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Gebet – eine kleine Einführung in das Gespräch mit Gott

Donnerstag 25. Oktober 2012 von Johann Hesse


Johann Hesse

Gebet – eine kleine Einführung in das Gespräch mit Gott

1          Gott kennen lehrt beten

1.1       Gott ist die Liebe

„Gott ist die Liebe“. Dieses zentrale Wesensmerkmal Gottes, das uns im 1. Johannesbrief 4,16 bezeugt wird, liegt dem Gebet zu Grunde. Die Liebe sieht immer von sich selbst ab und sucht das Wohl des geliebten Gegenübers. So denkt und handelt Gott nie selbstbezogen, sondern immer in Bezug auf die, die er liebt.

Gott ist der eine Gott in den drei Personen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Diese drei sind in ihrer Liebe aufeinander bezogen, suchen in ihrer Liebe jeweils das Wohl des göttlichen Gegenübers und bringen diese Liebe auch im Wort zum Ausdruck: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“ (Mt 3,17) sagt die himmlische Stimme über den Sohn und zum Sohn bei seiner Taufe. Der Sohn wiederum betet im hohepriesterlichen Gebet zum Vater: „Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen“ (Joh 17,26). Jesus ist das Wort Gottes, das im Anfang bei Gott war und Gott ist (Joh 1,1). Als der menschgewordene „Logos“ (Joh 1,14) war er auch während seiner irdischen Lebenszeit in Liebe mit dem Vater verbunden und suchte deshalb das Gespräch mit ihm.

Doch Vater, Sohn und Heiliger Geist suchen in ihrer Liebe nun auch uns und möchten uns in ihre Gemeinschaft hineinziehen. Wir sollen teilhaben an ihrer ewigen Liebe. Liebe ist der Grund dafür, dass Jesus Christus die himmlische Herrlichkeit verließ, Mensch wurde und sich erniedrigte bis hin zum Tod am Kreuz. Jesus kam zu uns, um uns die Liebe des Vaters zu bringen und uns mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist auf ewig zu verbinden: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten: und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen“ (Joh 14,23). Vater und Sohn kommen zu uns durch den Heiligen Geist, den der Vater denen sendet, die den Sohn lieben (Joh 14,16). Der Geist wiederum zieht uns in das Gespräch mit dem Vater und dem Sohn (Joh 15,7; Röm 8,15). Die Liebe Gottes sucht uns und lädt uns ein zum Gespräch mit Gott.

1.2       Gott ist der Schöpfer

Gott ist der Schöpfer. Dabei fällt auf, dass Gott die gesamte sichtbare und unsichtbare Welt durch das gesprochene Allmachtswort aus dem Nichts erschuf: „Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht!“ (1 Mose 1,3). Der Psalmist bekennt: „Wenn er spricht, so geschieht’s und wenn er gebietet, so steht’s da“ (Psalm 33,9). Der Brief an die Hebräer bestätigt den Zusammenhang von Gottes schöpferischer Rede und vorhandener Materie: „Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, so dass alles, was man sieht, aus Nichts geworden ist“ (Hebr 11,3). Die Schöpfung, in der wir leben, verdankt sich dem „logos“ (Christus) (Joh 1,1.2) und der schöpferischen Rede Gottes durch ihn.

Weil Gott die Schöpfung durch das Wort erschuf, verwundert es nicht, dass die gesamte Schöpfung kommunikative Strukturen aufweist. Ein bekanntes Beispiel sind die Gesänge der Bartenwale, die mit ihren Gesängen das Weibchen herbeilocken oder ihr Jagdrevier markieren. Der komplizierte Schwänzeltanz der weiblichen Arbeiterbienen zeigt den anderen Bienen des Volkes an, wo im Verhältnis zum Sonnenstand sich gute Nektarquellen befinden. Auch die Fähigkeit des Menschen zur Kommunikation durch Sprache ist nicht etwa Ergebnis eines zufälligen Evolutionsprozesses, sondern vom Schöpfer verliehene Gabe.

