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Auslegung von Psalm 2

Samstag 14. August 2021 von Charles Haddon Spurgeon (1834-1892)


Charles Haddon Spurgeon (1834-1892)

Inhalt. Wir werden nicht fehlgehen, wenn wir diesen erhabenen Psalm den K├Ânigspsalm des Messias nennen, stellt er doch wie in einem wunderbaren Gesicht den Aufruhr der Leute gegen den Gesalbten des Herrn, sowie den bestimmten Ratschluss Gottes, seinen Sohn zu erh├Âhen, und die endg├╝ltige Herrschaft des Sohnes ├╝ber alle seine Feinde dar. R. Lowth (ÔÇá 1787) sagt: ┬╗Die Einsetzung Davids und seine Befestigung auf dem Thron trotz dem Widerstande, den seine Feinde dagegen erheben, ist der Gegenstand des Psalms. David erscheint in demselben in zwiefacher Eigenschaft, in pers├Ânlicher und vorbildlicher.

Im Blick auf den geschichtlichen David liegt der Sinn des Psalms auf der Hand und wird durch die heilige Geschichte ├╝ber allen Zweifel erhoben. Doch haben die Ausdr├╝cke eine ungew├Âhnliche Glut, die Bilder sind von seltener Erhabenheit und die Sprache geht hie und da fast ins ├ťbertriebene, als sollten wir dadurch absichtlich zur Betrachtung h├Âherer und wichtigerer darin verborgener Dinge angeleitet werden. Beziehen wir, dieser Mahnung folgend, den Psalm auf die Person und die Angelegenheiten des geistlichen David, so tritt alsbald eine Reihe hochbedeutsamer Ereignisse vor unsern Blick, und der Sinn des Psalms wird noch klarer und zugleich noch erhabener. Die F├Ąrbung, die vielleicht zu k├╝hn und grell scheinen mag f├╝r den K├Ânig Israels, erscheint ganz angemessen, wenn auf Christum, dessen gro├čes Gegenbild, bezogen. Fassen wir dann die beiden Gesichtspunkte zusammen, so tritt uns die ganze Sch├Ânheit und Gro├čartigkeit dieses ├╝beraus anziehenden Gedichtes vor die Seele. Wir erkennen, wie die beiden Bedeutungen sich sehr bestimmt voneinander unterscheiden und dabei doch in vollem Einklang zusamment├Ânen und eine wunderbare ├ähnlichkeit in jedem einzelnen Zuge besitzen, w├Ąhrend die Wechselbeziehung zwischen ihnen so genau festgehalten ist, dass jede von beiden als das Original betrachtet werden kann, dem die andere nachgebildet worden. Immerfort ergie├čt sich neues Licht ├╝ber die Ausdr├╝cke, die Gedanken nehmen stets zu an Bedeutung und Erhabenheit, bis sie, stufenweise von den Dingen hier unten zu denen droben, vom Menschlichen zum G├Âttlichen aufsteigend, das gro├če, wichtige Thema mit sich aufw├Ąrts tragen und es zuletzt in die volle Klarheit himmlischen Lichtes stellen.┬ź

Einteilung. Am besten werden wir den Psalm verstehen, wenn wir ihn als ein vierfaches Gem├Ąlde betrachten. V. 1-3: Das Toben der V├Âlker. V. 4-6: Der Herr vom Himmel lachet ihrer. V. 7-9: Der Sohn verk├╝ndigt den g├Âttlichen Ratschluss. V. 10-12: Den K├Ânigen wird der Rat gegeben, sich dem Gesalbten des Herrn in Gehorsam zu unterwerfen. Diese durch den Inhalt dargebotene Einteilung wird auch durch die dichterische Form best├Ątigt; der Psalm zerf├Ąllt ganz nat├╝rlich in vier Strophen von je drei Versen.

