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Farm der Tiere – mit Biosiegel

Dienstag 20. September 2011 von factum


factum

Farm der Tiere – mit Biosiegel

Der Umweltrat der deutschen Regierung fordert eine «Grosse Transformation» von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Staat und eine neue Weltordnung sollen das Klima retten.

Wer auch immer sich anschickt, in einem globalen Massstab den Menschen Freiheitsrechte zu nehmen und politische Macht auf einer höheren Ebene als der von Nationalstaaten zu konzentrieren, der braucht ein Thema mit emotionalem Potential. Nach Lage der Dinge sind das die Themen «Weltfrieden » und «Frieden mit der Natur». Letzteres eignet sich besonders gut, um die Menschen anzusprechen. In der zersplitternden Welt ist der Gedanke, dass die Natur «gut» sei, bald das Letztverbliebene, worauf man sich über weltanschauliche Grenzen hinweg einigen kann.

Der Gedanke, dass es wert ist, für «die Natur» Opfer zu bringen, ist der kleinste gemeinsame Nenner einer leidlich uneinigen Welt. Weitgehend ist in der Postmoderne der Glaube an den Schöpfer verloren gegangen. Die Sorge um das Heil, um Frieden mit Gott (vgl. Röm. 5,1), wird meist verdrängt. Da eignet sich die Natur als Projektionsfläche für eine ersatzreligiöse Transzendenz.

Schon die Bibel berichtet in einem prophetischen Wort davon, dass der Mensch, so er seine Befähigung, Gott «in dem Gemachten» wahrzunehmen, verweigert, in Torheit verfällt und in diesem falschen Denken «dahingegeben» ist. In der Folge wird er «dem Geschöpf Verehrung und Dienst» darbringen, «statt dem Schöpfer» (vgl. Röm. 1, besonders 20 und 25). Das ist, was heute geschieht. Längst hat das eine die individuelle Freiheit tangierende politische Relevanz.

Das Dokument, das einen umfassenden Herrschaftsanspruch begründet, ist das Manifest «Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Grosse Transformation», verfasst vom «Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung – Globale Umweltveränderungen ». Unverblümt fordert diese unter der Ägide von Hans Joachim Schellnhuber, dem einflussreichen Klimaberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, der auch einen direkten Zugang zu EU-Kommissionspräsident Barroso hat, einen starken internationalistischen Überstaat. Der traditionelle Nationalstaat soll überwunden, die demokratische Teilhabe des Individuums begrenzt werden. Es gelte, «revolutionäre globale Kooperationsmechanismen » entlang «planetarischer Leitplanken» zu entwickeln. Die Akteure dieses neuen Denkens, organisiert in «durchsetzungsstarken Klimapionierzellen », sollen sich am «Institutionengeflecht » der EU orientieren. Die EU ist es auch, die dem Text zufolge zunächst die «glaubhafte Führerschaft » übernehmen soll. Zielpunkt ist eine machtvolle «neue Weltordnungspolitik », eine «globale Ordnungs- und Strukturpolitik». Mit dem Begriff der global governance wird einer starken Weltregierung das Wort geredet: «Ultimative Stossführung zukünftiger Global Governance muss die Schaffung einer gerechten neuen Weltordnung sein.»

Motor zur Verwirklichung dieser Utopie ist der Kampf gegen die prophezeite und «menschengemachte» katastrophale Erwärmung des Klimas. Das eigentliche politische Ziel, eine Art ökosozialistische Weltregierung und der Ausstieg aus dem «kohlenstoffbasierten Wirtschaftsmodell», setzen die Autoren als Konsens voraus. Es geht nur noch um die Durchsetzung. In dem Text legen sie detailliert dar, wie die ökosozialistische Utopie durchgesetzt werden soll.

