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Im Licht leben

Freitag 28. Juni 2013 von Pfr. Hans-Otto Graser


Pfr. Hans-Otto Graser

I.  Das Leben im Licht hat einen Anfang

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh. 8,12).

Mit diesen Worten ruft unser Herr Jesus Christus Menschen heraus aus der Nacht der Sünde und des Todes in sein helles Licht, in seine Gemeinschaft. Das Leben im Licht hat also einen konkreten Anfang. Es beginnt mit dem Ruf Gottes zur Buße und Umkehr. Solange wir diesem Ruf nicht folgen, leben wir in der Finsternis der Gottesferne. „Ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn“, schreibt der Apostel Paulus im 5. Kapitel des Epheserbriefes (V.8).  Bei Menschen, die im Licht leben gibt es demnach ein Einst und ein Jetzt. Einst Finsternis, jetzt Licht. Da ist etwas Gewaltiges passiert. Gott hat in seiner Gnade in ihr Leben eingriffen und sie zur Umkehr bewegt. Mit seinem Erwählungsruf hat Jesus sie in seine Nachfolge gerufen, und sie haben diesen Ruf gehört und sich für ein Leben in seiner Lichtsnachfolge entschieden. „Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2. Kor. 5,17).

II. Im Licht leben bedeutet, sich dem Licht völlig aussetzen

„Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis“ (Eph. 5, 10-11a).

Das Leben im Licht duldet keine verborgenen Sünden und Götzen. Das Licht (Gottes Wort und Geist)  deckt bis in die hintersten Winkel des Herzen alles auf, was vor Gott nicht taugt. Das ist nicht immer angenehm, aber absolut notwendig, wenn wir im Licht leben wollen. Wer seine Sünden verbergen und verschweigen und nicht ans Licht bringen möchte, kann unmöglich ein Lichtsleben führen. Zudem wird ihn sein Gewissen Tag und Nacht quälen. „Als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird“ (Psalm 32, 3.4). Der König David, von dem dieser Psalm stammt, fand nach seinem Ehebruch und Mord keine Ruhe und keinen Frieden mehr. Gott selbst sorgte dafür, dass es so war. Seine Hand lag wie eine Zentnerlast solange auf David, bis er seine Schuld bekannte. Und Gott vergab ihm seine Verfehlungen. Nun konnte David aufatmen und wieder in ungetrübter Gemeinschaft mit Gott leben. Wieder im Licht leben.

Im Licht leben heißt also, alles vom Licht aufdecken lassen. Mehr noch: Gott bitten, alles schonungslos aufzudecken.  Die Folge ist zunächst ein heilsames Erschrecken vor der eigenen Sündhaftigkeit und Verdorbenheit, dann aber ein tiefer Friede auf Grund der Vergebung und Reinigung in Jesu Blut.

III. Im Licht leben heißt, der Heiligung nachjagen

„Jagt nach der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird“ (Hebr. 12, 14).

Heilig sind wir, wenn wir durch eine klare Bekehrung  zu dem gehören, der allein heilig ist und von dem alle Heiligkeit kommt – Gott. Jesusleute sind also heilige, d.h. für Gott ausgesonderte Leute. Gott selber erklärt sie um ihrer Christuszugehörigkeit willen für gerecht und heilig. Sie haben ihr Leben Gott auf den Altar gelegt, um ihm ganz zur Verfügung zu stehen. Damit aber beginnt bei ihnen ein Prozess, der Prozess der Heiligung. Heiligung meint die Umgestaltung in das Bild Jesu. Kinder des  Lichts sind darauf angelegt, Jesus immer ähnlicher zu werden. Sie sollen werden, was sie sind – heilig.

Oder wie Gerhard Tersteegen es im Lied ausdrückt: „Im Wort, im Werk und allem Wesen sei Jesus und sonst nichts zu lesen.“

Dies wird aber nur dann geschehen, wenn wir Jesus über alle Bereiche unseres Lebens Herr sein lassen und uns ihm und seinem Wort ganz unterwerfen. Auflehnung gegen ihn und das Wort Gottes blockiert  den Heiligungsprozess. Ein schwerwiegendes Problem, dem wir heute bis hinein in fromme Kreise immer häufiger begegnen.  Da reden die Leute zwar von ihrer Bekehrung und Entscheidung  für Jesus, von einer Absage an die Sünde und die Welt bzw. vom Jagen nach der Heiligung aber oft keine Spur. Anstatt Jesus auf dem schmalen Pfad der Hingabe und des Gehorsams zu folgen, schmückt man den eigenen breiten Weg mit ein bisschen „Jesusfrömmigkeit“ aus. Doch das hat mit einem Leben im Licht nichts zu tun. Im Licht leben heißt, nicht nur Hörer des Wortes Gottes sein, sondern auch Täter. Der Prozess der Heiligung schreitet nur dann voran, wenn die Bibel für uns außer Lesebuch auch Lebebuch ist. Gott tut uns seinen heiligen Willen nicht kund, um ihn nur zu wissen und zu kennen, sondern um ihn zu tun.

IV. Das Leben im Licht stößt auf Widerstand

„Denn es ist genug, dass ihr die vergangene Zeit zugebracht habt nach heidnischem Willen, als ihr euer Leben führtet in Ausschweifung, Begierden, Trunkenheit, Fresserei, Sauferei und gräulichem Götzendienst. Das befremdet sie, dass ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern“ (1. Petr.4,3f).

Kinder des Lichts leben in einer klaren Angrenzung zur Welt. Christusnachfolge und Weltliebe sind unvereinbare Gegensätze. Dabei meint Weltliebe nicht die Freude an hohen Bergen, dem blauen Meer oder der Blumenwiese. Nein, wenn die Bibel von der Welt spricht, der wir uns als Christen nicht gleichstellen dürfen (Röm. 12,2), dann geht es um das gottlose Schema dieser Welt. Die Welt, in der wir leben, ist seit dem Sündenfall kein Paradies mehr, sondern der Machtbereich Satans und der Dämonen. (Vgl. Joh. 12,31, Eph. 6,12). Deshalb bedeckt Finsternis das Erdreich und Dunkel die Völker (Jes. 60,2). Kein Wunder, wenn wir als Kinder des Lichts von der Welt angefeindet werden. Wir passen nicht mehr in die Welt. Wir sind der Welt ein Dorn im Auge, den sie mit allen Mittel zu entfernen sucht. Die Welt hasst Jesus und sie hasst seine treuen Nachfolger. (Vgl. Joh. 15,18).

Von daher verstehen wir, warum Anpassung an die Welt und Christusnachfolge unvereinbar sind.

Ein weltangepasstes Christentum verrät einen gewaltigen Mangel an Gottesliebe und Gottesfurcht. Wer sich als Christ der Welt anpasst, missachtet den Willen Gottes. Jesus hat uns nach dem Willen Gottes aus dieser gegenwärtigen, bösen Welt herausgerissen (Gal. 1,4). Darum ist es eine Missachtung des Willens Gottes, wenn wir mit der Welt noch liebäugeln und uns ihr angleichen, sei es, um dem Druck auszuweichen, sei es, um der Welt zu gefallen.

V. Im Licht leben kraft der Freude am Licht

„Die Freude am Herrn ist eure Stärke“ (Neh. 8,10).

Wie viel bedeutet uns Jesus? Um diese Frage kommen wir nicht herum, wenn wir über das Leben im Licht nachdenken. Im Licht leben hat nämlich nichts mit gesetzlicher Anstrengung zu tun, sondern mit der Freude am Licht – mit der Freude an Jesus.  Ist Jesus tatsächlich mein größter Schatz und mein höchstes Gut, bin ich frei vom Jagen nach den Freuden und Gütern dieser Welt. Ist Jesus wirklich mein  über alles geliebter König, Gott und Herr,  verlieren andere Götter für mich ihren  Reiz.

Ist Jesus meine erste Liebe, habe ich Sehnsucht nach Gemeinschaft mit ihm im Kämmerlein, Freude am Gehorsam und Heimweh nach der oberen Heimat, wo ich ihn von Angesicht schauen und für immer bei ihm sein darf. Ja, an der Frage, wie viel uns Jesus bedeutet, kommen wir nicht vorbei. So im Licht leben, dass  wir etwas zur Ehre  Gottes und zum Segen für andere Menschen werden, können wir letztlich nur, wenn wir vom Heiligen Geist erfüllte Leute sind. Leute,  denen der Geist Gottes den Herrn Jesus so groß machen kann, dass er ihr Ein und Alles ist  und sie deshalb nur noch   einen Wunsch haben: Jesus unter allen Umständen zu gefallen. Um nichts anders aber geht es beim Leben im Licht.

Pfr. Hans-Otto Graser

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 28. Juni 2013 um 17:14 und abgelegt unter Predigten / Andachten.