Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Adventspredigt ├╝ber Mt 21,1-9

Sonntag 9. Dezember 2018 von Martin Luther (1483-1546)


Martin Luther (1483-1546)

„Da sie nun nahe an Jerusalem kamen, nach Bethphage an den ├ľlberg, sandte Jesus seiner J├╝nger zwei und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und alsbald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein F├╝llen bei ihr; bindet sie los und f├╝hret sie zu mir! Und wenn euch jemand etwas wird sagen, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Alsbald wird er sie euch lassen. Das geschah aber, auf dass erf├╝llt w├╝rde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: ┬╗Saget der Tochter Zion: Siehe, dein K├Ânig kommt zu dir sanftm├╝tig und reitet auf einem Esel und auf einem F├╝llen der lastbaren Eselin.┬ź Die J├╝nger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das F├╝llen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den B├Ąumen und streuten sie auf den Weg. Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohne Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der H├Âhe!“ (Mt 21,1-9)

Dieses Evangelium hat zwei St├╝cke. Das erste St├╝ck ist von des Herrn Christus Einzuge, da er zu Jerusalem einreitet. Das andere St├╝ck ist, dass der Herr, wie Lukas schreibt, als er nahe hinzukommt, die Stadt Jerusalem ansieht und ├╝ber sie weint (Luk. 19, 41-44). Vom ersten St├╝ck m├╝ssen wir zuerst reden.

Ihr habt oft geh├Ârt, dass ein Christ nicht deshalb so hei├čt, weil er von Vater und Mutter geboren ist; auch nicht deshalb, weil er Johannes, Petrus, Paulus hei├čt, sondern deshalb, weil Christus ihm seinen Namen an die Stirne, ja ins Herz geschrieben hat. Denn durch die Taufe sterben wir, und da wird zu uns gesagt: Du Mensch, der du bisher ein Adamskind gewesen bist, Hans, Peter, Paul gehei├čen hast, du sollst nicht mehr allein ein Mensch, sondern sollst auch ein Christ hei├čen, Ein Mensch hei├čt, wer aus Fleisch und Blut geboren wird; aber ein Christ hei├čt, wer getauft und mit Christi Blut in der Taufe von S├╝nden abgewaschen ist: der soll diesen Namen f├╝hren und ein Christ hei├čen. Wenn man dich fragt und spricht: Wie hei├čt du so mit dem neuen Namen ein Christ? hei├čt du doch sonst Hans, Peter, Paul? Kannst du also antworten und sagen: Ja, von meinem Vater bin ich Hans, Peter, Paul genannt worden, aber ein Christ bin und hei├če ich deshalb, weil ich mit Christi Blut getauft und gewaschen bin. Von dem Mann Christus hei├če ich ein Christ. Er hei├čt Christus, ich hei├če ein Christ, nicht von meinem heiligen Leben, sondern deshalb, weil ich Christus in der Taufe angezogen habe und mir sein Name an meine Stirne geschrieben, ja in mein Herz gedr├╝ckt ist.

Das will nun dieses Evangelium, dass wir den K├Ânig, von dem wir den Namen haben, dass wir Christen hei├čen, empfangen sollen. Denn wenns zum Sterben kommt, so stirbt Johannes, Petrus, Paulus dahin, aber ein Christ stirbt nicht. Ich sehe, dass Johannes, Petrus, Paulus begraben wird, aber ein Christ stirbt nicht, wird auch nicht begraben, sondern lebt. Darum wenn ich als Petrus, Paulus sterbe, da kommts nicht drauf an. Weil ich aber ein Christ bin, soll der Petrus, Paulus wieder aus dem Grabe hervorkommen. Denn Christus, von dem ich den Namen habe, sagt es selbst, dass wir als Christen wieder aus dem Grabe hervor m├╝ssen, auf dass wir so glauben lernen, was wir durch diesen K├Ânig haben: n├Ąmlich Erl├Âsung von S├╝nde, Tod und H├Âlle. Und das ists auch, was der Prophet Sacharja, welchen der Evangelist hier anf├╝hrt, sagt (9, 9): Siehe, dein K├Ânig, der dich retten und sch├╝tzen will, kommt zu dir sanftm├╝tig, fromm und hilfreich. Er ist voll Gerechtigkeit und kommt zu dir, dich fromm zu machen; er ist voll Lebens und kommt zu dir, das Leben zu schenken. Das hei├čt Christus, und daher hei├čen wir Christen.

