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‚Sexuelle IdentitĂ€t‘ ins Grundgesetz?

Freitag 29. Januar 2010 von Dr. med. Christl R. Vonholdt


Dr. med. Christl R. Vonholdt

Mehrere Parteien im Deutschen Bundestag (BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, SPD, Die Linke) haben einen Antrag zur Änderung des Grundgesetzes gestellt: Artikel 3, Absatz 3 soll um das Merkmal „sexuelle IdentitĂ€t“ wie folgt ergĂ€nzt werden: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner sexuellen IdentitĂ€t, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (Vorgeschlagene ErgĂ€nzung kursiv.) In den AntrĂ€gen umfaßt die „sexuelle IdentitĂ€t“ „Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, transsexuelle und intersexuelle Menschen“.(1)

1. Was ist „sexuelle IdentitĂ€t“?

Die „sexuelle IdentitĂ€t“ ist nicht angeboren. Sie ist weder ein einheitliches noch ein objektives Merkmal.(2) Die Sexualwissenschaften gehen davon aus, daß ein Mensch sich selbst eine sexuelle IdentitĂ€t zuschreibt aufgrund seines persönlichen sexuellen Begehrens („sexuelle Orientierung“) und seines sexuellen Verhaltens. Allerdings ist der Zusammenhang nicht zwingend: Es gibt Menschen mit homosexuellem Begehren und/oder Verhalten, die dennoch fĂŒr sich eine heterosexuelle IdentitĂ€t in Anspruch nehmen. Zudem sind sexuelles Begehren, sexuelles Verhalten und sexuelle IdentitĂ€t im Lauf eines Lebens mehrfach wandelbar. Renommierte Sexualwissenschaftler sind aufgrund ihrer Forschung der Auffassung, daß die „sexuelle IdentitĂ€t“ weder klar definierbar noch objektiv meßbar ist.(3) Je nachdem, welche Rechte jemand in Anspruch nehmen will, kann er sich selbst zur Minderheit mit dem Merkmal „sexuelle IdentitĂ€t“ zĂ€hlen oder nicht. Die Soziologin Pepper Schwartz schreibt: „Da die sexuelle IdentitĂ€t rein subjektiv ist, kann sie letztendlich niemals jemand anderem als der betreffenden Person bekannt sein
“(4)

2. Eine staatliche Schutzfunktion fĂŒr persönliches Begehren und sexuelles Verhalten?

Das im GG ausdrĂŒcklich erwĂ€hnte Merkmal „Geschlecht“ ist ein objektives Merkmal, es schĂŒtzt jedes einzelne menschliche Individuum.(5) Es gibt keinen Grund, warum verschiedenes subjektives sexuelles Begehren und persönliche sexuelle Verhaltensweisen grundgesetzlich unter Schutz zu stellen wĂ€ren. Von Ausnahmen abgesehen, hat der moderne Staat im Schlafzimmer Erwachsener nichts zu suchen. Die Ehe als sexuelle Gemeinschaft wird nicht deshalb vom GG besonders geschĂŒtzt, weil sich der Staat hier um persönliche sexuelle Verhaltensweisen kĂŒmmern wĂŒrde, sondern weil die Ehe der Ort ist, in dem Kinder nicht nur geboren werden, sondern auch am besten aufwachsen können. Wie keine andere Gemeinschaft trĂ€gt die Ehe zur ZukunftsfĂ€higkeit der Gesellschaft bei.

3. Ist PĂ€dophilie eine „sexuelle IdentitĂ€t“?

In den AntrĂ€gen umfaßt die „sexuelle IdentitĂ€t“ „Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, transsexuelle und intersexuelle Menschen“. Der FDP-Rechtspolitiker Sebastian Kluckert weist aber darauf hin, daß in diese Kategorie auch „Sodomisten oder PĂ€dophile“ fallen können.(6) PĂ€dophile Gruppen sehen ihre sexuelle PrĂ€ferenz als „sexuelle IdentitĂ€t“.(7) Zu den prominenten UnterstĂŒtzern der GG-Änderung gehört der Soziologieprofessor RĂŒdiger Lautmann, der sich seit langem fĂŒr eine Akzeptanz pĂ€dophiler Lebensformen einsetzt.(8) Wie will unsere Gesellschaft dann Kinder noch vor angeblich „einvernehmlichen“ sexuellen

Akten mit Erwachsenen schĂŒtzen, wenn der Schutz der „sexuellen IdentitĂ€t“ im GG verankert ist? Hier gilt: „Sexuelle IdentitĂ€t“ im GG kann dazu fĂŒhren, daß TĂ€terschutz vor Opferschutz geht!

4. Ein Ehe- und Familienrecht fĂŒr Bisexuelle?

Wenn im GG steht, daß niemand aufgrund seiner „sexuellen IdentitĂ€t“ benachteiligt werden darf, muß das gesamte Ehe- und Familienrecht geĂ€ndert werden, um Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transgendern und Transsexuellen eine gleichberechtigte „Ehe und Familie“ zu ermöglichen. Ein LPartG fĂŒr Bisexuelle wĂ€re vielleicht der nĂ€chste Schritt.(9) Schon 2007 hat die „GrĂŒne Jugend“ (Nachwuchsorganisation von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen) eine gesetzlich festgeschriebene homosexuelle Ehe, polygame Ehe, Gruppenehe (bisexuelle Ehe) und Geschwisterehe mitsamt allen Familienrechten gefordert.(10) Die europĂ€ische Organisation ILGA (International Lesbian and Gay Association) fordert, daß es möglich sein muß, daß ein Kind mehr als zwei Eltern hat.(11) Welche Auswirkungen hat dies fĂŒr das Kindeswohl?

