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Adoptionsrecht f├╝r Gleichgeschlechtliche?

Donnerstag 14. Februar 2008 von Die Tagespost


Die Tagespost

J├╝rgen Liminski
Adoptionsrecht f├╝r Gleichgeschlechtliche?

Ein Urteil des Europ├Ąischen Gerichtshofs f├╝r Menschenrechte gibt den Gender-Ideologen Auftrieb und beschert uns in K├╝rze eine Debatte, deren Ausgang die Gesellschaft ma├čgeblich pr├Ągen wird. Der Ausgang der Hessenwahlen, die neue Macht der Linken, Erdogans ÔÇ×AssimilationsÔÇť-Rede: An Diskussionsstoff mangelt es derzeit wahrlich nicht.┬áDoch wenn sich die Aufregung dar├╝ber erst einmal wieder gelegt hat, kommt eine neue Debatte ├╝ber Ehe und Homo-Ehe auf die Deutschen zu. Daf├╝r werden die Medien schon sorgen. Denn im Schatten der Wahlen und nahezu unbemerkt ist ein Urteil ergangen, das, wie ein Blick auf einschl├Ągige Internet-Seiten zeigt, in der Schwulen- und Lesbenszene klammheimliche Freude ausl├Âst. Kein geringerer als der Europ├Ąische Gerichtshof f├╝r Menschenrechte hat den Gleichgeschlechtlichen ein Adoptionsrecht zugesprochen. Die Begr├╝ndung f├╝r dieses Urteil: Bei der Adoption von Kindern d├╝rften Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung nicht diskriminiert werden. F├╝r die Homo-Lobby geht damit eine Rechnung auf. F├╝r sie hat sich der jahrelange Einsatz und Kampf um die EU-Richtlinie f├╝r ein Antidiskriminierungsgesetz mit der entsprechenden Passage zur Geschlechtlichkeit politisch voll ausgezahlt.

Mit diesem Urteil wird man auch in Deutschland das gleiche Recht verlangen und notfalls einklagen. Darauf sollte man sich einrichten und argumentativ wappnen. Es geht um das Eingemachte. Die Gender-Ideologen, die die naturgegebenen geschlechtlichen Unterschiede negieren, werden versuchen, die Institutionen Ehe und Familie weiter zu relativieren.

Der Stra├čburger Richterspruch ist eine doppelte Anklage

In der Tat, der Spruch von Stra├čburg ist eine doppelte Anklage. Angeklagt wird die Natur. Zum einen bezichtigt man sie der Diskriminierung, weil sie die Menschen so geschaffen hat, wie sie sind, n├Ąmlich als Mann und Frau. Zum zweiten wird sie angeklagt, die Kinderseelen so beschaffen zu haben, da├č Kinder beide Elternteile brauchen, Vater und Mutter. Das wollen die Epigonen der 68er nicht wahrhaben. Von Sartre und Beauvoir haben sie gelernt, dass man nicht als Frau geboren, sondern von der Gesellschaft zur Frau gemacht werde (Simone de Beauvoir) und da├č die Natur des Menschen ├╝berhaupt nicht existiert (Sartre). Diesen willk├╝rlichen Grunds├Ątzen des Existenzialismus steht eine an der Wirklichkeit orientierte Wissenschaft gegen├╝ber. Zum Beispiel beim Kind: Die Entwicklungspsychologie hat schon lange erkannt, was die Psychologen die Triangulation nennen, die Dreierbeziehung zwischen Mutter, Vater, Kind. Das Kind braucht beide Vorbilder zur Identit├Ątsfindung und zur sp├Ąteren Partnerwahl. Mann und Frau denken und f├╝hlen unterschiedlich, eine Binsenweisheit, die von der Hirnforschung und Psychologie vielfach wissenschaftlich bewiesen wurde. Kinder von gleichgeschlechtlichen Paaren betreuen und erziehen zu lassen verst├Â├čt gegen diese wissenschaftlichen Erkenntnisse. Da├č ein verschwindend kleiner Teil der Menschen sich die Naturgesetze nach eigenem Gusto zurechtlegt, kann der Gro├čteil der Menschheit noch tolerieren, sofern andere nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Das ist bei Kindern allerdings der Fall. Deshalb hat das Urteil des Stra├čburger Gerichtshofs mit Recht und Anti-Diskriminierung nichts, mit Ideologie und Willk├╝r aber sehr viel zu tun.

