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Der „islamisierte“ Abraham nach dem Koran

Montag 2. März 2015 von Pfr. Eberhard Troeger


Pfr. Eberhard Troeger

Vorbemerkung

Abraham spielt im Islam eine große Rolle als vorjüdischer Gottgläubiger und Gesandter Allahs. Der Koran spricht sehr oft von ihm. Auf religiöse Harmonie bedachte Christen meinen, dass Abraham für Juden, Christen und Muslime eine einigende Rolle spielen könnte. Die entscheidende Frage heißt jedoch, ob der „muslimische Abraham“ mit dem in der Bibel bezeugten Abraham identisch ist, oder ob der Koran von einem „anderen Abraham“ redet.

1.  Die Herkunft der koranischen Aussagen über Abraham

Nach muslimischer Überzeugung erhielt Muhammad seine Informationen über Abraham durch Eingebungen des Engels Gabriel. Gläubige Muslime sind deshalb der Überzeugung, dass die koranische Abraham-Geschichte wahr ist und die biblischen Texte verfälscht sein müssen, wenn sie dem koranischen Text widersprechen.

Wenn wir die koranischen Aussagen über Abraham mit den Aussagen der jüdischen Lehrtradition (dem Talmud) vergleichen, fallen manche Parallelen auf. Deshalb kommen Religionshistoriker zu dem Ergebnis, dass der Verkündiger des Korans sein Wissen von Abraham zum großen Teil auf mündlichem Wege von den Juden seiner Umwelt erhalten haben muss. Er hat diese Informationen allerdings in seinem Sinne umgedeutet, indem er Abraham zum Gewährsmann für seine eigene Verkündigung machte. Er verstand Abraham als einen Boten Allahs – wie sich selbst. Die Predigt Abrahams nach dem Koran ist im Grunde die Predigt Muhammads.

Auch in der jüdischen Literatur erscheint Abraham als Prediger des Eingottglaubens. Muhammad nahm diesen Gedanken auf, aber er verkannte die Tiefe und Dramatik der biblischen Abraham-Geschichte. Abraham erscheint bei ihm vor allem als Kämpfer für den Eingottglauben und gegen den Götzendienst – als Muslim, Prophet und Gesandter Allahs. Dabei ist zu vermuten, dass sich das Abraham-Bild des koranischen Verkündigers Schritt für Schritt entwickelte. Anfangs war ihm Abraham als Zeuge des Schöpfergottes wichtig. Im Zuge der Auseinandersetzungen mit seinen heidnischen und jüdischen Gegnern wurde Abraham für ihn zum Kämpfer für Allah und damit zum vorbildlichen Muslim.

Obwohl der Verkündiger des Islam kein klares Geschichtsbild hatte, war ihm bewusst, dass Abraham vor Jesus und vor Moses gelebt hatte und dennoch ein vollkommener Gottgläubiger war. Muhammad schloss daraus, dass er selbst nicht Jude oder Christ werden müsse, um ein guter Gottgläubiger zu sein. In Sure 3,67 heißt es deshalb: „Abraham war weder Jude noch Christ. Er war vielmehr ein (Gott) ergebener Hanîf, und kein Heide.“ [1] Da die Juden und Christen in der Umgebung Muhammads seine Verkündigung ablehnten, erklärte er den Islam zur wahren „Religion Abrahams“ sowie Judentum und Christentum zu verdorbenen Formen dieser Religion. Um das zu beweisen, ließ er Abraham in Mekka auftreten, wofür es weder biblische noch profangeschichtliche Anhaltspunkte gibt.

2.  Das Leben Abrahams nach dem Koran

Der Koran kennt keine zusammenhängende Geschichte Abrahams, sondern nimmt in insgesamt 25 Suren auf ihn Bezug. Dabei ist zu beachten, dass sich der Koran als – durch einen Engel vermittelte – Anrede Allahs an Muhammad versteht. Allah erinnerte Muhammad gewissermaßen an Abraham und seine Treue zum Eingottglauben in einer heidnischen Umwelt und stellte ihn damit als großes Vorbild hin.

Die Sippe Abrahams

Muhammad konnte die Abraham-Geschichte geschichtlich nicht einordnen. Vage spricht der Koran von den „Leuten Abrahams“ (21,52) oder vom heidnischen „Volk Abrahams“, das sich beim Götzendienst auf seine Vorfahren berief (21,53). Abrahams Verkündigung von dem einen Gott stieß auf heftigen Widerstand, aber Allah rettete Abraham „in das Land, das wir für die Menschen in aller Welt gesegnet haben“ (21,71). Es ist unklar, ob Muhammad unter diesem „gesegneten Land“ das biblische Land Kanaan oder Mekka verstand. Auf jeden Fall war der „koranische Abraham“ – ähnlich wie später Muhammad – am Ende erfolgreich. Er konnte seine Sippe für den Allah-Glauben gewinnen, denn nach 3,33 war die „Sippe Abrahams“ von Allah erwählt worden.