Der Text ist von einem starken Glauben an den Internationalismus und die Sinnhaftigkeit einer tiefen Bürokratie durchdrungen. Es gelte, einen «UN-Rat für nachhaltige Entwicklung» zu schaffen, zudem eine «internationale Organisation für nachhaltige Entwicklung», eine «Weltkommission für klimaverträgliche Stadtentwicklung», eine «Organisation für nachhaltige Urbanisierung », eine «Globale Kommission für nachhaltige Landnutzung». Alle Länder sollten «Dekarbonisierungspläne» vorlegen und umsetzen. Dieses strikte Programm zur Rettung des Weltklimas soll von der Elite einer «geleiteten politischen Führerschaft» umgesetzt werden.

Die «Überwindung des fossilen industriellen Metabolismus und Klimaverträglichkeit » sei die einzigartige «Menschheitsherausforderung» und sei ebenso geboten wie einst «die Abschaffung der Sklaverei und die Ächtung der Kinderarbeit». Es gehe um alles oder nichts, die ganze Welt stehe am Scheideweg. Von der Bedeutung ihrer Sache sind die Autoren überzeugt: Es habe in der Geschichte zuvor nur zwei Ereignisse gegeben, die mit der geplanten Grossen Transformation zu vergleichen seien: die Neolithische Revolution und die Industrielle Revolution.

Die «Grosse Transformation» erinnert Kritiker wie den Schweizer Kolumnisten Alex Reichmuth an Chinas «Grossen Sprung nach vorne» in der chinesischen Revolution. Das führte direkt in die Katastrophe. Etwa dreissig Millionen Menschen starben in den Folgejahren an Hunger. Nicht anders als der Elite der roten Revolution ist den Führern der ökologischen «Grossen Transformation» die Zukunft bekannt. Deshalb wissen sie auch um die anzustrebenden Ziele ihrer Politik und die Wahl der Mittel. Sie bedürfen keiner sachlichen Diskussion mehr. Der Bürger, der in einer Demokratie ja eigentlich der Souverän sein soll, hat nicht mehr darüber zu befinden, ob er die revolutionäre Grosse Transformation im Sinne dieser Bewegung überhaupt will. Von ihm wird erwartet, dass er sich für deren Gelingen verantwortlich machen und sich (vom «gestaltenden Staat», das ist der starke Staat) «in Bewegung setzen» lässt, wie es in dem Text heisst.

Was ist mit jenen Teilen der Bevölkerung, die Zweifel an der Richtigkeit der politischen Massnahmen hegen, die einen anderen Weg für sinnvoll halten? Für diese «Beharrungskräfte», «Vetospieler » und andere Uneinsichtige lässt diese ideologisierte Sprache nicht einmal den Platz zwischen zwei Buchstaben. So genannte «nicht nachhaltige Lebensstile» bedürfen der «gesellschaftlichen Problematisierung» – worunter man im Mindesten Stigmatisierung, wenn nicht Schlimmeres vermuten darf. Den Orwell’schen Instanzen zur Kontrolle entsprechen unter anderem eine «wissenschaftliche Expertengemeinschaft », die darüber wacht, dass jedermann «den Nachhaltigkeitsprozess einhält». Alle Gesetze sollen eine «umfassende, obligatorische Klimaverträglichkeitsprüfung durchlaufen».

Schellnhuber, einflussreicher Lobbyist in Klimasachen und in eigener Sache, fordert «das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren, um eine deliberative ‹Zukunftskammer› zu erweitern». Diese soll ausdrücklich nicht demokratisch konstituiert oder kontrolliert werden. Klimaschutz müsse «als Staatsziel in die Verfassung» genommen, «Legislative, Exekutive und Judikative zum Handeln verpflichtet» werden.

In der Rigidität dieses allumfassenden Anspruchs zur letztgültigen Weltverbesserung, seiner angeblich wissenschaftlichen Begründbarkeit, seines Antiindividualismus und seiner ideologischen Sprache wird deutlich, dass es sich hier um das Dokument einer totalitären Gesinnung handelt. Der «Gesellschaftsvertrag für eine Grosse Transformation» ist das Dokument eines kollektivistischen Absolutismus, der von der ökologischen Frage ebenso abgekoppelt ist wie der Sozialismus von der sozialen Frage. Erst die erfolgreiche Propagierung der negativen Prophetie einer künftigen Klimakatastrophe, der Angst vor einem katastrophalen Klima, das so schlimm ist, dass es buchstäblich den Planeten bedroht, rechtfertigt die Forderung nach einem allumfassenden Umbau sämtlicher gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Strukturen. Erst der behauptete Untergang der Welt rechtfertigt den politischen Dirigismus. Wo Gefahr in Verzug ist, kann man sich nicht lange mit demokratischen Sachdebatten aufhalten.

