Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Die Bekehrung der Herzen

Freitag 18. September 2020 von Pfr. Wilhelm Busch (1897-1966)


Pfr. Wilhelm Busch (1897-1966)

„Am nächsten Tag stand Johannes abermals da und zwei seiner Jünger;  und als er Jesus vorübergehen sah, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm! Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach.“ (Johannes 1,35-37)

Das größte Wunder ist es, wenn ein Mensch sich zum lebendigen Gott bekehrt. Dass es so etwas gibt! Dass ein Mensch von heute auf morgen die ganze Richtung seines Lebens ändert: Während er vorher nur darauf aus war, Geld zu verdienen, sein Leben zu genießen oder sich einen Namen zu machen, strebt so ein bekehrter Mensch auf einmal nach einem Ziel, das gar nicht im Bereich der sichtbaren Welt liegt. Während er bisher seinen Weg selbst wählte oder sich nach seiner Umwelt richtete, lässt er sich nun auf einmal von einer unsichtbaren Hand leiten.

Die unerleuchtete Vernunft findet das völlig unbegreiflich. Es ist auch unbegreiflich. Eine Bekehrung zu Gott ist einfach ein Wunder. Ein moderner Philosoph, Paul Deussen, hat gesagt: „Die Kraft, die imstande wäre, die Umdrehung unseres Planeten aufzuhalten oder herumzuwerfen in die entgegengesetzte Bahn, müsste wohl eine ganz große kosmische Kraft genannt werden. Und doch ist sie klein im Verhältnis zu der Kraft, die nötig wäre, uns Menschen in unserer selbstischen Umdrehung aufzuhalten und uns herumzuwerfen in die entgegengesetzte Bahn …“

Nun, diese Kraft, die mehr ist als kosmische Kraft, hat Gott in die Welt gegeben in Jesus Christus. Unser Text erzählt uns von dem Wunder einer Bekehrung.

1. Man entdeckt, dass eine unaktuelle Botschaft höchst wichtig ist

Aktuell nennen wir eine Botschaft, die bei uns einen Nerv trifft, dass sie uns interessiert auffahren lässt. Aktuell wäre zum Beispiel die Nachricht: „In einem Zweijahresplan will das Volkswagenwerk dafür sorgen, dass jede Familie ihren Wagen bekommt.“ Aktuell wäre die Botschaft: „Für Hausfrauen wird ab sofort die 40-Stunden-Woche eingeführt.“ Oder die Nachricht: „Der Fußballverein Stoppenberg errang die Westdeutsche Fußballmeisterschaft“. So etwas wären aktuelle Botschaften. Aber wie ganz anders ist das, was den beiden Jüngern in unserer Geschichte mitgeteilt wird! Da zeigt einer auf Jesus und sagt: „Siehe, das ist Gottes Lamm!“

Nein! Das ist keine aktuelle Botschaft! Von einem Lamm ist die Rede. Lämmer gehören nicht in unseren Lebensbereich. Ich glaube nicht, dass einer unter uns Schafzüchter ist. Und von Gott ist in der Botschaft die Rede. Du liebe Zeit: Gott!! Der Mensch von heute zuckt die Achseln und sagt: „über Gott hat man sich Jahrhunderte lang den Kopf zerbrochen. Jetzt sind wir dies Thema müde!“

„Siehe, das ist Gottes Lamm!“ Nein! Das ist kein aktuelles Thema.

Und nun heißt es in unserem Text: Zwei Männer hörten diese Botschaft. Das will sagen: Sie fuhren bei dieser Botschaft auf. Sie spitzten die Ohren. Sie fanden diese Botschaft über alles interessant und wichtig. Und dazu kann ich nur sagen: So fängt das Wunder der Bekehrung an.

Da versteht man sofort ohne lange Erklärung: Hier ist nicht von Schafzucht die Rede, sondern von einem Opferlamm. Man sieht im Geist die Millionen von Opfern, die Menschen dargebracht haben, um Frieden mit Gott zu finden. Man begreift: Hier – in Jesus – ist das letzte, endgültige Opferlamm, das allen religiösen Nöten und Zweifeln ein Ende macht. Hier ist das Opferlamm, das Gott selber gegeben hat. Jesus ist das Opferlamm, das mich wirklich versöhnt. Hier ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde wegträgt.

Es gibt eine unheimliche Geschichte in der Bibel. Da kommen viele Menschen zu Jesus. In ihrer Mitte schleppen sie eine junge Frau. „Jesus!“ rufen sie, „diese Frau haben wir im Ehebruch ertappt. Nach Gottes Gesetz muss sie gesteinigt werden. Damit bist du doch auch einverstanden?!“ „Ja“, sagt Jesus langsam. „Und wer ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein werfen.“ Dann bückt er sich und schreibt in den Sand. Als er wieder aufschaut, steht nur noch die Frau da. Alle haben sich weggeschlichen, „von ihrem Gewissen überführt“.

