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Von der Entscheidung des Nicht-Verzweifelns

Dienstag 13. September 2016 von Ruth Heil


Ruth Heil

Jahrelang hatten sie eine gute Ehe geführt. Doch jetzt wurde es zunehmend schwieriger. Bei ihrem Mann entdeckte sie immer mehr Sturheit und Besserwisserei, die zu ständigen Auseinandersetzungen führten. Sie wohnten in einer Großstadt. Zum Einkauf mussten sie das Auto benutzen. Nur er hatte den Führerschein. Leider endete solch eine Fahrt immer mit Missstimmungen und Streit. Er fuhr zwei- bis dreimal an der Kreuzung, an der er abbiegen sollte, vorbei mit der festen Behauptung, dies sei die falsche Abfahrt. Jedes Mal bat sie ihn kurz zuvor, jetzt den Blinker zu setzen. Es nützte nichts. Oft war sie nervlich am Ende, wenn er endlich nach einigen Versuchen wirklich abbog.

So konnte das nicht weitergehen. Im Gebet wandte sie sich an Gott. Und da hatte sie eine wunderbare Antwort: Da sie nie in Urlaub gingen, sah sie nun diese Fahrten als Urlaubsfahrt durch die Stadt an. Gelassen konnte sie ihren Mann an der Kreuzung vorbeifahren sehen. Sie schaute sich die Häuser an und die Menschen, die unterwegs waren, achtete auf Bäume und Blumen. Und sie dankte Gott dafür, dass sie ihren Mann noch an ihrer Seite hatte, obwohl viele Gleichaltrige schon Witwen waren.

Es begann mit der Entscheidung, der Verzweiflung nicht länger Raum zu geben. Und weitere kleine Schritte der Geduld mussten bei der Umsetzung folgen.

Entscheidungen

Jahrelang hatten sie ihre Kraft in die Firma eingebracht. Urlaub konnten sie sich nicht leisten. Wie freuten sich sich auf den Ruhestand! Aber dann begann bei ihrem Mann die Demenz, die recht schnell voranschritt. An Urlaub war nicht mehr zu denken, eher an Pflege, die immer aufwändiger wurde. Schließlich musste sie ihn in ein Heim geben. Jede Woche fuhr sie zweimal dorthin, um bei ihm zu sein, auch wenn er sie nicht mehr erkannte. „Ist es nicht sehr schwer, das zu ertragen?“, fragte ich sie. „Als mein Mann gesund war, gehörten wir zusammen. Jetzt ist er krank, und wir gehören immer noch zusammen“, ließ sie mich mit großer Selbstverständlichkeit wissen.

Eine andere Frau ereilte dasselbe Los. Voller Verzweiflung und Verbitterung kam es aus ihr heraus: „Ich freute mich darauf, endlich mit meinem Mann etwas unternehmen zu können und die Welt zu sehen. Und jetzt kann man ihn zu nichts mehr gebrauchen.“

Gegen das Verzweifeln

Viele Jahre waren sie verheiratet und hatten Kinder. Aber als sie nach einer Kur nach Hause kam, lag er mit einer anderen Frau im Bett. Diese wurde schwanger. Er beschloss, Frau und Kinder zu verlassen, um mit der Anderen zu leben.

Ein furchtbarer Kampf tobte in ihrem Innern. In ihrer tiefen Not versuchte sie, ihren Mann festzuhalten. Fast zerbrach sie daran, dass er sie einfach „wegwarf“. Endlich gab Gott ihr die Kraft, gegen die Verzweiflung zu kämpfen und IHM zu vertrauen, dass ER für sie sorgen würde. Sie beerdigte ihren Ehering, um frei zu werden von ihrem Ehemann und von ihrer Bitterkeit gegen ihn.

Welches ist das Geheimnis, um gegen Verzweiflung ankämpfen zu können?

Es ist die Entscheidung, Gott zu vertrauen, dass er mitten in der Schwere unseres Lebens dabei ist. Es ist der Mut, ihm Glauben zu schenken, dass er uns mit unserer Not nicht allein lässt. Es ist der Glaube, dass er uns entweder einen Ausweg zeigt oder die Kraft gibt, das zu tragen, was menschlich zu schwer erscheint.

Von Gott dürfen wir die Gabe des „Nicht-Verzweifelns“ erbitten, wenn uns die Kraft fehlt, loszulassen, was wir ohnehin nicht festhalten können. Wir müssen uns an IHM festhalten, um nicht in Verzweiflung zu versinken. Was wir ändern können, sollten wir ändern. Aber Unabänderliches muss zu IHM gebracht werden. Bei IHM ist nichts unmöglich. ER hat immer wieder Wunder bereit.

So erfahre ich häufig von „verlassenen“ Frauen, wie Gott sie nach der Katastrophe einer Scheidung wieder mit einem Mann und einer Ehe beschenkt, von der sie zuvor nur hätten träumen können.

Merke:

Gott verändert nicht immer unsere Umstände. Aber wenn wir uns entscheiden, trotzdem ihm zu vertrauen, darf die Verzweiflung nicht von uns Besitz ergreifen.

Gebet:

Herr, sei du da, wenn Lebensumstände mich in die Knie zwingen wollen. Nimm mich in deine Arme und tröste mich, wenn Verzweiflung mich packt und der Glaube an dich ins Wanken gerät. Und schenk mir Weisheit, wie ich Dinge regeln kann, ohne dass ich selbst dabei zugrunde gehe.

Vor allem aber: Lass mich dich nicht verlieren!

Zum Nachdenken:

Verzweiflung zerstört unser Vertrauen in Gott. Statt unsere Zweifel an Gott zu nähren, sollten wir uns mit unserer Not in seine Arme flüchten.

Ruth Heil, Family-Life-Mission, Freundesbrief Nr. 138, 3. Quartal 2016

 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 13. September 2016 um 16:58 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Seelsorge / Lebenshilfe.