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Predigt über Joh 1,18: Wer ist Gott?

Freitag 24. Juni 2022 von Thomas Karker


Thomas Karker

Wenn es um Gott geht, dann ist es überaus wichtig zu wissen, mit wem habe ich es denn auf der andren Seite zu tun. Ist Gott vertrauenswürdig? Es geht ja nicht darum, wie er aussieht, sondern wer tritt mir hier gegenüber? Gott wird uns in der Bibel mit drei Namen vorgestellt: Der Jesusname, der Tröstername (Heiliger Geist) und der Vatername. Und gerade mit dem Vaternamen, wollen wir uns heute näher beschäftigen. Der Predigttext steht in Joh. 1,18: „Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.“

1. Unsere Vater-Erinnerungen

Der Vater gleicht heute eher einem Schreckgespenst, einem blinden Fleck, er ist der Tölpel, der Narr, der allenfalls Mitleid erregt, aber keine Bewunderung oder Vertrauen verdient. Schulbücher spiegeln übrigens dieses negative Bild von einem Vater wieder. Die moderne Literatur ersetzt den Begriff Vater häufig mit Erzeuger und gipfelt nicht selten in blindem Hass gegen alles was Vater heißt, bis über den Tod hinaus. Vgl. Peter Härtling (Buch ‚Die Väter‘). Er schreibt dort: „Seit über 30 Jahren tot, verdirbt er mir immer noch mein Leben!“ Furchtbar ist das! Hass, Empörung, Auflehnung, Bitterkeit. Der Vater scheint nicht nur überflüssig, sondern ein Hindernis auf dem Weg zur freien Entfaltung.

In der Seelsorge: Gläubiger Mensch hatte Schwierigkeiten beim ‚Vater unser‘. Er konnte den Namen ‚Vater‘ (Unser Vater im Himmel) nicht aussprechen, weil er ständig dann seinen eigenen Vater vor Augen hatte. Es krampfte sich dabei alles in ihm zusammen. Solche Verbitterung war in ihm, dass er dann nicht mehr beten konnte. Ehe und Familie sind heute mehr denn je im Schussfeld und ist frontalen Angriffen ausgesetzt: Medien, Literatur, Parteien, New Age,… Die Keimzelle von Staat, Kirche und Gesellschaft wird langsam zerstört.

Das Vaterbild ist heute vielfach zerstört. Es gibt heute ja viele verzerrte Vaterbilder und viele wissen gar nicht mehr, was ein Vater wirklich ist.  Bei einer Begegnung mit einem Leitungsmitglied einer Bremer Schule sagte mir dieser: Es wären in seiner Schule höchstens in den Klassen noch jeweils 2-3 intakte Familien. Das soll nicht heißen, dass es auch heute nicht noch intakte und gute Familienstrukturen gibt. Aber bei einer Scheidungsrate von 40% und mehr haben wir vorgezeichnet, was für Auswirkungen dies mit sich bringen wird für unsere Gesellschaft.

Wichtig: Das Bild, was wir von unserem Vater haben, projizieren wir automatisch auch auf Gott.

Heutige Vaterbilder:

  • Vielleicht war da ein autoritärer Vater unter dem man gelitten hat, dort wo nur alles im scharfen Befehlston ablief. Jede Kleinigkeit wurde gemaßregelt, aggressiv, lieblos, entwürdigend. Dann kommt einem Gott wie ein böser Hausmeister vor,…
  • Vielleicht hatte aber dein Vater gar kein Format, die Mutter sprach vielleicht nur abwertend und geringschätzig: ‚Armes Würstchen‘. Ja dann reden die Kinder auch schnell so und er kann ihnen keine Orientierung geben.
    Gott wird dann gering geachtet: ‚Der kann ja sowieso nichts‘.
  • Vielleicht leidet jemand unter dem Albtraum der sexuellen Verführung seines Vaters. Furchtbar, Hass, Verbitterung bleiben, unfähig Beziehungen einzugehen…Der abwesende Vater.
  • Vielleicht hast Du von deinem Vater aber immer nur das eine kleine Sätzchen gehört: ‚Lass mich in Ruhe!‘. Apathisch, unbeteiligt, entzieht er sich der Familie (Bsp. 8 Jahre in der Familie nicht geredet)
    Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn man denkt: ‚Gott kümmert sich nicht um mich, dem bin ich egal!‘

Die Entwicklungspsychologie hat uns gezeigt, wie wichtig der männliche Gegenüber für die Entwicklung eines Kindes ist. Ohne Vater, ohne wirklich erlebten und geliebten Vater, erleben Kinder zentrale Defizite, die manchmal nur schwer auszugleichen sind. Vater als Tor zur Welt, Vater als Dritter; Vater als Wertevermittler; Vater als Geschlechtsrollenvorbild (Jungen + Mädchen); Ersatzväter.

