Gemeindenetzwerk

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Mission hier und heute – was meint der christliche Missionsauftrag?

Donnerstag 11. April 2013 von Dr. Joachim Cochlovius


Dr. Joachim Cochlovius

1.¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Vier Wesensz√ľge christlicher Mission

1.1¬†¬†¬†¬†¬†¬† Mission will erretten. ‚ÄěDas Evangelium ist eine Kraft Gottes zur Errettung aller, die daran glauben‚Äú. (R√∂m 1,16) Es geht der christlichen Mission nicht prim√§r um ein besseres Leben in dieser Welt, sondern um Errettung. Wovon? Das sagt R√∂m 1,18-2,16 deutlich: Es gibt einen Zorn Gottes und ein Gericht Gottes. Jetzt lebt die Menschheit noch unter Gottes G√ľte (R√∂m 2,4), aber das Gericht Gottes bringt seinen Zorn √ľber alle Gottlosigkeit und Boshaftigkeit der Menschen, mit der sie Gottes Wahrheit niederhalten (R√∂m 1,18). Da√ü die Bibel eine Errettungsbotschaft hat, lesen wir auch in 2 Tim 3,15: ‚ÄěDie Heiligen Schriften k√∂nnen dich weise machen zur Errettung durch den Glauben an Christus Jesus‚Äú. Interessant ist hier, da√ü die Aussage die alttestamentlichen Schriften meint. Das Alte Testament, richtig gelesen und geh√∂rt, zeigt den Weg zur Errettung durch den Glauben an Jesus Christus.

Entsprechend haben die Apostel gepredigt. Zu den Juden sagt Petrus in Ag 2,40 ‚ÄěLa√üt euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht‚Äú (womit evtl. die ganze Menschheit gemeint ist). Zu dem griechischen Gef√§ngnisaufseher in Philippi sagt Paulus in Ag 16,31 ‚ÄěGlaube an den Herrn Jesus, dann wirst du und dein Haus errettet‚Äú (also alle, die in deinem Hause leben). In Gal 1,4 dankt Paulus Gott und Jesus Christus f√ľr die Errettung von dieser gegenw√§rtigen, b√∂sen Welt. In 1 Thess 1,10 freut er sich √ľber die Thessalonischer, da√ü sie sich zum lebendigen Gott bekehrt haben und auf Christus vom Himmel warten, der vom zuk√ľnftigen Zorn errettet. Es geht der christlichen Mission um nichts Geringeres als um die Errettung eines Menschen vom k√ľnftigen Zornesgericht Gottes.

1.2¬†¬†¬†¬†¬†¬† Mission wird ‚Äěallen alles‚Äú. In 1 Kor 9,22 sagt der Apostel ‚ÄěIch bin allen alles geworden, damit ich auf jede Weise einige rette.‚Äú Paulus hat sich in die Lebenslage und in die Lebensauffassung der Menschen hineinversetzt, denen er das Evangelium sagte. Wenn er bei Juden war, hat er die alttestamentlichen Gebote beachtet. Wenn er bei Heiden war, hat er ihre Kultur studiert. Auf dem Areopag zeigt er sich¬†belesen in der antiken griechischen Philosophie. Die von ihm sogenannten Glaubensschwachen hat er geachtet und ihre √Ąngste vor G√∂tzenopferfleisch stehen gelassen und in ihrem Beisein auf Fleischverzehr verzichtet. Aber inhaltlich hat er sich nirgends angepa√üt.

