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Marias Vorbild und die prophetische Bedeutung des Magnifikat

Freitag 7. Dezember 2018 von Norbert Lieth


Norbert Lieth

«Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.» Das erfuhr Maria, die Mutter unseres Herrn, auf eindrückliche Weise. Ihre Haltung kann uns heute vieles lehren und ihr Lobpreis zur Ehre des Herrn offenbart punktgenau den Heilsplan unseres unvergleichlichen Retter-Gottes.

Eines der berühmtesten Lieder der Bibel ist das Lied Marias in Lukas 1,46–55:

«Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich über Gott, meinen Retter, dass er angesehen hat die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter! Denn grosse Dinge hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name; und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht über die, welche ihn fürchten. Er tut Mächtiges mit seinem Arm, er zerstreut, die hochmütig sind in der Gesinnung ihres Herzens. Er stösst die Mächtigen von ihren Thronen und erhöht die Niedrigen. Hungrige sättigt er mit Gütern, und Reiche schickt er leer fort. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an, um an seine Barmherzigkeit zu gedenken, wie er es unseren Vätern verheissen hat, Abraham und seinem Samen, auf ewig!»

Die Wuppertaler Studienbibel bietet zum Lied der Maria eine hervorragende Einleitung:

«Das Loblied der Maria, diese ‹Krone aller Psalmen des Alten Bundes und zugleich der herrliche Anfang alles Lobsingens im Neuen Bunde›, ist besonders wunderbar. Wie das Brausen des Sturmwindes fährt der Heilige Geist durch die Geschichte der Völker und Zeiten und ruft zur Umkehr, zum Glauben und zur Nachfolge auf. Aus überwältigender Gnadenerfahrung der Gegenwart Gottes entsprungen, stehen die Worte der Maria da wie ein Ja und Amen zu aller bisherigen Geschichte des Reiches Gottes rückwärts und leuchten vorwärts wie eine grosse Weissagung bis in die fernsten Zeiten. Das grosse Halleluja des Neuen Bundes hat damit herrlich seinen Anfang genommen. Mit dem Lobgesang der Maria beginnen die Lobgesänge des NT.»

Das Magnifikat (Lateinisch für «Meine Seele erhebt den Herrn») Marias zeugt von einem dichterischen Talent und einem grossen Bibelwissen. Marias Lied ist voller alttestamentlicher Bezüge und ähnelt sehr dem Lied Hannas in 1. Samuel 2:

«Mein Herz freut sich in dem Herrn; mein Horn ist erhöht durch den Herrn. Mein Mund hat sich weit aufgetan über meine Feinde; denn ich freue mich in deinem Heil! Niemand ist heilig wie der Herr, ja, es ist keiner ausser dir; und es ist kein Fels wie unser Gott! Redet nicht viel von hohen Dingen; Vermessenes gehe nicht aus eurem Mund! Denn der Herr ist ein Gott, der alles weiss, und von ihm werden die Taten gewogen. Der Bogen der Starken ist zerbrochen, aber die Schwachen haben sich mit Kraft umgürtet. Die Satten haben sich um Brot verkauft, aber die Hungrigen hungern nicht mehr; ja, die Unfruchtbare hat sieben geboren, und die viele Kinder hatte, ist verwelkt! Der Herr tötet und macht lebendig; er führt ins Totenreich und führt herauf! Der Herr macht arm und macht reich; er erniedrigt, aber er erhöht auch. Er erhebt den Geringen aus dem Staub; aus dem Kot erhöht er den Armen, damit er sie sitzen lasse unter den Fürsten und sie den Thron der Herrlichkeit erben lasse. Denn die Grundfesten der Erde gehören dem Herrn, und er hat den Erdkreis auf sie gestellt. Er wird die Füsse seiner Getreuen behüten; aber die Gottlosen verstummen in der Finsternis; denn der Mensch vermag nichts aus eigener Kraft. Die Widersacher des Herrn werden zerschmettert werden; er wird über sie donnern im Himmel. Der Herr wird die Enden der Erde richten und wird seinem König Macht verleihen und das Horn seines Gesalbten erhöhen!» (V 1–10).

Maria ist wie eine Prophetin, die die Geschichte von der Erfüllung her betrachtet. Sie setzt Prophetie in die Gegenwart. Marias Reagieren und Handeln ist auch ein Vorbild für alle Gläubigen. Sie wird gleichsam zu einem Prototyp, wie Gläubige handeln sollten. Ihre Geschichte wird zu einem Spiegelbild unserer Geschichte und soll uns in unserem Glaubensleben anspornen.