Die Drohung mit «planetarischen Risiken », wie es in dem Text heisst, und der in Kürze in diesem Welttheater stattfindenden katastrophalen Erwärmung, macht solch weitgehende Einschnitte begründbar. Ein Schweizer Magazin schrieb, die Öko-Debatte reklamiere einen «übergesetzlichen Notstand » und sei damit das «Einfallstor für einen neuen Totalitarismus». Auch der langjährige Politikbeobachter und Buchautor Günter Ederer kritisiert das Ansinnen, eine UNSuperbehörde einzurichten. Er zitiert Schellnhuber mit den Worten, der Klimawandel sei «eine solch weltweite Bedrohung, die nicht einzelnen Staaten, gewählten Regierungen oder gar dem Volk überlassen werden kann».

Hans Joachim Schellnhuber verlangte in einem Spiegel-Interview, man müsse eine gewisse Anzahl von Parlamentssitzen für Abgeordnete reservieren, die «nachhaltig» im Interesse künftiger Generationen abstimmten. So nah saß wahrscheinlich noch kein Antidemokrat und Gegner einer demokratischen Verfassung in einem deutschen Kanzleramt seit dem DDR-Spion Günter Guillaume, der sich das Vertrauen von Bundeskanzler Willy Brandt erschlichen hatte. Günter Ederer schreibt: «Schellnhuber fordert da nicht mehr und nicht weniger als die Rückkehr zu einem undemokratischen Ständestaat, in dem früher die Zünfte und heute dann entsprechend selbsternannte Gutmenschencliquen die Macht ausüben».

Die Befürworter des angestrebten «neuen globalen Gesellschaftsvertrages» attackieren offen den demokratischen Gleichheitsgrundsatz: «Die herkömmliche Vertragslehre ging von der Fiktion völliger Gleichheit aller Gesellschaftsmitglieder aus.» Wie auf Orwells «Farm der Tiere» sollen manche gleicher sein als andere. Die Autoren dieses Textes unterscheiden zwischen der Bewusstseins- Elite der «Klimapionierzellen» und der «Bürgerschaft». Diese gilt es, propagandistisch entsprechend zu bearbeiten. «Für das Gelingen einer Transformation zur klimaverträglichen Gesellschaft ist die Verbreitung entsprechender Einstellungen und Präferenzen unabdingbare Voraussetzung», heisst es in dem Text. Über lange Textstrecken wird ausgeführt, was alles zu geschehen hat, um die «Beharrungskräfte » zu überwinden.

Detailliert werden die potentiellen Gegner aufgelistet. Da sind etwa die sozial benachteiligten Gruppen, die mit den Preiserhöhungen als Folge der Klimapolitik ihre Probleme haben werden. Eine weitere Gruppe sind die wissenschaftlichen Gutachter, die eine «anthropogene Erwärmung des Klimas » in Frage stellen. Es ist den Autoren klar, dass die Tatsache, dass die postulierte Erderwärmung nicht erfahrbar und eine reine Zukunftsvorhersage ist, ein Problem darstellt. Die Skeptiker ihres Prophetentums vergleichen sie mit «Evolutionsskeptikern», die ebenfalls vorhandenes Wissen relativierten («Wir wissen noch zu wenig»). Wie jene argumentierten die Klimaskeptiker angeblich mit «Fehlschlussargumenten» und «Doppeldeutigkeit».