Auslegung

  1. Warum toben die Heiden, und die V├Âlker reden so vergeblich?
  2. Die K├Ânige der Erde lehnen sich auf, und die Herren ratschlagen miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten:
  3. ┬╗Lasset uns zerrei├čen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!┬ź

Diese ersten drei Verse enthalten eine Beschreibung des Hasses der menschlichen Natur gegen den Christus Gottes. Die beste Erl├Ąuterung dazu finden wir in den Gebetsworten der ersten Christengemeinde Apg. 4,27 f.: ┬╗Wahrlich ja, sie haben sich versammelt ├╝ber deinen heiligen Knecht Jesus, welchen du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und dem Volk Israel, zu tun, was deine Hand und dein Rat zuvor bedacht hat, dass es geschehen sollte.┬ź Der Psalm beginnt ohne Einleitung mit einer z├╝rnenden Frage. Und wahrlich, es ist nicht zu verwundern, dass der Anblick von Gesch├Âpfen, die gegen ihren Gott in Waffen stehen, den Psalmisten in Staunen setzt. Wir sehen die Heiden toben, tosen wie das Meer, das von den ruhelosen Wogen hin und her geworfen wird, toben wie der Ozean im Sturm. Und dann nehmen wir wahr, wie die V├Âlker in ihrem Herzen Eitles sinnen (Grundtext) gegen ihren Gott. Wo viel Wut ist, da ist gemeiniglich Torheit, und in dem vorliegenden Falle ist ein ├ťberma├č davon vorhanden. Beachten wir, dass die Bewegung nicht nur von den V├Âlkern kommt, sondern dass die F├╝hrer den Aufruhr unterst├╝tzen. Die K├Ânige der Erde lehnen sich auf. In entschlossener Bosheit haben sie sich in Schlachtordnung gegen ihren Oberherrn aufgestellt. Es ist nicht eine vor├╝bergehende Aufwallung, sondern tief gewurzelter Hass gegen den F├╝rsten des Friedens. Und die Herren ratschlagen miteinander. Sie f├╝hren den Krieg mit List, nicht in toller Hast, sondern mit ├ťberlegung. Sie wenden alle Geschicklichkeit an, welche die Kriegskunst ihnen an die Hand gibt. Gleich Pharao beraten sie: ┬╗Wir wollen sie mit List d├Ąmpfen.┬ź (2. Mose 1,10.)

Aber was sagen sie? Was bezweckt diese Bewegung? ┬╗Lasst uns zerrei├čen ihre Bande.┬ź Freiheit wollen wir haben, Freiheit zur Aus├╝bung aller Gr├Ąuel. Wir wollen unsere eigenen G├Âtter sein. Lasst uns jeder Schranke uns entledigen! Und mit wachsender Unversch├Ąmtheit f├╝gen die verr├Ąterischen Emp├Ârer hinzu: ┬╗Lasst uns von uns werfen ihre Seile┬ź ÔÇô als w├Ąre das eine Kleinigkeit. Wie, ihr K├Ânige, w├Ąhnet ihr denn, ihr seiet Simsons? Und sind die Seile des Allm├Ąchtigen in euren Augen wie frischer Bast? (Richt. 16,7.) Tr├Ąumet ihr, dass ihr die Ratschl├╝sse des Allerh├Âchsten wie Werg zerrei├čen und zerst├Âren k├Ânnet? Ja, es hat Monarchen gegeben, die also gesprochen: ┬╗Lasset uns zerrei├čen usw.,┬ź und noch sitzen solche Rebellen auf Thronen. So wahnsinnig der Entschluss der Emp├Ârung wider Gott ist, so hat doch der Mensch seit seiner Erschaffung an demselben festgehalten und f├Ąhrt darin fort bis auf den heutigen Tag. Ehe die herrliche Herrschaft Jesu in der Endzeit zur vollen Ausgestaltung kommt, wird noch ein schrecklicher Kampf die V├Âlker ersch├╝ttern. Der Herr wird bei seinem Kommen sein wie das Feuer eines Goldschmieds und wie die Lauge der W├Ąscher, und sein Tag wird brennen wie ein Ofen (Mal. 3,2 u. 19). Die Erde mag ihren rechtm├Ą├čigen Herrscher nicht, sondern h├Ąngt dem Thronr├Ąuber an, der sich als ihren Herrn aufspielt. Die schrecklichen K├Ąmpfe der letzten Tage werden sowohl die Liebe der Welt zur S├╝nde als auch Jahwes Macht, das Reich seinem Eingeborenen zu geben, voll aus Licht bringen. F├╝r den Nacken der Unbekehrten ist Christi Joch unertr├Ąglich, aber dem geretteten S├╝nder ist es sanft und leicht. Wir k├Ânnen uns danach selbst pr├╝fen: Ist uns dies Joch lieb, oder m├Âchten wir es von uns werfen?

