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Ich glaube an den Heiligen Geist

Sonntag 3. Februar 2013 von Dr. Joachim Cochlovius


Dr. Joachim Cochlovius

Eine kurze EinfĂŒhrung in die biblische Lehre vom Heiligen Geist

1.)     Der Heilige Geist ist eine Person

Nach dem biblischen Zeugnis ist der Heilige Geist eine göttliche Person und lebt zusammen mit Gott dem Vater und Gott dem Sohn in unlösbarer Gemeinschaft. Obwohl einige biblische Hinweise die Vorstellung einer unpersönlichen Kraft nahe zu legen scheinen (z.B. Joh. 20,22: „er blies sie an“; Ag. 1,8 und 1. Kor. 2,4: „Kraft“; Eph. 5,18b: „laßt euch erfĂŒllen“), trĂ€gt der Heilige Geist eindeutig personale WesenszĂŒge. Er lehrt und erinnert (Joh. 14,26), er spricht, er offenbart (Ag. 8,29; 10,15; 13,2; 16,6ff; 1.Kor. 2,10), er liebt (Röm. 15,30), er ist schöpferisch (1.Mose 1,2; Luk. 1,35; Röm. 8,11), er kann betrĂŒbt werden (Eph. 4,30).

2.)     Der Heilige Geist im Alten Testament

Der Geist Gottes ist als göttliche Person bei der Schöpfung beteiligt (1. Mose 1,26; 2,7; Hiob 33,4). Er wird einzelnen Personen fĂŒr besondere Aufgaben gegeben (4. Mose 11,25; Ri. 6,34; 1. Sam. 10,9; Micha 3,8). Er kann wieder entzogen werden (1. Sam. 16,14; vgl. Ps. 51,13). Das Volk Israel als Ganzes hatte ihn nicht (vgl. Jes. 63,10). Das A.T. kennt drei  Verheißungslinien fĂŒr den Empfang des Heiligen Geistes:

2.1  FĂŒr den Messias (Jes. 11,2; Jes. 42,1-9). Diese Verheißungen haben sich in Jesus Christus erfĂŒllt (Luk. 4,10 ff.).

2.2  FĂŒr das Volk Israel (Jes. 32,15-17; Hes. 11,17-20;36,26 f.; Sach. 12,10). Diese Verheißungen haben sich zu Pfingsten zunĂ€chst an den JĂŒngern Jesu erfĂŒllt (Ag. 2,16), und sie werden sich endgĂŒltig bei Jesu Wiederkunft erfĂŒllen (vgl. Röm. 11,26).

 2.3  FĂŒr die ganze Menschheit (Joel 3,1-5). Diese Verheißungen haben sich zu Pfingsten an denjenigen nichtjĂŒdischen Zuhörern der Predigt des Petrus erfĂŒllt, die glĂ€ubig wurden. Sie erfĂŒllen sich immer wieder dort, wo Heiden glĂ€ubig werden.

3.)     Der Heilige Geist zu Pfingsten

Dem Pfingstfest kommt in Gottes Heilsgeschichte eine außerordentliche Bedeutung zu. Es war das jĂŒdische Fest der Erstlingsgaben aus der Ernte. Dementsprechend sind die JĂŒnger die „Erstlinge“ der Gemeinde Jesu, die den Heiligen Geist empfangen. Er wird ihnen gegeben, damit sie Gottes HeilsplĂ€ne verstehen und das Evangelium unter den Heiden bezeugen können. Stellvertretend fĂŒr das ganze Volk Israel nehmen die Apostel und insbesondere Paulus die alte Abrahams- und Sinaiberufung Israels wahr (1. Mose 12,1-3; 2. Mose 19,6) und tragen Gottes Erlösungsbotschaft zu den Völkern.

Als göttliche BestĂ€tigung der neu entstehenden Gemeinde Jesu aus Juden und Heiden verleiht der Geist Gottes „neue Zungen“, d.h. eine neue Sprache zur Anbetung Gottes. Einige der anwesenden Juden und der an den Gott des A.T. glĂ€ubigen Heiden verstehen aufgrund eines besonderen Hörwunders diese Sprache. Damit wird klar, daß die wichtigste und ewige Aufgabe der Gemeinde die Anbetung Gottes ist. GemĂ€ĂŸ der Anweisung Jesu (Ag. 1,8) empfangen zunĂ€chst glĂ€ubig gewordene Juden und Heiden in Jerusalem, dann Menschen in Samarien und schließlich aus der Völkerwelt den Heiligen Geist (Ag. 2,1ff; 8,14-17; 10,44ff). Diese einmaligen geschichtlichen Ereignisse werden „Taufe mit dem Geist“ genannt.