Das ist die hohe Predigt, die wir gerne h├Âren und Gott daf├╝r danken sollen, auf dass wir, wenn wir sterben sollen, zuverl├Ąssigen Trost haben und sagen k├Ânnen: Ich, Hans, Paul, Peter, liege hier und bin krank; aber weil ich ein Christ bin, will ich auf Christus, von dem ich den Namen f├╝hre, sterben und bleiben, wo er ist. So f├Ąhrt Hans, Paul, Peter nicht in die H├Âlle, bleibt auch nicht im Tode, sondern f├Ąhrt in Christi Scho├č und lebt.

Das ist eine andere Predigt als die, welche man von guten Werken lehrt. Wahr ists: Hans, Paul, Peter m├╝ssen und sollen gute Werke tun, aber diese Predigt geht h├Âher. Wenn du, Hans, Nickel, Paul, Peter, fromm bist und gute Werke tust, so mu├čt du noch etwas mehr haben, n├Ąmlich dass du ein Christ seiest und von Herzen sprechest: Ich glaube an Jesus Christus. Dieser K├Ânig kommt zu mir mit aller Sanftmut und Gnade und hilft mir von S├╝nden, Tod, Teufel und H├Âlle; auf den bin ich getauft, an den glaube ich, bei dem bleibe ich und sterbe so dahin. So entl├Ąuft man dem Tod und aus diesem Leben und kommt in das ewige Leben.

Dies ist das erste St├╝ck, das der Prophet Sacharja und der Evangelist aus dem Propheten verk├╝ndigen: Saget der Tochter Zion, siehe dein K├Ânig kommt zu dir, barmherzig, gerecht und ein Helfer, er will dich fromm und gerecht machen. Daraus folgt, dass dieser K├Ânig nicht dazu kommt, dass er die Menschen richte und in die H├Âlle sto├če. Mose kommt, dass er Anklage und richte, Joh. 5, 45. Der Teufel kommt auch, dass er verklage, richte und t├Âte. Richter, K├Ânige, Kaiser kommen, dass sie richten und t├Âten. Denn das ist der weltlichen Obrigkeit Amt, ihnen von Gott befohlen. Aber dieser K├Ânig kommt nicht, dass er richte, sondern dass er helfe, von S├╝nden erl├Âse, verzeihe und vergebe. So sollen wir ihn erkennen lernen, und zu solchem K├Ânige sind wir berufen. Gott gebe, dass wir ihn empfangen und bei ihm bleiben, Amen.

Das andere St├╝ck ist, dass Lukas sagt, Christus habe ├╝ber die Stadt Jerusalem geweint. Das Volk, das vorauszieht und nachfolgt, ruft ihm zu und spricht: Hosianna dem Sohn Davids; Gott sei gelobt, der K├Ânig ist vorhanden, es hat nun keine Not (Luk. 19,37 f.). Aber er, der Herr, hebt an und sieht die Stadt an und weint. Ach, wenn du es w├╝sstest, sagt er, so w├╝rdest du auch zu dieser deiner Zeit bedenken, was zu deinem Frieden dient (19, 42). Er weint ├╝ber die, welche diese Predigt nicht achten. Billig h├Ątte er z├╝rnen, mit Donner und Blitz drein schlagen sollen; er h├Ątte das auch getan, so er sie nach ihrem Verdienst h├Ątte richten wollen. Aber er weint, dass sie so verstockt sind und die Zeit ihrer Heimsuchung nicht annehmen wollen und sagt: Man wird dich, Jerusalem, erst├╝rmen und Jung und Alt, alles erw├╝rgen und dich schleifen (19, 43 f.).

Das sagt er vor Jerusalem mit betr├╝btem Herzen und setzt die Ursache dazu und sagt: Solches wird dir widerfahren, ┬╗darum dass du nicht erkennet hast die Zeit, darinnen du heimgesucht bist┬ź (Luk. 19. 44). Das ist, als wollte er sagen: Ich komme und suche dich mit Barmherzigkeit heim, bringe dir Hilfe und Trost, bringe dir Erl├Âsung von S├╝nde und Tod und dazu das ewige Leben. Das tue ich aus lauter G├╝te und Barmherzigkeit, w├Ąre dazu nicht verpflichtet noch schuldig. Und du solltest dagegen so voller Teufel sein, dass du solche G├╝te und Gnade, dir von mir angeboten, nicht nur nicht annehmen willst, sondern auch meiner dazu spottest? Das wird an dir kr├Ąftig ger├Ącht werden.

