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GebĂ€rmutter-Transplantation: Ein Kind bekommen – um jeden Preis?

Montag 8. Juli 2019 von IMABE


IMABE

Erstmals kamen in Deutschland zwei Kinder zur Welt, deren MĂŒtter eine GebĂ€rmutter transplantiert bekommen hatten. Die jeweiligen GroßmĂŒtter waren die Spenderinnen. Umstritten ist, ob ein unerfĂŒllter Kinderwunsch derart schwere Eingriffe rechtfertigt. FĂŒr die Spenderinnen bedeutet die Entfernung des Organs eine mehrstĂŒndige Operation, fĂŒr die EmpfĂ€ngerinnen heißt eine Transplantation, dass die jungen Frauen konstant Immunsuppressiva einnehmen mĂŒssen, damit es zu keiner Abstoßungsreaktion kommt. Welche gesundheitliche Langzeitfolgen dies fĂŒr die Kinder bedeutet, ist nicht klar.

Die österreichische Chirurgin Hildegunde Piza Ă€ußerte sich aufgrund der medizinischen Risiken fĂŒr die Kinder kĂŒrzlich kritisch zum Verfahren der GebĂ€rmutter-Transplantation (vgl. IMABE 01/2019). Claudia Bozzaro, Medizinethikerin an der UniversitĂ€t Freiburg, stellt vor allem die mangelnde VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit zwischen den Risiken fĂŒr die Spenderin und dem unerfĂŒllten Kinderwunsch in Frage. Unfruchtbarkeit sei keine lebensbedrohliche Erkrankung. Im Unterschied zu anderen Transplantationen wie etwa von Herz, Leber oder Nieren gehe es bei GebĂ€rmutterverpflanzungen nicht darum, das Leben der EmpfĂ€nger zu retten oder zu verlĂ€ngern. Die Schaden-Nutzen-AbwĂ€gung könne in diesem Fall keine ethische Legitimation fĂŒr den Eingriff liefern, sagt Bozzaro gegenĂŒber der SĂŒddeutschen Zeitung (online, 23.5.2019) Sie hĂ€lt die Uterus-Transplantation fĂŒr „derart invasiv, risikoreich und sowohl ökonomisch als auch personell aufwendig“, dass es nicht plausibel sei, sie mit Verweis auf einen unerfĂŒllten Kinderwunsch zu rechtfertigen. Offen ist auch, wer die Kosten des Eingriffs (SchĂ€tzungen liegen bei 50.000 Euro aufwĂ€rts) tragen soll und ob Krankenkassen – und damit die Solidargemeinschaft – verpflichtet werden können, fĂŒr diese Kosten aufzukommen, zumal keine Krankheit mit Dringlichkeitswert vorliegt. Das erste Kind, das nach einer GebĂ€rmuttertransplantation in Schweden geboren wurde, ist inzwischen fĂŒnf Jahre alt.

Die beiden deutschen Kinder kamen im MĂ€rz und Mai 2019 in TĂŒbingen per Kaiserschnitt zur Welt. Beide MĂŒtter (25 bzw. 26 Jahre alt) waren aufgrund des sog. Mayer-Rokitansky-KĂŒster-Hauser-Syndroms ohne GebĂ€rmutter geboren worden. Die Spender-GroßmĂŒtter hatten bereits die Wechseljahre ĂŒberschritten. An den GebĂ€rmutter-Transplantationen an der UniversitĂ€tsfrauenklinik TĂŒbingen waren auch Ärzte aus Göteborg um Mats BrĂ€nnström beteiligt; sie hatten 2012 den ersten menschlichen Uterus verpflanzt.

Inzwischen sind weltweit 17 Kinder nach Uterus-Transplantationen geboren worden. Zuletzt machte die Geburt eines Kindes in Brasilien Schlagzeilen, dessen Mutter die GebĂ€rmutter von einer hirntoten Spenderin erhalten hatte. Die britische Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) hat bereits zugesichert, dass es keine gesetzlichen HĂŒrden gĂ€be, um auch Transfrauen – also biologischen MĂ€nnern, die sich als Frauen fĂŒhlen – eine GebĂ€rmuttertransplantation und kĂŒnstliche Befruchtung zu ermöglichen.

Institut fĂŒr medizinische Anthropologie und Bioethik, Juni 2019

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 8. Juli 2019 um 17:14 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Medizinische Ethik.