Was hält, wenn alles zerbricht? Der kleine Krisenratgeber
Montag 10. August 2009 von Johann Hesse

Was hält, wenn alles zerbricht? Der kleine Krisenratgeber
0.1 Zeiten der Krise
Wohl noch nie haben wir das Wort Krise so häufig gehört und vielleicht auch selbst gebraucht, wie in den vergangenen 12 Monaten. Was bedeutet eigentlich das Wort Krise? Es stammt vom griechischen Wort “krinein”, das übersetzt wird mit: aussondern, scheiden, entscheiden, richten und urteilen. Im Neuen Testament wird das Wort Krisis gebraucht, um das Gericht Gottes zu bezeichnen (Joh 5,28.29; 1Joh 4,17).
Im deutschen Sprachgebrauch bezeichnet es eine (Ent-)Scheidung, eine “entscheidende Wendung” und bedeutet eine “schwierige Situation, Zeit, die den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt” (Duden). Dass es sich hierbei um einen Wendepunkt handelt, kann jedoch oft erst konstatiert werden, nachdem die Krise abgewendet oder beendet wurde. Nimmt die Entwicklung einen dauerhaft negativen Verlauf, so spricht man von einer Katastrophe (www.wikipedia.de)
Die derzeitige Weltwirtschafts- und Finanzkrise hat die gesamte Weltwirtschaft und Weltpolitik an einen Wendepunkt geführt. Es stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Wird es eine Wende zu wirtschaftlicher Erholung geben oder einen katastrophalen Niedergang?
0.2 Die Krise aus geistlicher Perspektive
Ich möchte bewusst keine Prognosen zum weiteren Verlauf abgeben. Wenn unser Thema heute Morgen heißt: Was hält, wenn alles zerbricht?, will ich damit nicht sagen, dass die derzeitige Krise in eine Katastrophe münden wird, in der alles zerbrechen wird. Und doch fordert uns eine solche globale Krise regelrecht heraus, die Frage zu stellen: Was wird denn halten, wenn alles zerbrechen sollte? Was wird Bestand haben, wenn alles zu Grunde geht? Unsere Vorfahren mussten sich diese Frage immer wieder stellen, sei es am Ende des 30-jährigen Krieges oder am Ende des zweiten Weltkrieges. Diese Frage stellt sich auch immer da, wo wir persönlich und privat in schwere Krisenzeiten greaten. Ich werde im ersten Teil zeigen, dass auch diese Krise geistliche Hintergründe hat und jeder für sich durch eine solche Krise herausgefordert wird, geistliche Antworten auf die Frage zu finden: Auf was kann ich mich verlassen? Was hält auch in Krisenzeiten?
1 Menschheitsgeschichte ist Krisengeschichte
1.1 Die Mutter aller Krisen
Ein Blick in die Weltgeschichte führt uns zwar einerseits die Sternstunden der Menschheit vor Augen, andererseits ist nicht zu übersehen, dass die Menschheitsgeschichte vor allem von Krisen, Kriegen und Katastrophen durchzogen ist. Die Geschichtswissenschaft gibt uns keine Antwort darüber, wieso Menschheitsgeschichte zugleich Krisengeschichte ist. Die Bibel sieht die Weltgeschichte dagegen aus dem Blickwinkel der Ewigkeit, sie stellt die Menschheitsgeschichte in den Zusammenhang der Heilsgeschichte Gottes. Auf den ersten Seiten der Bibel wird gewissermaßen der Ursprung oder die Mutter aller Krisen beschrieben:
“Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen….Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage an dem du von ihm isst, musst du des Todes sterben.” (1Mose 2,16.17)
Nachdem Adam und Eva das Gebot Gottes übertreten und damit gegen Gott gesündigt hatten und von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen gegessen hatten, setzte Gott die angekündigte Strafe in Kraft:
“Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst wieder zu Erde werden.” (1Mose 3,17.18.19)
Gott verflucht als Folge des Sündenfalls den Acker Adams und damit seine Lebens- und Wirtschaftsgrundlage. Er und seine Frau Eva werden unter das Gericht (Krisis) des Todes und der Vergänglichkeit gestellt. Adam und Eva haben durch den Ungehorsam gegenüber Gott eine Beziehungskrise ausgelöst, die zur Mutter aller Krisen der Menschheitsgeschichte geworden ist. Diese Beziehungskrise zwischen Gott und Mensch, ausgelöst durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares, steht am Anfang aller Krisen: Aus dieser ersten Krise speisen sich Ehekrisen, Beziehungskrisen, Wirtschaftskrisen und die katastrophalen Beziehungskrisen der Völker, die in ungezählten Kriegen und zwei weltumfassenden Kriegen ihren Ausdruck fanden. Keine Krise der Menschheit und auch unsere eigenen ganz persönlichen Lebenskrisen werden nicht recht verstanden, wenn sie nicht im Zusammenhang mit dieser Mutter aller Krisen gebracht werden.