5. Orientierungslosigkeit fĂŒr Kinder und Jugendliche

In VorpubertĂ€t und PubertĂ€t haben viele Jugendliche entwicklungsbedingt Unsicherheiten in Bezug auf ihre IdentitĂ€t und ihre sexuelle IdentitĂ€t. Wenn alle sexuellen IdentitĂ€ten als gleich im GG verankert sind, wird das in Kindergarten- und SchulbĂŒchern so vermittelt werden mĂŒssen. Den Kindern wird damit das Leitbild der monogamen Ehe (ein Mann und eine Frau) als Orientierung fĂŒr ihr Leben genommen. Kinder lernen nicht mehr, daß EhefĂ€higkeit eine kulturelle Leistung ist, die erst entwickelt werden muß. Da alle sexuellen Lebensweisen gleich sind, werden viele Jugendliche sexuell mehr experimentieren – mit allen damit verbundenen gesundheitlichen und seelischen Risiken. Die Verunsicherungen ĂŒber die eigene IdentitĂ€t werden dadurch zunehmen.

6. Fazit

Aufgrund der dargelegten Bedenken ist eine Erweiterung des GG um das Merkmal „sexuelle IdentitĂ€t“ abzulehnen.

(1) GesetzentwĂŒrfe fĂŒr den Bundestag: Die Linke 20.01.2010, SPD, 15.12.2009, BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen, 27.11.2009; von den LĂ€ndern Berlin, Bremen, Hamburg gibt es einen solchen Gesetzentwurf vom 29.9.2009.

(2) In den Sexualwissenschaften gilt die sexuelle IdentitĂ€t als sexuelle Selbstzuschreibung von MĂ€nnern und Frauen. Diese kann in Übereinstimmung mit sexuellem Begehren und/oder sexuellem Verhalten gewĂ€hlt werden oder in bewußter Dissonanz dazu. Es ist irrefĂŒhrend, wenn die GesetzentwĂŒrfe behaupten, unter die Kategorie „sexuelle IdentitĂ€t“ wĂŒrden „Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, transsexuelle und intersexuelle Menschen“ fallen. Dabei werden „sexuelle IdentitĂ€t“ und „geschlechtliche“ IdentitĂ€t in eins gesetzt, obwohl sie Verschiedenes sind. Bei Lesben, Schwulen, Bisexuellen geht es tatsĂ€chlich um die gewĂ€hlte sexuelle IdentitĂ€t. Transgender Menschen dagegen lehnen vor allem eine geschlechtliche IdentitĂ€t ab, sie möchten jenseits der Kategorien „Mann“ und „Frau“ leben. Transsexuelle wiederum haben ein biologisch eindeutiges Geschlecht, wĂŒnschen sich aber, sie wĂŒrden zum anderen Geschlecht gehören. Intersexuelle Menschen sind MĂ€nner oder Frauen, deren Fortpflanzungsorgane durch sehr verschiedene biologische Krankheiten so verĂ€ndert sind, daß sie meist fortpflanzungsunfĂ€hig sind. In einigen FĂ€llen ist die Krankheit so gelagert, daß nicht feststellbar ist, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt.

(3) Z.B. Lautmann, E.O., The Social Organization of Sexuality, Chicago 1994; Haeberle, E.J., BisexualitÀten, Stuttgart 1994.

(4) Schwartz, P., Blumstein, P., Der Erwerb sexueller IdentitÀt: BisexualitÀt, in: Haeberle, a.a.O., S. 214.

(5) Auch Intersexuelle sind durch das Merkmal Geschlecht geschĂŒtzt, sie sind nicht geschlechtslos.

(6) In: „Sexuelle IdentitĂ€t soll vom Grundgesetz geschĂŒtzt werden“, Tagesspiegel, Berlin, 25.06.2009

(7) Z.B. http://agpd.net/wir.html; http://www.schicksal-und-herausforderung.de/was-ist-paedophilie/paedophilie-einesexuelle-orientierung.html

(8) Lautmann, R., Die Lust am Kind, Hamburg 1994. Neben Lautmann setzten sich auch andere prominente Vertreter der LGBT-Bewegung fĂŒr eine Akzeptanz pĂ€dophiler Lebensformen ein, so Helmut Graupner, VizeprĂ€sident fĂŒr Europa der International Lesbian and Gay Law Association, siehe dazu: J. of Homosexuality, 1999, 37-4, S. 203-215.

(9) Formen bisexueller Ehe wurden bereits wÀhrend der Beratungen zum LPartG im Bundestag von der damaligen PDS-Abgeordneten Christina Schenk (heute Christian Schenk) gefordert.

(10) www.gruene-jugend.de/aktuelles/beschluesse/395818.html

(11) „Familien, PartnerInnenschaften, Kinder und die EuropĂ€ische Union“, hrsg. von ILGAeurope, April 2003, S. 39.

Dr. med. Christl R. Vonholdt
© Deutsches Institut fĂŒr Jugend und Gesellschaft, DIJG
64385 Reichelsheim
www.dijg.de

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 29. Januar 2010 um 22:34 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik.