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Erntezeit auf der Arabischen Halbinsel

Dienstag 1. Oktober 2019 von Hilfsaktion M├Ąrtyrerkirche e.V.


Hilfsaktion M├Ąrtyrerkirche e.V.

Als hingebungsvoller Muslim war Ibrahim immer bereit, den Koran zu verteidigen. Eines Tages, es war im Jahr 1997, betrat ein Mann sein kleines Gesch├Ąft. Doch anstatt etwas zu kaufen, stellte er ihm eine befremdliche Frage: „Haben Sie jemals die Bibel gelesen?“ ├ťberheblich wies Ibrahim den Mann darauf hin, dass die Bibel voller Irrt├╝mer und Verzerrungen sei. Doch sie unterhielten sich noch kurz. Am Ende ihres Gespr├Ąchs gab der Mann Ibrahim ein Neues Testament und forderte ihn auf, es zu lesen. Ibrahim stimmte zu – in der festen Absicht, sich jeden problematischen Vers, den er fand, zu merken. Aber je mehr er in der Bibel las, desto mehr Probleme bekam er pl├Âtzlich mit dem Koran. „Ich wollte dem Mann helfen, ein Muslim zu werden. Aber das fiel mir immer schwerer“, erinnert sich Ibrahim.

Nachdem er Jesu Aufforderung gelesen hatte, Feinde zu lieben und diejenigen zu segnen, die einen verfluchen, zog Ibrahim ernsthaft in Betracht, den Islam zu verlassen. Aber damit w├╝rde er Schande ├╝ber seine Familie bringen und sich selbst in Lebensgefahr begeben.

Dennoch fuhr er fort, die Heilige Schrift zu studieren, und bat Gott, ihm den richtigen Weg zu zeigen. Ungef├Ąhr ein Jahr sp├Ąter traf er schlie├člich eine Entscheidung und setzte sein Vertrauen in Christus. „Es war ein Monat vor dem Ramadan, als ich Jesus als meinen Herrn annahm“, erz├Ąhlt Ibrahim, „und tiefer Friede erf├╝llte pl├Âtzlich mein Herz.“

Ein Abtr├╝nniger

Der Friede, den Ibrahim empfand, wurde bald von extremer Angst begleitet. Vier Jahre lang versteckte er seine Bibel im Hinterhof und las sie heimlich, immer in der Bef├╝rchtung, dass er jeden Tag von seiner Frau oder einer anderen Person erwischt werden k├Ânnte. Und Ibrahim hatte tats├Ąchlich allen Grund, Angst zu haben: Auf der Arabischen Halbinsel k├Ânnen Konvertiten ganz offiziell zum Tode verurteilt werden. Extremistische Gruppen wie al-Qaida und anhaltende politische Konflikte erschweren das Leben der Gl├Ąubigen zus├Ątzlich.

Aber eines Tages, so berichtet er, entschied er sich gegen diese Angst: „Ich hatte keine Lust mehr, Angst zu haben, und fragte mich: ‚Wenn ich an Jesus glaube und daran, dass er mir ewiges Leben schenkt – warum sollte ich mich dann noch f├╝rchten?‘ Wenn sie kommen, um mich zu t├Âten, dann sollen sie kommen – ich war bereit. So hat Gott meine gro├če Angst in gro├čen Mut verwandelt.“

Nach seiner Taufe im Jahr 2002 hatte Ibrahim den Eindruck, er solle eine Gemeinde gr├╝nden. Daraufhin beschloss er, seinen Glauben und seine Vision mit seiner Frau Fatima zu teilen. Als er es ihr erz├Ąhlte, wurde sie w├╝tend, dass er den Islam verlassen hatte und ein „Kafir“ – ein Ungl├Ąubiger – geworden war. Neben ihrer Wut machte sich Ibrahims Frau aber auch Sorgen darum, wie ihre islamische Gemeinschaft und ihre Familie reagieren w├╝rden. „Jesus war f├╝r mich jemand, der mein Zuhause und meine Familie ruiniert hatte“, sagt sie. Fatima forderte die Scheidung. Doch Ibrahim lehnte ab, weil das gegen seinen christlichen Glauben verstie├č. Fatima konnte die Ver├Ąnderungen im Verhalten ihres Mannes nicht leugnen. Er hatte aufgeh├Ârt, mit anderen Frauen zu flirten und brachte ihr mehr Respekt entgegen.

Der Preis der Nachfolge

Schlie├člich erfuhr die Verwandtschaft von Ibrahims Glauben an Jesus Christus und beide Familien verstie├čen sie. Sie konnten und wollten nicht mit der Schande leben, dass ihr Sohn ein Ungl├Ąubiger geworden war. Ibrahims Familie erz├Ąhlte ihren Nachbarn sogar, dass er bei einem Unfall ums Leben gekommen sei.

Trotz alledem begann Ibrahim verst├Ąrkt damit, das Land zu bereisen und Neubekehrte im christlichen Glauben zu unterrichten, bis er 2009 ins Visier von Extremisten geriet. Islamisten verbreiteten Ibrahims Namen und den Standort seines Gesch├Ąfts im Internet. Sie behaupteten, er habe die Menschen gezwungen, auf den Koran zu trampeln. „Das stimmte einfach nicht“, erkl├Ąrt Ibrahim. „Sie sagten das nur, um mir zu schaden.“

Ibrahim hatte Todesangst und beschloss, zu fliehen. Nachdem er wochenlang um Gottes Weisung gebetet hatte, hatte er das Gef├╝hl, er solle sich in einem Nachbarland niederlassen. Er lie├č seine Frau mit ihren beiden S├Âhne in der Heimat zur├╝ck – und eine Gemeinde, die inzwischen auf mehr als 60 Gl├Ąubige angewachsen war.

Im Nachbarland angekommen, betete Ibrahim intensiv f├╝r die Bekehrung seiner Familie. Wenn er gerade nicht einer Arbeit bei einem muslimischen Ladenbesitzer nachging, teilte er das Evangelium mit Migranten aus seiner Heimat auf dem Markt. Im Laufe der Zeit f├╝hrte er drei von ihnen zum Glauben an Christus. Sie gr├╝ndeten eine Hauskirche.

Unterdessen hatte Fatima angefangen, Englischunterricht bei einer Ausl├Ąnderin zu nehmen. Diese forderte sie auf, die Bibel zu lesen, um etwas ├╝ber die Religion ihres Mannes zu lernen. Fatima verglich die Lehren des Korans ├╝ber Rache mit den Aussagen Jesu ├╝ber Liebe, Vergebung und Barmherzigkeit. Mehr und mehr f├╝hlte sie sich zu Gottes Wort hingezogen. Doch sie z├Âgerte, Christin zu werden. „Es war schrecklich“, sagt sie. „Ich hatte das Gef├╝hl, meine Familie und meine Herkunft zu verraten.“

Eines Nachts im Februar 2010 ├Ąnderte sich f├╝r Fatima jedoch alles. Sie tr├Ąumte von einem Mann in Wei├č, der sie mit den Worten „Hab keine Angst“ beruhigte. Zitternd erwachte sie und wusste, dass der Traum nur von Gott kommen konnte. Fatima akzeptierte Christus als ihren Retter. Als sie Ibrahim anrief und ihm die Neuigkeiten mitteilte, ├╝berschlugen sich die „Halleluja“-Rufe am anderen Ende der Leitung. Zwei Monate sp├Ąter gelangten Fatima und ihre Kinder zu Ibrahim ins Nachbarland.

Als Ibrahim und seine Familie wiederholt heftig von Islamisten angegriffen wurden, flohen sie in ein anderes Land nach Afrika. In den ersten Monaten erlebte die Familie in diesem neuen Land viele Anfechtungen. Sie kannten niemanden. Sie sprachen die Sprache nicht. Sie hatten Probleme, Arbeit zu finden. Ihr Sohn Yousef erhob schwere Vorw├╝rfe gegen seine Eltern. „Das waren die schwersten zwei Monate, die ich durchgemacht habe“, sagt Ibrahim.