2 Die geistliche Dimension der Weltwirtschaftskrise
Die aktuelle Wirtschaftskrise ist selbstverständlich ein ungeheuer komplexes Phänomen, das selbst die Chefökonomen von Banken und Wirtschaftsunternehmen nicht voraussagen konnten, noch umfassend erklären, geschweige denn beheben können. Aus biblischer Perspektive fällt jedoch auf, dass auch diese Krise eine geistliche Dimension hat.
2.1 Auf dem Acker liegt ein Fluch
Der Acker, den der Mensch bebaut, steht unter dem Fluch Gottes. Da wo gute Frucht wachsen soll, sprießen plötzlich Dornen und Disteln. Da wo ein mittelständischer Hersteller von Auspuffanlagen für die Autoindustrie in Anlagen investiert hat, um einen großen schwäbischen Automobilhersteller zu beliefern, bricht plötzlich die Nachfrage weg. Statt Ertrag, steht unversehens der Verlust in den Büchern. Disteln statt Weizen. Auch ein Investmentbanker oder ein Börsenmakler muss sein Brot mit Mühsal und im Schweiße seines Angesichts verdienen und sei es auch nur der Angstschweiß, der austritt, wenn die Kurse ins Bodenlose fallen. Der Investor Warren Buffet sagte im Herbst 2008: Er habe noch nie so viele Wirtschaftsleute in Angst und Schrecken gesehen. Gottes Fluch, der auf dem Acker Adams lag, wird auch durch Roboter- und Computertechnik nicht überwunden und kann auch Menschen in teuren Anzügen hinter gläsernen Fassaden in Frankfurt, London oder New York zur Verzweiflung treiben.
2.2 Weltwirtschaft in der Vertrauenskrise
Die Mutter aller Krisen war eine Beziehungs- und Vertrauenskrise. Anstatt Gott zu vertrauen, vertrauten die ersten Menschen der verführerischen Stimme der Schlange. Aus dem Misstrauen gegenüber dem Wort des Schöpfers, kam der Ungehorsam und der Bruch der Beziehung. Krisen des menschlichen Miteinanders sind immer auch Vertrauenskrisen. Da wo der eine Mensch dem Wort des Anderen kein Vertrauen mehr schenkt, wächst Misstrauen, was bis zum Beziehungsbruch führt und am Ende in der Krise eskaliert. Es ist kein Geheimnis, dass die derzeitige Weltwirtschaftskrise eine Vertrauenskrise ist. In dem Artikel “Die Grundlage von fast allem” (FAZ v. 20.12.2008) wird aufgezeigt, dass das Vertrauen die Grundlage des gesamten Weltwirtschafts- und Finanzwesen ist. Ein weiterer Artikel stellt fest: “Es geht um das Vertrauen ins System” (FAZ v. 03.02.09). Eine weitere Überschrift “Das Vertrauen (ins Bankensystem) ist erschüttert.” (FAZ v. 16.03.2008). Die Krise legt die Fundamente der Wirtschaft frei: Ohne Vertrauen können Volkswirtschaften nicht existieren und erfolgreich zum Vorteil aller wirtschaften. Eine Weltwirtschaft, in der kein Vertrauen mehr herrscht, ist vergleichbar mit dem Fahren eines Sportwagens, dessen Motor kein Öl mehr hat. Die rasante Fahrt wird irgendwann mit einem Kolbenfresser jäh beendet.
