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Predigt über 1. Mose 16: Blinde bringen keine Frucht, verführn die Schöne nur zur Flucht.

Freitag 16. September 2022 von Thomas Karker


Thomas Karker

Durch unser Volk zieht sich ein großer Umbruch. Kanzler Scholz sprach von der großen Veränderung der Wirklichkeit, von den neuen Normalitäten. Klaus Schwab, Chef des Weltwirtschaftsforums, spricht vom „Great Reset“, der neuen Weltordnung. Der geistige Denker dieser neuen Weltordnung, der Philosoph Yuval Harari, meint: „Die Überwachung wird euch frei machen!“ Es gibt sicher wenige, die nicht von all dem angesprochen und berührt sind, was sich momentan um uns herum ereignet. Die Nöte dieser Welt, wo sie auch aufbrechen, die müssen wir doch lösen können. Wir müssen ran. Wir müssen endlich diese Not abstellen.

Die meisten Leute sind von einer schier grenzenlosen Begeisterung, sie sagen: Das machen wir. „Yes we can!“ (Obama) Oder „Das schaffen wir!“ (Merkel) Wie selbstverständlich sagt man: Was wollen Sie denn überhaupt mit ihrer Bibel, mit ihrem Gott, das ist doch nebensächlich. Juden, Christen, Hottentott, wir glauben all an einen Gott! Lassen Sie doch die Religion aus dem Spiel. Hauptsache, wir müssen die Welt retten.

Woher kommt dieser grenzenlose Optimismus? Das ist die Religion unserer Tage, dieses Vertrauen auf sich selber. Unser Ich, die Dynamik des Diesseits! Noch klarer: Der vermessene Glaube an sich selbst. Es gibt keine Religion in unserer Welt, die bisher so vermessen war, dass sie dem Menschen solche ungeahnten Möglichkeiten, der Verwirklichung des Heils in dieser Welt, versprochen hätte. Jede Religion hat vielleicht ein Jenseits versprochen. Die vermessenste Religion unserer Tage: Der Glaube an sich selbst.

Das aber ist die brutalste Verspottung des lebendigen Gottes. Er lebt, dem diese Welt gehört. Menschen lachen und sagen: wo ist denn euer Gott der Liebe, wo ist denn der Gott, der alles so herrlich regieret.

Junge Menschen saugen das ja richtig auf, wenn man ihnen sagt: Du bist gut! Du kannst das, du hast Macht und musst die Welt gestalten, du kannst Heil und Frieden schaffen.

Dieses Gift der falschen Religion hat ja in uns allen Platz genommen. Wenn man sich unterhält und dann großspurig gesagt wird: Wir brauchen doch keinen Gott. Wir können den neuen Menschen doch selber schaffen. Diese maßlose Selbstüberschätzung, wenn man nur auf die eigene Kraft vertraut.

Diese Not der Selbstüberschätzung geht sogar durch die moderne Christenheit. Man sagt: Was soll denn das Händefalten, das Sammeln um die Bibel! Hauptsache, wir werden aktiv! Und dann kommen diese Aufrufe zur Weltveränderung. Merken wir gar nicht, dass wir dazu nicht in der Lage sind, weil wir viel zu schwach dazu sind.

O, was machen wir immer für Pläne, und dann reicht unsere Nervenkraft nicht dazu, unsere körperliche Kraft reicht nicht dazu, unsere seelische Kraft reicht nicht dazu.

Gerade für solche Leute gilt das Evangelium, für Zerbrochene. Was lesen wir bei Paulus: wenn ich schwach bin, bin ich durch Jesus stark. Ich möchte nüchtern und offen die Grenzen meiner Person sehen. Ich will nicht dieser verführerischen Irr-Religion unserer Tage erliegen, die den Menschen einredet, er könne das, und er kann gar nichts. Wir stoßen dauernd an die Grenzen unserer Kraft.

Das ganze Evangelium ist von einer großen Skepsis durchzogen gegen den Menschen. Nicht, weil hier der Mensch verächtlich gemacht werden soll, sondern im Gegenteil, weil Gott mehr aus uns machen will. Weil er den Menschen höher achtet als sein Ebenbild. Deswegen wollen wir uns heute damit beschäftigen.

Das ist die große Not unserer Christenheit, dass wir uns einbilden, wir könnten nur eine Stunde unseres Lebens ohne das Erbarmen Gottes zubringen. Nur einen Tag unseres Lebens gestalten, ohne nicht in allem der Gaben unseres Gottes bedürftig zu sein. Wir brauchen diesen Herrn, der für Elende da ist. Da ist dieser tiefe Graben zwischen den zwei verschiedenen Religionen: der Glaube an Jesus, der für Elende gestorben ist oder der Glaube an den frommen Menschen. Ich habe vier Punkte, die ich an dieser Hagar-Geschichte zeigen will.

1. Abraham ist ja nicht dumm, warum bist du nur so stumm?

Abraham, Sara und Hagar. Alle drei sind regelrecht blind geworden!

Abraham hat weit gesehen, bis in den Nachthimmel hinein und dort hat er die Sterne erkennen können, und er hat sie nicht gezählt. Und Gott hatte gesagt, siehst du die Sterne, kannst du sie zählen, so groß soll einmal deine Nachkommenschaft sein. Und er schaute mit einem Weitwinkel hinauf. Ein Sehender dieser Abraham. Die Sternstunde seines Lebens überhaupt. Damals war er 76 und inzwischen ist er 86 geworden, zehn Jahre sind ins Land gegangen, aber seine Nachkommen hat er nicht gesehen.

Es ist Gottes brutale Geduldsprobe mit glaubenden Menschen, dass er einen Jahr um Jahr warten lassen kann, dass er uns eine Verheißung gibt, von dem was werden wird.

Nicht ein einziger Sohn, geschweige denn eine Tochter ist angekommen. Nicht einmal ein Sternchen ist aufgegangen und er fragt sich: Wie lange soll ich eigentlich noch warten? Gott tut keinen Muckser. Gott rührt keinen Finger. Gott macht überhaupt keinen Rucker. Und so wurde Abraham blind für Gottes Wirken. Warten ist schwer, das stimmt. Warten, ist schwer. Franz Werfel sagt: Alles Warten ist ein Warten auf den Tod. Deswegen ist es so schwer. Er wartet und über diesem Warten wird dieser Abraham blind.

Der berühmte Maler Rembrandt hat in seinen bekannten Strichzeichnungen auch drei Bilder zu dieser Geschichte gemalt. Einmal, wie Sara die schöne Hagar dem Abraham zuführt. Das zweite Bild, wie sich Sara bei Abraham über die Hagar beschwert, und ein drittes Bild, wie die Hagar verlassen am Brunnen sitzt. Und auffallend in allen drei Bildern, so wie in diesem Text, ist Abraham keineswegs mehr die Hauptperson. Längst hat er die Zügel aus der Hand gegeben und die Frauen haben die Dinge in der Hand. Ein alter Ausleger sagt: Abraham sieht zwischen zwei stark knorrigen Frauen wirklich alt aus. Diese Frauen spielen die aktive Rolle. Sie spielen immer wieder die aktiven Rollen in der Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk.

Wer die Bibel kennt, weiß das schon lange. Abraham sieht nämlich nicht nur alt aus. Er ist es auch, fast zum Pantoffelheld heruntergewirtschaftet. Es gibt ja einen schwäbischen Ausdruck dafür: Lällepäpper. Das ist im Grunde unübersetzbar, aber einer der alt aussieht zwischen zwei stark knorrigen Frauen. Er, der nicht mehr agiert, sondern nur noch reagiert, so wie gerade die Frauen wollen. Er ist 86 Jahre mit knapp 70 Jahren hat er die Verheißung eines Sohnes bekommen und mit 76 Jahren bekam er die Bestätigung: Deinem Nachkommen will ich dies Land geben (1. Mose 15). Und Gott tut keinen Muckser. Gott rührt keinen Finger. Gott lässt geradezu alles schleifen. Abraham wartet. Er ist ja im Grunde ein geduldiger Mensch. Aber in uns steckt die Ungeduld. Schon das Warten auf den Bus 15 Minuten lang oder das Warten auf die Hochzeit ein Jahr lang; undenkbar! Verstehen Sie, wir können nicht warten. Er konnte warten, warten ist schwer, es ist schlimm. Eine schwere Probe. Wohl dem, der warten kann. Warten auch im Glauben. Simeon, der Adventsmann. Simeon sagte: Ich warte auf dein Heil! Das ist Glaube, der warten kann, der tut Not.

Ja, wir werden schnell nervös, wenn Menschen das Evangelium nicht annehmen. Das ist Gottes Geduldsprobe. Er kann die Erfüllung der Verheißung aussetzen. Nicht, weil die Verheißung Gottes eine wacklige Sache wäre, sondern aus einem ganz anderen Grund: weil die Verheißung so fest in der Hand Gottes ruht. Die Nachkommenschaft des Abraham, die war so fest und sicher unabhängig von all dem, was Menschen für möglich halten. Die war fest garantiert, so kann Gott auch Jahr um Jahr warten. Für ihn ist das doch kein Problem, wenn Abraham und Sara über die Jahre sind. Das ist Gottes Art mit uns!

Warum macht es Gott denn so? Da kann man ja an Gott verzweifeln. Aus einem Grund, weil er uns glauben lehren und nicht unbedingt Siege erleben lassen will. Den Glauben, den er wirken will, der ist ihm wichtiger als alles andre. Er will uns erst den Glauben abverlangen. Die Siege sind fest in seiner Hand und die schenkt er auch noch. Die Siege kommen, auch wenn wir schon lange unter dem Boden liegen. Was Gott wichtig ist, dass dieser nackte Glaube entsteht. Abraham glaubte dem Herrn und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit. Ohne Beweise in der Hand, ohne sichtbare Zeichen. Abraham glaubte. Den Glauben will Gott bei uns wecken. Das schließt das Kämpfen und Ringen nicht aus.

Damit wir hier nichts glorifizieren, das ist eine schier brutale Geduldsprobe Gottes. Sie hat das Ziel der Glaubensweckung und Glaubensvertiefung. Alles zielt auf diesen Glauben, ohne Glauben kann man Gott nicht gefallen, den brauchen wir. Gott sind nicht die vollen Kirchen wichtig, Gott ist nicht wichtig, was du alles für ihn tust. Nur, dass du glauben lernst. Das Hängen an seinem Wort, das ist ihm wichtig.

Ludwig Hofacker, der Erweckungsprediger aus Württemberg, hat während seiner kurzen Wirksamkeit als Pfarrer das Motto gehabt: Dass ich schwach bin, wird er wissen, dass er stark ist, weiß auch ich, der mich aus dem Tod gerissen, ist nun mein Herr für mich.

Abraham hätte „Nein“ sagen müssen, wo er „Ja“ sagt. Die brutale Geduldsprobe hat er leider nicht bestanden.

2. Sara fällt jetzt noch was ein, doch es geht nicht gut zu drein!

Sara verliert auch etwas: die Geduld. Sie verliert nicht den Glauben. Sie sagt ja: Der Herr hat mich verschlossen. Sie und ihr Mann nehmen Kinderlosigkeit nicht einfach als Schicksal an. Sie sehen in ihrer Kinderlosigkeit eine Verfügung Gottes. In der Bibel gibt es überhaupt keine von Gott losgelöste Naturtatsachen, alle Naturvorgänge sind in der Bibel mit Gott in Zusammenhang gebracht. Aber, der Gott Abrahams ist immer Urheber, Erhalter, Erlöser und Vollender aller Kreatur und Schöpfung.