Zentrales Mittel der Meinungsmache ist es, zu postulieren, dass über die Vorhersage einer künftigen Erderwärmung unter Wissenschaftlern Einigkeit herrsche. Davon kann keine Rede sein. Die regelmässig wiederkehrenden Warmphasen auf der Erde waren jeweils Segen, nicht Fluch für Flora und Fauna und vor allem für den Menschen. Eine grosse Zahl an Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen, darunter auch etliche Nobelpreisträger, glaubt nicht an die Zukunftsvorhersage, dass die Erde wärmer werde. Auch ist die Diskreditierung von CO2 als Teufelszeug keineswegs Konsens in der Wissenschaft. Es ist einer von mehreren Stoffen, wie etwa Sauerstoff und Wasser, die in hochkomplexen Kreislaufprozessen zirkulieren – und das Leben erst ermöglichen. Ohne CO2 kein Leben. Das Erdklima wird offenkundig hauptsächlich von der Sonne bestimmt.

CO2-Werte sind seit jeher grossen Schwankungen unterworfen, was der Natur nicht geschadet hat. Die Studie «History of CO2 Gas Analysis of Air by Chemical Methods», an der auch zwei Nobelpreisträger beteiligt waren, weist nach, dass allein in den vergangenen 200 Jahren mehrfach wesentlich höhere CO2-Konzentrationen als heute bestanden: 1852, 1857 und 1942. Die hohen CO2-Werte von 1852 können schwerlich dem Automobil oder der Industrialisierung angelastet werden. Auch halten etliche der vermeintlich ökologischen Forderungen einer nüchternen Prüfung keineswegs Stand. Bei jeder Energieform müssen der Vorteil für den Menschen und der materielle und ökologische Preis sorgsam abgewogen werden. Jede Energieform, auch Wasserkraft, Wind und Solar, hat einen ökologischen Preis.

Wie stark die Vertreter der These von der Klimaerwärmung bereits das kollektive Bewusstsein dominieren, zeigt sich an dem Begriff «Klima». Die beständige ideologisierte Berichterstattung als Folge der Unkenrufe von Klima-Alarmisten hat längst dazu geführt, dass der Normalbürger meint, er sehe beim Blick aus dem Fenster «Klima». Was man sehen kann, ist allenfalls Wetter, keinesfalls Klima.

Klima ist eine statistische Grösse und definiert sich aus Durchschnittswerten bestimmter Wetterparameter, die einen Mittelwert von Jahrzehnten darstellen. Sei es ein lauer Landregen, ein heisser Sommertag oder ein schweres Unwetter: All das sind Wetterphänomene und haben mit Klima nichts zu tun. Hier von Klima zu reden, ist, als ob jemand beim Anblick von fünf Rentnern, die auf einem Spielplatz zwei Kindern beim Spielen zusehen, meint, die «Alterspyramide » vor sich zu haben.

Die 448 Seiten der «Transformation» sind eine dicht gedrängte Schwadronage von pathetisch-überzogenen Formulierungen, die den nüchtern denkenden Leser mit ihrer bürokratisch-technokratischen Pseudorationalität abstossen. Der gesellschaftliche Machbarkeitswahn des Papiers ist uferlos. Seine ideologisierte Bürokratensprache ist rigoros und menschenfeindlich. Sie lässt an George Orwell denken, der in seinem Buch «Farm der Tiere» beklemmend und klar beschrieben hat, wie schnell und schleichend totalitäre Herrschaft entsteht. Die Klima-Ökologisten reden einer Sakralisierung von Politik, Wissenschaft und Naturverständnis das Wort. Vor dem Persönlichen des Menschen machen sie keinen Halt. Es zielt darauf und will tief in die individuelle Lebensführung eingreifen. So soll Teil der persönlichen Transformation sein, dass sich die Menschen «klimaverträglich» ernähren. Ein Kritiker moniert, dass bei der «Grossen Transformation» die «allmähliche Transformation der bürgerlichen Demokratie in eine Erziehungsdiktatur» zu befürchten sei.

