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Warum die Erdbestattung empfehlenswert bleibt

Montag 14. November 2011 von Christoferuswerk e.V.


Christoferuswerk e.V.

Warum die Erdbestattung empfehlenswert bleibt

AnlĂ€ĂŸlich von Allerheiligen und Allerseelen diskutieren wieder viele Menschen ĂŒber die Frage der Feuer- oder Erdbestattung. Schon aus praktischen GrĂŒnden neigen viele Leute zunehmend zur Leichenverbrennung, ist dieser Weg doch erheblich preiswerter und die Grabpflege einfacher. Im Rahmen einer Wegwerf-Gesellschaft sinkt offenbar auch der Respekt vor dem Leib des Verstorbenen. Der Trend zum „Billig-BegrĂ€bnis“ scheint daher kaum aufzuhalten – und damit auch die Inanspruchnahme der Krematorien. Überdies ist bei der Leichenverbrennung auch eine sog. „anonyme Bestattung“ möglich. Dabei wird die Urne in einem Massengrab beigesetzt, so daß keine Grabpflegekosten fĂŒr die Angehörigen entstehen.

Obwohl die kath. Kirche das frĂŒhere strikteVerbot der Feuerbestattung aufgehoben hat und die Leichenverbrennung toleriert, betrachtet sie nach wie vor die Erdbestattung als den besseren Weg im Sinne einer „Kultur des Todes“. Im Judentum ist die Leichenverbrennung nach wie vor streng untersagt.

Das frĂŒhere kirchliche Nein zur Leichenverbrennung kam nicht von ungefĂ€hr. Immerhin erwies sich das antikirchliche Lager (vor allem die Freimaurerei) als entschiedener Gegner der Erdbestattung. Mit dieser Haltung wollten die Drei-Punkte-BrĂŒder den Glauben an die Auferstehung der Menschen leugnen.

Zuweilen spielte aber auch die Angst vor einem Scheintod den Feuerbestattern in die HĂ€nde. Die damals geforderte Leichenschau ist lĂ€ngst gesetzliche Vorschrift (Totenschein). Überdies ist die moderne Diagnostik heute so verfeinert, daß man jede Angst vor Scheintod als unbegrĂŒndet ansehen kann.

So wie es eine „Kultur des Lebens“ gibt, die das menschliche Leben von der EmpfĂ€ngnis bis zum natĂŒrlichen Tod schĂŒtzt und damit Abtreibung und Euthanasie verbietet, so gibt es auch eine „Kultur des Todes“, die sich der WĂŒrde des menschlichen Leibes bewußt ist, der einst zur „Auferstehung des Fleisches“ berufen ist.

In Diskussionen hierĂŒber ist oft eine erschreckende Unkenntnis ĂŒber die theologischen und kulturellen HintergrĂŒnde dieses Themas erkennbar, so daß es sinnvoll erscheint, hier beispielhaft fĂŒnf Punkte aufzuzeigen, die uns den Sinn und Vorzug der Erdbestattung erlĂ€utern:

1. Das Alte Testament kennt durchgehend eine strenge Pflicht zur Erdbestattung (vgl. 5 Mo 21,23) und betrachtet es als große Tugend, die Verstorbenen zu begraben (vgl. Buch Tobit). Die Verbrennung eines Leichnams wurde im Alten Bund als drastische VerschĂ€rfung der Todesstrafe angesehen und kam nur selten zur Anwendung (1 Mo 28,24; Jos 7,15). – Auch das Neue Testament geht von der SelbstverstĂ€ndlichkeit der Erdbestattung aus. Beim BegrĂ€bnis Christi betont Johannes ausdrĂŒcklich, daß es nach jĂŒdischer Sitte ablief (Joh 19,39 f).

2. Die jĂŒdisch-christliche Erdbestattung war damals keineswegs selbstverstĂ€ndlich, denn im Heidentum praktizierte man vielfach die EinĂ€scherung der Leichen. Dies wurde teils mit der Angst begrĂŒndet, die Seele des Toten könne andernfalls in den Leichnam zurĂŒckkehren, teils auch mit der Abwertung des Leibes als „GefĂ€ngnis der Seele“ (Dualismus).

3. DemgegenĂŒber wĂŒrdigt die Heilige Schrift den Körper des Christen als Tempel des Heiligen Geistes (1 Kor 6,19) und versteht die Auferweckung am JĂŒngsten Tag als eine Auferstehung des Leibes (1 Kor 15,35). Durch die Verwandlung des sterblichen Leibes in die Unsterblichkeit des ewigen Lebens steigert sich das GlĂŒck der Menschenseelen im Himmel, denn sie werden wieder mit ihrem eigenen Leib vereinigt und so zur „Ganzheit“ des Menschseins vollendet.

4. Zur Ehrfurcht vor dem Leben gehört auch die Achtung vor dem menschlichen Körper. Die WĂŒrde des Menschen gilt ĂŒber seinen Tod hinaus. Die Frage stellt sich, wieweit MenschenwĂŒrde und Verbrennung im Krematorium wirklich vereinbar sind, handelt es sich doch um eine willentliche Zerstörung des Leibes.

5. Sollten wir Christen wirklich an der „falschen Stelle“ sparen? Sollten wir nicht vielmehr ein klares Signal fĂŒr eine umfassende „Kultur des Todes“ setzen, auch und gerade inmitten einer neuheidnischen Umgebung? – Gewiß beruht unsere Auferstehungshoffnung nicht auf einer bestimmten Art der Bestattung, sondern auf den Verheißungen Gottes. Doch der christliche Jenseitsglaube stĂ€rkt unseren Sinn fĂŒr die besondere WĂŒrde des menschlichen Leibes – eine WĂŒrde, die uns auch etwas wert sein sollte?

Felizitas KĂŒble, Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Jugendverlags in MĂŒnster, 2.11.2011

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 14. November 2011 um 8:58 und abgelegt unter Seelsorge / Lebenshilfe, Theologie.