Auch das Kinderkriegen ist nicht ein von Gott losgelöstes Problem. Kinder sind eine Gabe Gottes und Leibesfrucht ist ein Geschenk. D. h. aber auch: Gott ist auch ein Herr der Kinderlosigkeit. Liebe Gemeinde, sie ist eine Gabe von schwerem Gewicht. Kinderloses Leben hat aber für Sara keinen Sinn, sie weiß eben noch nicht, was der Prophet Jesaja dann gesagt hat: Rühme du Unfruchtbare, die du nicht gebierst, freue dich mit Rühmen und Jauchzen, die du nicht schwanger bist, denn die Einsame wird mehr Kinder haben als die den Mann hat (Jes 54,1). Eine Verheißung, die bis zum heutigen Tag gilt. Eine Verheißung, für viele. Gott will uns sagen, dass er die ganz besonders segnen will, die kinderlos sind. Sollte der Gott, der Kinder segnet, nicht auch die segnen, die keine Kinder haben?

Sara sagt die Wahrheit, wenn sie sagt: „Der Herr hat mich verschlossen.“ Aber sie sagt nur die halbe Wahrheit und die halbe Wahrheit ist eben eine ganze Lüge. Sie verschweigt, dass Gott ihr Nachkommen verheißen hat. Sara sieht sich an und sieht nichts mehr von der Verheißung. Sara schaut auf sich und wird blind für die Wirklichkeit Gottes. Geistlich blind. Gott rührt keinen Finger, sagt sie. Und wenn Abraham lammfromm sich mit Gottes Zusagen abfindet, dann ist es wieder einmal an der Frau nach dem Rechten zu sehen. So macht sie einen verhängnisvollen Vorschlag: Gehe zu meiner Magd, Abraham, gehe zu meiner Magd Hagar, ob sie einen Sohn bekommt!

Dieser Vorschlag war nach damaligem Recht rechtens. Lesen Sie nach (1. Mose 30,3 und 9): Dieser Vorschlag war nach damaligem Recht legitim. Es war nach deren Vernunft das einzig Vernünftige. Aber damit wird sie gleichzeitig zur Versuchung für den Abraham. Wie verträgt sich das mit dem Glaubensgehorsam? Sara sagt, wir müssen Gott nachhelfen. Wir müssen Gott auf die Sprünge helfen. Wir müssen Gott endlich einmal Beine machen. Wenn wir nichts sehen, dann müssen wir Gott nachhelfen, dann müssen wir es eben machen. Wir sind immer wieder versucht, Gott Füße zu machen, damit er das auch tut, was wir wollen.

Nicht alle gesetzlich erlaubten Wege sind gottgewollte Auswege, nicht alles was erlaubt ist, ist auch vor Gott recht. Wir haben ja heute vielfach das umgekehrte Problem, so wie es sich hier darstellt. Frauen erwarten ein Kind, dann gibt es Ärger zu Hause. Die Spannungen mit dem Freund, dem Mann, sie werden unerträglich, weil sie dieses Kind nicht haben wollen. Und nun geht man den legalen Weg über Paragraf 218 und lässt abtreiben, um die Spannung zu lösen. Die Spannung ist gelöst, aber die Schuld ist riesengroß. Ein möglicher Weg heute, gewiss, aber ein schrecklicher Irrweg, so wie bei Abraham hier. Immer, wenn wir eigene Wege heraus aus der Spannung suchen, dann sind das Holzwege. Wir müssen uns das wieder klarmachen. Eigene Wege suchen, die uns die Spannungen wegnehmen könnten, sind Irrwege, sind Holzwege, sind Wüstenwege.

Abraham erliegt der Versuchung. Er gehorchte der Stimme Saras, weil er nicht mehr auf die Stimme Gottes horcht, so wie bei Adam. Die Folgen bleiben auch hier nicht aus. Es kommt, wie es kommen muss. Der Friede im Haus ist dahin, der äußere und der innere, vom Haussegen kann keine Rede mehr sein. Das Ganze ist ein einziger Scherbenhaufen. Sara ist blind geworden und Abraham ist blind geworden.