Der Begriff der Transformation erinnert einerseits an den Maoismus und den Kadersprech des «Kommunistischen Bundes Westdeutschland» (KBW), der den «unterdrückten Massen im Kapitalismus» in den 70er Jahren Mao’s «Rote Bibel» nahebringen wollte. Er passt aber auch zu der unterschwellig esoterischen Befindlichkeit wachsender Teile der Bevölkerung. Transformation ist ein Begriff der Esoterik und des New Age-Denkens. Ein zentrales Buch der Esoterik aus den 80er Jahren trug den Titel «The Aquarian Conspiracy: Personal and Social Transformation in the 1980». Marylin Ferguson, die Autorin, kündigte eine kommende tiefgreifende gesellschaftliche Transformation an, die durch New Age- Anhänger eingeleitet werde.

Für den Esoteriker ist Transformation mehr als ein persönlicher Vorgang und für den Ökologisten ist Transformation mehr als ein politisches Anliegen. Beiden geht es um ein ganzheitliches oder «holistisches» Geschehen: Mit dem einzelnen Menschen soll das ganze System verwandelt werden (Esoterik), beziehungsweise: Mit dem ganzen System soll der einzelne Mensch verwandelt werden (Klima-Ökologismus). In beiden Fällen ist es der Mensch, der sich und die Welt erlöst. Der Klima-Ökologismus, New Age und Esoterik speisen sich aus denselben Quellen. Der Öko-Esoteriker und Bestseller- Autor Fritjof Capra, ein Physiker, ist mit seinem «holistischen Ansatz» sowohl ein Vordenker der Esoterik- wie der Ökologiebewegung. Etliche Formulierungen in dem Klimatext erinnern an esoterische Überspanntheiten. So etwa, wenn von «planetarischen Leitplanken» die Rede ist, die «durchgängig zu einem handlungsleitenden Motiv der UN» zu erheben seien.

Auch wenn es heisst, es gelte, «die komplexen Interdependenzen der Weltgesellschaft im Rahmen der planetarischen Grenzen zu verstehen», und die Etablierung einer «gerechten Weltordnung » gefordert wird, dann spiegelt sich darin passgenau die heutige Selbsterlösungsbefindlichkeit. Einerseits ist da die Hybris des Anspruchs, die ganze Welt zu retten. Andererseits das antivernünftige Wortgeschwurbel esoterischer Seelenfängerei. Die radikalen Forderungen des Textes kommen als ideologisch verquaster Sprachwust daher. Manches mutet an wie schierer Dadaismus. Und doch ist es eine akribisch-systematische Anleitung, wie eine totalitäre Ideologie Zug um Zug Realität werden soll. Wären das die Phantasien eines etwas überdrehten Gymnasiasten: Man könnte darüber hinwegsehen. Die Forderungen werden aber von einflussreichen Personen erhoben. Die «Grosse Transformation» wurde im Auftrag der Bundesregierung erstellt. Wenn man sich die dargestellten Umsetzungsstrategien anschaut, wird deutlich, wie vieles längst in der Praxis angewendet wird.

Der Weg der Ökologisten durch die Institutionen erinnert an jenen der Gender- Mainstream-Ideologen. Diesen ist es längst gelungen, ihr Anliegen in sämtliche gesellschaftliche Bereiche zu implementieren: vom Kindergarten über die Politik und Verwaltung, Bildung und Medien, Schule, in Wissenschaft und Forschung: alles Gender. Die Gender-Politisierung von Verwaltung, Bildung, Staat und Wirtschaft kostet den Steuerzahler Milliarden. Kaum ein Rathaus ohne Gender-Beauftragte. Dasselbe trifft auf die «Dekarbonisierungspolitik » der «Klimaschützer» zu. Sie belastet die Staatshaushalte und die Wirtschaft schon jetzt mit kaum vorstellbaren Milliardenbeträgen. Bis 2030 soll die Grosse Transformation «jährlich bis 1000 Milliarden US-Dollar kosten», schreiben die Klimapioniere. Im Zeitraum von 2030 bis 2050 liege der Betrag «noch deutlich darüber». Ideologie ist ein teures Vergnügen. Ideologische Politik erhöht die ohnehin heillos überzogene Staatsquote und mindert die Vitalität der Volkswirtschaft. Hemmungsloses Geldausgeben für buchstäblich Nutzloses kann auch einmal über Wohl und Wehe einer Volkswirtschaft entscheiden. Man könnte meinen, es gelte, die moderne Industrie- und Technologiegesellschaft abzuschaffen, indem deren Effizienz so lange untergraben wird, bis das System kollabiert. Dass die Menschen auf Ideologien hereinfallen, kostet Geld. Am teuersten kommt die Gesellschaft die Gottlosigkeit zu stehen. Man stelle sich einmal vor, die Menschen eines Landes orientierten sich ernsthaft an den Zehn Geboten und es gelänge ihnen – halbwegs – diese zu befolgen. Die Kosten für Soziales, Sicherheit, Bildung, Prävention, Gesundheit, Strafvollzug würden nur noch einen Bruchteil betragen. Gottlosigkeit kostet den Staat ein Vermögen. Teurer wird es für den Einzelnen, es kostet ihn: das Leben.