Schon auf Erden ist der Vater der köstlichste Name. Das Größte, was in menschlichen Verhältnissen ein Mensch nach Gottes Ordnung sein kann, ist Vater. Darum auch nennen sich Staatsoberhäupter, wenn sie geehrt sein wollen, Väter des Volks. Darum heißen wir die Gestalten im grauen Altertume, die uns die Bibel zeigt: Erzväter. Und wir sehen, dass Abraham, der Freund Gottes, ja „Vater vieler Völker“ hieß. Ja, gehen wir in unser eignes Leben zurück, so bemerken wir, dass unser ganzes Sprechen mit diesem Worte anfängt, dass das Wort „Papa“ oder, was ja im Wesen dasselbe sagen will, „Mama,“ das erste Wort eines Kleinkindes ist.

Jesus zeigt uns den Vater! Von dieser Warte aus wollen wir uns ein Stück weit zeigen lassen, wie Gott wirklich ist und wie wir uns ihm anvertrauen können. Hier liegt der eigentliche Schlüssel zu jeder tiefgreifenden Erneuerung im Verhältnis der Generationen.

2. Jesu Vater-Darstellung

Bereits in der Bergpredigt lehrt Jesus seine Jünger, wie sie Gott anreden sollen: „Vater unser im Himmel.“ Das ist nun der Name, den Jesus Gott belegt.

Joh. 1,18: Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.

Wir sehen es in vielen Bibelstellen, welchen Stellenwert seine Beziehung zu seinem himmlischen Vater hat:

Schon als zwölfjähriger Knabe im Tempel sprach Er zu seiner irdischen Mutter: „Muss ich nicht sein in dem, das meines Vaters ist?“ (Luk. 2,49)

Während seines Erdenlebens ist sein Leben gekennzeichnet davon den Willen seines Vaters zu tun: „Der Vater lässt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt.“

Der Vater hat ihm alles anvertraut: „Der Vater hat den Sohn lieb, und hat ihm alles in seine Hand gegeben. Der Sohn kann nichts von ihm selber tun, denn was er siehet den Vater tun.“ (Joh. 3,35)

In den schwersten Stunden seines Lebens, unter vielen Kämpfen in Gethsemane seufzte Er: „Mein Vater, ists möglich, so gehe dieser Kelch von mir, doch nicht, wie ich will, sondern wie Du willst. (Matth. 26,39) Zuletzt war sein erstes Wort am Kreuz: „Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun“ (Luk. 23,34) und sein letztes: „Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist“ (Luk. 23,46)

Und jetzt fragt Philippus Jesus: Zeige uns den Vater!

2.1 Ich habe deinen Namen den Menschen kundgetan! (Joh. 17,6)

Er meint den großen Vater Namen Gottes. Jesus sprach zu Juden, die den Vaternamen eigentlich ja noch nicht kannten. Sie kannten den Heiligen Gott, den gerechten Gott, Jesus macht uns den Vaternamen kund. Warum?

Weil er gekommen war um uns den Weg zum Vater freizumachen: Ich bin die Tür, der Weg zu Gott (Joh. 10,10, 14,6). Nach der Auferstehung sagt er: Ich fahre auf zu meinem und zu eurem Vater. Den Vater des Herrn Jesus dürfen wir uns einmal so richtig vor Augen stellen.

2.2 Der Vater selbst hat euch lieb (Joh. 16,26.27)

Das ist ein richtiger Geburtstagstext: Der Vater selbst hat euch lieb! Das sagt Jesus zu seinen Jüngern. Kann das jeder von uns sagen, dass wir Gottes Kinder sind? Von Natur sind wir es nicht. Wir werden es durch Zeugung und Wiedergeburt (vgl. Joh. 1,12). Jesus sagt: Ihr müsst wiedergeboren werden! Nicht „ihr könnt“ oder „vielleicht.“ Ich muss Jesus in mein Herz aufnehmen.

Niemand kann dir die Gotteskindschaft verweigern. Dann gilt aber: Der Vater selbst hat euch lieb. Das ist eine Therapie gegen alle Minderwertigkeitskomplexe hierzu gehört auch Jes. 43,4 Der Vater selbst hat euch lieb. In der Seelsorge erlebt man oft eine Scheu sein Leben ganz an Jesus auszuliefern. Man ist lieber vorsichtig. Aber was steht dahinter? Misstrauen. Es könnte ja sein?

Man meint man wüsste es besser als Gott und glaubt nicht an die absolute vollkommene Liebe. Mein Gott hat mich lieb und in seinem Planen (Beruf, Partner) liegt immer das allerbeste. Vertrauen wir doch dem rechten Vater. Und wenn es etwas Besseres gäbe als diesen Weg, den du gehst, dann hätte er einen anderen gewählt. Dies lässt uns völlig vertrauen und mich ganz ihm hingeben.

2.3 Mein Vater ist größer als alles: (Joh. 10,29f)

Der Vater und ich sind eins, niemand kann euch aus meiner Hand reißen. Joh. 10,29f der Vater ist größer als alles

– ewige Geborgenheit

– das ist eine wunderbare Therapie gegen alle Schwierigkeiten in mir und um mich herum.