Die Geschöpfe kommunizieren untereinander aber sie tragen auch – hineingewoben in die eigene Existenz – die Botschaft in sich, dass sie ihr Sein dem Schöpfer zu verdanken haben: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk. Ein Tag sagt`s dem andern und eine Nacht tut`s kund der andern, ihre Sprache und ohne Worte: unhörbar ist ihre Stimme. Ihr Schall geht aus in alle Lande und ihr Reden bis an die Enden der Welt“ (Ps 19,1-5; vgl. Röm 1,20). Die Schöpfung spricht lautlos und doch überdeutlich von Gottes Ehre und seiner ewigen Majestät und Gottheit. Wohl dem, der diese Stimme hört und Antwort gibt.

1.3       Gottes Wort an Adam

Die Schöpfung des Universums fand ihren Höhepunkt in der Erschaffung Adams und Evas als Ebenbild Gottes: „Und Gott sprach: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel…“ (1 Mose 1,26). Gott, der hier mit Christus kommuniziert und durch Christus schöpferisch handelt, spricht Adam und Eva als sein Ebenbild direkt an und segnet sie mit seinem segensspendenden Wort: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und macht sie euch untertan…“ ( 1 Mose 1,28). Später teilt Gott Adam auch das einzige Verbot mit, das vom Menschen im Paradies beachtet werden sollte: „Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben“ (1 Mose 2,16.17). Und selbst nach dem Sündenfall ruft Gott seinen Adam: „Wo bist du?“ (1 Mose 3,9). In der ersten Anrede Gottes des in Sünde gefallenen Menschen zeigt Gott, dass er den Menschen auch in seinem Ungehorsam und im Stand der Verlorenheit weiterhin sucht, anspricht und in die Gemeinschaft mit ihm zurückruft. Gott eröffnet dem Sünder die Möglichkeit der Rückkehr und der Wiederaufnahme des Gesprächs (vgl. Lk 15,11ff).

1.4       Gottes Wort an uns in Christus

Das „Wo bist du?“ fand seine Fortsetzung im immer wieder neuen Reden Gottes zu den Erzvätern und dem auserwählten Volk. Gott ließ über Jahrtausende das Gespräch nie abbrechen, sondern nahm den Gesprächsfaden immer wieder auf, um die Menschen zu sich zu rufen. Dieses liebevolle Werben Gottes gipfelte in der Sendung seines Sohnes:

„Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat.  Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe 4 und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name.“ (Hebr 1,1-4).

Christus vollbrachte die Reinigung von den Sünden. Sein Opfertod sühnt für die Sünde, die sich zwischen Gott und den Menschen geschoben hatte. Durch Christus werden wir gereinigt und damit wieder in den Stand versetzt, in die Liebesgemeinschaft des Heiligen Gottes aufgenommen zu werden. Gott hat in Christus das Gespräch mit dem Menschen neu eröffnet. Wir dürfen beten!

2          Gebetshindernisse überwinden

2.1       Die Schuld muss weg

Gott lädt ein zum Gebet. Doch es gibt einige Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt. Was die Kommunikation mit Gott am meisten stört ist die Schuld. Was in jeder zwischenmenschlichen Beziehung erlebt wird, wirkt sich auch in der Beziehung zu Gott zerstörerisch aus. Ein Streit zwischen meiner Frau und mir legt die Kommunikation erst einmal auf Eis. Ein liebevolles und freundschaftliches Gespräch wird erst wieder möglich, wenn wir uns wieder versöhnt haben. Dieses Grundgesetz gelingender Kommunikation lernt man in der Schule Gottes. Gott hört schlecht, wenn wir unsere Sünde lieben und im Streit mit ihm, seinem Wort und Willen leben.

„Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut. Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen, laßt ab vom Bösen!“ (Jes 1,15.16).

