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Verstopfte Brunnen

Freitag 16. Juni 2017 von Pfr. Matthias Köhler


Pfr. Matthias Köhler

Isaak lieĂź die Wasserbrunnen wieder aufgraben, die sie zur Zeit Abrahams, seines Vaters, gegraben hatten und die die Philister verstopft hatten nach Abrahams Tod, und nannte sie mit denselben Namen, mit denen sein Vater sie genannt hatte. (1. Mose 26, 18)

Es tut gut, wie bodenständig und lebensnah Gottes Wort ist. Da lesen wir von Isaak, wie er mit Gottes Hilfe ein ganz praktisches Problem des Lebens, ja des Überlebens löst. Denn ums Überleben geht es bei dieser Freilegung der bewährten aber leider von den Feinden verstopften Brunnen. Im Jahr des Reformationsjubiläums kann uns dies alttestamentliche Ereignis ein eindrückliches Bild für das sein, was Reformation bedeutet. Luther sah es so, als er in einer Predigt über 1. Mose 26 ausführte:

„Der Brunnen aber, den sie zustopften, das bedeutet nichts anderes als der Frevel, den sie durch Menschenlehre gegen die Heilige Schrift tun, welche die Christenheit eine Zeit lang gebrauchte und rein hatte. Aber bald kam der Teufel und fĂĽhrte Menschentand hinein, so dass man sie nicht mehr genieĂźen konnte. Sie legten sie nach ihrem eigenen Kopf aus; das bedeutet Erde in den Brunnen tragen und damit zustopfen… Wir haben den Brunnen wieder ausgegraben und aufgetan; so kommen immer andere, die ihn wieder mit Erde zustopfen… Wenn wir uns aus der Schrift tränken und stärken wollen, so will man es uns verwehren…“¹

Kann man es besser auf den Punkt bringen? Reformation bedeutet, den guten Brunnen des „gebuchstabeten“² Wortes Gottes wieder freizulegen von allen menschlichen Ansichten und Deutungen, damit wir uns aus der Heiligen Schrift mit dem Wasser des Lebens „tränken und stärken“ können. Das ist für jeden Christen und für die Gemeinde Jesu keine Geschmacks- sondern eine Überlebensfrage. Erde, die in den Brunnen gekippt wurde und die die Reformatoren unermüdlich heraus schaufelten, gab es reichlich: Werk- und Selbstgerechtigkeit; andere Heilsvermittler neben Christus; andere Autoritäten neben der Bibel (Tradition, Kirchenbeschlüsse, Papstdekrete, „Geistesoffenbarungen“, „Vernunft“); ein humanistisches Menschenbild („Wir sind im Kern doch irgendwie gut.“); Antinomismus (Ablehnung der Gebote); bildhafte, willkürliche, zusammenhanglose Bibelauslegungen; Verwechslung von staatlichen und kirchlichen Aufgaben und, und, und… Merken wir etwas bei dieser Aufzählung? Reformation ist hochaktuell. Denn der Brunnen des Wortes Gottes muss frei sein, damit wir daraus schöpfen, uns stärken und das Leben aus Christus haben können. Luther übersetzte die Bibel, damit wir sie lesen und darin unsern guten Heiland Jesus Christus finden. Graben wir den Brunnen auf! Und vergessen wir nicht das Wichtigste: Tag für Tag daraus Wasser des Lebens schöpfen. „Darum ist das ein gutes Zeichen, wenn jemandem die teure Gabe geschenkt ist, dass er Liebe und Lust zur Schrift hat, sie gern liest, hoch und wert hält.“³

Pfarrer Matthias Köhler (Kalletal-Hohenhausen)

1.) WA 24,467-468 (Predigten ĂĽber 1. Mose von 1523/24)

2.) WA 48,31 (Zu Psalm 22)

3.) Ebenda.

Quelle: Aufbruch – Informationen des Gemeindehilfsbundes (Juni 2017). Wenn Sie den Aufbruch kostenlos abonnieren möchten, teilen Sie uns dies gerne unter info@gemeindehilfsbund.de mit.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 16. Juni 2017 um 10:14 und abgelegt unter Predigten / Andachten.