Wenn ich solch ein Vater habe, was soll mir dann noch Schaden? Warum sind die Berge, Schwierigkeiten oft so groß? Wir verlieren den Vater aus den Augen. Und selbst da gibt es dieses Wort zu sagen Lukas 15,18: Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.

Schwierigkeiten, mit den Dingen, die stärker sind als wir selber. Da ist einer, der größer ist als alles, nämlich mein Vater. Und dieser Vater hat gesagt, es ist alles bereit. Er hat das, was du in deiner Not und Machtlosigkeit nötig hast, ich will alles Erdrückende nehmen und es an sein Herz legen. Hier hast du meine… Nun wird Er mit dem fertig werden. Dann werden wir wie der verlorene Sohn Erfahrungen mit dem Vater machen. Ich will mich aufmachen lohnt sich jedes Mal.

Das ist die Therapie gegen alle Schwierigkeiten in mir und um mir um mich herum. Wie geborgen können wir sein bei solch einem Vater.

2.4 Der Vater weiß was ihr braucht, ehe ihr ihn bittet. (Mt. 6,8)

Augustinus: das menschliche Herz kommt nicht zur Ruhe bis ist die Ruhe in Gott findet. Diesen Vers haben wir 2x im Mt-Ev: Der Vater weiß was ihr bedürfte ehe ihr ihn bittet. Das ist eine Therapie gegen Sorgen. Der Vater weiß, was du an Kraft brauchst. Ich will mich aufmachen und komme mit meinen Sorgen zu dir Vater. Komm mit den Sorgen, der Kraftlosigkeit, der Zukunftsangst, um den Arbeitsplatz. Es gibt so viele Sorgen, die wir uns selbst machen. Welche Krankheit kann ich kriegen, u.s.w. Der Vater weiß was ich brauche. Das geht auch noch in eine andere Richtung nämlich in die Richtung der Erziehung. Mein Vater ist auch der beste Pädagoge, er ist irgend welche pädagogischen Richtungen gab. Er weiß, wann er mir Verzicht, Leid auflegen muss, zu meinem Heil, dass ich aufwache für die ewigen Dinge. Der Vater weiß was ich brauche, wo ich einen Menschen brauche, oder er mich eine Weile von einem Menschen trennen muss.

Hebräer 12 darf bei der Vaterschaft nicht vergessen werden. Wer seinem Kind alles zulässt, im alles laufen lässt, der macht es zum Verbrecher und erzieht es nicht zum Leben. Das Leben legt Verzichte auf, ob wir es wollen oder nicht. Er ist der rechte Vater, zum rechten Augenblick das Richtige. Gäbe es etwas besseres dann hätte er es ausgewählt.

2.5 Er ist der Vater der Barmherzigkeit und allen Trostes (2. Kor. 1,3)

Gott hat immer Gedanken des Heiles über uns. (Ein Freund mit 19 Jahren gestorben). Therapie gegen allen Schmerz dort will ich mir bei meinen Vater den Trost holen.

3. Meine Vater-Beziehung

Wem gelten jetzt die ganzen Verheißungen, die wir über den Vater gehört haben? Sie gelten seinen Kindern. Luther sagt: „Gott will uns damit locken, dass wir glauben sollen, Er sei unser rechter Vater und wir seine rechten Kinder, auf dass wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater!“ Versteht es nicht falsch, nur als Christen dürfen und können wir Gott als ‚Vater‘ anreden! Wir sind zwar alle Geschöpfe Gottes, das ist ohne Zweifel richtig, aber wir sind deswegen noch nicht alle Kinder Gottes.

Wären wir heute noch, was wir damals nach der Schöpfung waren, vollkommen und rein: ja, dann könnten auch wir noch Gott unsern Vater nennen. Aber die Sünde hat das Band der Herzen zerrissen, die Sünde hat uns Gott entfremdet, und so können wir Gott nicht mehr mit dem vertrauten „Vater“ anreden.

Der Vater – Kind – Name deutet auf ein tieferes Verhältnis, auf die innigste Verwandtschaft des Wesens hin. In das Kindesrecht wieder eingesetzt, wird der Mensch erst wieder durch Jesus. „Gott hat uns verordnet zur Kindschaft gegen Ihn selbst durch Jesus Christus (Eph. 1,5)

Luther nennt es einen hohen Berg, über den wir zuerst steigen müssen. „Wie viel Ihn aber aufnahmen, denen gab Er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben.“ (Joh. 1,12.)

Bist du schon über diesen Berg gestiegen? Hast Du dich aufgemacht aus den tiefen Tälern der Sünde und bist nach Golgatha zu der Gnadenhöhe gekommen und hast wie der verlorene Sohn gesagt: „Vater! Ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor Dir!“

Er ist nur Vater seiner Kinder, die an Ihn glauben, Ihn suchen, Ihn lieben, an Ihm hängen, Ihm vertrauen, Ihm gehorchen.

„Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herr Jesus Christus nach dem jede Vaterschaft im Himmel und auf Erden genannt wird.“

Amen

Prädikant Thomas Karker, Bremen, Predigt für den 26.6.2022

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 24. Juni 2022 um 14:37 und abgelegt unter Predigten / Andachten.