Prüfen wir uns immer wieder selbst, ob das, was durch das Menschengesetz legitimiert ist, ob das auch recht vor Gott ist. Sara wird zur Eva, die dem Mann nicht die Frucht des Baumes, aber die Frucht des Weibes anbietet. Ja, Abraham hätte „Nein“ sagen müssen. Tausendmal „Nein“! „Nein“ zur Sprache der Tatsachen. Und „Ja“ zur Sprache der Verheißung. Das sollen wir wieder lernen, „was er verspricht, das bricht er nicht, er bleibet meine Zuversicht!“ Auch beim langen Warten! Auch in ihrem Leben wird sich jedes Warten lohnen, wenn sie bei diesem „Nein“ bleiben. O, Sara und Abraham hätten „Nein“ zur Leihmutterschaft sagen müssen!

3. Hagar will vor Hochmut platzen, doch da gibts was auf die Tatzen!

Denn Abraham hat hier eingewilligt, da ist doch der ganze Friede dahin.

Die Schwangerschaft der Hagar läuft gut an, aber zwischen den Frauen, geht jetzt alles schief. Hagar hat ja vorher als Leibmagd von Sara ganz dicht bei ihr gewohnt. Wahrscheinlich stammte die Hagar (auf Deutsch „Schön“ und „Flucht“) aus jener Geschenkmasse des Pharao, die der Abraham bekam, als er wieder seine Frau aus dem Frauenhaus zurück bekam. Sie erinnern sich, Abraham damals in Ägypten. So war sicherlich Hagar eine der ägyptischen Schönheiten aus dieser Geschenkmasse aus Ägypten. Und die hat als Leibmagd mit Sara zusammengelebt und jetzt, jetzt tritt diese Verfremdung zwischen den beiden Frauen ein. Der Sklavin steigt das in den Kopf. Sie trumpft gegen Sara auf, Hagar schnappt fast über, weil sie jetzt zur einzigen Hoffnungsträgerin im Abraham-Clan wird. Ihr Mutterstolz wird stärker als die Rechtslage. Schließlich ist sie ja eigentlich noch Magd, sie ist nur ausführendes Organ, sie ist Leih- oder Ersatzmutter, nicht Chefin im Zelt. Aber Mutterstolz kann auch blind machen für die wahren Verhältnisse und so heißt es hier zuerst: sie achtete ihre Herrin gering. Diese Stellung macht die Schöne hochmütig. Und Hochmut kommt immer vor dem Fall!

Man muss diesen Satz genau angucken: achtete ihre Herrin gering, d. h. die sah auf ihre Herrin herab. Wörtlich heißt das nämlich: Ihre Herrin wurde leicht in ihren Augen. Sara ist für Hagar plötzlich ein Leichtgewicht geworden. Sie hat nicht mehr das Gewicht für sie als Chefin. Diese Sara spielt jetzt nur noch eine geringe Rolle. Ich, Hagar, ich bin (ge)wichtiger geworden.

Sie macht das, was wir auch immer wieder zu machen versuchen. Wir wiegen! O, wir wiegen! Stellen Sie sich diese alte Pendelwaage beim Kaufmann vor, wo man vor 60 Jahren Salz und Zucker gekauft hat. Da war diese Pendelwaage, mit der man ausgewogen hat. Und da stellte man den Zucker auf die eine Seite und die Gewichte auf die andere Seite. So wurde es austaxiert. Sehen sie Hagar macht es, sie stellt sich auf die eine Seite der Waage und packt die Sara auf die andere und dann wird selbstverständlich Sara nach oben gezogen. Sie ist ja das Leichtgewicht, Hagar mit dem Kind im Herzen ist ohnehin schwerer. Ich bin gewichtiger.

Nicht wahr, obwohl Hagar am Anfang ganz große Augen gemacht hat. Große Augen, als ihr dieser Vorschlag gemacht wurde, Leihmutter zu werden. Mutterwürden zu tragen, herausgenommen aus dem Sklavenstand, aber dann wird sie auf einmal blind für die Verhältnisse. Sie sieht sich nicht mehr als Magd und sieht Sara nicht mehr als Herrin, sondern sie sieht es umgekehrt. So wie wenn man das Fernrohr rumdreht und sieht auf einmal das, was bisher groß war ganz klein und in der Ferne. Der Hagar steigt es in den Kopf. Sie emanzipiert, trumpft auf, protzt. Eigentlich bin ich jetzt die Herrin im Haus, jetzt bin ich die Frau im Hause. O schrecklich, zwei Frauen im Clinch. Es geht hart auf hart, schrecklich diese Szene.

