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Offener Brief an den Ratsvorsitzenden der EKD

Donnerstag 7. April 2011 von Pastor Uwe Holmer


Pastor Uwe Holmer

Offener Brief an den Ratsvorsitzenden der EKD

Sehr verehrter Herr Vorsitzender,

ich bin dankbar fĂŒr meine evangelische Kirche. Ich bin in ihr getauft, konfirmiert und gelehrt worden. Und seitdem ich in der Landeskirchlichen Gemeinschaft eine bewusste Entscheidung fĂŒr ein Leben mit Jesus getroffen habe und meines Heils gewiss geworden bin, wurde es mir zur Freude und zum Auftrag, lebenslang den Dienst der VerkĂŒndigung des Evangeliums in unserem Land zu tun.

Zunehmend aber leide ich an unserer Kirche. Zunehmend nehmen Kirchenleitungen ihr WĂ€chteramt nicht wahr, dulden die Leugnung biblischer Heilstatsachen und sehen mit an, wie enttĂ€uschte glĂ€ubige Christen ihre Kirche verlassen. StĂ€ndig verliert unsere evangelische Kirche an Mitgliedern, an Einfluss sowie an Leucht- und Orientierungskraft. Das ist auch fĂŒr unser Volk ein tiefer Schaden. Mit dem neuen Pfarrdienstgesetz ist nun fĂŒr alle sichtbar eine biblische Grenze ĂŒberschritten. Das reformatorische „sola scriptura“, die alleinige Geltung der Heiligen Schrift als „Regel und Richtschnur fĂŒr Lehre und Leben“ in der evangelischen Kirche ist mit diesem Gesetz aufgegeben. Unsere Kirche soll aber nach Gottes Willen „die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit“ sein (1. Timotheus 3,15). Praktizierte HomosexualitĂ€t lĂ€sst sich mit den deutlichen Aussagen der Heiligen Schrift nicht vereinbaren.

Es gibt fĂŒr mich einen weiteren, wichtigen Grund dafĂŒr, dass ich homosexuelle Partnerschaft im Pfarrhaus ablehne: Ich will, dass meinen (Enkel-)Kindern das biblische Leitbild einer Familie mit Mann und Frau und Kindern vor Augen gestellt wird. Und ich wĂŒnsche und bete, dass sie es ĂŒbernehmen. Ich will aber nicht, dass das evangelische Pfarrhaus mit dem Anspruch des geistlichen Amtes ihnen nahelegt, homosexuelle Partnerschaft sei ebenfalls ein biblisches Leitbild. Gerade in der Zeit von PubertĂ€t und Konfirmation brauchen Kinder Vorbilder, die ihr Leben prĂ€gen. Vom Pfarrhaus soll biblische Weisung ins Land gehen.

Ich bin froh, dass meine mecklenburgische Kirche noch zurĂŒckhaltend ist in der Übernahme unbiblischer Lehren. Ich teile Ihnen aber mit: Sollte auch unsere Landeskirche bzw. die kommende Nordkirche ihre PfarrhĂ€user fĂŒr praktizierende homosexuelle Paare öffnen, werde ich mich keinem kirchlichen Vorgesetzten unterordnen, der diesem Gesetz zustimmt. Ich kann in ihm keinen Hirten sehen, der die Gemeinde „auf einer grĂŒnen Aue weidet und zum frischen Wasser“ fĂŒhrt.

Ich trete nicht aus der Kirche aus, sondern gehe in die innerkirchliche Opposition. Wo ich aber von Gemeinden und Gruppen zur VerkĂŒndigung gerufen werde, werde ich dem nach KrĂ€ften folgen. Und wo bekenntnistreue Gruppen endlich ihre Uneinigkeiten ĂŒberwinden und sich in den zentralen Glaubenslehren zusammenfinden, werde ich dabei sein. Wir haben da ja ein gutes Vorbild in der „Bekennenden Kirche“ der dreißiger Jahre. Da könnte dann auch Ernst gemacht werden mit dem Wort von der „ekklesia semper reformanda“, von der Kirche, die immer neu reformiert werden muss. Auch die Schrift von Martin Luther ist neu zu bedenken, dass eine Gemeinde Recht und Macht habe, alle Lehre zu beurteilen und Lehrer zu berufen. Gott kann sich dafĂŒr jĂŒngere, fĂ€hige Leute erwecken.

Das evangelische Pfarrhaus ist Jahrhunderte hindurch ein segensreiches Vorbild in unserem Volk gewesen. Diese Vorbildwirkung ist stark im Schwinden. Mit dem neuen Gesetz wĂŒrde es zu einem verhĂ€ngnisvollen Vorbild werden, dem sich viele christliche Eltern entziehen wĂŒrden. Bitte verstehen Sie, dass ich diesen Brief als einen offenen in die kirchliche Öffentlichkeit gebe. Ich tue es in der Hoffnung, dass BrĂŒder und Schwestern, die an einen Austritt aus der Kirche denken, es mir gleichtun und nicht austreten, sondern als „Protestanten“ ebenfalls Protest anmelden und zusammenrĂŒcken. Denn alles, was die Kirche schwĂ€cht, schwĂ€cht auch ihren Segensdienst in unserem Volk. Dieser Offene Brief ist zugleich ein Appell an die bekennenden Gruppen, sich zu einigen und bekennende Christen zu sammeln, damit sie ihre Kirche nicht verlassen. Erlauben Sie mir bitte noch einige erklĂ€rende Bemerkungen:

1. Ich will es auf keinen Fall bei der Ablehnung praktizierter HomosexualitĂ€t bewenden lassen. Ich denke positiv, vom biblischen Leitbild der Ehe her. Von daher sehe ich die SexualitĂ€t und die PolaritĂ€t von Mann und Frau als eine gute Gabe Gottes und freue mich ĂŒber die je eigenen Gaben, die Gott jeder Frau und jedem Mann gegeben hat. Ich halte es fĂŒr die Berufung Gottes und ein großes GlĂŒck fĂŒr den Menschen, eine liebevolle Ehe und eine fröhliche Familie zu erstreben. Es steht außer Zweifel, dass ein Volk viele gesunde Familien braucht. Deshalb ist eine Kirche von Gott her verpflichtet, das biblische Leitbild den Menschen vor Augen zu stellen.

2. Wer meinen Schritt als lieblose Diskriminierung von Homosexuellen versteht, irrt sich. Ich „gebe jedermann die Ehre“, auch dem Homosexuellen. Denn er ist wie ich zum Ebenbild Gottes berufen und von Gott geliebt. Aber homosexuelle Praxis kann ich nur als SĂŒnde sehen, vor der die Bibel warnt. Ich liebe meinen homosexuellen Mitmenschen auch darin, dass ich ihm gerne zu dem biblischen Leitbild von Ehe und Familie verhelfen möchte. Nach 1. Mose 1,27f hat Gott Mann und Frau zur lebenslangen Ehe geschaffen und begabt und zur Zeugung und Erziehung von Kindern berufen und gesegnet. Gott kann auch zur Kinderlosigkeit berufen. Aber HomosexualitĂ€t ist nach Gottes Wort keine Berufung, sondern Folge der allgemeinen Gottlosigkeit, an der der Betroffene oft nicht einmal selber schuld ist. Schon deshalb kann ich einen Homosexuellen nicht verurteilen. Ich muss ihn ermutigen, an der VerĂ€nderung seiner SexualitĂ€t in der Kraft des Heiligen Geistes zu arbeiten, bzw. wo es nicht gelingt, es den Schwestern und BrĂŒdern gleichzutun, die sich von Gott und unter seelsorgerlicher Begleitung die Kraft erbitten, zölibatĂ€r zu leben.

3. Die Öffnung der evangelischen PfarrhĂ€user und die öffentliche Anerkennung der HomosexualitĂ€t als christliche Lebensform trennt uns von der Ökumene. Die ĂŒberwiegende Mehrheit der christlichen Kirchen in der Welt sieht homosexuelle Praxis als nicht vereinbar mit der biblischen Lehre an.

4. Auch den Muslimen wird durch das neue Pfarrdienstgesetz der Zugang zur Kirche und ihre Integration in Deutschland versperrt. Dieses Gesetz steht allen BemĂŒhungen um Integration entgegen. Juden und Muslime sehen praktizierte HomosexualitĂ€t als GrĂ€uelsĂŒnde an. Es ist ihnen unmöglich, sich in eine Gesellschaft zu integrieren, die diese Lebensform als eine Schöpfungsvariante ansieht. Sieht die EKD eigentlich, wie sie durch dieses Gesetz den Muslimen den Zugang zu Glauben und Leben in Deutschland versperrt? Verachtung wĂ€re noch die mildeste Form der muslimischen Ablehnung.

5. Laut idea (Nr. 3, 2011) hat die PrĂ€ses der EKD-Synode Katrin Göring-Eckardt erklĂ€rt, dass die EKD-Synode mehrheitlich eine Position vertritt, die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften akzeptiert. Und der frĂŒhere EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock meinte, auf die Dauer wĂŒrden sich alle Landeskirchen fĂŒr Pfarrer in homosexuellen Partnerschaften öffnen. Kock wörtlich: „Das wird nicht aufzuhalten sein. Gut so, sage ich“. Die Zielrichtung der EKD ist also klar. FĂŒr mich ergibt sich daraus: Widerstand im Namen des Herrn nach dem Vorbild der Reformatoren, der VĂ€ter der Bekennenden Kirche und der jĂŒngsten ErklĂ€rung der acht Altbischöfe.

Im Dienst unserer Kirche Ihnen verbunden

grĂŒĂŸe ich Sie

Ihr Uwe Holmer

Anlass des Offenen Briefes von Pastor Uwe Holmer (Serrahn/Mecklenburg) an PrÀses Nikolaus Schneider, den Ratsvorsitzenden der EKD, ist das von der EKD-Synode im Herbst des vergangenen Jahres beschlossene Pfarrdienstrecht, das es den Landeskirchen ermöglicht, das Zusammenleben homosexueller Partner im Pfarrhaus zu gestatten.

Pastor Uwe Holmer leitete von 1983 bis 1991 die diakonische Einrichtung Lobetaler Anstalten bei Berlin. Außerdem war er Vorsitzender der Evangelistenkonferenz in der DDR und Mitglied des Hauptvorstandes der Deutschen Evangelischen Allianz. Bekannt wurde er durch das wohl ungewöhnlichste „Kirchenasyl“ in der deutschen Geschichte: Holmer nahm Anfang 1990 den obdachlos gewordenen Ex-DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker (1912-1994) und dessen Frau Margot in seinem Pfarrhaus in Lobetal auf.

Quelle: idea-Spektrum, Onlineausgabe vom 29.03.11 (www.idea.de/holmer)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 7. April 2011 um 12:48 und abgelegt unter Kirche.