Gemeindenetzwerk

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Wo bin ich im Glauben zuhause?

Freitag 3. Dezember 2021 von Landesbischof i. R. Heinrich Herrmanns


Landesbischof i. R. Heinrich Herrmanns

Es ist eine vielfach bewährte Erfahrung, dass es gut ist, mit seinem persönlichen Glauben einer Gemeinschaft anzugehören. Eine solche Gemeinschaft lebt aus der Kraft der Heiligen Schrift, sie pflegt das Gebet und ermöglicht ein freundliches Miteinander. Da wächst Verständnis füreinander, persönliche Anteilnahme in unterschiedlichen Lebenssituationen.

Eine solche Gemeinschaft gibt es in Memmingen seit über 125 Jahren. Aus einem Bibelgesprächskreis entwickelte sich das Angebot eines Gottesdienstes, ein Gebetskreis, ein Hauskreis, in Abständen auch Bibelkurse zur nachhaltigen Betrachtung einzelner biblischer Bücher und Briefe. Da finden sich Christen ein, die der Heiligen Schrift Geltung und Autorität zuerkennen. Daraus wächst das Vertrauen, aus dem Wort Gottes Hilfe zur Lebensführung zu erhalten und innerlich ausgerichtet zu werden auf die Erlösung durch Jesus Christus zum ewigen Leben im Reich Gottes.

Die Schar, die sich da versammelt, kommt aus landeskirchlichen Gemeinden, aus verschiedenen freikirchlichen Gemeinden und auch aus der katholischen Kirche. Es besteht eine enge Verbundenheit mit der Evangelischen Gemeinschaft in Württemberg. Als geistliche Quelle und Prägung kann man den Pietismus benennen, dessen Wurzeln bis in die Reformation zurückreichen: Allein die Heilige Schrift, allein Christus, allein der Glaube.

Auf dieser Grundlage wollen diese Gemeinschaften „Bibelbeweger, Heimatgeber und Hoffnungsträger“ sein. Diese Glaubenstradition ist unabhängig und begleicht ihre Ausgaben aus Spenden – ohne Kirchensteuer. Bei uns hier in Memmingen bildet der Gottesdienst die Mitte des Gemeinschaftslebens. Wir versammeln uns, um Gott die Ehre zu geben. So bildet der Gottesdienst die Feier mit Leib und Seele vor Ort in der Gemeinschaft mit anderen Christen.

Gott hat in seiner Allgegenwart dem Gottesdienst seine besondere Zusage gegeben: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Im Gottesdienst werden wir vom Herrn der Ewigkeit, vom Schöpfer des Universums, vom Erschaffer des Lebens angesprochen. Er hat der Menschenwelt den Erlöser gesandt, der mitten unter den Menschen predigte und sie bis heute zum ewigen Leben ruft. Durch das Leiden am Kreuz und seine siegreiche Auferstehung hat er die Tür zum ewigen Leben geöffnet.

Niemand kann aus eigener Kraft seine Vergänglichkeit und Sterblichkeit überwinden. Wenn dies geschieht, so geschieht es allein aus der Kraft Gottes selbst, um der Barmherzigkeit des Sohnes Jesus Christus willen. Diesen rettenden Zusagen, die uns gelten, begegnen wir im Gottesdienst. Es ist ein besonderer Ort, Gott selbst und seinem Sohn zu begegnen. Jesus sagt es selbst von sich: „Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden.“ (Joh. 10,9)

Der Heilige Geist durchweht den Gottesdienst, leitet uns an zur Begegnung mit Gott und unserem Heiland. Und ganz besonders empfangen wir im Heiligen Mahl die „Medizin der Unsterblichkeit“ – wie ein Kirchenvater der orthodoxen Kirche es formuliert hat. Dazu gibt es für uns die Vergebung, die uns entlastet von Fehlern, von schuldhaften Taten und Gedanken, und uns Ermutigung schenkt zur Besserung. Die Vergebung richtet unser Gewissen auf und führt uns zum Richtigen und Guten.

Im Gottesdienst wird der lebens- und glaubensnotwendige Sauerstoff verströmt durch das Wort Gottes selbst, durch die Auslegungen, die Lieder, die Gebete und auch durch persönliche Zeugnisse und durch den Segen.

Wir unsererseits geben dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist die Ehre im Lobpreis, im Danken und in der FĂĽrbitte.

Heinrich Herrmanns, Landesbischof i. R., 10.11.2021

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 3. Dezember 2021 um 16:23 und abgelegt unter Gemeinde, Kirche, Seelsorge / Lebenshilfe.