  1. Aber der im Himmel wohnet, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer.

Wenden wir nun unseren Blick von den gottlosen Ratskammern und dem tobenden Aufruhr der Menschen zu der geheimen St├Ątte, da die Majest├Ąt des Allerh├Âchsten thront. Was sagt Gott? Was wird der K├Ânig den Menschen tun, die seinen eingeborenen Sohn, den Erben ├╝ber alles, verwerfen? Der im Himmel thronet lacht, der Herr (der Allherr, Adonai) spottet ihrer (Grundtext). Man beachte die ruhige W├╝rde des Allm├Ąchtigen und die Verachtung, welche er ├╝ber die F├╝rsten und ihre tobenden V├Âlker aussch├╝ttet. Er nimmt sich nicht die M├╝he, von seinem Sitze aufzustehen und einen Kampf mit ihnen zu beginnen, ÔÇô er verachtet sie; er wei├č, wie widersinnig, wie unvern├╝nftig, wie nichtig ihre Anschl├Ąge wider ihn sind, ÔÇô darum lacht er, darum spottet er ihrer.

  1. Er wird einst mit ihnen reden in seinem Zorn, und mit seinem Grimm wird er sie schrecken:
  2. ┬╗Aber ich habe meinen K├Ânig eingesetzt auf meinen heiligen Berg Zion┬ź.

Dann (Grundtext) wird er mit ihnen reden usw. Nach dem Lachen wird er reden; er braucht nicht die Hand zum Schlage zu erheben, der Hauch seiner Lippen ist genug. In dem Augenblick, da ihre Macht aufs H├Âchste gestiegen und ihre Wut am heftigsten geworden ist, dann wird sein Wort wider sie ergehen. Und zwar ein f├╝r sie sehr bitteres Wort. ┬╗Und doch,┬ź sagt er, ┬╗trotz all eurer aufr├╝hrerischen Verschw├Ârung, trotz der Klugheit eurer Beratungen, trotz der List eurer Gesetzgeber, dennoch habe Ich meinen K├Ânig eingesetzt auf meinen heiligen Berg Zion.┬ź F├╝rwahr eine gro├čartige Proklamation! Er hat bereits getan, was die Feinde zu verhindern suchen. W├Ąhrend sie noch beraten, hat er schon alles entschieden. Jahwes Wille ist geschehen, und der Menschen Wille reibt sich vergeblich auf mit seinem W├╝ten. Der Gesalbte des Herrn ist eingesetzt und niemand kann ihn absetzen.

