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Predigt ĂĽber Kolosser 3,12-17: Singt Gott dankbar in euren Herzen!

Freitag 20. Mai 2022 von Pfr. Ulrich Hauck


Pfr. Ulrich Hauck

„So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; 13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 14 Ăśber alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. 15 Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. 16 Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. 17 Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“ (Kol 3,12-17)

Liebe Gemeinde!

Sonntag Kantate! – Singet! – „Singet dem Herrn ein neues Lied“, so lautet der Wochenspruch aus Psalm 98. Jeden Morgen ein neues herrliches Konzert zur Ehre des Schöpfers. So erlebe ich es gerade jeden Morgen nach dem Aufstehen. Ein vielstimmiger Chor jubiliert in höchsten Tönen. Die Singvögel brauchen keine Aufforderung, ihr Singen kommt ganz selbstverständlich von innen heraus. Und vor einigen Tagen, direkt vor dem Fenster meines Arbeitszimmers, sah ich einen mir unbekannten Vogel. Ich schaute nach, es war ein Bluthänfling, wunderschöne rote Stirn und Brust. Welch schöne Wesen hat Gott geschaffen, mit welch herrlichen Stimmen.

Und wir Menschen? Wir sind mitunter schon komische Vögel. Wir müssen in der Regel zum Singen erst aufgefordert werden. Oder singt jemand von Euch am frühen Morgen Loblieder? Oder am Mittag? Und am Abend? Ja, manchmal singen wir von uns aus. Bei den Vögeln ist das ganz einfach, wenn ein Vogel nicht mehr singt, dann ist er krank. Und was ist mit uns Menschen, wenn wir keine Loblieder mehr singen? Sind wir dann auch krank? Haben wir dann unseren Schöpfer vergessen? Oder sind wir dann undankbar?

Singt Gott dankbar in euren Herzen, so ein Vers in unserem heutigen Predigtabschnitt. Wie kann das also geschehen, dass wir, dass du Gott dankbar von Herzen singst? Das kannst Du nicht selbst aus Dir heraus tun. So wie der Schöpfer das Singen in die Vögel hineingelegt hat, so legt er es auch hinein in alle seine Heiligen, in alle, die an ihn glauben und ihm nachfolgen. In drei Schritten bedenken wir nun, was sich für einen Menschen ändert, den Gott heiligt und was es mit dem neuen Lied auf sich hat.

1. Der neue Anzug der Heiligen

Von Gottfried Keller stammt die Novelle „Kleider machen Leute“. Das gilt erst recht für die Kinder Gottes. Wenn ein Geschöpf Gottes zum Kind Gottes wird, dann bekommt es neue Kleider. So war es lange Zeit Brauch in der Christenheit, dass wenn Menschen zur Taufe kommen, sie ihre alten Kleider ablegen und nach der Taufe ein neues, reines, weißes Gewand anlegen. Als Zeichen ihrer Neugeburt aus Wasser und Geist. Das weiße Taufkleid von Kindern ist noch ein Hinweis darauf. Und ebenso die weiße Albe, die ich als Pastor trage. Im Gegensatz zum schwarzen Talar, der eine amtliche Robe und Gelehrtengewand ist, weißt die Albe hin auf „das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist“ (Tit 3,5) hin. Das ist auch nichts genuin Katholisches, auch Martin Luther hat im Gottesdienst die Albe getragen. Sie ist das passende Gewand für Pastoren für die Feier der Gottesdienste. Die Stola steht übrigens für das „Joch Christi“, dass wir allein im Dienste Jesu stehen (Mt 11,29) und nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen ziehen sollen (2Kor 6,14).

Aber wie gesagt, die neuen Kleider betreffen alle, die zum Glauben an Christus kommen, die das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist empfangen haben. Die sind zu einem Kind Gottes geworden. Sie sind heilig geworden, weil Christus heilig ist und sie nun zu Christus gehören und an seinem Heilswerk Anteil haben. Und als Heilige sollen sie einen neuen Anzug tragen. Nicht einen Anzug aus Stoff und Faden, sondern so wie es der Apostel Paulus schreibt: So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten: herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.

Liebe Glaubensgeschwister!

Warum kann ich Euch eigentlich so ansprechen? Weil Ihr etwas geworden seid, was kein Mensch machen kann. Ihr seid Auserwählte Gottes – Heilige Gottes – Geliebte Gottes.

Solche seid IHR, sagt Paulus. Drei Ehrentitel! Längst bevor du geboren wurdest, hat Gott mit dir seine Liebesbeziehung geknüpft. Diese Beziehung geht ganz allein von ihm aus. Seine Wahl ist auf dich gefallen. Nicht aufgrund deiner Würdigkeit. Nicht wegen deiner Attraktivität. In den Augen des gerechten und heiligen Gottes sind wir allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollen (Röm 3,23). Als natürliche Menschen, gemäß unserer menschlichen Geburt sind wir alle nicht so, wie Gott das ursprünglich wollte. Deshalb geht auch jedes Kind, das geboren wird, unweigerlich auf den Tod zu. Mit jedem Aufwachen eines Menschen kommt er seinem Tod einen Tag näher. Der Preis für unsere Sünde ist der Tod. Wir sind also allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollen …

Doch dann schreibt Paulus weiter: und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Es ist also allein Gottes Handeln. Aus lauter Gnade, als reines Geschenk. Es ist allein das Wirken Jesu, das Erlösung schenkt. Und es ist einzig und allein Gottes Liebe, die Sehnsucht hat nach Dir. Es ist Gottes Liebe, die sieht, wie bedürftig und verloren dein Leben ist. Und aus lauter Liebe ist Gott selbst Mensch geworden in Jesus Christus. Dieser Sohn Gottes ist zu uns gekommen, um für uns zu leben, für uns zu sterben und für uns aufzuerstehen vom Tode, damit wir nicht in unserer Bedürftigkeit und unserem Tod gefangen bleiben, sondern das herrliche Leben der Kinder Gottes bekommen jetzt in dieser Zeit und in Ewigkeit.

Keiner kann sich selbst zu Gottes Kind machen. Gott, der Herr, muß das tun, und er tut das gerne. Er macht uns zu »Heiligen«. Der heilige und gerechte Gott ruft uns ganz hinein in seine Gemeinschaft. Er macht uns zu seinen geheiligten Kindern. Kinder, die von ihm her und für ihn leben. Ihr seid Auserwählte Gottes – Heilige Gottes – Geliebte Gottes. Und als solche sollen wir den neuen Anzug tragen, das neue Kleid. Und was ist das? Was sollen die Kinder Gottes anziehen und tragen? Sieben Dinge zählt der Apostel Paulus auf: Herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, einander ertragen, untereinander vergeben.

Auf den letzten Punkt möchte ich noch etwas näher eingehen, weil diesem noch eine Begründung folgt, nämlich wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!

Die Regel dieser Welt lautet: Wie du mir, so ich dir. Die Regel unter den Kindern Gottes heiĂźt: Wie der Herr, so auch ihr. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!

Diese zwei Welten sind einmal vollkommen aufeinandergeprallt. Bis die jüdische Führungselite, die römischen Machthaber und schließen auch die Soldaten Jesus endlich am Kreuz hatten, da ging es nur um Vergeltung. Er ist ja selber schuld, er hätte sich ja nicht als Sohn Gottes outen müssen, er hätte ja nicht behaupten müssen, ein König zu sein. Solche Gotteslästerung und Hochmut bedürfen der Vergeltung.

So wurde Jesus zum Teil aus Unkenntnis, aus Blindheit, aus Machtgelüsten und aus Vergeltungssucht gekreuzigt. In dieser bedeutendsten Stunde der Weltgeschichte wurde die Welt aus ihren Angeln gehoben. Der Sohn des Höchsten, der die größte Schmach und Pein in Kauf nahm, sein eigenes Leben schmerzerfüllt für uns hingab, um dort auf Golgatha über Sünde und Tod zu siegen, dieser Jesus Christus zahlte nicht mit demselben Maß der Vergeltung zurück. Schmerzvoll am Kreuze hängend bittet er für seine Peiniger um Vergebung: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.

Bis heute ruft diese Welt vielfach nach Vergeltung. Aber dort, wo sich die Gemeinde des Gekreuzigten sammelt, da soll die Vergebung das letzte Wort haben. Vergebung kann die Last, die der andere mir auflädt, weglegen. Nicht immer ist das einfach. Aber immer befreiend. Vergeltung dagegen trägt nach. Und wer nachtragend ist, der hat schwer zu schleppen. Stellen wir uns das doch einmal bildlich vor. Wer nachtragend ist, der nimmt die Enttäuschung, die ihm ein anderer zugefügt hat und muß sie jetzt wie einen schweren Rucksack voll solcher Steine mit sich herumtragen, eben dem anderen nachtragen. Wie belastend, wie ermüdend! So sei es unter euch nicht!

