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Predigt zu Jesaja 12,1-6: Gottes Trost in Krisenzeiten

Freitag 30. September 2022 von Pfr. Ulrich Hauck


Pfr. Ulrich Hauck

Liebe Gemeinde! „Zu der Zeit wirst du sagen …“ mit diesen Worten beginnt die Botschaft Gottes durch den Propheten Jesaja. „Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen ĂĽber mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest.“ Wenn wir diesen Satz einmal leise nachsprechen, werden wir ein Unbehagen spĂĽren! Wir werden uns fragen: Ich soll Gott danken, weil er zornig auf uns war? Hier noch einmal dieser Satz: „Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen ĂĽber mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest.“

Wie kann das Volk Israel dazu finden, Gott fĂĽr seinen Zorn zu danken?

Wir befinden uns im 8. vorchristlichen Jahrhundert. Israel ist geteilt in das Nord- und das Südreich. Der Prophet Jesaja wendet sich hier im Auftrag Gottes gegen das Nordreich, weil die Menschen dort vom wahren Glauben an den einen Gott abgefallen sind und sich Götzenbilder geschaffen hatten. Dazu hatten sie in der politischen Bedrängnis nicht auf Gott vertraut, sondern ihr Heil in politischen Bündnissen mit heidnischen Nachbarvölkern gesucht. Sie hatten Gott nicht mehr vor Augen und nicht mehr im Sinn. In ihrer Selbstherrlichkeit meinten sie, alles selbst zu schaffen. Und sie waren unbußfertig und nicht bereit umzukehren. Hören wir kurz hinein, was Jesaja drei Kapitel zuvor feststellt: Aber das Volk kehrt nicht um … und fragt nicht nach dem HERRN Zebaoth. … Die Leiter dieses Volks sind Verführer, und die sich leiten lassen, sind verloren. … Die Bosheit lodert wie Feuer; das verzehrt Dornen und Disteln und zündet den dichten Wald an und gibt hohen Rauch.

In diese schlimme Situation hinein, ruft Jesaja dann diese Botschaft: Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest.

Es beginnt mit den Worten: „Zu der Zeit“ oder „An jenem Tage“. Dies ist also ein prophetischer Blick in die Zukunft. Es ist die Schau auf eine heilvolle Zeit, noch mitten in dunkelster Stunde.

„Der Glaube ist ein Vogel, der singt, auch wenn die Nacht noch dunkel ist“, so heißt es in einem indischen Sprichwort.

Das ist ja das Besondere am Glauben, dass Gott alle seine VerheiĂźungen wahr macht. So war das bereits zu der Zeit als Gott mit Abraham einen Bund geschlossen hat. Und ebenso ist es auch im neuen Bund so, den Gott durch seinen Sohn Jesus Christus aufgerichtet hat.

Und so schaute der Prophet Jesaja die Zukunft und die sich erfüllende Verheißung Gottes und konnte deshalb in dunkelster Stunde Gott loben und preisen und all sein Vertrauen auf den HErrn setzen: Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen.

Ihr Lieben, dieses „Danklied der Erlösten“ steht unmittelbar nach der großen Weissagung des kommenden Messias und seines Friedensreiches. Lest zuhause einmal diese wunderbaren Kapitel 11 und Kapitel 12 im Zusammenhang und ihr werdet die tiefe Hoffnungsfreude spüren.

Und auch als Christen dürfen wir Gott loben, indem wir die Dinge vom Ende her betrachten. Wir dürfen in unserem Leben immer wieder die Glaubenserfahrung machen, wir dürfen und können Gott loben in schweren Zeiten und Stunden, nämlich im Hinschauen auf Gottes Verheißungen und deren kommende Erfüllung. Und das umso mehr, da wir den Heilsbrunnen Jesus Christus kennen.

Paul Gerhardt, der so freuden- und hoffnungsvolle Lieder wie „Du, meine Seele singe“ oder auch „Geh aus mein Herz und suche Freud“ gedichtet hat, der tat dies in den Dunkelheiten seines Lebens. Es war die Zeit des 30-jährigen Krieges. Er selbst war gerade 11 Jahre alt, als der Krieg ausbrach. Mit 12 Jahren verlor er seinen Vater, mit 14 Jahren seine Mutter. In seiner Ehe musste er mehrere seiner Kinder zu Grabe tragen. Paul Gerhardt, der Leben und Sterben in enger Verbindung erlebt, kann sich auch nach 30 Jahren Krieg, nach Zerstörung und Seuchen, nach Toten und Verletzten, nach Not und Entbehrungen, noch an der Schönheit der Schöpfung Gottes erfreuen:

„Schau an der schönen Gärten Zier“, fordert er uns auf. Und in „Du, meine Seele singe“ heißt es: „Hier sind die starken Kräfte, die unerschöpfte Macht; das weisen die Geschäfte, die seine Hand gemacht: der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer der Fisch unzählge Herde im großen wilden Meer.“

Er erfreut sich an den Bäumen, die voller Laub stehen, an den blühenden Blumen, am Zwitschern der Vögel, die ihre Jungen speisen, an den Bienen, die Honig produzieren, am Getreide, das auf den Feldern wächst. In allem, was die Schöpfung uns zu bieten hat, sieht er Zeichen von Gottes Güte. Solange das alles wächst und gedeiht, gibt es in diesem irdischen Leben noch genug Grund zur Freude. All dies lässt hoffen, dass das Leben – auch angesichts der Not, der Kriegsfolgen und des Todes – noch weitergeht und auf Ewigkeit angelegt ist.