Der Engel Gabriel kam zu Maria und verkündete ihr: «Du hast Gnade bei Gott gefunden» (V 30). Sie antwortete: «Wie kann das sein …?» (V 34). Der Engel antwortet ihr, dass der Heilige Geist über sie kommen und die Kraft des Höchsten sie überschatten wird (V 35) und fügt hinzu: «Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich» (V 37). Maria reagiert mit einer Glaubensentscheidung, indem sie sagt: «Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort» (V 38). Daraufhin wird Jesus in ihr gezeugt.

«Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und reiste rasch in das Bergland, in eine Stadt in Juda, und sie kam in das Haus des Zacharias und begrüsste Elisabeth» (V 39–40). Maria war im ersten Monat schwanger, doch es drängte sie, eilend in das Gebirge Judäa zu gehen, um Elisabeth zu besuchen. Wir ersehen daraus, dass Maria eine entschlussfähige Frau gewesen sein muss. Gott freut sich über zielgerichtete Nachfolger.

Der Weg durch das Bergland war lang, beschwerlich und nicht ungefährlich. Zudem war sie allem Anschein nach allein unterwegs. Und gewiss trug sie die Sorge im Herzen, sich für ihre Schwangerschaft rechtfertigen zu müssen. Doch Marias Glaube findet eine wundervolle Bestätigung. Sie kommt gar nicht erst dazu, Elisabeth ihre Schwangerschaft zu erklären. Denn kaum hat sie das Haus betreten, da hüpft das Kind im Leib der Elisabeth, und mit dem Heiligen Geist erfüllt, ruft sie Maria zu: «Glückselig ist, die geglaubt hat; denn es wird erfüllt werden, was ihr vom Herrn gesagt worden ist!» (V 45). Menschen mögen Maria verleumden und sich von ihr distanzieren, doch der Heilige Geist bestätigt das Unmögliche.

Elisabeth war eine Verwandte Marias und im sechsten Monat schwanger, als Maria sie besuchte. Wir werden hier einer kuriosen Familiensituation gegenübergestellt: Die beiden Frauen tauschen sich aus und haben intensive Gemeinschaft miteinander. Sie beschäftigen sich auch mit der Herrlichkeit Gottes, mit Seinen Verheissungen, Seinen Segnungen und wunderbaren Führungen und stärken sich gegenseitig im Glauben. Beide verkünden laut das Lob Gottes. Und gleichzeitig sehen wir da Zacharias, den Ehemann Elisabeths: Er ist stumm, und zwar wegen seines Unglaubens (V 20). Maria wird als «glückselig» bezeichnet, weil sie glaubte. Wer glaubt, erfährt die Erfülung der Verheissungen Gottes. Wer nicht glaubt, hat nichts zu sagen.

Nach drei Monaten (V 36.56; wahrscheinlich wartete sie die Geburt des Johannes ab) kehrte Maria – nun im vierten Monat schwanger – nach Nazareth zurück. Zu diesem Zeitpunkt war sie noch nicht verheiratet, doch ihre Schwangerschaft war nicht mehr zu übersehen. Was würden die Leute in Nazareth sagen? Die junge Frau war als Verlobte drei Monate alleine in den judäischen Bergen gewesen und nun kam sie als Unverheiratete schwanger zurück … Wie würde Joseph reagieren? Doch Gott übernimmt wieder alle ihre Sorgen, indem Er reagiert!

Joseph, von dem gesagt wird, dass er gerecht war, wollte Maria nicht der öffentlichen Schande preisgeben, sondern sie heimlich entlassen (Mt 1,19). Das lässt Gott nicht zu: «Während er aber dies im Sinn hatte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum, der sprach: Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was in ihr gezeugt ist, das ist vom Heiligen Geist» (Mt 1,20).

Unsere Glaubenswege ähneln manchmal den Wegen Marias. Man hat sich für Jesus entschieden. Man macht sich auf den Weg, auch wenn dieser nicht einfach ist. Im Gegenteil, er ist strapaziös und lang, bergig und felsig, sehr oft auch einsam, und zudem schleppt man noch eine Sorge mit sich und hat vielleicht Erklärungsnöte.