Eine neue Aufgabe

Weil sie keine M├Âglichkeit zur Gemeinschaft mit anderen Christen hatten, gr├╝ndete die Familie eine eigene Kirche. Jeden Donnerstag a├čen sie gemeinsam, lasen die Bibel und beteten den Gott an, der sie bis hierher durchgebracht hatte. Sie vertrauten darauf, dass er weiterhin eine Aufgabe f├╝r sie hatte.

Als Ibrahims Visum beinahe abgelaufen war, beantragte er den Fl├╝chtlingsstatus, der ihm sp├Ąter gew├Ąhrt wurde. Dadurch traf er auf andere Fl├╝chtlinge von der Arabischen Halbinsel. Er betete: „Danke, Herr. Jetzt verstehe ich, warum Du mich hierher geschickt hast!“ Ibrahims „Familienkirche“ entwickelte sich bald zu einer Hauskirche, als einige ihrer Landsleute und sogar eine Handvoll sudanesischer Fl├╝chtlinge begannen, sich ihren arabischen Gottesdiensten anzuschlie├čen. Die Familie von Ibrahim durchlebte teilweise Zeiten, die finanziell ├Ąu├čerst knapp waren. Immer wieder erlebten sie aber auch, wie Jesus sie durch seine weltweite Gemeinde versorgte. So konnten sie mit anderen Gl├Ąubigen teilen, was sie hatten. „Das alles kommt Gott“, bekennt Ibrahim. „Ich wusste, Jesus w├╝rde f├╝r uns sorgen, weil ich sein Werk tue.“

Bis heute arbeitet Ibrahims Gemeinde treu unter Fl├╝chtlingen aus seiner Heimat, bezeugt den Glauben an Christus und verteilt Bibeln. Ein Raum in Ibrahims Haus dient als Aufbewahrungsort f├╝r Lebensmittel, die er w├Âchentlich an 50 Einwanderer-Familien verteilt. Au├čerdem ist Ibrahim sehr stolz auf eine junge Fu├čballmannschaft seiner Gemeinde, die er mit Uniformen und Ausr├╝stung ausstatten konnte. „Aber ├╝ber allem steht unser gro├čes Ziel, Jesus zu verherrlichen“, sagt Ibrahim. Von Widerst├Ąnden und Verleumdungen l├Ąsst er sich nicht entmutigen. „Wir m├Âchten den Muslimen unsere Verbundenheit ausdr├╝cken, auch wenn wir Christen sind. Wir wollen ihnen Liebe zeigen.“

Erntezeit

Seit 2013 hat Ibrahims Team 13 Fl├╝chtlinge aus seiner Heimat getauft, und sie rechnen damit, bald drei weitere zu taufen. Vor etwa einem Jahr hat sich Ibrahims Sohn Yousef dem Dienst seines Vaters angeschlossen. Er setzt sich f├╝r gefl├╝chtete Landsleute ein und hilft bei der Gr├╝ndung von Kirchen. Yousef ist inzwischen Mitte zwanzig, hat ein Bibelstudium absolviert und studiert jetzt Film und soziale Medien. Diese Werkzeuge m├Âchte er nutzen, um das Evangelium zu verbreiten und auf Angebote der Gemeinde aufmerksam zu machen.

Ibrahim sieht die jetzige Situation als „Erntezeit“. Er sagt, er habe bei seinen Landsleuten noch nie so eine Offenheit f├╝r das Evangelium gesehen. „Momentan ist es nicht schwer, ihnen von Jesus zu erz├Ąhlen. Ich bin ├╝berzeugt, dass es gerade an der Zeit ist, zu reden und aktiv zu sein.“

Hilfsaktion M├Ąrtyrerkirche (www.verfolgte-christen.de)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 1. Oktober 2019 um 10:05 und abgelegt unter Christentum weltweit.