Das Klima-Manifest konstatiert mit Befriedigung, dass das Anliegen mittlerweile «in der Mitte des gesellschaftlichen Diskurses angekommen» sei: «Viele staatliche Stellen sind mit Klimaschutz und Dekarbonisierung beauftragt », es gebe einen «globalen politischen Konsens» über die zu erwartende rasch erfolgende Erderwärmung. Mit Zufriedenheit stellen die Autoren «nahezu weltweit einen Siegeszug klimaverträglicher Reformansätze» fest. Es erweise sich als hilfreich, dass «der gestaltende Staat» den «Pionieren des Wandels Freiräume öffnet und sie aktiv fördert». Die Massnahmen werden ebenso wie sie selbst vom Steuerbürger bezahlt.

Die Transformationsideologie wendet sich gegen den Menschen. Beim christlichen Glauben geht es um das Individuum. Gott sieht den Einzelnen, sieht in sein Herz, will ihm den für ihn guten Weg weisen und ihn zurück in seine Gegenwart ziehen. Die Grosse Transformation in eine ökosozialistische Heilswelt wird dem Menschen nicht nützen und der Umwelt schaden. Auch der Weg zu einem guten ökologischen Handeln ist in der Bibel vorgezeichnet. Bis jetzt endete noch jeder Versuch des Menschen, die Welt zu verbessern, in einem totalitären Fiasko. Die Welt wartet nicht auf das dirigistische Denken einer «Grossen Transformation», für welche «Klima» und «Natur» die Vehikel sind, um sich machtvoll zu inszenieren. Die Welt, Mensch und Natur warten auf Erlösung. Paulus berichtet davon, dass «die ganze Schöpfung seufzt». Sie seufzt in ihrer Unerlöstheit. Noch wissen zu viele Menschen nicht, dass sie dieser Erlösung, von der die Bibel spricht, bedürfen.

Die Esoterik, und darin ist sie den (öko-)politischen Heilslehren gleich, missbraucht die tiefe Erlösungssehnsucht des Menschen. Die Menschen wissen insgeheim, dass sie der Erlösung bedürfen. Dieser gute menschliche Impuls wird missbraucht. Der Mensch, dem es damit ernst ist, die Welt zu verbessern, muss sich von Jesus ins Herz schauen lassen. Er wird keine grosse Lust mehr verspüren, anderen mit rigiden Gesellschaftsentwürfen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Er wird gut damit beschäftigt sein, sich von Gottes Geist erneuern zu lassen. Die Welt wird besser, wenn ein Mensch zu Gott umkehrt. Sie wird noch besser, wenn noch ein Mensch umkehrt. Das ist der Beginn einer Grossen Transformation, die mit Aufrichtigkeit, Demut und Gottes Hilfe möglich ist.

Thomas Lachenmaier, Factum, 06/2011, S. 11-15 (www.factum-magazin.ch)

Mit freundlicher Genehmigung des Schwengeler Verlages.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 20. September 2011 um 9:00 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Wirtschaftsethik.