2.3 Die Dimension der Sünde
So wie die Ursprungskrise der Menschheit durch das sündhafte Verhalten des ersten Menschenpaares ausgelöst wurde, so finden wir auch in den Krisen unserer Zeit die Kraft der Sünde am Werk. Es ist unbestritten, dass menschliche Gier, Habsucht, und Maßlosigkeit maßgeblich an der Weltwirtschaftskrise beteiligt sind. Allein der Titel eines gerade erschienenen Buches macht das deutlich: Die Gier war grenzenlos. Eine deutsche Börsenhändlerin packt aus, Econ-Verlag, 2009. Die Bibel warnt den Menschen vor der Gier nach dem großen Geld:
“Denn die reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Verstrickung, und in viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen in Verderben und Verdammnis. Denn Geldgier ist eine Wurzel alles Übels, danach hat einige gelüstet und sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen. Du aber Gottesmensch, fliehe das! Jage aber nach der Gerechtigkeit, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut!” (1Tim 6,9.10.11)
Es sind nicht nur die offensichtlichen Fälle, wie die des Milliardenbetrügers Madoff, sondern auch die Millionen von kleinen und großen gierigen und maßlosen Einzelentscheidungen, die eine riesige Blase entstehen ließ, die dann platzen musste. Gier und Maßlosigkeit lassen den Menschen in Verderben und Verdammnis versinken. Das sündhafte Verhalten der unzähligen Marktteilnehmer ist im Gefüge der Weltwirtschaft eine gefährliche und zerstörerische Kraft, die ohne Frage wesentlich an den jetzigen Krise beteiligt ist. Die Geschichte Israels macht deutlich, dass die Sünde, das Missachten der Gebote Gottes, immer auch wirtschaftliche Auswirkungen haben wird:
„Wenn du aber nicht gehorchen wirst der Stimme des HERRN, deines Gottes, und wirst nicht halten und tun alle seine Gebote und Rechte, die ich dir heute gebiete, so werden alle diese Flüche über dich kommen und dich treffen: Verflucht wirst du sein in der Stadt, verflucht wirst du sein auf dem Acker. Verflucht wird sein dein Korb und dein Backtrog. Verflucht wird sein die Frucht deines Leibes, der Ertrag deines Ackers, das Jungvieh deiner Rinder und Schafe.“ (5Mose 28,15-18)
2.4 Die Krise der Vergänglichkeit
In der weltwirtschaftlichen Krise zeigt sich auch die Krise der menschlichen Vergänglichkeit, der seit dem Sündenfall die gesamte Schöpfung unterworfen ist.
“Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst wieder zu Erde werden.” (1Mose 3,17.18.19)
“Díe Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat, doch auf Hoffnung.” (Rö 8,20)
Der Mensch und mit ihm die gesamte Schöpfung ist gekennzeichnet von Zerfall und Vergänglichkeit. Der Mensch stirbt, Brot schimmelt, Autos rosten, Geld wird entwertet, Kurse fallen und Systeme brechen in sich zusammen. Wir können der ungebrochenen Macht der Vergänglichkeit nicht entrinnen. Dabei sucht der Mensch intensiv und fieberhaft nach Auswegen aus dem Zerfall. In der Medizin ist man bereit über die Leichen von Embryonen zu gehen, um den menschlichen Zerfall aufzuhalten. In der Wirtschaft wird alles getan, um das Geld vor dem unerbittlichen Zugriff des Werteverfalls zu schützen. Ein Vermögensberater berichtete mir, wie er den Oktober 2008 erlebte. Er machte deutlich, dass er Vorgänge miterlebt hat, die er so noch nicht kannte. Anleger auf der panikartigen Suche nach sicheren Wertanlagen. Goldbestände, die innerhalb eines Tages restlos ausverkauft waren. Wir haben es alle in den Zeitungen nachlesen können. Der Goldpreis stieg im März 2008 erstmals auf 1.000 US-Dollar pro Unze. Auf die letzten 6 Jahre bezogen, hatte sich der Goldpreis damit vervierfacht. Der Mensch ist auf der Suche nach Werthaltigkeit, er ist auf der Suche nach Unvergänglichkeit, er verlangt nach stabilen Werten, auch und gerade wenn alles zerbricht. Er überträgt diese an sich geistliche Sehnsucht auf sein irdisches Leben (Gesundheit) und sein irdisches Vermögen (Geld) und ist bereit dieses Vermögen unter hohen Kosten zu verteidigen, zu schützen und zu erhalten. Der Vermögensberater beendete seine Schilderung mit folgender Bemerkung: Er hätte den Eindruck gehabt, dass die Leute am Ende bereit wären, sich gegenseitig aus den Bäumen zu schießen, um ihr eigenes Hab und Gut vor dem Zugriff des Anderen zu retten. Der Vergleich schien mir etwas sehr makaber und doch spiegelt sie eine Realität wieder: Der Mensch ist bereit, über Leichen zu gehen, wenn er seine ganze Sehnsucht und Hoffnung an irdische Werte bindet und in der Katastrophe diese irdischen Werte mit allen Mitteln zu verteidigen sucht.