Ebenso wird heutigen Tages das Evangelium gepredigt, man h├Ârts reichlich, dass Christus solcher K├Ânig sei, wie ihn dies Evangelium abmalt. Aber B├╝rger, Bauern und die vom Adel, die F├╝rsten und gro├čen Herren dieser Welt verfolgen das Evangelium. Was will daraus werden? Christus besucht sie gn├Ądig, bringt ihnen das Geschenk vor die T├╝r; sie schlagen ihn tot. Wie k├Ânnte einer toller sein, als wenn man ihm vor sein Haus Silber und Gold tr├╝ge und spr├Ąche: Das alles soll dein sein, tue die Hand auf und nimm hin – und er f├╝hre zu und stie├če alles von sich und schl├╝ge den tot, der ihm das Silber und Gold bringt? Da w├╝rden alle, die das sehen, sagen: Dieser ist besessen; es w├Ąre auch die lautere Wahrheit. Aber hier ist nicht ein Sack voll Gulden, sondern ein anderer Schatz, n├Ąmlich: wenn du nicht mehr leben kannst und nun sterben sollst, will dir Christus zuvorkommen, dir solche Hilfe bringen, dass du das ewige Leben haben sollst. Und indem er dir solchen Schatz anbietet, wird er doch von dir weggesto├čen und verachtet. Das beklagt er hier.

Darum wollen wir uns gut vorsehen. Gnadenreich ist dieses K├Ânigs Einreiten und Ankunft, und die Gabe, die er bringt, ist tr├Âstlich. Aber wenn er verachtet und dazu verfolgt wird und man nicht glauben will, so weint er. So habe ich oft gesagt: Deutschland muss eine Plage treffen, es wird ein solch Blutvergie├čen werden, dass niemand wissen wird, wo er daheim sei. Alsdann wird dieser K├Ânig zu dir sagen: Ich kam vor dein Haus, bot dir das ewige Leben an, du aber gingest dieweil hin und s├Âffst dich voll, t├Ątest, was du wolltest, und verfolgst mein Evangelium noch dazu. So habe nun auch dies Ungl├╝ck zum Lohn. So ging es zu Jerusalem auch zu. Da Christus dahin kam und sprach: Liebe Tochter, tue die T├╝r auf, hier kommt dein K├Ânig. Was tat sie? Die Braut ging hin und h├Ąngte ihren K├Ânig an den Galgen. Da machte ers auch so mit ihr, dass man nun nicht wei├č, wo Jerusalem geblieben ist. Darum, ihr meine lieben Kinder, Jung und Alt, Klein und Gro├č, lasset euch nicht in den Sinn kommen, dass ihr denken und sagen wollet: Ich wills wohl noch lernen, sondern brauchet die Zeit, weil der Herr nahe ist, wie der Prophet Jes. 55, 6 sagt: ┬╗Suchet den Herrn, solange er zu finden ist, rufet ihn an, solange er nahe ist┬ź. Werden wirs missachten, da er die T├╝r zutut, so wird nichts mehr daraus; er wird uns wieder schreien und umsonst anklopfen lassen wie die t├Ârichten Jungfrauen, welche kommen, da die T├╝r verschlossen war, und sprechen: ┬╗Herr, Herr, tu uns auf┬ź. Er aber antwortet: ┬╗Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht┬ź (Mt 25,11 f.).

Darum sage ich: H├╝tet euch! Ihr seid jung, es kann geschehen, dass ihr das zuk├╝nftige Ungl├╝ck ├╝ber Deutschland erleben, sehen und erfahren werdet. Denn es wird ein Wetter ├╝ber Deutschland kommen, und wird nicht ausbleiben. Gott hats der Stadt Jerusalem nicht schenken k├Ânnen, da so viel heilige Leute gelebt hatten und begraben waren, David und alle Propheten, ja da Gott selbst gewohnt hat. Jerusalem war sein Schl├Âsslein und K├Ąmmerlein, davon er selbst sagt: Hier wohne ich, mein Himmel ist hier; und dennoch hat Gott diese Stadt um der S├╝nde willen, welche hei├čt: die Zeit der Heimsuchung nicht achten, so greulich gestraft und verw├╝stet.