Sara eilt schließlich zu Abraham und bittet das Familienoberhaupt, dass er damals ja war, bittet das Familienoberhaupt der Magd die Flausen auszutreiben und ihren Kopf zurecht zu setzen und zu sagen: Hagar, so geht das nicht! Aber Abraham macht zwischen den zwei stark knochigen Frauen eine recht unglückliche Figur. So ist es. Eine recht unglückliche Figur.

Sie gehört überschrieben: Der Hampelmann zwischen Frau und Emanze. Das ist der Abraham geworden. Abraham guck weg. Er ist ja blind, Sara schlägt blind wütend zu und Hagar läuft blindlings davon, genau so ist’s: ein Scherbenhaufen.

Und wenn wir jetzt einmal fragen, wer ist denn daran schuld? Abraham ganz sicher: Seine Bereitwilligkeit zur Familienplanung ohne Gottes Zustimmung ist schuld. Und Sara hat auch Schuld. Überdeutlich. Man kann Gott nicht Beine machen, ihm nicht ins Handwerk pfuschen. Wer ihm ins Handwerk pfuscht, verpfuscht sein Leben. Warten können, warten können! Und noch einmal müssen wir diesen Satz hören, warten können! In einem der großen Lieder heißt es: „Wenn die Stunden sich gefunden, bricht die Hilf mit Macht herein, um dein Grämen zu beschämen, wird es unversehens sein.“ Gott weiß den Punkt Ihres Lebens. Gott weiß die wunden Punkte in unserm Leben, warum sie noch auf der Wartebank sitzen. Er weiß warum. Es ist gut so, Freunde. Es ist gut so.

Jetzt dreht ja Sara den Spieß herum und lässt Hagar fühlen, wer die Herrin ist. Sie macht Hagar richtig fertig. Eine Schikane nach der andern und alles im Rücken des Abraham. Hagar sieht keine Lösung mehr. Sie kann sich nicht mehr helfen. Nach der Geburt wird es erst richtig losgehen, weil es ja dann das Kind der Sara ist. Und die soll es auf keinen Fall bekommen, deshalb die Flucht in die Wüste. Flucht in die Wüste war damals Selbstmord. Heute wirft man sich vor den Zug, damals ging man in die Wüste. Wer sich vom Zeltdorf allein entfernt, ist chancenlos und hoffnungslos verloren. Die hochschwangere Hagar sagt sich: Lieber in der Wüste verenden als ewig unter der Knute der Sara leiden. Natürlich wird die Abwesenheit der Hagar sofort bemerkt und niemand sage mir, Abraham hätte sie nicht zurückholen können. Aber er krümmt keinen Finger, er lässt die Schöne laufen.

Armer, armer Abraham! So erbärmlich arm, das Gott selbst eingreifen muss. In der Armut der Wüste, später in der Armut der babylonischen Gefangenschaft, später in der Armut eines Hirtenfeldes tauchen Gottes Boten auf. „Und alsbald war da die Menge der himmlischen Heerscharen, Jesus, der Retter ist da.“ ‚Er hat viel 1000 Weisen zu retten aus dem Tod.‘

4. Hagar, sprich: Wo kommst du her? Geh zurück, auch wenn es schwer!

Sie gehen alle schier kaputt. Sara geht kaputt an der überheblichen Prahlerei von der Hagar. Dann geht die Hagar schier kaputt. Die hochschwangere Frau in der Wüste. Abraham geht schier kaputt, die Ehe droht ja zu zerspringen.

Die Hagar hatte ein doppeltes Finderglück. Sie findet einen Quell und wird von einem Engel gefunden. Gott hält seine Augen offen, auch über dem Niemandsland der Wüste, wo sich Menschen verlassen vorkommen. Und wenn sie dort mit dem Psalmisten schreien: „Wie sollte der Höchste etwas merken“, sagt Hagar in ihrem Bekenntnis: Der Lebendige, der mich sieht!