Das größte Hindernis im Gebet ist die Schuld, die uns von Gott trennt. Wenn wir nicht beten können, dann sollten wir uns zuallererst der Schuldfrage zuwenden. Gibt es noch Dinge, zwischen mir und Gott, die nicht bereinigt worden sind. Lebe ich noch in unerkannter Sünde oder gibt es Sünden, von denen ich nicht lassen kann? Wo bin ich noch gebunden an Neid, Geiz, Geld, Ehrsucht, Egoismus, Hass, Ehebruch, pornographisch gebundene Phantasien, okkulte Praktiken, etc. Wir sollten uns hier sehr ehrlich im Spiegel der Gebote Gottes betrachten und erkannte Schuld betend zu Christus bringen und bekennen.

„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1 Joh 1,9;vgl. Jes 1,18).

Wenn wir nicht beten können, dann sollten wir zuerst die Schuldfrage klären. Mit dem Bekennen von Schuld sind wir bereits mitten drin im Gespräch mit Gott, denn er liebt es, wenn wir seine Gabe der Sündenvergebung annehmen und ihm betend bekennen, dass wir ohne diese Gabe nicht mehr leben können.

2.2       Vom Zweifeln zum Glauben

Thomas Hobbes hatte einmal gesagt: „Ich glaube nur, was ich sehe.“ So meinen auch viele Menschen heute,  nur das glauben zu können, was empirisch nachweisbar ist. Seit dem Sündenfall ist der Schöpfer mit unseren Sinnen nicht fassbar und mit unseren Instrumenten nicht nachweisbar. So lebt der von Gott getrennte Mensch zwar in einer diffusen Ahnung, dass es Gott geben müsse, wird aber immer wieder von tiefen Zweifeln erschüttert, ja für viele Menschen unserer Zeit ist das Bezweifeln der Existenz Gottes zu einer Grundhaltung geworden, die das Leben durchzieht.

Ich erinnere ich mich noch gut an meine ersten Gehversuche im Beten vor 16 Jahren in England während meines Zweitstudiums. Gab es überhaupt einen Gott? Gab es jemanden außerhalb meiner selbst, der mein Flehen hörte? Ging mein Gebet über die Zimmerdecke hinaus? War ich allein oder war da noch jemand? Das Zweifeln an der Existenz Gottes oder auch dass Bezweifeln seiner Güte oder seiner Macht, kann das Gebet lähmen und verhindern. Ja, Jakobus wird noch deutlicher, wenn er den Beter ermahnt: „Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht, denn wer zweifelt, der gleicht einer Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird. Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde.“ (Jak 1,6)

Positiv gewendet lehrt uns der Herr, dass wir Glauben brauchen, wenn wir beten: „Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird`s euch zuteil werden“ (Mk 11,24). Glaube ist da, wo ein Mensch sich vertrauensvoll an den dreieinigen Gott und sein Wort gebunden hat. Wer glaubt, der weiß: „Was Gott verheißt, das kann er auch tun“ (Röm 4,21).

Doch wie werden Zweifel und Unglauben überwunden werden? Der Zweifler ist hier auf Gottes Güte und Gnade angewiesen. Da der Glaube immer Gabe ist, kann die Überwindung des Zweifels nur gütige Zuwendung Gottes sein. Der Zweifler bete, wie der Vater, der sich flehend an Jesus wandte, als er die Heilung seines Sohnes erbat: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24).

Wunderbar zum Ausdruck gebracht ist dieses Gebet in der gleichnamigen Kantate von Johann Sebastian Bach (BWV 109). Der Zweifel wird im Rezitativ besungen:

Des Herrn Hand ist ja noch nicht verkürzt,
mir kann geholfen werden.
Ach nein, ich sinke schon zu Erden
Vor Sorge, dass sie ich zu Boden stürzt.
Der Höchste will, sein Vaterherze bricht.
Ach nein! Er hört die Sünder nicht.
Er wird, er muss dir bald zu helfen eilen,
um deine Not zu heilen.
Ach nein, es bleibet mir um Trost sehr bange:
Ach Herr, wie lange?