Festo Kivengere hat uns 1981 in Krelingen erz√§hlt, wie es ihm gelang, in die ugandischen Moscheen zu kommen. Er versprach den Verantwortlichen, √ľber nichts anderes als √ľber Gottes Liebe zu predigen. Daran hat er sich gehalten. Anschlie√üend kamen die Menschen zu ihm, au√üerhalb der Moschee, und wollten mehr von Gottes Liebe wissen. Und dann erz√§hlte er ihnen von Jesus. Er hat sich inhaltlich nicht angepa√üt, aber er hat sich in der Lebenslage und in die Lebensauffassung der Muslime hineinversetzt. Was wir leider im Raum der evangelischen Kirche seit einem halben Jahrhundert finden, das ist eine inhaltliche Anpassung. Rudolf Bultmann meinte, da√ü die biblischen Wunder und insbesondere die leibliche Auferstehung Jesu dem modernen Menschen nicht mehr zugemutet werden k√∂nnen. Ein Northeimer Superintendent √§u√üerte k√ľrzlich in einem Zeitungsinterview, da√ü die Vorstellung vom Zorn Gottes und von Christi blutigem S√ľhnetod ein blutr√ľnstiges Gottesbild zeige, das letztlich √ľberholt sei. ‚ÄěJesus hat ein Leben gelebt, wie Gott es f√ľr uns gedacht hat.‚Äú Das war seine Neuinterpretation der Sendung Jesu. Hier hat nicht jemand versucht, dem modernen rationalistischen Menschen ein moderner Mensch zu werden, sondern hier wurde¬†der christliche Glaube¬†rationalistisch interpretiert.

1.3¬†¬†¬†¬†¬†¬† Mission sucht alle. ‚ÄěGott will, da√ü allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen‚Äú. (1 Tim 2,4) Und weil Gott alle will, so hei√üt es im Zusammenhang dieser Aussage, sollen die Christen f√ľr alle beten (1 Tim 2,1f.), vor allem f√ľr die politischen Machthaber. Unabh√§ngig von seinem kulturellen und sprachlichen Hintergrund, von seinem sozialen Stand und seinem Geschlecht gilt das Evangelium jedem einzelnen Menschen. Egal wer er ist, wenn er zum Glauben kommt, ist er ein Kind Gottes (Gal 3,6) und geh√∂rt damit zum geistlichen Leib Christi. ‚ÄěHier ist nicht Jude noch Grieche, nicht Sklave noch Freier, nicht Mann noch Frau, denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus‚Äú. (Gal 3,28) Theo Lehmann nennt seine Evangelisationen deswegen zu Recht ‚ÄěGott-will-alle-Tour‚Äú. Wichtig ist der innere Zusammenhang von 1 Tim 2,1-3 und 1 Tim 2,4. Erst kommt das Gebet f√ľr alle Menschen, dann kommt der Wille Gottes, da√ü sie die Wahrheit erkennen und errettet werden. Das ist gewaltig: Gott bindet seinen Errettungswillen an die Gebete der christlichen Gemeinde! Sie sind und bleiben f√ľr die christliche Mission unverzichtbar wichtig.

1.4¬†¬†¬†¬†¬†¬† Mission ist einseitig. ‚ÄěDenn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, n√§mlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat f√ľr alle zum L√∂segeld‚Äú. (1 Tim 2,5 u. 6) Andere Mittler des Heils kennt die christliche Mission nicht. Im Missionsbefehl Mt 28,18-20 stellt der auferstandene Christus klar, da√ü er allein Macht und Vollmacht √ľber Himmel und Erde hat, und er k√ľndigt an, da√ü alle V√∂lker seine Nachfolger werden sollen. Eine Missionsauffassung, die diese Ausschlie√ülichkeit aufgibt, ist keine christliche Mission mehr.

Die Vollmacht Christi √ľber Himmel und Erde bedeutet auch, da√ü er das ganze Missionsgeschehen √ľberblickt und jederzeit beeinflussen kann. Er √∂ffnet T√ľren, er schlie√üt T√ľren. Er gibt Vollmacht, er nimmt Vollmacht. Im tiefsten ist Christus selber der eigentliche Missionar. Unsere Glaubensv√§ter sprachen vom dreifachen Amt Christi: Christus ist Prophet, Priester und K√∂nig. In meiner fr√ľheren Gemeinde in Berg in Oberfranken hing in der Kirche ein Sakristeigebet von Luther, in dem er die¬†√úbrforderung bekennt, das Wort des lebendigen Gottes auszurichten, und gleichzeitig darum bittet, da√ü er in geschenkter Vollmacht dieses unm√∂gliche Werk dennoch mit Furcht und Zittern tun kann.