Vielleicht kommt Ihnen Ihr Lebensabschnitt vor wie ein Niemandsland. Irgendwo sind Sie ganz weit draußen. Ob Gott mich hört, ob Gott mich noch sieht, oder ob Gott mich nicht doch schon abgeschrieben hat. Liebe Gemeinde, dieser Gott ist auch ein Gott der Wüste und des Niemandslandes. Und dieses Glaubensbekenntnis können Sie nachsprechen. Der Lebendige, der mich sieht, mich in meiner Wüste! Der mich sieht, der mich nicht verdursten lässt. Der mich sieht, der mich nicht in der Wüste verenden lässt, der sieht mich. Der Sohn wird Ismael heißen, Stammvater der Beduinenstämme der Araber. Bleiben wir dabei: Du bist ein Gott, der mich sieht, du bist ein Gott, der mir helfen kann auch dort, wo mich keiner sieht mit meiner Not.

Und jetzt kommt die peinliche Frage: Wo kommst du her?

Diese Worte richtet der Engel des Herrn an Hagar, die von ihrer Herrin geflohen war, um der Demütigung aus dem Wege zu gehen. Und jetzt kann man erfahren, wie der Herr eine leidende und schuldig gewordene Hagar aufhebt in seiner Vergebung. Und dieser Gott, der nicht mit uns handelt nach unserer Missetat und uns nicht vergilt nach unseren Sünden, sondern wie sich ein Vater liebend einer gefallenen Frau erbarmt. Diese Frage hat ja zur Folge, dass Hagar ihren dummen Schritt bereut und bereit ist zur Umkehr.

Jesus, der Sohn Gottes, richtet in derselben Weise auch an dich die Frage: „Wo kommst du her?“

Bist Du auf der Flucht vor deinem Herrn? ER ist Dein rechtmäßiger Herr, Dein Schöpfer und Erlöser, nur Jesus kann Dein Herr sein. Jesus, der für Dich geboren und für Dich gestorben ist. Er hat Dich geliebt und mit seinem Blut und seinem Kreuzestod erlöst. Hast Du seine Liebe erwidert, seine Erlösung Dir angeeignet und Dein Leben als lebendiges Opfer Ihm anvertraut?

Wie arm und elend, wie verlassen und hoffnungslos mag sich Hagar gefühlt haben, als sie dort auf der Flucht am Brunnen saß. Ihr Gewissen hat sie verklagt und verurteilt; ihr Herz war traurig und verzagt; ihre Hoffnung war zur Verzweiflung geworden.

Jesus ruft Dir diese Frage heute Morgen zu: Kommst Du von der Jagd nach Geld und Ruhm? Oder kommst Du etwa aus viel Leid und Traurigkeit? Woher Du auch kommen magst, Jesus steht wie der wartende Vater mit geöffneten Armen da und erwartet Dich.

Dann kommt die nächste peinliche Frage für Hagar: Wo willst du hin? ER sagt ihr: Du kannst jetzt zurück, Hagar! Und du kannst dich unter eine Sara demütigen!

Jeder Mensch sollte sich über seinen Lebensweg und sein Ziel klar werden. Deshalb beantworte die Frage: „Wo willst du hin?“ Der Sargdeckel ist doch die große letzte Frage! Ist der Himmel das Ziel Deines Lebens? Dann richte Dein Leben auch danach ein. Viele im christlichen Lager wollen heute den schmalen Weg zum Himmel breiter machen und ohne Kreuz gerettet werden. Das geht nicht. Jesus legt die Spielregeln für die Nachfolge fest, nicht wir.

Oder willst Du ewig verloren gehen in der Hölle? Jesus sagt klar und deutlich: Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.

Jesus fragt Dich heute doppelt: Wo kommst Du her? Und wo willst Du hin?

Vertrau ihm heute dein Leben an!

Amen.

Prädikant Thomas Karker, Bibelgemeinde Bremen, Bremen am 18.9.2022

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 16. September 2022 um 17:29 und abgelegt unter Predigten / Andachten.