Doch man ist im Glauben unterwegs, mit Jesus im Herzen und vom Heiligen Geist gedrängt. Und letztendlich erfährt man, dass der Herr einen trägt und die belastende Sorge zu Seiner Sorge macht, weil Er den Glauben Seiner Kinder stets bestätigt und sie nie hängen lässt.

Maria ist die griechische Form von Miriam. Im Hebräischen bedeutet er «Bitterkeit, Betrübnis», abgeleitet vom Wort «mara» (bitter). Dennoch trug in Israel jede fünfte bis siebte Frau diesen Namen. Im Neuen Testament kommen sechs Frauen mit dem Namen Maria vor, allein in den Evangelien werden uns vier verschiedene Frauen mit diesem Namen vorgestellt. Warum war der Name so verbreitet, wenn er doch eigentlich eine solch negative Bedeutung hatte? Drei mögliche Gründe:

  1. Der Name versinnbildlichte die bittere Situation Israels zu jener Zeit. Es gab keine Propheten mehr, das Land war von den Römern besetzt und von dem Tyrannen Herodes beherrscht.
  2. Gott wollte damit zeigen, dass Er dort, wo man Ihm Einlass gewährt, Bitterkeit in Freude verwandeln kann. «Mein Geist freut sich über Gott, meinen Retter.»
  3. Aramäisch war damals in Israel genauso populär wie Hebräisch, man sprach beide Sprachen gleichermassen. Grosse Teile des Daniel- und des Esrabuches, besonders die prophetischen, sind in Aramäisch verfasst worden. Und das Wort «Maranatha», «Unser Herr, komm!» (1.Kor 16,22; Jak 5,8; Offb 22,20), ist ein aramäisches Wort, in dem der Begriff «mara» beziehungsweise «mar» (Maria, Mariam) steckt. Drückte das aramäische «Maria» die Sehnsucht und die Hoffnung des Volkes nach dem Kommen des Messias aus, nachdem Gott so lange geschwiegen hatte und es keine Propheten mehr gab? Hiessen vielleicht deshalb so viele Frauen Maria? Wenn dem so wäre und der Herr sich ausgerechnet eine Maria auserwählt hätte, um in ihr Mensch zu werden, dann wäre das eine Bestätigung, wie sehr Gott die Naherwartung begrüsst. – Sehnen wir uns nach der Rückkehr des Herrn? Rufen wir «Maranatha!»?

Kommen wir zu Marias Lobgesang: «Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich über Gott, meinen Retter» (Lk 1,46–47). Wir sehen, dass Seele und Geist zusammengehören und eine Einheit bilden. Die Seele (Psyche) ist das Wesen unserer Persönlichkeit, das Empfinden und Fühlen; der Geist ist der Sitz des Denkens, Wollens und Entscheidens. Beides steht bei Maria im Einklang: Mit der Seele erhebt sie den Herrn, im Geist freut sie sich über Gott, ihren Retter.

Jeder Mensch möchte wahre Freude haben. Wo findet man eine Freude, die nicht nur die Seele berührt, sondern auch den Geist; eine Freude, die tragfähig ist, die selbst im Leid Bestand hat? Maria nennt Gott ihren Retter (Heiland); sie hat also eine persönliche Beziehung zu Ihm. Das ist es, was den Glauben ausmacht und Freude bringt. Glaube bedeutet eine Beziehung eingehen: «Ich glaube an Dich, Herr.» Glaube ist nicht etwas Hohles, etwas Unsicheres oder Distanziertes, nicht etwas Gefühlloses oder Kaltes, sondern etwas, das mich mit Gott verbindet und in Ihm verankert, etwas, das mich Ihn erfahren lässt. Und wenn ich mit Ihm in Verbindung stehe, dann habe ich Freude. Im Geist kann ich eine Freude haben, die nicht unbedingt seelisch spürbar sein muss. Doch meine Seele macht den Herrn gross, «weil er Grosses an mir getan hat» (V 49). Ich habe etwas, woran ich mich erfreuen kann, etwas, das für Seele und Geist erfahrbar ist.

Der Grund für Marias Lob: «… dass er angesehen hat die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter! Denn grosse Dinge hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name» (Lk 1,48–49). Die Elberfelder Bibel sagt es so: «Er hat hingeblickt auf die Niedrigkeit seiner Magd», und die Wuppertaler-Studienbibel so: «Er hat heruntergeblickt auf die Niedrigkeit seiner Sklavin.»