Das sind Gottes Strafen f├╝r die teuflische S├╝nde, die da hei├čt: die Zeit der Heimsuchung nicht erkennen. Es ist wohl gro├če S├╝nde, dass Bauer, B├╝rger, die vom Adel und jedermann so geizig sind; aber dass sie ├╝ber diese S├╝nde hinaus Gottes Wort so verachten, das wird ihnen den Hals brechen. Da h├╝tet ihr euch vor. Will uns unser Herrgott fallen lassen, so lasse er uns nur nicht in diese ewige Teufelss├╝nde fallen. Denn ├╝ber diese S├╝nde hat unser Herrgott hier selbst geweint. Dem j├╝dischen Volk h├Ątten alle ihre S├╝nden nicht geschadet, wenn nur diese greuliche S├╝nde, die Verachtung der Heimsuchung, nicht dazu gekommen w├Ąre. Denn Christus, ihr K├Ânig, kam ihnen zu helfen. Aber wenn man nicht fromm sein will und Gottes Wort verachtet, da ist kein Rat. Darum seht euch vor, lasst euch Gottes Wort wohlgefallen, h├Ârets, lesets, redet gerne davon, so tut ihr Gott den h├Âchsten Dienst und euch den besten Nutzen. So es die Welt verachtet, das la├čt euch nicht ├Ąrgern; sie wird dermaleinst erfahren und f├╝hlen, was sie gemacht hat.

So umfasst dies Evangelium zwei St├╝cke: das erste, dass Christus ein Helfer zu jenem Leben ist, das andere, dass man Gottes Wort nicht verachte. Es jammert Christus der Stadt Jerusalem, als wollte er sagen: Jerusalem will geschleift sein und die Juden wollen in alle Welt zerstreut sein, dagegen hilft kein Bitten, das sehe ich. Sie wollen die Zeit der Heimsuchung nicht, sie fragen nicht danach, wie s├╝├č man ihnen auch predigt. Wohlan, wem nicht zu raten ist, dem ist auch nicht zu helfen. Wer nicht allein schwach ist, sondern auch noch dazu die mit F├╝├čen treten will, die ihn f├╝hren und leiten, wer will dem helfen? Es ist zu viel, dass wir S├╝nder sind; wollen wir noch dazu den er w├╝rgen, der uns selig machen und uns tragen will? Das ist nicht eine menschliche, sondern eine teuflische S├╝nde; solche Leute sind mit viel Schock Teufeln besessen. Denn den totschlagen, der da kommt selig zu machen, das soll niemand tun als der leidige Teufel und die da voller Teufel sind. So mein Sohn mich totschlagen und erw├╝rgen wollte, deshalb weil ich ihm helfe, so m├╝sste ich sagen, er w├Ąre toll und t├Âricht.

So will nun unser Herrgott sein Wort geehrt haben, dies und nichts anderes; wo nicht, so soll es nicht unger├Ącht bleiben. Wir haben der Exempel genug, die Sintflut, die St├Ądte Sodom und Gomorra, die Stadt Jerusalem. Vor dem J├╝ngsten Tage werden auch neue Irrt├╝mer kommen, dass, wie Christus sagt, auch die Auserw├Ąhlten in Irrtum werden verf├╝hret werden, wo es m├Âglich w├Ąre. Gott beh├╝te uns und gebe uns seine Gnade, dass wir das H├Ąuflein sind, die Christus gerne annehmen und singen wollen: Hosianna, Gott sei gelobet, dass wir diesen K├Ânig haben und Christen sind und hei├čen, und dass wir wissen, warum und woher wir so hei├čen, n├Ąmlich von diesem K├Ânige Christus, dass wir in seinem Namen getauft und in seinem Blut gewaschen sind. Nun, wir wollen das Hosianna singen und Gott bitten, dass wir dabei bleiben, Amen.

Quelle: www.luther-predigt.de

 

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 9. Dezember 2018 um 11:43 und abgelegt unter Predigten / Andachten.