Ihr seid Auserwählte Gottes – Heilige Gottes – Geliebte Gottes.

Lasst uns auch und gerade als „Christliche Gemeinde Südpfalz“ den neuen Anzug der Heiligen tragen, nämlich herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, einander ertragen und untereinander vergeben.

Paulus fasst das in Vers 14 zusammen: Ăśber alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Gottes Liebe gilt in allen Bereichen. Wie ein GĂĽrtel das weite Gewand zusammenbindet, so soll die Liebe alles verbinden und zusammenhalten. Auch unser neues Gewand in Christus. Denn Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1.Joh 4,16) So Gott baut seine Gemeinde durch die Liebe.

2. Die Regierung der Heiligen

Ihr Lieben, wir haben aber nicht nur einen neuen Anzug, als Auserwählte, Heilige und Geliebte Gottes haben wir auch eine neue Regierung. Jesus Christus ist 40 Tage nach seiner Auferstehung aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes. Es wird regiert, im Himmel und auf Erden, auch wenn wir manchmal meinen, hier bei uns so wenig davon zu spüren. Christus sitzt im Regimente!

Und als Auserwählte, Heilige und Geliebte regiert Jesus Christus unser Leben. Denn durch das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist ist Christus in unser Leben gekommen. So haben wir Frieden gefunden. Frieden mit Gott, Frieden mit uns selbst und Frieden mit den anderen Kindern Gottes. Und deshalb beschreibt Paulus die neue Regierung so: Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar.

Und damit kommen wir schon zum letzten Punkt, denn mit einer neuen Regierung gibt es immer auch ein neues Regierungsprogramm.

3. Das Regierungsprogramm fĂĽr die Heiligen

Leider sind wir es ja schon gewohnt von Regierungsprogrammen, dass man sich darin viel vornimmt, aber vieles nicht schafft. Versprechen werden gegeben, werden aber nicht eingehalten. Entweder weil man nicht gut geplant bzw. sich verrechnet hat oder weil die Umstände auf einmal alle Vorsätze zunichtemachen.

Wie gut, dass Gottes Regierung anders ist. Was gesagt und verheiĂźen ist, das gilt und wird eins zu eins auch umgesetzt. Des HErrn Wort bleibt in Ewigkeit! (1Petr 1,25) Und dieses Wort Gottes, das er uns gegeben hat, das aufgeschrieben ist im Alten und im Neuen Testament, das ist das Regierungsprogramm. Die Bibel ist der Originalton Gottes. Und Gott will mit seinem Wort bei uns zuhause sein. Es gilt Gottes Wort zu lieben, zu lesen, zu studieren, zu lernen.

  • Wir können in groĂźen ZĂĽgen ganze biblische BĂĽcher im Zusammenhang lesen und dabei die weiten Linien der Heilsgeschichte Gottes entdecken.
  • Wir können aber auch ĂĽber einige Tage hinweg nur wenige Verse immer neu bedenken und durchkauen. Dann entfalten sie einen tiefen Glanz.
  • Ganz egal, wie wir Gottes Wort lesen. Hauptsache wir lassen die Bibel ganz nah an uns heran und wir lassen Gottes Wort ganz tief in unser Leben hinein. Möge ein neuer Hunger nach Gottes Wort unter uns entstehen.

Die Bibel ist nämlich kein toter Buchstabe auf Papier gedruckt, sondern viva vox evangelii, also lebendige Stimme des Evangeliums Gottes. Und deshalb fordert der Apostel Paulus die Gemeinde in Kolossä auf: Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Kantate! Singet! Es ist kein Zufall, dass die Gemeinde Jesu von Anfang an eine singende Gemeinde war. Das Lob Gottes wurde hinausgesungen. Die Güte Gottes wurde weitergesungen. „Loben zieht nach oben! Danken lässt nicht wanken!“ Das ist der cantus firmus eines Christenmenschen. Und wer in der Kirchengeschichte nachforscht, der kann es entdecken: Immer dort, wo Menschen zum Glauben kamen und sich versammelten, dort wurde auch gesungen. Reformations- und Erweckungsbewegungen waren immer auch Singbewegungen.

Lasst uns als Auserwählte, Geheiligte und Geliebte Gottes geistliche Lieder singen und hören. Singet dem Herrn ein neues Lied!

Amen.

Ulrich J. Hauck, Predigt Sonntag Kantate – 15.05.2022

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 20. Mai 2022 um 17:31 und abgelegt unter Predigten / Andachten.