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Keine Regenbogenkirchen mit Gottes Segen

Dienstag 9. Juli 2019 von Pfr. Dr. Tobias Eißler


Pfr. Dr. Tobias Eißler

Mehr Regenbogengemeinden, Regenbogenfamilien im Pfarrhaus, homosexuelle Mitarbeiter im Kindergottesdienst – dafür warb die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold laut dem Artikel der Stuttgarter Nachrichten („Der gute Mensch aus Württemberg bekommt Applaus“) auf dem Kirchentag. Das Kirchentagspublikum applaudiert. Wen wundert’s? Ich applaudiere nicht. Frau Prälatin Arnold weiß das. Ich wollte es nur sicherheitshalber schwarz auf weiß zur Kenntnis geben. Weil ja heute das Selbstverständlichste auch noch auf den Kopf gestellt wird. Tatsächlich gibt es außer mir noch ein paar Christen und Pfarrer, die eine solche Äußerung einer kirchenleitenden Amtsträgerin für nicht angemessen halten. Oder muss man schon von Amtsmissbrauch sprechen?

Mehr Regenbogengemeinden?

Kirchenleitende Personen betonen gerne, sie übten „das Amt der Einheit“ aus. In dem Moment, in dem die Synode eine von Ort zu Ort unterschiedliche Gottesdienstordnung beschließt, die unterschiedlichen Bewertungen des Phänomens Homosexualität Raum gibt, sieht es schlecht aus für die Einheit. Die kirchliche Einheit beruht nämlich auf einer gemeinsamen Überzeugung im Blick auf die Wahrheit des Evangeliums und des Wortes Gottes.

Bei der ausführlichsten Erläuterung der guten Nachricht von Jesus Christus im Neuen Testament entfaltet der Apostel Paulus in Römer 1 (25-28) zunächst, was Gottes Wesen und Willen entgegensteht:

„Die Menschen tauschten die Wahrheit Gottes gegen die Lüge. Sie verehrten die Schöpfung und beteten sie statt des Schöpfers an – der sei in Ewigkeit gelobt, Amen. Deshalb hat Gott sie schändlichen Leidenschaften ausgeliefert. Denn ihre Frauen vertauschten den natürlichen Geschlechtsverkehr mit dem widernatürlichen. Ebenso gaben die Männer den natürlichen Geschlechtsverkehr mit ihren Frauen auf. Dafür entbrannten sie in wildem Verlangen zueinander. Männer treiben es schamlos mit Männern. So empfangen sie am eigenen Leib den gebührenden Lohn für ihre Verirrung. Sie weigerten sich, Gott anzuerkennen. Deshalb überließ Gott sie ihrer verwerflichen Gesinnung. Daher tun sie, was sich nicht gehört…“ (Basisbibel)

Die Praktizierung der gleichgeschlechtlichen Verbindung entspringt demnach einer korrumpierten Gotteserkenntnis: Als ob Gott jede Neigung und Leidenschaft seines Geschöpfes gutheißen würde. Nein, das tut er nicht. Weil er Gott ist. Heilig. Eigenwillig. Die homosexuelle Lebensform ist die Signatur einer Gesellschaft, die diesen lebendigen Gott verfehlt. Missachtet. Diskriminiert.

So stellt es der Apostel fest, der akkreditierte Sprecher von Jesus Christus: Beglaubigt und bevollmächtigt durch eine persönliche Begegnung mit dem himmlischen Herrn, durch wohltuende Zeichen und Wunder, vor allem aber durch eine Verkündigung, die rund ums Mittelmeer Kirchen schuf. Mitten aus einer heidnischen Umwelt heraus, in der das sexuell Perverse toleriert wurde.

Wofür stand die Kirche, die das Evangelium eines Paulus und seiner Apostelkollegen ins Leben rief? Für das Anständige, das Selbstbeherrschte und das Ehrbare. Für einen neuen Lebensstil (1.Kor 6,9.11):

„Das müsstet ihr doch eigentlich wissen: Wer Unrecht tut, wird keinen Anteil an Gottes Reich erben. Macht euch nichts vor! Das betrifft Menschen, die in verbotenen sexuellen Beziehungen leben, die Götzen dienen oder die Ehe brechen. Das betrifft auch Männer, die sich wie Frauen verhalten oder mit Männern schlafen… Manche von euch gehörten früher dazu. Aber ihr seid reingewaschen worden. Ihr seid zu Heiligen geworden und von Gott als gerecht anerkannt – durch den Herrn Jesus Christus, in dessen Namen ihr getauft seid, und durch den Geist unseres Gottes.“

Von Anfang an forderte das Christentum eine reine Lebensführung, d.h. den Verzicht auf jeglichen Missbrauch der guten Schöpfungsgabe Geschlechtlichkeit.