Schaue r├╝ckw├Ąrts durch alle die Zeiten des Unglaubens, lausche auf all die stolzen und l├Ąsterlichen Reden, welche Menschenkinder gegen den Allerh├Âchsten ausgesprochen, horche auf den rollenden Donner der Batterien, welche die Erde gegen die himmlische Majest├Ąt aufgef├╝hrt hat, ÔÇô und denke dann, dass Gott bei alledem spricht: ┬╗Aber Ich habe meinen K├Ânig eingesetzt auf meinen heiligen Berg Zion.┬ź Dennoch herrscht Jesus, dennoch wird er die Frucht seiner Arbeit mit Lust schauen (Jes. 53,11). Dennoch wird sein unzerst├Ârbares Reich (Dan. 2,44) kommen, wenn er sich g├╝rten wird mit seiner gro├čen Macht und herrschen bis an der Welt Ende. Schon herrscht er zu Zion und unser Mund l├Ąsst froh den Ruhm unseres Friedensf├╝rsten erschallen. M├Âgen uns auch noch gro├če K├Ąmpfe vorhergesagt sein, so d├╝rfen wir doch die gewisse Zuversicht hegen, dass unserem Herrn und K├Ânig der Sieg gegeben werden wird. Herrliche Triumphe stehen noch bevor. F├╝hre sie eilends herbei, o Herr! Zions Ruhm und Freude ist, dass ihr K├Ânig bei ihr ist. Er sch├╝tzt sie vor ihren Feinden und s├Ąttigt sie mit Gutem. Jesus sitzt auf dem Thron der Gnade und auf dem Thron der Macht inmitten seiner Gemeinde. Er ist Zions beste Schutzwehr. M├Âgen die B├╝rger der Gottesstadt sich in ihm freuen!

  1. Ich will von der Weise predigen, dass der Herr zu mir gesagt hat: ┬╗Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt;
  2. heische von mir, so will ich dir die Heiden zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigentum.
  3. Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen, wie T├Âpfe sollst du sie zerschmei├čen.┬ź

Der Psalm hat dramatische Form, darum wird jetzt eine andere Person redend eingef├╝hrt. Erst haben wir in die Ratsversammlung der Gottlosen einen Blick getan, sodann auf den Thron Gottes, und nun h├Âren wir, wie der Gesalbte des Herrn seine Hoheitsrechte verk├╝ndigt und die Verschw├Ârer vor dem Verderben warnt, dem sie entgegengehen.

Gott hat des wahnwitzigen Ratschlusses der Gottlosen gelacht und jetzt tritt Christus, der Gesalbte, selbst hervor, als der auferstandene Erl├Âser, der in Kraft erkl├Ąrt und erwiesen worden ist als Sohn Gottes nach dem Geist der Heiligung durch die Auferstehung von den Toten (R├Âm. 1,4). Es ist, als sagte der Gesalbte zu den aufr├╝hrerischen K├Ânigen, indem er ihnen in die zornentflammten Angesichter schaut: ┬╗Wenn das nicht gen├╝gt, um euch zum Schweigen zu bringen, wohlan, so will ich von einem Ratschluss Jahwes verk├╝ndigen.┬ź (Grundtext) Dieser Beschluss des H├Âchsten nun steht in unmittelbarem Gegensatz zu dem Anschlag der Menschen, denn sein Inhalt ist gerade die Aufrichtung der Herrschaft, gegen welche die V├Âlker w├╝ten. Der Herr hat zu mir gesagt: ┬╗Du bist mein Sohn.┬ź Das ist ein herrlicher Erweis der G├Âttlichkeit unseres Immanuel. Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: ┬╗Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt?┬ź Wie k├Âstlich ist es, einen g├Âttlichen Erl├Âser zu haben, auf den sich unser Vertrauen st├╝tzen darf! ┬╗Heute habÔÇś ich dich gezeugt.┬ź Bezieht sich das auf die Gottheit unseres Heilandes, so lasst uns nicht versuchen, sie zu ergr├╝nden, denn diese Wahrheit ist mit Ehrfurcht anzunehmen, nicht unehrerbietig zu ergr├╝beln. Und wir m├Âgen hinzuf├╝gen, dass es uns, wenn sich die Worte auf den Eingeborenen in seiner menschlichen Natur beziehen sollten, auch nur geb├╝hrt, uns ├╝ber das Geheimnis zu freuen, dass wir aber nicht wagen d├╝rfen, die Heiligkeit desselben durch zudringliches Hineinsp├Ąhen in die Heimlichkeiten des ewigen Gottes zu entweihen. Die Geheimnisse sind des Herrn, unsers Gottes; was aber offenbart ist, das ist unser und unserer Kinder ewiglich (5. Mose 29,29), und dessen ist genug, ohne dass wir uns in m├╝├čige Spekulationen versteigen. Viele haben sich in Irrwegen verloren bei dem Versuch, die Dreieinigkeit zu erkl├Ąren oder das Wesen der Gottheit zu entschleiern. Gro├če Schiffe haben da Schiffbruch gelitten. Was haben wir mit unserem gebrechlichen Kahn auf diesem Ozean zu tun?