Doch im Verlauf der Kantate dringt der Zweifler durch zum Glauben:

Der Heiland kennet ja die Seinen,
wenn ihre Hoffnung hilflos liegt.
Wenn Fleisch und Geist in ihnen streiten,
so steht er ihnen selbst zur Seiten,
damit zuletzt der Glaube siegt.

Wer hofft in Gott und dem vertraut,
der wird nimmer zuschanden;
Denn wer auf diesen Felsen baut,
Ob ihm gleich geht zuhanden
viel Unfalls hie, hab ich doch nie
den Menschen sehen fallen,
der sich verlässt auf Gottes Trost;
er hilft sein´ Gläubgen allen.

In Bachs Kantate wird besungen, was auch die Beter der Psalmen immer wieder erlebt haben: Es gibt einen Durchbruch von der Klage zum Lob und aus dem Zweifel zum Glauben. Der Herr selbst steht dem ringenden Beter zur Seiten, „damit zuletzt der Glaube siegt.“

So durfte auch ich es in England erleben, dass der Herr selbst sich so klar und deutlich durch sein Wort bezeugte, dass aller Zweifel vom Glauben regelrecht überwunden und verschlungen wurde. Aus dem zweifelnden Gebetsversuchen wurde ein Gebet des Glaubens.

2.3       Die Prioritäten richtig setzen

Ein weiteres Hindernis ist, dass wir dem Gebet nicht die Bedeutung beimessen, die es eigentlich haben sollte. Paulus schreibt: „So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen“ (1Tim 2,1). Hier stellt er das Gebet an die erste Stelle: „vor allen Dingen.“ Mit Gebet sollte alles beginnen, was wir täglich tun und lassen. Wenn das Gebet eine niedrige Priorität in unserem Leben hat, dann halten wir noch zu viel von uns selbst und unserer Kraft. Wenn wir stattdessen um unsere Schwachheit, die Allmacht Gottes wissen und die Kraft seiner Verheißungen wissen, dann wird das Gebet wieder zur obersten Priorität.

Darum ist’s gut, dass man am frühen Morgen das Gebet das erste und am Abend das letzte Werk sein lässt. (Martin Luther)

2.4       Die Stille suchen

Ein weiteres Gebetshindernis ist ganz praktischer Natur. Der Tag beginnt mit so vielen Tätigkeiten und Verrichtungen, dass ich gar nicht dazu komme, überhaupt zu beten. Und so folgt eine Verpflichtung der anderen und am Ende des Tages fällt man erschlagen ins Bett. Hier gilt es, sich bewusst Zeiten und Orte der Stille zu suchen und diese auch diszipliniert für das Gebet zu reservieren. Das obige Zitat von Martin Luther und auch die eigene Erfahrung legen es nahe, den Morgen oder den Abend und am besten beide Zeiten für das Gebet zu reservieren. Jesus selbst besuchte Orte um zu bestimmten Zeiten fern ab der Menschenmassen im Gespräch mit dem himmlischen Vater zu sein: „Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein“ (Mt 14,23).

3          Wie wir beten sollen

3.1       Mit den Zusagen Gottes

Das Beten geschieht auf der Grundlage der Zusagen, die Gott in seinem Wort macht. Die Heilige Schrift ist durchzogen von Einladungen und Aufforderungen zum Gebet. Immer wieder sind sie verbunden mit verheißungsvollen Zusagen. Gott lädt uns ein zu beten und er verspricht uns, dass er unser Gebet hören und auch beantworten will. Exemplarisch seinen deshalb einige dieser Gebetseinladungen mit ihren Verheißungen genannt. Sie sollen uns Ansporn sein, das Gespräch mit Gott zu suchen. Wie beten wir? Wir beten so, dass wir uns auf diese Zusagen in und unter Berufung auf diese Zusagen an Gott wenden.

„Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du wirst mich preisen.“ (Ps 50,15)

„Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.“ (Jer 29,13)

„Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden, klopft an, so wird euch aufgetan.“ (Mt 7,7)

„Wahrlich, ich sage euch auch: wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren, von meinem Vater im Himmel.“ (Mt 18,19)

„Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird`s euch zuteil werden.“ (Mk 11,24)

„Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.“ (Joh 15,7.16)

„Wenn es aber jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern gibt und niemanden schilt, so wird sie ihm gegeben werden.“ (Jak 1,5)

Wir beten auf der Grundlage dieser Verheißungen und in dem Bewusstsein: „Was Gott verheißt, das kann er auch tun!“

3.2       Im Namen Jesu

Weiterhin lehrt uns der Herr, dass unser Gebet im Namen Jesu geschehen soll.

„An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben. Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen.“ (Joh 16,23.24; vgl. Joh 14,13.14; Joh 15,16)

Bisher kannten die Jünger nur das direkte Gebet zu Gott dem Vater. Es war für sie nun etwas ganz Neues, dass sie durch den Namen Jesu und in seinem Namen zum Vater kommen sollten. Der Vater hat dem Sohn alle Macht im Himmel und auf Erden übertragen (Mt 28,18). Damit hat er auch das Recht und die Vollmacht erhalten, dass Menschen sich in seinem Namen und durch ihn an den Vater wenden. Der Name Jesus Christus steht für seine Person, sein ganzes göttliches Wesen, seine Sohnschaft, sein Erlösungswerk in Kreuz und Auferstehung und seine Stellung als König, Priester und Prophet. Indem wir in seinem Namen beten, bekennen wir vor Gott und Menschen, dass wir allein in Jesus Christus Zugang zum himmlischen Vater (Joh 14,6; Apg 4,12) haben und allein durch seinen hohepriesterlichen Dienst mit Zuversicht zum Thron der Gnade Gottes kommen und Hilfe erwarten können (Hebr 4,15.16).

3.3       In der Kraft des Heiligen Geistes

Wie wir bereits gesehen haben liegt es im Wesen und in der Dreieinigkeit Gottes begründet, dass wir überhaupt beten können. Dem Heiligen Geist kommt dabei eine zentrale Aufgabe zu, denn Gott sucht Anbeter, die ihn „im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Joh 4,24). Ohne den Geist Gottes können wir Gott nicht gefallen (Röm 8,8.9) und so ist es unbedingt nötig, dass wir den Heiligen Geist empfangen, der durch uns zum Vater betet (Röm 8,15). Hier wird auch deutlich, dass wir naturgemäß gar nicht in der Lage sind, zu Gott zu beten. Doch Gott wirkt in seiner Gnade das Unmögliche, in dem er seinen Geist in uns das tun lässt, was wir nicht tun können (Röm 8,26). Der Geist in uns, verherrlicht den Sohn und betet durch uns und im Namen des Sohnes zum Vater (Joh 1413.14; 16,14).

3.4       Im Glauben

Wie wir bereits unter 2.2 gesehen haben, beten wir im Glauben. So lehrt der Herr selbst einen Glauben, der Berge versetzt:

„Habt Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer! und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, daß geschehen werde, was er sagt, so wird’s ihm geschehen. Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, daß ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteilwerden.“ (Mk 11,22-24)

An dieser Aussage wird deutlich, dass hier ein Glaube gefragt ist, der den menschlichen Verstand und alle menschlichen Möglichkeiten ausschließt. Weil Gott „kein Ding unmöglich ist“ und er allmächtig ist, deshalb kann er auch Berge versetzen und darum kann er mir auch in meiner völligen Aussichtslosigkeit, meiner Verzweiflung, meiner Ratlosigkeit und in den schier aussichtslosesten und unmöglichsten Situationen ein Retter und Helfer sein. Diesen Glauben möge Gott uns schenken!