Für diese Norm Gottes stand selbstverständlich auch die württembergische Kirche seit ihren Gründungstagen. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Nicht zufällig. Die sexuelle Revolution der 68er Jahre rebellierte gegen das Geordnete, Selbstbeherrschte, Gesunde und Fruchtbare. Die Generation, die ihre Ideen verinnerlicht hat, hat weithin die Leitung der Kirche übernommen. So kommt es zum offenen Promoting für das, was das Evangelium als gegen Gott gerichtet und schädlich für den Menschen offenbart.

Geschieht ein solches Werben von der Position des kirchenleitenden Amtes aus, wird die Spaltung der Kirche weiter vorangetrieben. Weil sich ein Teil der Gemeinde sicherlich an die klare apostolische Weisung gebunden weiß. Während ein anderer Teil diese Weisung zu umgehen versucht, z.B. mit dem Argument, die Aussagen des Paulus bezögen sich auf Vergewaltigung, Pädophilie oder Promiskuität.

Leider haben diese Interpretationsversuche keinen Anhalt am Text. Der Apostel teilt das Grundsätzliche mit, das zeitlos Gültige, den Gotteswillen im Blick auf die partnerschaftliche Lebensform als solche. Trotz dem Text und gegen den Text propagiert man, was die neue Ideologie lehrt.

Die eigentliche Aufgabe des kirchenleitenden Amtes besteht darin, „das Wort der Wahrheit“ recht auszuteilen (2.Tim 2,15), also: die Ideologie zu entlarven und den Weg Gottes zu lehren. Doch schon Jesus stieß auf das Phänomen, dass gerade die theologischen Leiter und Lehrer in die falsche Richtung führten: „Lasst sie, sie sind blinde Blindenführer!“ (Mt 15,14)

Sollte jemand versuchen, trotz zwei Positionen, die sich widersprechen und einander ausschließen, einen Dienst an der Einheit auszuüben, müsste er zumindest Verständnis für beide Positionen signalisieren und sie als gleichberechtigt anerkennen. Eine solche Fairness ist nicht erkennbar, wo sich die Kirchenleitung für mehr Regenbogengemeinden einsetzt, also: für mehr Spaltung der Kirche. Deshalb – kein Applaus!

Regenbogenfamilien im Pfarrhaus?

Die Kampagne für die Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Lebensform führt mit innerer Folgerichtigkeit zu der Forderung, dass auch in der Dienstwohnung des Pfarrers Regenbogenfamilien leben sollten. Die württembergische Synode hat sich im Jahr 2012 mit dem Pfarrdienstgesetz befasst und beschlossen, dass die eingetragene Lebenspartnerschaft im Pfarrhaus im Grundsatz nicht möglich ist.

Es wird in diesem Zusammenhang gerne auf die Möglichkeit von Ausnahmen hingewiesen: bei Zustimmung von örtlichem Kirchengemeinderat und Oberkirchenrat kann doch eine Erlaubnis erteilt werden. Doch hier gilt freilich: Ausnahmen bestätigen die Regel. Wer die Ausnahme überbetont, löst die Regel auf.

Die Synode hat erklärt, dass der Regelfall und die Norm im Pfarrhaus ein verheiratetes Ehepaar ist, wie es schon immer war und wie es dem vierten und sechsten Gebot und der Bergpredigt entspricht, die gerade der Pfarrer zu lehren und zu vertreten hat.

Wie kann von der Seite der Kirchenleitung geworben werden für das, was die Synode im Grundsatz ablehnt? Das kann eigentlich nur dann geschehen, wenn man die Beschlusslage nicht ernst nimmt.

Vermutlich handelt es sich um einen bewussten Widerspruch. Die Kirche soll verändert und revolutioniert werden im Sinne des neuen Denkschemas, das von den Lobbygruppen und den Medien gepredigt und von der liberalen Theologie gerechtfertigt wird. Man fordert, was der Mainstream fordert. Und kann sich des Beifalls gewiss sein.

Es ist nicht mein Beifall. Denn der Apostel sieht für den gemeindeleitenden Dienst die Lebensordnung der Ehe vor (1.Tim 3,2):

„An einem Gemeindeleiter darf es nichts auszusetzen geben: Er darf nur eine Frau haben. Er soll klar sein im Urteil, besonnen und würdig, gastfreundlich und ein guter Lehrer.“

Es fällt auf, dass in der ganzen Regenbogen-Bewegung Bibelzitate eine eher untergeordnete Rolle spielen. Man vermeidet die Bezugnahme auf die klaren Aussagen zum verhandelten Thema. So scheint es auch bei dem Votum von Frau Prälatin Arnold gewesen zu sein. Deshalb – kein Applaus.

Homosexuelle Mitarbeiter im Kindergottesdienst?

Frau Prälatin Arnold skizziert einen Vorgang in einer Landgemeinde, dass jemand, der sich als homosexuell lebend „outet“, von einem Dienst in der Kirchengemeinde, z.B. im Kindergottesdienst, ausgeschlossen wird. Dieser angenommene Fall wird als unzulässig kritisiert.

Diese Kritik ist nur verständlich von einer neuen Richtlinie her, die für die Kirche verbindlich sein soll. Diese Richtlinie lautet: Die Mitarbeit ist in jedem Fall möglich und begrüßenswert unter Absehung von dem, was ein Mensch im Blick auf Partnerschaft lebt.

Diese Richtlinie stimmt nicht überein mit der eben zitierten Lebensordnung für Gemeindeleiter in 1.Tim 3,2. Von jedem Christen wird erwartet, grundsätzlich zu bejahen und zu leben, was Gottes Willen entspricht. Das gilt insbesondere für Christenmenschen, die andere anleiten und lehren (1.Tim 4,12.16):

„Vielmehr sollst du ein Vorbild für die Glaubenden sein – im Umgang mit dem Wort und in deiner Lebensführung. Und genauso in der Liebe, im rechten Glauben und in der Rechtschaffenheit. Achte darauf, wie du lebst und was du lehrst. Bleibe treu bei deinen Aufgaben. Wenn du das tust, rettest du dich selbst und alle, die auf dich hören.“

Der Mitchrist, der den Weg der Nachfolge verfehlt, ist nach neutestamentlicher Anweisung zu mahnen und zur Umkehr zu rufen. Wenn mehrfache Mahnung, auch durch einen größeren Kreis von Mitchristen, nichts fruchtet, verlangt Jesus Distanzierung von dem betroffenen Glaubensgenossen (Mt 18,15-20).

Diese Gemeinderegel von Jesus legt es nicht nahe, an Mitarbeitern festzuhalten, die leicht beeinflussbaren Kindern ein falsches Vorbild geben. Im Gefälle der Gemeinderegel liegt das kritische Hinterfragen und Entfernen des Mitarbeiters aus einem geistlichen Dienstamt. Wer etwas anderes fordert, legt sein Ziel offen, die Kirche, die nach den Worten von Jesus und seinen Aposteln geformt und geordnet ist, in „die Regenbogenkirche“ zu verwandeln.

Ich gehöre zu keiner „Regenbogenkirche“. Viele Mitchristen und Pfarrer, die ich kenne, auch nicht. Wir sind Kirche des Kyrios Jesus. Wir geben Christus und seiner weisen Gemeindeordnung die Ehre. Deshalb – kein Applaus. Sondern – Erschrecken und Trauer, Schweigen und Klagen, Gebet für die wahre Kirche, Zeugnis und Bekenntnis. Freundliche Grüße an alle Christen in Württemberg, die in dieser Zeit widerstehen und zusammenstehen!

Pfarrer Dr. Tobias Eißler, Gemeindepfarrer in Ostfildern-Ruit und Mitglied in der Fortsetzungsgruppe des Netzwerks Bibel und Bekenntnis

Quelle: www.bibelundbekenntnis.de

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 9. Juli 2019 um 12:53 und abgelegt unter Gemeinde, Gesellschaft / Politik, Kirche, Sexualethik.