4.)     Der Empfang des Heiligen Geistes

Zu Jesu Lebzeiten war der Heilige Geist „noch nicht da“ (Joh. 7,39). Die JĂŒnger hatten demzufolge den Heiligen Geist vor Pfingsten nicht (Joh. 20,22 bereitet sie auf den Geistempfang vor). Seit Pfingsten kann der Heilige Geist von allen Menschen empfangen werden, und zwar durch Hören und Befolgen des Evangeliums (Röm. 10,27; Ag. 5,32). Wer das Evangelium hört und ihm gehorcht, wird durch den Heiligen Geist „neu geboren“ (Joh. 3,5) und empfĂ€ngt göttliches Leben (Joh. 6,63; 2. Kor. 3,6). Nur wer den Geist empfangen hat, vermag Jesus Christus seinen Herrn zu nennen (1. Kor. 12,3).

5.)     Die ErfĂŒllung mit dem Heiligen Geist

Da der Heilige Geist eine Person ist, kann man nicht mehr oder weniger Heiligen Geist haben. Vielmehr besteht die ErfĂŒllung mit dem Geist seitens des Menschen darin, daß er sich Gott zur VerfĂŒgung stellt und seitens Gottes, daß er seine Herrschaft ĂŒber den Menschen ausĂŒbt. Paulus nennt in Eph. 5,18b-20 drei Kennzeichen des vom Geist erfĂŒllten Lebens: eine geistliche, von Gottes Liebe geleitete Kommunikation mit anderen Menschen, persönliches Gotteslob und tĂ€gliche Danksagung fĂŒr alles im Namen Jesu Christi. Die ErfĂŒllung mit dem Geist setzt die Bereitschaft voraus, alle persönlichen Lebensbereiche unter den Gehorsam des Glaubens zu stellen.

6.)     Die Wirksamkeit des Heiligen Geistes

Es ist das große Ziel des Heiligen Geistes, Jesus Christus zu verherrlichen, d.h. groß und wichtig zu machen (Joh. 16,14). Deswegen tritt er völlig hinter Jesus zurĂŒck. Aus diesem Grund gibt es in der ganzen Bibel kein Gebet zum Heiligen Geist. Das Ziel der Verherrlichung Jesu erreicht der Heilige Geist dadurch, daß er die Menschen von ihrer SĂŒnde ĂŒberfĂŒhrt (Joh. 16,8), sie heilsbedĂŒrftig macht und ihnen dadurch den Blick auf den SĂŒnderheiland Jesus Christus öffnet. Wenn wir uns unseres eigenen Elends, unserer SĂŒnde, unserer UnfĂ€higkeit zum Guten und unserer vielfĂ€ltigen MĂ€ngel bewußt sind, suchen wir unser Heil bei Jesus. Gleichzeitig schenkt der Heilige Geist all denen, die bei Jesus Vergebung und Heil suchen, göttlichen Frieden und göttliche Freude (Röm. 14,17).

7.)     Die Seelsorge des Heiligen Geistes

Seit der Erschaffung des ersten Menschen hat Gott das Ziel, den Menschen zu einem Ebenbild des göttlichen Wesens zu erneuern (1. Mose 1,26; Röm. 8,29). Da Gottes Wesen Liebe ist (1. Joh. 4,16), besteht die Ebenbildlichkeit wesentlich darin, daß der Mensch durch Gottes Liebe erneuert wird zu einem Leben aus der Kraft der Gottesliebe (1. Kor.13,4-8a). In der Seelsorge des Heiligen Geistes wird der Christ in einem ganz individuellen Prozeß zu einem liebesfĂ€higen Menschen umgestaltet. Der Geist gießt Gottes Liebe in sein Herz (Röm. 5,5), offenbart ihm die Liebe Gottes in Jesus Christus, lenkt seinen Blick auf den Sohn Gottes und verĂ€ndert ihn auf diese Weise „von einer Herrlichkeit zur anderen“ (2. Kor. 3,18). Das Gestaltwerden der Liebe im Christen vergleicht Paulus in Gal. 5,22 mit dem langsamen Reifen einer Frucht. In diesem Prozeß empfĂ€ngt der Christ Anteil an den CharakterzĂŒgen Christi, oder anders ausgedrĂŒckt Christus gewinnt Gestalt in ihm.