„Ohne Glauben kann ein Gebet kein Gebet sein. Denn wie will der beten, der nicht glaubt, dass bei Gott soviel Güte sei, dass er die Betenden erhören wolle?“ (Martin Luther)

3.5       Im Willen Gottes

Es gibt eine Form des Glaubens, die meint, sich das Gewünschte „herbeiglauben“ und „herbeieibeten“ zu können. Es komme nur auf den rechten Glauben an, um erfolgreich zu sein und Wohlstand zu erlangen. In diesem Sinne kommt es auch immer wieder zu Heilungsversprechen. Gott würde die Behinderung heilen, wenn nur recht geglaubt und gebetet würde. Tritt dann die Heilung oder der erbetene Wohlstand nicht ein, wird der Beter mangelnden Glaubens bezichtigt. Der Beter ist zurückgeworfen auf einen selbstgemachten Glauben und die Erfolglosigkeit ist der Beleg dafür, dass dieser Glaube nichts taugt. Hier werden Menschen in die Irre geführt, denn das Gebet des Glaubens unterliegt immer dem Korrektiv des Willens Gottes. Jakobus hat sehr deutlich davor gewarnt aus selbstsüchtigen Motiven heraus zu beten (Jak 4,3).

Der Beter soll nicht für irgendetwas und nach seinen Wünschen und Vorstellungen beten, sondern nach dem Willen des Vaters. So schreibt Johannes:

„Und das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns. Und wenn wir wissen, daß er uns hört, worum wir auch bitten, so wissen wir, daß wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben. (1Joh 5,14.15)

Was der Wille Gottes ist, das verrät uns die Heilige Schrift. Wir sollen also anhand der Schrift prüfen, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene (Röm 12,2; vgl. 1 Thess 4,3; 5,18). Der Beter lernt den Willen Gottes in der Heiligen Schrift kennen und seine Gebete werden sich mehr und mehr an Gottes Willen orientieren. Das Gebet wird durch das Wort geformt.

Es gibt auf viele Lebensfragen keine offenbarte Antwort, die uns verriete, wie Gott in einer Sache denkt. Ja, Gott kann Heilung von einer schweren Krebserkrankung schenken. So darf der Beter auch glaubensvoll beten, dass Gott Heilung schenkt (Jak 5,13ff). Doch er bittet mit dem Bewusstsein: „Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ (Lk 22,42; vgl. 2 Kor 12,7-9). Oft wird der Beter sich in den nicht geoffenbarten Willen Gottes hineinbeten müssen, um zu erkennen, was Gottes Wille in einer ganz bestimmten Lebensfrage ist. Das ist ein Weg, der von schweren Anfechtungen begleitet sein kann. Dann ist es ratsam, andere Christen zu bitten, den Beter in seinem betenden Ringen zu begleiten und zu unterstützen (s. u.)

3.6       Intensiv und ausdauernd

Im Gleichnis vom bittenden Freund lehrt Jesus uns das drängende und intensive Beten, denn der Freund erhält das Brot aufgrund seines „unverschämten Drängens“ (Lk 11,1-10). Wir dürfen Gott im Gebet bestürmen, ihn flehentlich bitten, ihn anrufen und unser Anliegen intensiv und mit Verweis auf seine gemachten Zusagen vortragen, ja so mit ihm ringen, wie Jakob rang, um den Segen Gottes zu erlangen (1 Mose 32,27).