┬╗Fordere von mir.┬ź Bei m├Ąchtigen K├Ânigen war es Brauch, dass sie ihren G├╝nstlingen gaben, was diese begehrten. (Siehe z. B. Esther 5,6; Matth. 14,7.) So ist bei Jesu Bitten so viel als Haben. Hier erkl├Ąrt er, dass eben diese seine Feinde sein Erbe seien. Ins Angesicht bezeugt er ihnen diesen Beschluss des H├Âchsten, und ┬╗H├Ârt! Es gilt euch!┬ź, ruft der Gesalbte, indem er mit seiner durchbohrten Hand das Zepter seiner Macht emporh├Ąlt: ┬╗Er hat mir nicht nur das Recht gegeben, K├Ânig zu sein, sondern auch die Vollmacht, meine Feinde zu besiegen.┬ź Ja, Jahwe hat seinem Gesalbten ein eisernes Zepter gegeben, womit er die emp├Ârerischen V├Âlker zerschlagen wird, und trotz ihrer Herrschergewalt werden auch die K├Ânige nur wie T├Âpfe sein, wie solche werden sie mit Leichtigkeit in Scherben zerschmissen und zerschmettert werden, wenn das eiserne Zepter in der Rechten des allm├Ąchtigen Gottessohnes ├╝ber sie kommt. Was sich nicht beugen will, muss brechen. Irdenes Geschirr, das in St├╝cke zerbrochen ist, kann nicht wiederhergestellt werden; so wird auch das Verderben der S├╝nder hoffnungslos sein, wenn der Herr sie zerschmei├čen wird.

  1. So lasst euch nun weisen, ihr K├Ânige, und lasst euch z├╝chtigen, ihr Richter auf Erden!
  2. Dienet dem Herrn mit Furcht, und freuet euch mit Zittern!
  3. K├╝sset den Sohn, dass er nicht z├╝rne, und ihr umkommet auf dem Wege; denn sein Zorn wird bald entbrennen. Aber wohl allen, die auf ihn trauen!

Wiederum ├Ąndert sich die Szene. Der Prophet selber tritt auf und erteilt denen heilsamen Rat, die sich zu dem unseligen Ratschluss der Emp├Ârung zusammengetan haben. Sie werden ermahnt, sich zu unterwerfen und dem, den sie gehasst haben, den Kuss der Huldigung und Liebe zu geben.