Sind die Verheißungen Gottes und seine zugesagten Erfüllungen nicht auch das Geheimnis jenes Lobes, das der Apostel Paulus ausgerechnet im Gefängnis mitten in der Nacht anstimmte? Ging es ihm gut, fühlte er sich wohl? Nein – im Gegenteil. Sein Rücken war wund von den Peitschenhieben, seine Füße waren in den Marterstock gespannt. Ihn plagte der Gedanke, was aus den neu gegründeten Gemeinden werden sollte. Aber er lobte Jesus Christus statt zu jammern. Er biss nicht die Zähne zusammen und sagte sich: Da musst du durch! Nein, er lobte Jesus Christus und begann zu singen. Warum, liebe Gemeinde? Mit welcher Kraft und Zuversicht vertraute er auf Christus? Was für ein Glaube brachte ihm Zuversicht und Stärke in solch einer trostlosen Situation? Paulus wusste, dass er in all den physischen und psychischen Qualen auch in dem finsteren Loch des Gefängnisses nicht allein war. Er wusste sich gehalten von der Liebe und Gnade Jesu Christi: Christus wird mich nicht verlassen, er schenkt mir seine Kraft und wird mich nicht in Hoffnungslosigkeit stürzen. Der Apostel war davon überzeugt: Es hilft, Jesus Christus gerade auch in ausweglosen Augenblicken zu loben. Das hilft den Blick für Christus zu öffnen, selbst, wenn wir am Ende aller Wege und Sackgassen angekommen scheinen.

Wodurch war Paulus so glaubensgewiss? Dem Paulus war der von den Toten auferstandene und verherrlichte Christus vor den Stadttoren von Damaskus selbst begegnet und dadurch wurde sein Leben in Christus verwurzelt. Die Botschaft von der Auferstehung der Toten und die VerheiĂźung der kommenden Heilszeit mit einem neuen Himmel und einer neuen Erde, das gibt Kraft zum Lob Gottes, mitten in den Niederungen dieser Welt und deines Lebens.

Deshalb schrieb Paulus auch an die Gemeinde in Thessalonich (1. Thess 4,16ff), was Gott ihm offenbart hatte: Denn er selbst, der HErr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.

Liebe Gemeinde!

In dieser Perspektive und dieser Glaubensgewissheit gelingt es auch uns, zu Gott zu sprechen: Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest.

Ja, Jesaja spricht auch vom Zorn Gottes. Gott wird bis heute zornig über den Ungehorsam der Menschen. Machen wir uns bitte kein falsches Bild von Gott. Die Bibel spricht auch vom zürnenden Gott, der Sünde und Unrecht nicht duldet. Ebenso lässt Gott sich auch nicht abschieben in den Himmel oder gar für tot erklären. Er wird nicht akzeptieren, dass wir unser Leben, unser Zusammenleben und unsere Welt gestalten und prägen, als gebe es ihn nicht. Es ist für ihn ein absolutes Ärgernis, wenn wir uns über ihn erheben und wenn wir leben, denken und handeln, ohne seine Gegenwart, Allmacht und Herrlichkeit anzuerkennen.

Die Menschen im Nordreich Israel sind damals nicht umgekehrt zu Gott und mussten dann die schlimmen Folgen ihres Ungehorsams und Glaubensabfalls tragen. Sie wurden von den Assyrern besiegt, verschleppt und das Nordreich wurde ausgelöscht.

Wie ist das heute? In unserem Volk? In unserer Kirche? Bei dir persönlich?

Wir leben ja, nach vielen Jahren des Friedens und der Freiheit, jetzt wieder in einer Krisenzeit. Klimakrise, Coronakrise, Energiekrise, Ukrainekrise sind in aller Munde. Sind wir der Meinung, das alles hätte mit Gott nichts zu tun? Wie ist das mit dem Glaubensabfall in unserem Volk? Und wie ist der Glaubenspegel in den Kirchen selbst? Hat man da in den vergangenen Jahrzehnten nicht fast alle Wahrheiten des Glaubensbekenntnisses abgeräumt? Ist nicht die Schöpfungsordnung Gottes, gerade auch in Bezug auf Mann-und-Frau-Sein, auf Ehe und Familie, als nicht mehr gültig erklärt worden? Mit dem Argument, man wolle keinerlei Lebensform diskriminieren, erklärt man sich für bunt und divers. Man meint es besser zu wissen, als es im Schöpfungsbericht und den Geboten Gottes geschrieben steht. Selbst über Jesus Christus und die Apostel erhebt man sich, mit dem Argument, ihnen fehlten noch die richtigen Erkenntnisse. Spricht aber die lebensschädigende und lebenszerstörende Realität nicht eine andere Sprache. Wie viel Leid wird angerichtet, wenn Männer und Frauen ihre vorgegebene Identität nicht mehr finden? Oder wenn sie nicht mehr im gottgewollten Ehebündnis, sich die Treue versprechen und halten, bis der Tod sie scheidet? Wie viele Kinder leiden unter der Scheidung ihrer Eltern? Und warum sind die psychologischen Praxen überfüllt mit Kindern und Jugendlichen, die in ihrer Entwicklung mit den bunten und diversen Lebens-Vorbildern nicht mehr zurechtkommen?