Wie viel Schuld vor Gott liegt doch unter der dünnen Eisdecke unseres Tagesbewusstseins! Wenn diese Eisdecke bricht, dann, ja dann wird uns die Botschaft auf einmal über alles wichtig: „Jesus ist Gottes Lamm, das meine Sünde wegträgt.“ Und das Gewissen wird getrost bei der Nachricht: „Er hat unsere Sünden selbst hinaufgetragen mit seinem Leibe an das Kreuz.“

2. Das misstrauische Herz fasst Vertrauen

In unserer Textgeschichte geschieht etwas ganz Großes. Aber es ist nur angedeutet. Wir müssen es zwischen den Zeilen lesen: Zwei Männer fassen Vertrauen zu Jesus! Das ist das zweite Wunder bei einer Bekehrung. Würden wir etwa unsre Brieftasche oder unser Sparkassenbuch einem Menschen anvertrauen, den wir nur ganz kurz gesehen und mit dem wir nie gesprochen haben? Nein, das würden wir nicht tun. Und nun kommen in unserer Textgeschichte zwei Männer vor, die nicht nur ihre Brieftasche und ihren Geldbeutel, sondern ihr ganzes Leben dem Manne Jesus anvertrauen. Und dabei hatten sie diesen Jesus nur zweimal gesehen und noch nie mit ihm gesprochen.

Stellt euch vor, wir könnten die zwei Männer fragen: „Wie kommt ihr dazu diesem Jesus so unerhört zu vertrauen? Ist das nicht zu viel gewagt?“ Ich weiß, was sie antworten wurden. Denn sie haben uns ihre Antwort aufgeschrieben. Sie lautet: „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, wie sie nur der eingeborene Sohn Gottes haben kann – voller Gnade und Wahrheit.“

Das ist genau das, was uns das Neue Testament auf fast jeder Seite berichtet, dass Menschen ein unbändiges Vertrauen zu Jesus fassten. Ein Petrus sagt zu Jesus: „ Wenn du es befiehlst, dann werde ich über das Wasser des Meeres laufen.“ Eine arme, kranke Frau denkt: „Wenn ich nur den Saum seines Gewandes berühre, dann werde ich gesund.“ Die Martha ringt sich zu dem Vertrauen durch, dass Jesus ihren toten Bruder erwecken kann. Die so genannte „große Sünderin“ wirft sich mit einem Sack voll Sünden zu Jesu Füßen und vertraut, dass er ihn Ihr abnimmt. Und der Schächer am Kreuz vertraut, dass Jesus Mörder in den Himmel bringt.

Vielleicht denkt jetzt jemand: Die Leute damals hatten es leichter, dem Herrn Jesus zu vertrauen; denn sie sahen ihn ja vor Augen. Es ist schwer, Vertrauen zu einem zu fassen, den man gar nicht sieht. Aber das ist ein Irrtum. Die Männer unserer Geschichte sahen nur einen unbehausten, armen Mann, von dem man nicht viel wusste. Wir haben von seinen Taten und von seiner Auferstehung gehört! Es ist schon so: Zu allen Zeiten ist es ein Wunder, wenn ein Herz Vertrauen zu Jesus fasst. Es ist ein Wunder, weil unser Herz von Natur misstrauisch ist.

Kürzlich machte ich einen Besuch. Als ich geschellt hatte machte ein Mann die Tür nur einen Spalt breit auf und fragte: „Was wollen Sie denn?“ Als ich ihn nachher fragte: „Warum waren Sie so misstrauisch?“, entgegnete er: „Es schenkt einem keiner was.“ Welch ein Wunder, wenn ein Herz vor Jesus aufgeht und glaubt: Du schenkst mir alles, was ich für Leib und Seele, für Zeit und Ewigkeit brauche. Darum darfst du alles von mir fordern.

3. Man tut, was man vorher nicht für möglich gehalten hätte

Da steht ein kleiner, unscheinbarer Satz. Aber er sagt etwas Ungeheures aus: „Sie folgten Jesus nach.“ Das ist das Wunder der Bekehrung. Es ist so seltsam: Seit 2000 Jahren hat die Welt ganz große Veränderungen erfahren. Aber immer wieder geschah und geschieht es, dass ein Mensch sich aufmacht, Jesus nachzufolgen. Weltanschauliche und konfessionelle Kämpfe tobten. Aber in all dem Getümmel geschah es: Menschen folgten Jesus nach.

Was bedeutet das denn? Ich will es an einem modernen Bild klarmachen: Vorher hat man selber am Steuer seines Autos gesessen. Nun gibt man Jesus das Steuer in die Hand. Zuerst sagt man wohl: „Herr Jesus, ich möchte die und die Straße fahren. ich bin froh, dass du nun zu mir eingestiegen bist.“ „Da will ich nur schnell wieder aussteigen“, sagt Jesus. „Warum denn?“, fragt man erschrocken zurück. Und er antwortet: „Ich kenne die Straßen besser, die zum Ziel führen. Lass mich fahren, und vertraue dich mir nur an.“ – Aber nun geht’s noch nicht los. „Was hast du denn da für sinnloses Gepäck? Soll das alles mit? Der fette Schoßhund, dein dickes ich, das lass nur dahinten. Und so allerlei kleine Sündenköfferchen! Lass sie stehen!“

Da rufst du erschrocken: „Herr Jesus, soll ich ganz arm werden?“ „Nein“, sagt er, „bis jetzt warst du arm. Jetzt sollst du reich werden.“ So überlässt man sich ihm, arm und willenlos, und erfährt am Ende: „Aus seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade.“

Quelle: www.erweckungsprediger.de, Pfarrer Wilhelm Busch, Die Suchaktion Gottes

Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 18. September 2020 um 14:47 und abgelegt unter Predigten / Andachten.