So lasst euch nun weisen. Willigkeit, sich unterweisen zu lassen, ist stets weise, besonders wenn sol┬şche Unterweisung auf das Heil unserer Seelen abzielt. ┬╗Z├Âgert nicht l├Ąnger, werdet doch vern├╝nftig! Euer Feldzug kann euch ja nicht gelingen; darum steht davon ab und unterwerft euch freiwillig dem, der euch zur Beugung vor ihm zwingen wird, wenn ihr sein sanftes Joch verschm├Ąht.┬ź O wie weise, wie unendlich weise ist es, Jesus gehorsam zu werden, und wie schrecklich ist die Torheit derer, die in der Feindschaft gegen ihn beharren! Dienet dem Herrn mit Furcht. Ehrfurcht und Demut beseele euren Dienst. Er ist der gro├če Gott, ihr seid nur schwache Gesch├Âpfe; beugt euch daher in heiliger Anbetung, und lasst kindliche Ehrfurcht sich mit p├╝nktlichem Gehorsam gegen den Ewigen verbinden. Und freuet euch mit Zittern. Heilige Furcht muss mit der Freude des Christen stets vereint sein. Das ist eine heilige Mischung, die auf dem Altar des Herrn einen s├╝├čen Geruch ausstr├Âmt; lasst uns ja keinen anderen Weihrauch auf Gottes Altar bringen. Furcht ohne Freude ist Pein; Freude ohne heilige Furcht w├Ąre Vermessenheit. Man beachte, wie feierlich die Aufforderung zur Vers├Âhnung und Unterwerfung begr├╝ndet wird. Es ist schrecklich, mitten im S├╝ndenlauf umzukommen auf dem Wege der Emp├Ârung. Es ist hohe Zeit, dem g├Âttlichen Strafgericht durch Bu├če zuvorzukommen, denn das Ma├č ist bald voll, das den Ausbruch des g├Âttlichen Zornes bewirkt. Es braucht nicht mehr viel, so entbrennt sein Zorn. S├╝nder, nimm dich in Acht vor den Schrecken des Herrn, denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer (Hebr. 12,29). ÔÇô Lasst uns die Seligpreisung beherzigen, womit der Psalm schlie├čt: Wohl allen, die auf ihn trauen! Haben wir an diesem Gl├╝ck teil? Bergen wir uns glaubensvoll in dem Ewigen? Unser Glaube mag schwach sein wie ein Spinnenfaden; ist er aber echt, so sind wir nach dem Ma├če unseres Glaubens gl├╝cklich und gesegnet. Je v├Âlliger unser Vertrauen auf den Herrn wird, desto reichlicher werden wir auch die Gl├╝ckseligkeit des Glaubens erfahren. Wir wollen daher die Betrachtung dieses Psalms mit der Bitte der J├╝nger schlie├čen: ┬╗Herr, st├Ąrke uns den Glauben┬ź (Luk. 17,5).

Der erste Psalm hat den Gegensatz zwischen dem Gerechten und dem S├╝nder dargestellt; der zweite veranschaulicht den Gegensatz zwischen dem st├╝rmischen Aufruhr der ung├Âttlichen Welt und der gewissen Erh├Âhung des gerechten Sohnes Gottes. In dem ersten Psalm sahen wir die Gottlosen verweht wie Spreu; in dem zweiten schauen wir sie in St├╝cke zerbrochen wie T├Âpfergeschirr. Im ersten Psalm richtete sich unser Blick auf das fr├Âhliche Gedeihen des Gerechten, da er gr├╝nt wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserb├Ąchen; und hier erblicken wir Christus, das Bundeshaupt der Gerechten, in noch h├Âherer Lebensf├╝lle, denn er ist zum K├Ânig eingesetzt ├╝ber alle Lande und alle Heiden neigen sich vor ihm in den Staub, w├Ąhrend er selbst segnend seine H├Ąnde ausbreitet ├╝ber alle, die auf ihn ihre Zuversicht setzen. Die beiden Psalmen sind der eingehendsten Aufmerksamkeit wert; sie k├Ânnen in der Tat als Vorwort zum ganzen Psalter (Psalm 1 nach der sittlichen, Psalm 2 nach der prophetischen Seite) gelten und sind auch von manchen der Alten in einen zusammengefasst worden. Doch sind es zwei verschiedene Psalmen. Der erste zeigt uns das Wesen und das Los der Gerechten, und der andere weist uns auf den messianischen Charakter der Psalmen hin. Dass beide Psalmen einen weit reichenden prophetischen Ausblick haben, ist uns gewiss; aber wir m├╝ssen es geschickteren H├Ąnden ├╝berlassen, dies Gebiet zu erschlie├čen.

Quelle: Charles H. Spurgeon, Die Schatzkammer Davids. Eine Auslegung der Psalmen
4 B├Ąnde. 2. Aufl. des Nachdrucks. Bielefeld 2000. ISBN: 3-89397-372-9

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 14. August 2021 um 22:52 und abgelegt unter Predigten / Andachten, Theologie.