3 Mit Gott durch Krisenzeiten
3.1 Orientiert am prophetischen Wort
Eine der größten nationalen Krisen Israels war die Zerstörung des Jerusalemer Tempels und die Deportation des jüdischen Volkes nach Babylonien durch den babylonischen König Nebukadnezzar. Der Prophet Daniel, der diese nationale Katastrophe des Volkes miterlebte und durchlitt, hat uns in seinem Buch Hinweise hinterlassen, was in Krisenzeiten ganz oben auf der Tagesordnung stehen sollte.
“Im ersten Jahr des Darius, des Sohnes des Ahasveros, aus dem Stamm der Meder, der über das Reich der Chaldäer König wurde, in diesem ersten Jahr seiner Herrschaft achtete ich, Daniel, in den Büchern auf die Zahl der Jahre, von denen der Herr geredet hatte zum Propheten Jeremia, dass nämlich Jerusalem siebzig Jahre wüste liegen sollte.“ (Dan 9,1.2)
Der Prophet Daniel studierte die Heiligen Schriften und orientierte sich an den Verheißungen des prophetischen Wortes. Dem Volk war zu diesem Zeitpunkt alles genommen worden: Die Heimat, die Freiheit, der Tempel. Hier war wirklich alles zerbrochen, zerstört und vernichtet. Was blieb? Was hielt? Was hatte Bestand auch mitten in dieser nationalen Katastrophe? Daniel studierte das prophetische Wort Gottes. Was Gott geredet hat, bleibt in Ewigkeit und hat auch in der Krise Bestand.
“Denn alles Fleisch ist wie Gras und alle seine Herrlichkeit ist wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen; aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit.” (1Petr 1,24.25; Jes 40,6-8)
“Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.” (Lk 21,33)
Kurse stürzen in den Keller, Banken verschwinden über Nacht, Volkswirtschaften sind von der Existenz bedroht, Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage, ja ganze Kulturen können untergehen. Es ist alles vergänglich und hat keinen Bestandsschutz, das Wort Gottes aber bleibt in dieser Zeit und darüber hinaus in Ewigkeit. Die Prophetie an der sich Daniel orientierte, erfüllte sich, als Israel aus dem Exil zurückkehren durfte. Gottes Wort hält, was es verspricht, das Angekündigte erfüllt sich und es bietet eine verlässliche Orientierung auch und gerade da, wo alles andere zerbricht. Deshalb wollen wir in Zeiten der Krise das Wort Gottes suchen, uns daran orientieren, daran festhalten und andere auf den festen Halt des Wortes Gottes hinweisen.
3.2 Nur den Betern kann es noch gelingen
“Und ich kehrte mich zu Gott, dem Herrn, um zu beten und zu flehen unter Fasten und in Sack und Asche. Ich betete aber zu dem Herrn, meinem Gott, und bekannte und sprach: Ach, Herr, du großer und heiliger Gott, der du Bund und Gnade bewahrt hast denen, die dich lieben und deine Gebote halten! Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos geworden und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen…Neige dein Ohr, mein Gott, und höre, tu deine Augen auf und sieh an unsere Trümmer und die Stadt, die nach deinem Namen genannt ist. Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.” (Dan 9,3-5.18) Wir haben gesehen, dass auch die derzeitige Krise in mehrfacher Hinsicht eine geistliche Dimension hat. Sie lässt sich nur mit geistlichen Mitteln bewältigen und überwinden. Daniel kehrt um und tut Buße. In der westlichen Welt haben wir alle Grund genug Buße zu tun. Unsere Gesellschaften waten im Blut vieler Millionen getöteter Kinder, wir haben Geld und Güter zu unseren Götzen gemacht und haben den übergroßen Überfluss nur selten mit denen geteilt, die wenig oder gar nichts haben. Erstaunlich wie passend die prophetischen Worte Reinhold Schneiders auch gerade in diesen Zeiten wieder klingen:
„Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen.
Denn Täter werden nie den Himmel zwingen: Was sie vereinen wird sich wieder spalten, was sie erneuern über Nacht veralten, und was sie stiften Not und Unheil bringen.
Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt, und Menschenhochmut auf dem Markte feiert, indes im Dom die Beter sich verhüllen. Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt und in den Tiefen, die kein Aug‘ entschleiert, die trocknen Brunnen sich mit Leben füllen.“
Reinhold Schneider
Ich will es nicht hoffen, aber es könnte sein, dass wir in Zukunft die Bitte im Vater Unser um das tägliche Brot sehr viel intensiver beten werden und mancher wird vielleicht in diesen Tagen unter dem Druck der wirtschaftlichen Not das Beten lernen.
3.3 Gott versorgt gerade in Zeiten der Krise
Es ist eine wiederkehrende Erfahrung, dass Menschen Gottes Eingreifen und Durchhelfen besonders in Grenzsituationen erleben. Wer satt und zufrieden ist, vergisst, dass er in allen Lebensbezügen von Gottes Versorgung und Zuwendung abhängig ist. Ein schönes Beispiel für Gottes Fürsorge in Zeiten der Not finden wir im Alten Testament zur Zeit des Propheten Elisa: Die Witwe eines Prophetenjüngers kommt in große wirtschaftliche Not. Kurz vor der Zwangsvollstreckung, die beiden Söhne sollen vom Gläubiger in die Leibeigenschaft verkauft werden, wendet sich die verzweifelte Frau an Elisa. Elisa fragt die Frau: Sage mir, was hast du im Hause? Sie sprach: Deine Magd hat nichts im Hause als einen Ölkrug. Er sprach: Geh hin und erbitte draußen von allen deinen Nachbarinnen leere Gefäße, aber nicht zu wenig. (2Kön 4,2.3) Nach der Sammelaktion und zurück zu Hause soll die Witwe ihr Öl in die gesammelten Krüge gießen. Und hier erlebt die Witwe plötzlich das Eingreifen Gottes: Der Ölfluss will nicht enden, bis auch der allerletzte Krug mit Öl gefüllt ist. Wenn man bedenkt, dass Öl in diesen Zeiten sehr wertvoll war, dann geschah hier mitten in der Krise ein kleines himmlisches Wirtschaftswunder. Wir werden in einer kommenden Notlage nicht leere Kanister sammeln, aber wir dürfen vertrauen, dass Gott seine Kinder auch in kommenden Notlagen versorgt und ihnen auf wunderbare Weise das tägliche Brot zukommen lassen wird, denn diese Wahrheit wankt nicht: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit (Hebr 13,8).
3.4 Ich weiß, dass mein Erlöser lebt
Hiob war nicht nur der ein frommer (Hiob 1,8), sondern auch ein schwerreicher Mann. Er nannte siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen sein eigen, hatte sehr viele Angestellte. Er war wohlhabender als die Meisten seiner Zeitgenossen (Hiob 1,3).
3.4.1 Auch Christen kommen in die Krise
Das Leben Hiobs zeigt unmissverständlich auf, dass es das sogenannte Wohlstandsevangelium nicht gibt. Christen werden genauso in Notzeiten geraten wie andere Menschen auch. Hiob hat nicht nur sein gesamtes Vermögen verloren, sondern dazu noch seine 10 Kinder und seine Gesundheit. Auch uns kann alles genommen werden, Frau und Kinder, Ehre und Ansehen, Gesundheit und Lebensqualität, Haus und Auto. Wir wünschen uns das nicht und wünschen das keinem Menschen und doch sollten wir wissen, dass auch ein Christ für alles das, was er hier schätzt und liebt keine Gottesgarantie hat. Hiob hat die unfassbaren Hiobsbotschaften mit der äußerst nüchternen und doch glaubensvollen Aussage beantwortet: Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; der Name des Herrn sei gelobt (Hiob 1,21). Hiob ist danach noch in schwerste Anfechtungen und in tiefe Verzweiflung geraten. Der Glaube wurde bis aufs tiefste erschüttert. Auch wir müssen damit rechnen, dass eine Zeit existentieller wirtschaftlicher Not uns in tiefe Erschütterungen, Anfechtungen und Glaubenskämpfe führen wird.
3.4.2 Schwere Zeiten werden kommen
Jesus hat seine Jünger gelehrt, dass die Endzeit von schweren Zeiten geprägt sein werden. Frieden und Wohlstandsperioden sind nicht an der Tagesordnung: Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. Das alles aber ist der Anfang der Wehen (Mt 24,7). Mit dem dritten apokalyptischen Reiter, der eine Waage in seiner Hand hält, verkündigt eine himmlische Stimme: Ein Maß Weizen für ein Silbergroschen und drei Maß Gerste für einen Silbergroschen; aber dem Öl und Wein tu keinen Schaden. (Offb 6,6) Die Preise für Luxusgüter bleiben stabil, während die Preise für Lebensmittel steigen. Für viele Menschen weltweit sind diese steigenden Preise heute lebensbedrohliche Realität. Wir bekommen heute die Flasche Wein im Aldi für 1,99 €, während ein Familienvater mit seinem Wochenlohn die Kinder nicht mehr mit Brot oder Reis versorgen kann. Das ist die perverse Realität der Endzeit. Doch Christen müssen sich zum Ende hin auch auf das Äußerste gefasst machen. Unter dem Antichristen wird Christen der Zugang zu Waren und Dienstleistungen verwehrt werden. Wer das Mal des Tieres nicht trägt, wird weder kaufen noch verkaufen können (Offb 13,16).
3.4.2 Mein Erlöser lebt
Alles irdische Glück, was Hiob in dieser Welt besessen hatte, war ihm genommen worden. Es ist das große Wunder, dass dieser Mann Gottes, in dieser katastrophalen und scheinbar völlig aussichtslosen Lage zu einer wunderbaren Erkenntnis kommt:
„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen.“ (Hiob 19,25.26)
Alles war ihm zerbrochen, alles war ihm genommen worden. Doch mitten in diesen katastrophalen Lebensumständen erwuchs Hiob durch Gottes Gnade und Geist eine unverbrüchliche Wahrheit: “Mein Erlöser lebt.” Diese Wahrheit hat in Ewigkeit Bestand, auch dann noch wenn dem Menschen alles genommen wird. Hiob hat hier mit prophetischem Blick den auferstandenen und wiederkommenden Herrn vor Augen:
Jesus Christus spricht: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offb 1,17.18)
„Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter auf Erden. Ja, Amen.“
Wir wollen hoffen, dass die düsteren Prognosen der Wirtschaftswissenschaftler für die Weltwirtschaft nicht in Erfüllung gehen. Als Christen wissen wir aber auch darum, dass diese Welt eine vergängliche Welt ist, die dem Weltgericht entgegengeht. Wir wissen auch um die Realität schwerer persönlicher Notlagen, von den unlösbaren wirtschaftlichen Problemen der Endzeit und von gewaltigen kommenden Bedrängnissen. Doch in alldem tragen wir dieses große Geschenk der Gnade Gottes in unseren Herzen:
„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen.“ (Hiob 19,25.26)
Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 10. August 2009 um 19:00 und abgelegt unter Predigten / Andachten, Seelsorge / Lebenshilfe.