Man kann jederzeit erleben, wie Christus missionarische Gelegenheiten schafft. Wir m√ľssen nur achtsam durch den Tag gehen. Da√ü Christus der eigentliche Missionar ist, das ist insbesondere auch deswegen wichtig, weil Mission auf den Widerstand Satans trifft. Andauernd versucht der Teufel, Menschen daran zu hindern, das Evangelium zu h√∂ren und zu verstehen. Seitdem das Evangelium in der Welt gepredigt wird, produziert er in der Menschheit Feindschaft gegen Christus und Ha√ü auf Gottes Gebote (2 Tim 3,1-9) und unter Christen Abkehr und Abfall vom Evangelium (2 Tim 4,3 u. 4). Trotzdem und gerade deswegen h√§lt die christliche Mission daran fest, Christus als den einen und einzigen Mittler zwischen Gott und Mensch zu proklamieren.

2.¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Vier Hindernisse f√ľr die christliche Mission

2.1¬†¬†¬†¬†¬†¬† Diesseitsverhaftung. Viele Zeitgenossen sagen heute von sich das gleiche, was der Philosoph J√ľrgen Habermas vor einigen Jahren von sich bekannt hat, da√ü er ‚Äěreligi√∂s unmusikalisch‚Äú sei. Sie behaupten, keine Antenne f√ľr den Glauben zu haben. Ihnen geht es gut, sie vermissen nichts. Sie wundern sich h√∂chstens, da√ü das Evangelium sie erretten will, denn sie sehen sich in keiner Not. Sie sind voll und ganz Weltmenschen und im Diesseits verhaftet. Wie soll da christliche Mission reagieren? Die Antwort: Die Selbstwahrnehmung eines Menschen mu√ü keineswegs seiner tats√§chlichen Lage entsprechen. Nach 2 Kor 4,3 und 4 verdeckt Satan den ungl√§ubigen Menschen das Evangelium und verblendet ihren Sinn, so da√ü sie das helle Licht von der Herrlichkeit Gottes nicht sehen. Aber damit ist nicht das letzte Wort √ľber sie gesagt. Gottes Wort sagt, da√ü auch die, die meinen, keine Antenne f√ľr Gott zu haben, eine Sehnsucht nach ihm haben. ‚ÄěGott hat die Ewigkeit in ihr Herz gelegt‚Äú. (Pred 3,11) In jedem Menschen ist die Ewigkeit angelegt, und er ist und bleibt unruhig, bis er die Ewigkeit in sich mit Gottes Gegenwart f√ľllen kann. Bis dahin steht er in der Gefahr, das Vakuum mit verg√§nglichen oder okkulten Inhalten zu f√ľllen. Christliche Mission kapituliert nicht vor dem diesseitsverhafteten Menschen. Sie vertraut auf die Wirksamkeit des Evangeliums, das sich seine Bahn ins menschliche Herz selber sucht, und sie vertraut auf die Liebe Gottes, der will, da√ü alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