Zudem sollten wir ausdauernd beten und immer wieder und unaufhörlich das Gespräch mit Gott suchen: „Betet ohne Unterlaß, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“ (1Thess 5,17.18; vgl. Eph 6,18; Lk 18,1-5)

3.7       Das Gebet in Gemeinschaft

In der Bergpredigt warnt Jesus uns vor einer Gefahr, die langjährige Beter kennen werden. Es ist die Gefahr, beim Beten in eine fromme Selbstdarstellung zu verfallen (Mt 6,5ff). Als Gegenmittel schickt der Herr uns in das stille Kämmerlein, wo wir allein mit unserem Vaters sind. Wenn man um diese Gefahr weiß, sollte man dennoch auf das Gebet in Gemeinschaft anderer Christen nicht verzichten. Nicht ohne Grund hat Gott auf das gemeinsame Gebet eine besondere Verheißung gelegt, denn da möchte der Herr in besonderer Weise hören und antworten, wo seine Kinder eins werden und beten:

„Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,19.20)

Das mag uns zuerst fremd vorkommen, doch gerade mit Blick auf die besondere Kraft, die in dieser Zusage steckt, lohnt es sich, hier die alten Vorbehalte zu überwinden und das Gebet in der Gemeinschaft mit ein, zwei oder mehr Personen zu suchen (vgl. das Gemeindegebet in Apg 4,23ff).

4                        Was wir beten sollen

4.1       Anbetung

Wir haben gesehen, dass wir beten können, dürfen und sollen, wir haben gesehen, wie wir beten sollen und so wenden wir uns nun der Frage zu, was wir beten sollen. Im Vater Unser hat uns der Herr die Grundlagen des Gebetes gelehrt. Dieses Gebet sollten wir in eben diesen Worten beten, aber auch das frei formulierte Gebet im Geiste dieser kompakten Gebetslehre sprechen. Es beginnt mit den Worten: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe“ (Mt 6,9). Die Heiligung des Namens Gottes steht ganz oben an und damit die Anbetung und der Lobpreis Gottes. Wir beten Gott an für sein Werk in Schöpfung und Erlösung. Es ist die höchste Bestimmung aller Geschöpfe Gottes, dass sie Gott in Ewigkeit anbeten und ehren. Das sollte in unseren Gebeten an vorderster Stelle stehen (vgl. Offb 5,11ff).

4.2       Dank

Eng verbunden mit der Anbetung ist die Danksagung, die uns von den Aposteln immer wieder ans Herz gelegt wird (Phil 4,6; 1 Tim 2,1; 1 Thess 5,18). Der Glaube sagt Danke. Denn der Glaubende weiß, dass er das Gute vom Geber aller guten Gaben empfangen hat (Jak 1,17). Die überall grassierende Undankbarkeit ist Ausdruck des Unglaubens und so tut auch der Beter gut daran, für das zu danken, was er von Gott an geistlichen und materiellen Gaben erhalten hat. Unser Gebet und unser Glauben geraten in Schieflage, wenn wir das Danken vergessen.

„Danken schützt vor Wanken und loben zieht nach oben“

4.3       Bekenntnis der Schuld

„Darum bekannte ich dir meine Sünde und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen (Ps 32,5). Wir haben die Schuldproblematik bereits angesprochen (vgl. 2.1). Im Vater Unser lehrt der Herr, dass das Bekenntnis der Schuld vor Gott und die Bitte um Vergebung sowie der zwischenmenschliche Zuspruch der Vergebung ein wesentlicher Bestandteil eines gesunden Gebetslebens sein sollte. In diesem Sinne kann  man auch die erste der 95 Thesen Martin Luthers verstehen: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht „Tut Buße“ usw. (Mt. 4,17), hat er gewollt, daß das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.“ Das Eingeständnis von Schuld und die Bitte um Vergebung sollten darum einen festen Platz in unserem Gebet erhalten.

4.4       Das missionarische Gebet

Das vordringliche Projekt Gottes bis zur Wiederkunft Jesu Christi ist die Verkündigung des Evangeliums unter allen Völkern der Erde. Wer nicht selbst dem Ruf in die Mission folgt, sollte vor der eigenen Haustür die frohe Botschaft verkündigen und in jedem Fall sich durch das Gebet an der Verbreitung des Evangeliums beteiligen. Zum Einen geschieht das, indem wir nach der Aufforderung Jesu dafür beten, dass Missionare entsandt werden (Mt 9,38). Zum Anderen geschieht dies, indem wir Missionare und Evangelisten in ihrem Dienst unterstützen. So betete die Urgemeinde: „Und gib deinen Knechten, mit allem Freimut zu reden dein Wort“ (Apg 4,29) und Paulus forderte die Epheser auf, ihn im Gebet zu unterstützen, damit er „freimütig das Geheimnis des Evangeliums“ verkündigen könne (Eph 6,19). Gott möchte uns als Beter in die Weltmission und die Rettung von Seelen einbinden.

4.5       Das Gebet für die Geschwister

„Betet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit im Gebet für alle Heiligen.“ (Eph 6,18). Ein besonderer Schwerpunkt des Gebets sollte auf den Glaubensgeschwistern liegen. Jesus hat für seine Jünger gebetet und so wie er sollen auch wir einander im Gebet stützen und tragen. Paulus ist hier mit guten Vorbild vorangegangen, denn aus seinen Briefen kann ersehen werden, dass er immer wieder für die Christen in den verschiedenen Gemeinden dankte und Fürbitte leistete (Phil 1,3.4; Kol 1,3ff).

„Denke daran, dass du nicht allein kniest und da stehst, sondern die ganze Christenheit gemeinsam mit dir und du unter ihnen in einmütigem, einträchtigem Gebet.“ (Martin Luther)

4.6       Das Gebet für alle Menschen

Die Fürbitte gilt nicht nur den Glaubensgeschwistern, sondern allen Menschen, wie Paulus in 1 Tim 2,1 schreibt. Wir haben einen priesterlichen Dienstauftrag an allen Menschen, die uns umgeben und die Gesellschaft, in der wir leben. Weil Gott die Welt geliebt hat (Joh 3,16), gilt ihr die Sendung seines Sohnes und das Gebet seiner Kinder. Speziell sollen wir in unsere Gebete auch die Obrigkeit einschließen (vgl. 1 Tim 2,2).

Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl. (Jer 29,7)

4.7       Die persönlichen Anliegen

Zuletzt dürfen wir auch alle unsere persönlichen Anliegen, Gott im Gebet sagen. Wir sollen uns nicht sorgen, sondern alle Dinge vor Gott bringen: „Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen laßt eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!“ (Phil 4,6; 1 Petr 5,7). Nur beispielhaft seien hier erwähnt, das Gebet um Weisheit (Jak 1,5), das Gebet um Gesundheit (Jak 5,14.15) und mit dem Vater Unser das Gebet um das tägliche Brot (Mt 6,11).

„Wenn eine Sorge zu gering ist, sie in ein Gebet zu verwandeln, dann ist sie auch zu gering, sie zu einer Last zu machen.“ (Corrie ten Boom)

5          Schluss

Welch ein großes Vorrecht ist uns mit dem Gebet gegeben. Durch das Gebet haben wir Gemeinschaft mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wir dürfen zu jeder Zeit mit allen Anliegen vor Gott treten. Wir dürfen durch das Gebet teilhaben und mitwirken an Gottes Plan für diese Welt, unser Leben, unsere Zeit und unsere Mitmenschen. Durch das Gebet sind wir daran beteiligt, dass Not gelindert wird, Menschen für Zeit und Ewigkeit gerettet werden, Gemeinden wachsen und auf dem Weg bleiben, Politiker weise Entscheidungen treffen und unsere persönlichen Sorgen kleiner und das Vertrauen in Gott größer werden. Gewaltige Zusagen hat Gott an das Beten geknüpft. Lassen Sie uns Gott beim Wort nehmen und das Gespräch mit ihm suchen.

 Prediger Johann Hesse, Walsrode im Oktober 2012

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 25. Oktober 2012 um 16:39 und abgelegt unter Predigten / Andachten, Theologie.