Maria besass ein tiefes Bewusstsein ihrer Niedrigkeit und Unwürdigkeit und ein grosses Bewusstsein der Grösse Gottes und Seiner Gnade, mit der Er sie beschenkt hatte. Gott hatte sich herabgelassen und Grosses an ihr getan.

«Wer die Grösse hat, sich klein zu machen, ist wahrhaftig gross», las ich einmal irgendwo. Der Gott des Korans, Allah, fordert bedingungslose Unterwerfung. Der Gott der Bibel ist der Gott der Liebe, der sich für uns klein macht, der sich zu uns herabneigt. Das ist das Grosse, das Er an uns tut: Seine Erniedrigung macht uns reich. Jesus ist gekommen und Ihm ist alles möglich. Maria hatte einen felsenfesten Glauben, denn sie sagt: «… von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter!» (V 49). In ihrem Zustand und in ihrer Situation hätten wir wahrscheinlich gejammert: «Wenn ich nach Hause komme, werden sie mich steinigen oder mich in Schande fortjagen.»

Maria blickt über sich hinaus: «Seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht über die, welche ihn fürchten. Er tut Mächtiges mit seinem Arm, er zerstreut, die hochmütig sind in der Gesinnung ihres Herzens. Er stösst die Mächtigen von ihren Thronen und erhöht die Niedrigen. Hungrige sättigt er mit Gütern, und Reiche schickt er leer fort. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an, um an seine Barmherzigkeit zu gedenken» (Lk 1,50–54). Hatte Maria bis hierher über ihr persönliches Heil gesprochen, so hat sie nun auch einen prophetischen Blick, der weit über sie selbst und sogar über Israels Grenzen und Zeit hinausgeht. Sie präsentiert acht grosse Gottesoffenbarungen, und zwar in der Gegenwartsform. Das deutet auf die prophetische Kraft ihrer Worte, die der Heilige Geist ihr eingegeben hat. Sie sieht und verkündet alles von der Erfüllung her.

  1. Seine Barmherzigkeit gilt allen.
  2. Er tut Mächtiges mit Seinem Arm.
  3. Er zerstreut die Hochmütigen.
  4. Er stösst Mächtige von ihren Thronen.
  5. Er erhöht die Niedrigen.
  6. Er sättigt Hungrige mit Gütern.
  7. Er schickt Reiche leer fort.
  8. Er nimmt sich Seines Knechtes Israel an.

Maria deutet damit an, dass alle Menschen das erfahren dürfen, was sie an göttlicher Zuwendung und Barmherzigkeit erfahren hat. Ihre Erfahrungen mit Gott haben Vorbildcharakter. Denn Er hat Seine Barmherzigkeit nicht nur über Maria ausgeschüttet; sie gilt allen jüdischen Menschen von Geschlecht zu Geschlecht und letztendlich auch den Heiden. Sie gilt allen, die Ihn fürchten.

Gott zu fürchten bedeutet nicht, vor Gott Angst zu haben, sondern Ihn ernst zu nehmen, Seinem Wort zu glauben und persönlich und entschlossen darauf einzugehen. Wer das nicht tut, wird nie Sicherheit bekommen und nie echte, bleibende Freude erlangen.

Maria hatte aber auch vor Augen, dass Gott denjenigen widersteht, die Ihm widerstehen, egal wie angesehen sie vor den Menschen auch sein mögen. Hier sind die hochmütigen Pharisäer und Schriftgelehrten angesprochen, die das Volk verführten, sodass es schliesslich zerstreut wurde. Auch Herodes ist angesprochen, dessen Dynastie unterging, ebenso das gesamte römische Imperium, das später zugrunde ging.

Gott hatte auch dem Kaiser Augustus etwas entgegenzusetzen. Dieser war der Grossneffe von Caesar und regierte von 30 v.Chr. bis 14 n.Chr. Augustus ist auch unter dem Namen Gaius Octavius bekannt, doch der Senat verlieh ihm als Ehrentitel den Namen Augustus. Dieser Name bedeutet «der Erhabene». Der Herr Jesus war Gottes Antwort auf den Erhabenen der Menschen, denn fortan sollte Jesus Christus der Herr aller Herren und König über alle Könige sein; Er ist der Erhabene Gottes. Er ist auch der Arm Gottes, mit dem Gott Geschichte macht. «Darum hat ihn Gott auch über alle Massen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allen Namen ist» (Phil 2,9). Diese Aussage gilt aber auch den heutigen Nationen, die sich immer weiter von Gott entfernen und letzten Endes in ein antichristliches Weltreich einmünden und schliesslich zerschlagen werden.