Und gestern war in Berlin der Marsch des Lebens. 4.000 Menschen haben sich für den Schutz ungeborener Kinder und altgeworderner Menschen eingesetzt. Meint jemand, Gott ist nicht zornig, dass allein in Deutschland jährlich über 100.000 Kinder im Mutterleib abgetrieben werden? Und zugleich beklagen wir einen riesigen Fachkräftemangel von 3,5 Millionen Menschen. Es fehlen uns genau die Anzahl der Kinder, die wir seit den 90er Jahren getötet haben.

Alle Gebote Gottes werden mit FĂĽĂźen getreten! Gottes Zorn liegt ĂĽber Europa, ĂĽber unserem Volk, ĂĽber unseren Kirchen.

Ja, wir leben in einer Krisenzeit. Das griechische Wort „krisis“ bedeutet Gericht. Und im Gericht werden Urteile gefällt, da werden Entscheidungen getroffen. Wie stehen wir da in Gottes Gericht? Wir die Völker in Europa, wir als Volk, wir als Kirchen? Gottes Gericht und sein Zorn fordern uns heraus, uns dazu zu verhalten. Wir haben zu entscheiden, ob wir wieder umkehren wollen zu dem einen Gott, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat? Sind wir bereit umzukehren von mancherlei Götzen, fremden Religionen und falschen Wegen? Sind wir bereit, Buße zu tun über unseren Ungehorsam gegen Gottes Wort, damit unsere Sünden getilgt werden? (Mk 1,15; Apg 3,19)

Wenn wir das tun, dann ist jede Krise tatsächlich auch eine Chance.

Krise fordert Entscheidung. Nur wenn wir die richtige Entscheidung treffen, werden wir auch wieder auf dem richtigen Weg unterwegs sein und Orientierung für das Leben gewinnen. Wie Christus selbst gesagt hat: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“

Und wie ist das in deinem persönlichen Leben? Hast du gerade Krisenzeit? Bist du niedergeschlagen? Hat Du Leid? Bist Du krank?

Da empfiehlt uns Gottes Wort in Jakobus 5,13ff: Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ă„ltesten der Gemeinde, dass sie ĂĽber ihm beten und ihn salben mit Ă–l in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er SĂĽnden getan hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt also einander eure SĂĽnden und betet fĂĽreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Elia war ein schwacher Mensch wie wir; und er betete ein Gebet, dass es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate. Und er betete abermals, und der Himmel gab den Regen und die Erde brachte ihre Frucht.

Als Volk, als Kirche und jeder persönlich, in allen Lebensphasen, gerade auch in den schwierigen, sollen wir auf Gott schauen und auf sein Wort hören. Wir dürfen in allen Krisen Trost und Hoffnung schöpfen, indem wir zu Gott umkehren und im Gehorsam nach seinem Wort leben. Deshalb lasst uns als Gemeinde Jesu gerade dieses Gebet nach Jakobus miteinander halten.

Und im Hinblick auf seine Treue, seine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit dĂĽrfen wir auch immer mehr lernen, Gott fĂĽr alles in unserem Leben zu danken. Denn es gilt seine VerheiĂźung, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.

Dies immer mehr zu verinnerlichen, ist eine lebenslange Schule. Und wenn mir eine schwer erkrankte Glaubensschwester davon erzählt, dass sie beschlossen hat, ihre Krankheit und ihre Schmerzen von der kommenden Auferstehungsfeier im Jahr 2023 her zu betrachten, so hat sie genau das verstanden, was Jesaja in seinem prophetischen Wort getan hat. Von den Verheißungen Gottes her alles betrachten. Im Licht des Ostermorgens, in der Herrlichkeit der Auferstehung unser Leben betrachten, das gibt uns Trost, Hoffnung und Freude in allem Leide.

Und weil Gott alle seine VerheiĂźungen erfĂĽllen wird, dĂĽrfen wir jetzt schon einstimmen in das Lob Gottes, das der Prophet seinem Volk an den Horizont gemalt hat:

Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem HERRN, rufet an seinen Namen!

Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist!

Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen.

Solches sei kund in allen Landen!

Jauchze und rĂĽhme, du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist groĂź bei dir!

Amen.

Pfarrer Ulrich J. Hauck, Predigt zu Jesaja 12, 1-6 am Sonntag nach Trinitatis – 18.09.2022

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 30. September 2022 um 16:00 und abgelegt unter Predigten / Andachten.