2.2.¬†¬†¬†¬†¬† Verstandesdominanz. Seit dem Siegeszug des Rationalismus im christlich-abendl√§ndischen Kulturkreis sind viele Menschen unter den Bann einer Vernunftreligion geraten. Die Ursachen f√ľr den Rationalismus sind wahrscheinlich im 30-j√§hrigen Krieg zu suchen, wie Altbischof Ulrich Wilckens vermutet hat. Der Philosoph Descartes hat sich damals unter dem Eindruck der Konfessionskriege innerlich vom christlichen Glauben abgewendet. Ein solches Christentum, das sich gegenseitig bis aufs Messer bek√§mpft, hatte f√ľr ihn und viele seiner Zeitgenossen jegliche Attraktivit√§t eingeb√ľ√üt. Er suchte eine andere Autorit√§t und fand sie in der menschlichen Vernunft. Einer der genialsten Vertreter des Rationalismus wurde Gotthold Ephraim Lessing. Er formulierte das Credo: ‚ÄěZuf√§llige Geschichtswahrheiten k√∂nnen der Beweis von notwendigen Vernunftwahrheiten nie werden.‚Äú D.h. Geschichte kann mich t√§uschen, die Vernunft nicht. Die christliche √úberlieferung kann fehlerhaft sein, darauf kann ich unm√∂glich bauen. Ich brauche Vernunftwahrheiten, die kann mir niemand streitig machen. Damit war eine neue Religion geboren, die Vernunftreligion.

Wieviel Vertrauen setzen viele bis heute in ihren Verstand! Aber sie denken nicht daran, da√ü der Verstand von den eigenen Begierden, Vorurteilen und Gef√ľhlen bestimmt und manipuliert werden kann. Heinrich Kemner sagte in seinen Predigten oft: ‚ÄěMit dem Intellekt kann man alles beweisen, alles erkl√§ren und alles entschuldigen.‚Äú So ist es. Der menschliche Verstand ist keine neutrale und unabh√§ngige Gr√∂√üe. Denken, Wollen und F√ľhlen sind Funktionen der menschlichen Seele und h√§ngen vom tiefer liegenden Pers√∂nlichkeitskern des Menschen ab, in dem die Abgr√ľnde der S√ľnde stecken. Christliche Mission kapituliert aber auch nicht vor Verstandesmenschen. Insbesondere ihnen gilt, was Jesus in Joh 7,17 gesagt hat: ‚ÄěWenn jemand Gottes Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede.‚Äú Christliche Mission hat gute Argumente, aber Argumente k√∂nnen Rationalisten nicht √ľberzeugen. Aber Gott kann in ihnen den Wunsch wecken, auszuprobieren, was am christlichen Glauben dran ist. Ein fr√ľherer Mitarbeiter von Campus f√ľr Christus, Andreas Solymosi, berichtete einmal, wie er die Bibel las, um Argumente gegen den Glauben zu sammeln, und wie er dabei selber zum Glauben kam, indem er ihn testete.

2.3¬†¬†¬†¬†¬†¬† Autorit√§tsscheu. Es gibt Menschen, die schlechte Erfahrungen mit Autorit√§tspersonen gemacht haben und keinerlei Autorit√§t mehr anerkennen wollen, auch Gottes Autorit√§t nicht. Oder sie sind angesteckt von der herrschenden Selbstbestimmungsideologie und sind mi√ütrauisch gemacht worden gegen√ľber der sogenannten Fremdbestimmung. Wie kann die christliche Mission gegen eine solche Autorit√§tsscheu ankommen? Jesus spricht in seiner Rede vom guten Hirten in Joh 10 von Dieben und R√§ubern, die stehlen, schlachten und umbringen. In der Tat, viele Autorit√§tspersonen treten so auf. Eltern beherrschen ihre Kinder, anstatt sie mit Liebe und Weisheit zu erziehen. √úberforderte Lehrer behandeln Sch√ľler ungerecht, selbsts√ľchtige Chefs beuten Lehrlinge aus. Aber Jesus sagt ‚ÄěIch bin der gute Hirte, der gute Hirte l√§√üt sein Leben f√ľr die Schafe‚Äú. (Joh 10,7-11) Seine Autorit√§t ist ganz anders als die der Diebe und R√§uber. Er beherrscht nicht, er behandelt nicht ungerecht, er beutet nicht aus, sondern hilft, wo er nur kann und schenkt himmlische und irdische Gaben in F√ľlle. ‚ÄěIch bin gekommen, damit sie das Leben und volle Gen√ľge haben‚Äú. (Joh 10,10) Schlechte Autorit√§t wird hier durch gute Autorit√§t √ľberwunden. Es geh√∂rt zu den sch√∂nsten Vorrechten der christlichen Mission, diese wunderbare Wahrheit zu bezeugen.

2.4¬†¬†¬†¬†¬†¬† Wundersucht. Schon z. Zt. des Neuen Testaments gab es Menschen, die bereit waren zu glauben, wenn sie Zeichen und Wunder erleben. In 1 Kor 1,22 sagt Paulus ‚Äědie Juden fordern Zeichen‚Äú. Man kann das verstehen, wenn man an die Geschichte Israels denkt, wie oft sich Gott hier durch herrliche Machterweise als der Allm√§chtige erwiesen hat. Aber dauerhaft glaubensf√∂rdernd waren diese Zeichen f√ľr das Volk Israel nicht. So ist es bis heute geblieben. Wer Krankenheilungen verspricht, hat ein volles Haus. Mission ist das noch nicht unbedingt. Wundersucht kann sogar den Zugang zum Vertrauen in Gottes Verhei√üungen verbauen. Pastor Kemner hat einem Mann, der unter seiner Verk√ľndigung eine Heilung vom Krebs erlebte, bei einer gr√∂√üeren christlichen Versammlung nicht erlaubt, davon zu berichten. Er sch√§tzte die Gefahr, da√ü damit die Wundersucht der Leute gef√∂rdert wird, als zu hoch ein. Paulus bezeugt unmittelbar nach der Aussage √ľber die j√ľdische Wundersucht ‚ÄěWir aber predigen den gekreuzigten Christus‚Äú. Er selber hat in Schwachheit, Furcht und gro√üen Zittern gepredigt (1 Kor 2,3). Er hat auf √úberredungsk√ľnste verzichtet, sondern allein auf die Wirksamkeit des Heiligen Geistes vertraut (1 Kor 2,4), und er hat damit ein Weltreich bewegt. Damit hat er der christlichen Mission bis heute die verhei√üungsvollste und die wirkungsvollste Methode vorgegeben.

3          Vier Vorteile der christlichen Mission

3.1¬†¬†¬†¬†¬†¬† Gemeinschaft. Unsere Gesellschaft wird immer √§rmer an gelingenden Beziehungen. Ehekrisen, Scheidungen, unverbindliches Zusammenleben, zur√ľckgehendes Vereinsleben, Mobbing am Arbeitsplatz nehmen zu. Viele Menschen sind anscheinend nicht mehr in der Lage, dauerhafte Beziehungen einzugehen und zu pflegen. Dabei braucht jeder Mensch Grunderfahrungen an Heimat, Treue und Geborgenheit. Fehlen sie, dann verarmt er seelisch. Ohne intakte Ehen und Familien geht auch die Kinderzahl zur√ľck, die demographische Zeituhr tickt. Ein junger Scheich aus den Emiraten erkl√§rte neulich in einem Interview, da√ü Europa allein schon wegen der demographischen Entwicklung ein sterbender Kontinent sei. Angesichts dieser sozialen Katastrophe kann die christliche Gemeinde mit gelingenden Beziehungen punkten, wenn sie denn selber geistlich intakt ist. Sie ist der Ort, wo kaputte Beziehungen geheilt werden k√∂nnen, wo Zuspruch, praktische Hilfe und Seelsorge geschieht. Hier k√∂nnen Menschen erleben, da√ü uneigenn√ľtzig geholfen wird. Damit ist die christliche Gemeinde ein attraktives Zukunftsmodell.

3.2¬†¬†¬†¬†¬†¬† Vergebung. Unsere Zeit leidet an der Diktatur der political correctness. Niemand getraut sich etwas gegen die √∂ffentliche Meinung zu sagen. Wer es dennoch tut, wird im allgemeinen gnadenlos abgestraft. Wer in einem √∂ffentlichen Amt steht und den kleinsten Fehler begeht, mu√ü um seinen Posten f√ľrchten. Unsere Gesellschaft kennt da kein Pardon. Als der fr√ľhere Bundestagspr√§sident Philipp Jenninger 1988 in einer Rede √ľber das deutsch-israelische Verh√§ltnis einige mi√üverst√§ndliche S√§tze sprach, erhielt er keine Gelegenheit, das richtig zu stellen. Er wurde fallen gelassen, er mu√üte gehen. Nachsicht, Verzeihung, Vergebung ‚Äď das scheinen Fremdw√∂rter geworden zu sein. Auch in unseren Ehen und Familien herrscht oft genug ein bitteres, rechthaberisches und vergebungsunwilliges Klima. Der Grund liegt auf der Hand. Weil man die Vergebung Gottes nicht mehr kennt und nicht mehr in Anspruch nimmt, kann man selber nicht mehr vergeben. Aber die christliche Gemeinde kennt den Wert der Vergebung. Hier ist noch Beichte und Vergebungszuspruch m√∂glich. Hier kann man den Lebensballast abstreifen. Die Schuld mu√ü nicht mehr weggeschoben, verschwiegen und bagatellisiert werden. Welch ein gro√üartiger Vorteil!

3.3¬†¬†¬†¬†¬†¬† Heilsgewi√üheit. Der Hauptattent√§ter vom 11. September 2001 hatte keine Gewi√üheit, ins Paradies einzugehen. Er verf√ľgte in seinem Testament, da√ü man daf√ľr beten m√∂ge. Keine Religion vermag Heilsgewi√üheit zu vermitteln, nur der christliche Glaube. In der christlichen Gemeinde ist Heilsgewi√üheit ein Thema, und sie ist erfahrbar unter dem Wort Gottes. ‚ÄěDer Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, da√ü wir Gottes Kinder sind‚Äú. (R√∂m 8,16) Nirgendwo sonst auf der Welt kann ein Mensch den Heiligen Geist empfangen, nur durch den Glauben an Jesus Christus. Das darf die christliche Mission froh verk√ľnden. Und noch mehr!¬†Der Heilige Geist ist die Anzahlung f√ľr ein noch gr√∂√üeres Erbe, den Herrlichkeitsleib ohne S√ľnde, Krankheit und Tod (R√∂m 8,23). Die Heilsgewi√üheit und die lebendige Hoffnung durch den Heiligen Geist sind gewichtige Pfunde, mit denen die christliche Mission wuchern darf. Wer h√§tte das noch zu bieten?

3.4¬†¬†¬†¬†¬†¬† Pr√§gekraft der Liebe. Menschen k√∂nnen Menschen nicht √§ndern. Ehepartner k√∂nnen sich gegenseitig nicht √§ndern. Eltern k√∂nnen ihre Kinder nicht √§ndern. Diktatorische Systeme k√∂nnen ihre Menschenmassen nicht √§ndern. Das konnte man in der fr√ľheren DDR, wo ich aufgewachsen bin, ausgiebig studieren. Auch sich selber kann der Mensch nicht √§ndern. Nur die Liebe Gottes hat eine wirklich ver√§ndernde Kraft. In Gal 5,22 und 23 hei√üt es: ‚ÄěDie Frucht des Geistes ist Liebe, Freude und Friede, Geduld, Freundlichkeit, G√ľte, Treue, Sanftmut, Keuschheit.‚Äú Und diese Liebe ist ausgegossen in das Herz jedes Menschen, der an Christus glaubt (R√∂m 5,5). Er mu√ü nicht mehr um Liebe bitten, er hat sie. Er mu√ü sie nur noch anwenden. Keine Ideologie, keine Erziehung, kein Zwang kann das erreichen, was die Liebe Gottes schafft. Das ist der st√§rkste Beweis daf√ľr, da√ü der christliche Glaube wahrhaft menschlich ist, indem er den Menschen zu dem macht, was er in Gottes Plan sein soll, ein Ebenbild Gottes.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 11. April 2013 um 23:36 und abgelegt unter Gemeinde, Seelsorge / Lebenshilfe.