Maria hatte auch einen Blick für Gottes Treue in Bezug auf Israel: «Er nimmt sich seines Knechtes Israel an, um an seine Barmherzigkeit zu gedenken, wie er es unseren Vätern verheissen hat, Abraham und seinem Samen, auf ewig!» (Lk 1,54–55). Maria nennt Israel «Knecht Gottes». Das tat zuvor schon Gott selbst durch den grossen Propheten Jesaja: «Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, mein Auserwählter, du Same Abrahams, meines Freundes, den ich von den Enden der Erde ergriffen und aus ihren entferntesten Winkeln berufen habe und zu dem ich gesprochen habe: Du bist mein Knecht, ich habe dich auserwählt und nicht verworfen» (Jes 41,8–9). Nach 400 Jahren des Schweigens und allem, was geschehen war, hätte Israel sich fragen können: «Hat uns Gott verlassen, hat Er uns vergessen? Kommt der Messias denn nicht mehr? Hat Gott Seinen Plan geändert?» Doch da werden die Prophezeiungen plötzlich Geschichte und Gott gedenkt Seiner Barmherzigkeit.

Wir warten doch auch schon so lange auf das Kommen des Herrn! Ob vielleicht alles anders kommt, als wir es erwarten? Gottes Zeitplan ist nicht der unsrige! Sicher ist, dass Er alles erfüllt, was geschrieben steht. Hierbei ist der prophetische Blickwinkel Marias höchst aufschlussreich. Sie bezeugt fünf Dinge, die meines Erachtens die Abwicklung der Heilsgeschichte andeuten:

  • «Seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht über die, welche ihn fürchten» (V 50). Das bezieht sich auf das erste Kommen Jesu, durch welches Gott Seine Barmherzigkeit über alle Menschen ausschüttete.
  • «Er tut Mächtiges mit seinem Arm; er zerstreut, die hochmütig sind in der Gesinnung ihres Herzens» (V 51). Das bezieht sich auf die Zerstreuung Israels, nachdem es Jesus verworfen hat.
  • «Er stösst die Mächtigen von ihren Thronen und erhöht die Niedrigen» (V 52). Das bezieht sich auf die Einsetzung der Gemeinde und die zeitweilige Verwerfung Israels. Israel ist vom Sockel gestürzt worden und eine Gemeinde aus den verachteten Nationen ist erhöht worden.
  • «Hungrige sättigt er mit Gütern, und Reiche schickt er leer fort» (V 53). Am Ende des Gemeindezeitalters wird sich alles um die Wirtschaft drehen. Die Gemeinde Jesu wird von der Erde weggenommen und der Reichtum der Gottlosen wird in der Apokalypse wertlos sein (Jak 5,1–9; Offb 18).
  • «Er nimmt sich Seines Knechtes Israel an, um an seine Barmherzigkeit zu gedenken, wie er es unseren Vätern verheissen hat, Abraham und seinem Samen, auf ewig!» (V 55). Das weist auf die Wiederannahme Israels beziehungsweise des gläubigen Überrestes hin. Gott wird Seiner Barmherzigkeit gedenken und Seine Verheissungen erfüllen: Israel wird wieder zum «Knecht des Herrn» werden.

Über die ganze Geschichte, die Maria durchlebte und die sich prophetisch auf die Völker legt, können wir als markanten Untertitel den Vers setzen: «Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich» (V 37).

Was schleppen Sie, lieber Leser, zurzeit mit sich herum? Womit gehen Sie innerlich schwanger? Befinden Sie sich einsam und missverstanden in felsigem Bergland? Dann denken Sie daran: Die Einwilligung Marias in den Willen Gottes änderte alles! «Maria aber sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort!» (V 38). Eine solche Entscheidung kann auch Ihr Leben ganz entscheidend verändern!

Norbert Lieth

Auszug aus Prophetische Entdeckungen in Liedern der Bibel, Norbert Lieth, S. 317–327. Beim Verlag Mitternachtsruf erhältlich. Bestell-Nr. 180032

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 7. Dezember 2018 um 10:38 und abgelegt unter Allgemein.