Hier st├Â├čt das von Ideologen gesetzte Recht an seine nat├╝rliche Grenze. Wer jedoch die Natur nur f├╝r die Umwelt akzeptiert, f├╝r den Menschen aber nicht, f├╝r den ist das positivistische, von Menschenhand gesetzte Recht die oberste Richtschnur. Da dieses positivistische Recht de facto unbegr├╝ndet ist, sich ihm aber alle beugen sollen, ist es Willk├╝r. Diese Willk├╝r, zurechtgezimmert aus der Verabsolutierung pers├Ânlichen Fehlverhaltens, wird im Fall der Adoption zu Verhaltensst├Ârungen junger Menschen f├╝hren, so wie das vermeintliche Recht auf Abtreibung auch kein Gut ist, sondern den Tod von unschuldigen Personen nach sich zieht. Es r├Ącht sich, wenn die Natur vergewaltigt wird

Man kann, solange es um die Freiheit und um Menschenrechte f├╝r den Einzelnen geht, sich aus vielen Zw├Ąngen befreien und die Menschen haben das auch in den letzten Jahrhunderten erfolgreich getan. Aber ÔÇ×von der Natur k├Ânnen wir uns nicht emanzipierenÔÇť, wie Robert Spaemann richtig sagt. Wenn die Justiz wie jetzt als dritte Gewalt versagt und diese letzte Emanzipation, die eigentlich eine Emanzipation vom Sch├Âpfer ist, der Gesellschaft als Gesetz auferlegt, dann bleibt f├╝r diejenigen, die an die Natur des Menschen und somit an Gott glauben, nur der innere Widerstand. Es sei denn, die erste Gewalt, die Legislative, revidiert und pr├Ązisiert die entsprechenden Gesetze, also das Antidiskriminierungsgesetz. Das w├Ąre ein Punkt im Wahlprogramm einer Partei wert. Aber dazu geh├Ârt nat├╝rlich Mut.

Es ist offen, ob die Politiker in den C-Parteien diesen Mut aufbringen. In der CSU wird man ihn noch am ehesten und h├Ąufigsten antreffen. Immerhin hat die CSU vor dem Bundesverfassungsgericht eine Klage gegen die von Rot-Gr├╝n durchgesetzte Stiefkindadoption f├╝r homosexuelle Paare eingereicht. Bisher ist es in Deutschland den Schwulen nur erlaubt, als Einzelperson ein Kind zu adoptieren, weshalb auch immer nur ein Partner aus einer gleichgeschlechtlichen Verbindung das Sorgerecht hat. Mit der Klage, die der ehemalige Ministerpr├Ąsident Stoiber angestrengt hatte, wolle, so Stoiber, der Freistaat ein Zeichen f├╝r die absolute Priorit├Ąt des Kindeswohls setzen. Das k├Ânnte nun juristisch schwieriger werden. Man wird sehr viel mehr auf die Wissenschaft der Entwicklungspsychologen und der Geschlechterforschung setzen m├╝ssen. Und das ist gut so.

Die Debatte kommt, die Gr├╝nen wollen es, Teile der Linke und der SPD ebenfalls. Aber die Debatte lohnt sich. Denn mit ihr kann die Bedeutung der Ehe und der Familie f├╝r die Gesellschaft neu ins Bewu├čtsein der Allgemeinheit gehoben werden. Hier wird auch die Kirche eine besondere Rolle spielen. Je st├Ąrker sie sich dabei auf die Argumentation des fr├╝heren Anthropologen Johannes Paul II. und auf die Schriften und Arbeiten der p├Ąpstlichen Akademie der Wissenschaften st├╝tzt, umso durchschlagender wird der Erfolg sein. Man wird diejenigen, die eine Natur schlichtweg verneinen, kaum gewinnen k├Ânnen. Aber klare Argumente, von einzelnen Bisch├Âfen oder mehreren ver├Âffentlicht, k├Ânnen auch z├Âgerliche Politiker ├╝berzeugen.

Die Vorbereitung auf diese Auseinandersetzung ist umso wichtiger, als sie nicht nur auf nationaler Ebene gef├╝hrt wird. Die Homo-Lobby wird das Stra├čburger Urteil auch in anderen L├Ąndern umzusetzen versuchen. Und in der Br├╝sseler Kommission wird bereits jetzt an einer Versch├Ąrfung der Anti-Diskriminierungsrichtlinie gearbeitet. Die Auseinandersetzung wird also auch eine Nagelprobe f├╝r die Reichweite von EU-Kompetenzen sein. Bisher hat sich die EU im Bereich von Ehe und Familie zur├╝ckgehalten. Diese Zur├╝ckhaltung werden die Kommissare aufgeben. Wie diese Debatte laufen kann, daf├╝r bietet die Schweiz schon ein Beispiel. Vor gut zwei Jahren wurde bei den Eidgenossen ein Partnerschaftsgesetz verabschiedet, das gleichgeschlechtlichen Paaren eine ehe├Ąhnliche Liaison einr├Ąumt. Damals gewannen die Bef├╝rworter die Abstimmung mit der Zusicherung, da├č solchen Paaren keine Adoption erlaubt sein werde. Jetzt, nach dem Urteil von Stra├čburg, berufen sich die Homosexuellen auf das Anti-Diskriminierungsgesetz und verlangen eine ├änderung des Partnerschaftsgesetzes, um die Adoption zu erm├Âglichen. ├ähnlich war es in Deutschland und genauso wird es demn├Ąchst sein.

Die Tagespost 14.2.2008

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 14. Februar 2008 um 17:24 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik.