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„Praktizierte Homosexualität ist keine Sünde“

Sonntag 27. September 2009 von Pfr. Dr. Tobias Eißler


Pfr. Dr. Tobias Eißler

„Praktizierte Homosexualität ist keine Sünde“.
Eine Stellungnahme von Pfarrer Dr. Tobias Eißler, Gunzenhausen

Unter der Voraussetzung, dass die Angaben der IDEA-Pressemeldung vom 17.9.09 korrekt sind, ist zu der Äußerung des theologischen Referenten Volker Faigle folgendes zu sagen:

1. Faigle spricht von einem „Dilemma“, obwohl es von den biblischen Texten her gesehen kein Dilemma gibt, sondern nur eine eindeutige Auskunft. Das „Dilemma“, von dem er spricht, besteht darin, dass die Bibel praktizierte Homosexualität verbietet, die heutige Kirche aber den entsprechenden Lobbygruppen und ihrer Lebenspraxis entgegenzukommen geneigt ist. Die naheliegende Vermutung, der Grund dafür sei reiner Opportunismus, lässt sich schwerlich von der Hand weisen.

2. Wenn die Äußerungen der Bibel zu dieser Frage der Lebensgestaltung als „durchweg negativ“ bezeichnet werden, ist dies sachlich korrekt. Gleichzeitig aber wird die Konkretheit und Klarheit der Textaussage verschleiert, dass der lebendige, heilige Gott solche Lebenspraxis als „Gräuel“ (Lev 19,18) verabscheut und die Praktizierenden konsequenterweise aus seiner Gottesherrschaft ausschließt (1.Kor 6,9).

3. Tatsächlich hat der Apostel Paulus die alttestamentliche Ächtung praktizierter Homosexualität bestätigt, und zwar als besonders eindeutige Folge der Verkennung des Gegenüber des Geschöpfes zu seinem Schöpfer, nicht nur unter Männern, sondern auch unter Frauen, die gleichzeitig eine Art von Selbst-Schändung des Menschen im Sinne eines beginnenden Gerichtshandelns Gottes zu verstehen ist (Rö 1,27). Andererseits hat der Apostel den Betroffenen den befreienden Ausweg der Rechtfertigung und Heiligung durch Christus und damit der Annahme bei Gott aufgezeigt, der für alle Sünder und jeden Menschen der einzig mögliche befreiende Ausweg ist (1.Kor 6,11).

4. Dass die gesamte Bibel im Lichte der Christus-Offenbarung zu interpretieren ist, darf als unbestrittener evangelischer Grundsatz gelten. Dieser Grundsatz wird aber schon da falsch angewandt, wo die Evangelientexte nicht sorgfältig genug befragt werden nach der Sichtweise von Jesus. Jesus lehrt, dass aus dem Menschenherzen das Unreine kommt, darunter auch „Unzucht“, sprich: sexuelle Verfehlungen aller Art (Mt 15,19). Wenn Jesus sich eindeutig zur Zusammengehörigkeit von Mann und Frau nach dem Willen des Schöpfers bekennt, ist das eine klare Absage an eine Umpolung dieser Grundbeziehung in die Gleichgeschlechtlichkeit (Mt 19,4-6). Dazu kommt, dass Jesus vor dem Höllenschicksal Sodoms warnt (Mt 11,13f) und Sodom bekannt ist für die Sünde der praktizierten Homosexualität (Gen 19,5).

5. Der Grundsatz, dass die Bibel von der Lehre Jesu her zu verstehen ist, wird da erst recht falsch angewandt, wo pauschal behauptet wird, Jesus habe alle Gesetze in Frage gestellt. In der Bergpredigt stellt Jesus klar, dass er nicht gekommen ist, „das Gesetz oder die Propheten aufzulösen“, „sondern zu erfüllen“ (Mt 5,17). Diese „Erfüllung“ schließt zwar die Freiheit vom Zeremonialgesetz ein, das Jesus nicht mehr auslegt oder einfordert. Durch die Auslegung und Einschärfung des fünften und sechsten Gebots jedoch zeigt Jesus, dass die ethische Weisung des Alten Testaments auch im kommenden Reich Gottes gilt, und zwar noch viel tiefgründiger, als man bisher dachte.

6. Dass das Liebesgebot über der Gesetzeserfüllung stünde, ist eine Fehlinterpretation. Denn Jesus erklärt selbst, dass erstens durch die Beachtung der ganzheitlichen Ausrichtung des Menschen auf Gott und zweitens durch die Zuwendung zum Mitmenschen eben jener Wille Gottes erfüllt wird, der im alttestamentlichen Gesetz und bei den Propheten ausführlich dargelegt ist (Mt 22,37-40). Richtig formuliert Paulus, dass die Liebe das Gesetz erfüllt, nicht etwa aufhebt (Rö 13,10).

7. Wer mithilfe von Gal 3,28 die Ächtung der praktizierten Homosexualität in Rö 1,27 außer Kraft setzen will, unterstellt dem Apostel einen derart krassen Selbst-Widerspruch, dass man eigentlich weiterfragen müsste, ob denn nun die Botschaft des Galaterbriefs oder des Römerbriefs Gültigkeit beanspruchen dürfe. Freilich ist diese Frage überflüssig, weil Römerbrief und Galaterbrief dasselbe Evangelium verkünden und diesselbe ethische Linie vertreten. Die Aussage Gal 3,28 von der Einheit von Menschen verschiedener Herkunft, verschiedener sozialer Stellung und verschiedenen Geschlechts in dem Menschen und Mann Jesus Christus bezieht sich auf die Frage nach der Rettung vor der unausweichlichen Anklage des Gesetzes und beschreibt den rettenden geistlichen Standort und das geistliche Sein in dem Herrn. Damit ist die handgreifliche Realität verschiedener Herkunft, sozialer Stellung und verschiedenen Geschlechts im konkreten Gemeindeleben keineswegs aufgehoben, wie die Haustafeln mit ihren Anweisungen an Ehemann, Ehefrau, Kinder und Sklaven vor Augen führen (Eph 5,21-6,8; Kol 3,18-4,1; Tit 2,2-10; 1.Petr 2,18-3,7).

8. Die Forderung, die Kirche müsse ihr „Nein“ zu praktizierter Homosexualität in ein „Ja“ umwandeln, erinnert an das Prophetenwort Jes 5,20: „Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen“. Die bewusste Umwertung der klaren Worte, Werte und Bewertungen aus dem Mund Gottes durch den Menschen lässt ihn gerichtswürdig werden.

9. Die Kirche Jesu, die die Meinungsäußerung Gottes zu diesem Thema vertritt, leistet damit nicht etwa der Abwertung von Menschen dieser speziellen Prägung Vorschub. Vielmehr orientiert sie sich an dem Vorbild von Jesus, der gerade auf „Zöllner und Sünder“ zugegangen ist und so manchen Menschen eben durch die Konfrontation mit dem Gesetz Gottes und mit der befreienden Vergebung für das Reich Gottes gewonnen hat, wie sich etwa am Beispiel des geldgierigen Zöllners Zachäus studieren lässt. Die Ausblendung des Gesetzes dagegen führt erstens dazu, dass der falsch informierte Mensch dem Gericht verfällt, und zweitens dazu, dass das rettende Wort vom Kreuz vollkommen überflüssig wird.

10. Wenn der theologische Referent des Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Bundesrepublik einen solchen Beitrag liefert zur Auflösung von Gesetz und Evangelium, ist das auch ein Beitrag zur Desorientierung von Politikern und zur Beeinflussung der Öffentlichkeit im Gegensatz zum eigentlichen Auftrag der Kirche Jesu.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 27. September 2009 um 10:38 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Kirche, Sexualethik.