8.)     Geistliche Reife

Die geistliche Neugeburt eines Menschen ist der Anfang des geistlichen Lebens. Nun muß ein geistliches Wachstum einsetzen, eine Festigung im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe, damit der Christ eine reife geistliche Persönlichkeit wird. Jesus ermahnt in der Bergpredigt seine Nachfolger, „vollkommen“ zu werden wie es der Vater im Himmel ist (Mt. 5,48), und er zeigt ihnen in den „Antithesen“ (Mt. 5,21-47), worin die geistliche Reife besteht. Sie gipfeln in der Aufforderung an seine Nachfolger, auch die Feinde zu lieben. Paulus versteht seinen Dienst im wesentlichen als Seelsorge, „einen jeden Menschen in Christus vollkommen zu machen“ (Kol. 1,28f.). Geistliche „Vollkommenheit“ hat nach dem biblischen Zeugnis nichts mit einem perfektionistischen Heiligungsstreben zu tun, sondern meint eine in der Liebe Gottes gefestigte Wesensart.

Jesus hat die gemeindlichen Leitungsdienste dazu eingesetzt, daß die Gemeinde zu dieser geistlichen Reife gefĂŒhrt wird (Eph. 4,11-15). Alle gemeindliche Arbeit muß also ihre Zielsetzung darin haben, daß Christen im Glauben und in der Liebe gefestigt werden, so schĂ€rft es Paulus seinem Mitarbeiter Timotheus ein (1. Tim. 1,5). Der „vollkommene“, durch Gottes Liebe gereifte Christ ist geistlich stabil angesichts von VerfĂŒhrungen (Eph. 4,14), er erstrebt die Heimat im Himmel (Phil. 3,15), er erkennt durch den Heiligen Geist Gottes tiefstes Wesen (1. Kor. 2,10) und er vermag seine Feinde zu lieben (Mt. 5,48):

9.)   Die FĂŒlle in Christus

In Joh. 10,10 verheißt Jesus allen, die an ihn glauben, Leben und volle GenĂŒge. Paulus bezeugt in Eph. 1,3, daß der Glaubende in Christus den vollen Segen des Himmels empfĂ€ngt. Petrus nennt die Erkenntnis Gottes in Christus die Quelle aller irdischen und himmlischen GĂŒter, die der Christ zum Leben und zur Frömmigkeit braucht (2. Petr. 1,3). Der Christ hat also in Christus Zugang zu allen himmlischen und irdischen GĂŒtern.

10.)   Die Wirkungen des Geistes in der Gemeinde

Nach 1. Kor. 12 wirkt der Heilige Geist durch einzelne Christen in ĂŒbernatĂŒrlicher Weise Worte und Taten, die der ganzen Gemeinde zugute kommen. Es gibt „Gnadenwirkungen“ bzw. „Charismen“ (z.B. Heilungen, die Anbetung Gottes mit neuen Zungen, prophetisches Reden, praktische Hilfe, Hilfe bei Leitungsentscheidungen), „DienstĂ€mter“ (Apostel, Propheten, Lehrer, Evangelisten, Hirten) und „Kraftwirkungen“ (z.B. Wunder). Wann und wo und durch wen der Heilige Geist auf diese ĂŒbernatĂŒrliche Weise die Gemeinde stĂ€rkt, steht ganz allein bei ihm. Neid und Hochmut sind unnötig. Wenn es keine ĂŒbernatĂŒrlichen Geistwirkungen gibt, droht die Verdorrung der Gemeinde. Heute ist besonders geistgewirkte prophetische Rede fĂŒr VerkĂŒndigung und Seelsorge wichtig.

Dieser Text kann von der GeschĂ€ftsstelle des Gemeindehilfsbundes als Faltblatt bezogen werden (MĂŒhlenstr. 42, 29664 Walsrode, Tel.: 05161/911330; E-mail: info@gemeindehilfsbund.de)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 3. Februar 2013 um 8:16 und abgelegt unter Gemeinde, Theologie.