er auch einen Weg aus jeder Ehekrise. Der Weg mag verschĂŒttet sein, Geröll aus vielen Jahren mag darauf liegen. Aber der Weg ist vorhanden. Es gilt dann, die Geröllmassen wegzurĂ€umen, allein, zu zweit, durch Vergebung, mit Hilfe eines Seelsorgers. „Gott ruft dem, was nicht ist, dass es sei“ (Röm 4,17). Wo keine Liebe, keine Hoffnung, kein Glaube mehr da ist, dort kann Neues entstehen, denn Gott ist ein schöpferischer Gott.

Fazit

Die Ehe ist eine gute Schöpfungsordnung Gottes. Gott hat sie gestiftet als großartigen Lebens- und Kommunikationsraum fĂŒr das Miteinander der beiden Geschlechter. Er hat sie beschenkt mit der Weitergabe des menschlichen Lebens.

Mann und Frau haben unterschiedliche StĂ€rken und SchwĂ€chen und können sich hervorragend ergĂ€nzen. Aber Gottes Vorgaben fĂŒr den Ehemann und die Ehefrau können aus eigener Kraft nicht erfĂŒllt werden. Geduld, Barmherzigkeit, Hoffnung, Weisheit, Vergebungskraft, die Liebe Gottes, das hat niemand in ausreichendem Maß in sich. Insofern treibt die Ehe ins Gebet und zu Christus. Er ist der Weg, er kennt fĂŒr jede Ehe gangbare Wege.

Mit Gottes Hilfe wird die Ehe haltbar. Ehescheidungen mĂŒssen nicht sein. Kranke Beziehungen können heil werden. Die Freude aneinander kann wiederkehren.

Die Ehe hat alle bisherigen Angriffe ĂŒberstanden. Sie wird Bestand haben, bis Jesus wiederkommt. Wir Christen sollten den Dreieinigen Gott immer wieder loben und ihm danken fĂŒr die Wohltat der Ehe. Und wir sollten unsere Stimme erheben gegen alle Versuche, sie zu verĂ€ndern und zu zerstören.16

Pastor Dr. Joachim Cochlovius

(1) Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlĂ€ssliche Gemeinschaft stĂ€rken. Eine Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. GĂŒtersloh 2013, S. 54 und 58.
(2) a.a.O. S. 56 und 58.
(3) a.a.O. S. 143 und 56. Dass die Ehe nur ein Vertrag sei, wurde erst durch Immanuel Kant („Metaphysik der Sitten“) zur allgemeinen Auffassung.
(4) Die Bekenntnisschriften der evang.-luth. Kirche, 2. Aufl. Göttingen 1955, S. 612f. Wenn Luther in seinem TraubĂŒchlein von 1529 die Hochzeit und den Ehestand ein „weltlich GeschĂ€ft“ nennt, will er sagen, dass Gott die Ehe fĂŒr alle Menschen, Christen und Nichtchristen, gestiftet hat und demzufolge die Trauungszeremonien und Ehegesetze Sache des Staates sind. Dass nach Luther die Ehe von Gott eingesetzt ist, geht auch aus dem folgenden Zitat aus seinem Genesiskommentar von 1536 hervor: „Eine legitime Verbindung von Mann und Frau beruht nĂ€mlich auf göttlicher Anordnung und ist eine göttliche Institution“ (WA Bd. 45,100).
(5) Zwischen Autonomie und Angewiesenheit S. 141 und 143.
(6) U. Eibach, Ethische NormativitÀt des Faktischen? Kritische Stellungnahme zur Orientierungshilfe der EKD; http://www.gemeindenetzwerk.de/?p=9733
(7) G. MĂŒller, Postmoderner Rat. Der breite Weg der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD); http://www.gemeindenetzwerk.de/?p=9796
(8) Zwischen Autonomie und Angewiesenheit S. 56-59.
(9) Helmut Burkhardt spricht von der „generell mehr an persönlichen Beziehungen interessierten Frau“ (Ethik, Bd. II/2, Gießen 2008, S. 49); Doris Bischof-Köhler stellt als besondere Kompetenzen der Frau heraus die „Pflege persönlicher Beziehungen, die Anteilnahme am Schicksal anderer, das Eingehen auf das seelische Wohl“ (Von Natur aus anders. Die Psychologie der Geschlechtsunterschiede, 4. Aufl. Stuttgart 2011, S. 350); John Gray kennzeichnet die Frauen als „eher beziehungsbewußt“ (MĂ€nner sind anders, Frauen auch, 37. Aufl. MĂŒnchen 1998, S.34).
(10) D. Bonhoeffer, Traupredigt aus der Zelle (1943); http://www.gemeindenetzwerk.de/?p=9736
(11) Zwischen Autonomie und Angewiesenheit S. 143; 65; 7; 63.
(12) PfDG.EKD § 39.
(13) W. Pannenberg, Anthropologie in theologischer Perspektive, Göttingen 1983, S. 430f.
(14) Zwischen Autonomie und Angewiesenheit S. 61
(15) Die Ausnahmeklausel in Mt 5,32 und 19,9 bezieht sich wahrscheinlich auf die im A.T. strikt verbotene Ehe unter Blutsverwandten, wie sie z.B. König Herodes Antipas z.Zt. Jesu fĂŒhrte.
(16) Zum Gesamtthema Ehe vgl. auch Joachim Cochlovius, Lieben und Helfen. Ein Eheseminar. 6. Aufl. 2010; Der Bund fĂŒrs Leben, 10-teiliges Ehe-Seminar auf 3 DVD mit J. Cochlovius. Beides erhĂ€ltlich in der GeschĂ€ftsstelle des Gemeindehilfsbundes.

Zustimmende VerbÀnde, Vereine und Gemeinden

Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC)
Christus Bewegung Baden
CVJM Winterlingen
Die Apis-Evang. Gemeinschaft Rutesheim
Evang. Gemeinschaftsverband AB
Evang. Gemeinschaftsverband Herborn
Evang. Gemeinschaftsverband Siegerland-Wittgenstein e.V.
Evang. Kirchengemeinde Igelsberg
Evang.-Luth. Bekenntnisgemeinschaft Sachsens
Evang.-Luth. Gebetsgemeinschaft
Evang.-Luth. Elia-Kirchengemeinde Langenhagen
Evang.-Luth. Kirchengemeinde Berg/Oberfranken
Evang.-Luth. Kirchengemeinde St. Jakobi Itzehoe
Evang.-Luth. Kirchengemeinde zum Guten Hirten Elmshorn
Evang.-Luth. Paulus-Kirchengemeinde Bielefeld
Evang. St. Martini-Gemeinde Bremen
Evang. Vereinigung fĂŒr Bibel und Bekenntnis in Hessen und Nassau
Gemeinschafts-Diakonissenmutterhaus Hensoltshöhe
Kirchl. Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern
Kirchl. Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der Evang.-Luth. Kirche in Norddeutschland
Mecklenburger Gemeinschaftsverband
Netzwerk bekennender Christen Pfalz (NbC)
Pregizer-Gemeinschaft Baden-WĂŒrttemberg
SĂ€chsische Bekenntnis-Initiative

Die 12-seitige BroschĂŒre „Was ist die Ehe wert?“ kann hier heruntergeladen oder in der GeschĂ€ftsstelle des Gemeindehilfsbundes, MĂŒhlenstr. 42, 29664 Walsrode (info@gemeindehilfsbund.de) bestellt werden. Kosten: bis 20 Exemplare kostenlos, darĂŒber gegen Spende.

 

 

 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 29. August 2013 um 10:10 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Kirche, Sexualethik.