Abraham als Gottgläubiger

Der Koran schildert Abraham als einen guten Muslim. Er bekannte sich zu Allah als dem „Herrn der Menschen in aller Welt“ (37,87), hielt sich vom Götzendienst fern, betete allein zu Allah und vertraute auf seinen Beistand(19,48). Denn Allah hatte ihm seine Herrschaft gezeigt, und Abraham hatte sich überzeugen lassen (6,75). Dies geschah durch eine Beobachtung der Gestirne. Ein vergehender Stern kann nicht Allah sein (6,76). Ebenso lehnte Abraham den Mond als seinen Herrn ab und bat Allah um „Rechtleitung“ (6,77). In gleicher Weise verhielt sich Abraham im Blick auf die Sonne (6,78). Er wandte sich dem Schöpfer zu und erwies sich damit als „Gottgläubiger“ (Hanîf) und nicht als Heide (6,79). Er bekannte sich vor den Heiden als von Allah „geleitet“ (6,80), weil er ihm Sicherheit gibt (6,81).

Nach 2,258 bekannte sich Abraham im Streit mit einem anmaßenden Heiden zu Allah, der lebendig macht, sterben lässt und die Sonne aufgehen lässt. Er bat Allah um einen Beweis dafür, dass er Tote lebendig machen kann. Daraufhin machte Allah vier von Abraham geschlachtete und in Stücken verteilte Vögel wieder lebendig (2,260).

Abrahams Nachkommenschaft

Im Koran spielt die biblische Dramatik der Verheißung von Nachkommenschaft und ihre Erfüllung keine Rolle. Etliche Verse nehmen vage darauf Bezug, dass Allah dem Abraham Nachkommen ankündigte. Diese „Erzählfetzen“ erscheinen beliebig kombiniert. Inhaltlich wird die Macht Allahs betont.

Der Sohn Abrahams von der Nebenfrau Hagar, Ismael, erscheint als frommer Muslim, Prophet und Gesandter Allahs (38,48; 21,85f.; 19,54; 6,86; 4,163; 3,84; 2, 133). Dass Ismael im Vorgriff auf Gottes Wunder und deshalb im Unglauben gezeugt wurde (1. Mose 16; vgl. Gal. 4,24-28), weiß der Koran nicht. Abraham lobte Allah lediglich dafür, dass er ihm im hohen Alter noch „den Ismael und den Isaak geschenkt hat“ (14,39). Erst in der späten und judenfeindlichen 2. Sure wird Ismael zum Gewährsmann des arabischen Islam emporgehoben (s.u.).

In 51, 24-37 finden sich Bezüge auf 1. Mose 18. Allah erinnert Muhammad an die „Geschichte von den ehrenvoll aufgenommenen Gästen Abrahams“ (24), die von Abraham bewirtet wurden (26f.), obwohl er Angst vor ihnen hatte (25 u. 28). Sie kündigten Abraham „einen klugen Jungen“ an (28). Abrahams Frau schrie auf und wies auf ihre Unfruchtbarkeit hin (29), aber die Boten bestätigten die Wahrheit der Ankündigung (30). Ähnliche Bezüge finden sich in 15, 51-55 und 11, 69-73. Nach 11,71 lachte Abrahams Frau bei der Ankündigung eines Sohnes, der hier Isaak genannt wird. 11,73 betont, dass Allah nichts Merkwürdiges tut, vielmehr Abraham und die „Leute des Hauses“ – damit könnte die Kaaba gemeint sein – segnet.

Das Strafgericht über die „Leute Lots“

Der Koran nimmt vage auf den Untergang von Sodom und Gomorra sowie auf Lot Bezug (51,31-37; 29,31-35; 15,58-77; 11,74-83). Die Gottesboten waren zu einem sündigen Volk gesandt worden (51,32), um das Gericht über „die Einwohner dieser Stadt“ (29,31) anzukündigen. Abraham setzte sich zugunsten der „Leute von Lot“ ein und gab die „Hoffnung auf die Barmherzigkeit seines Herrn“ (15,56) nicht auf. Obwohl Abraham mild, empfindsam und bußfertig war (11,75), war seine Fürsprache vergeblich (11,76). Nur Lots Familie wurde – bis auf seine Frau – gerettet (15,59f).

Abrahams Opfergang

In 37,99-113 nimmt der Koran umrisshaft auf die Bereitschaft Abrahams Bezug, seinen Sohn zu opfern. Abraham hatte Allah um einen „rechtschaffenen“ Erben gebeten (100). Daraufhin verkündigte Allah ihm die Geburt eines „braven“ Jungen (101). Weder wird die Geburt berichtet noch ein Name des Sohnes genannt. Als er „so weit war“, dass er mit seinem Vater „den Lauf machen“ konnte – evtl. eine Anspielung an den zur Wallfahrt gehörenden Lauf zwischen Al-Safâ und Al-Marwa in Mekka – , eröffnete Abraham seinem Sohn, dass er im Traum gesehen habe, dass er ihn „schlachten werde“. Der Sohn solle sich dazu äußern. Indem er den Sohn über sein Vorhaben aufklärte und ihn fragte, ob er bereit sei, nahm Abraham die Spannung aus der Erzählung heraus. Der Sohn erwies sich als Allah ergebener Muslim (102). Daraufhin ergab sich auch Abraham in Allahs Willen und setzte zur Schlachtung an (103), doch Allah griff ein und sagte Abraham, dass er durch seine Bereitschaft den Traum bereits wahr gemacht habe und Allah ihm seine Frömmigkeit vergelte (104f). Abraham hatte die Prüfung bestanden (106), und Allah löste den Sohn „mit einem gewaltigen Schlachtopfer“ aus (107).

Es fällt auf, dass in V. 112 ein Nachtrag erfolgt, der auf V. 101 Bezug nimmt und dem Abraham jetzt überraschend „Isaak“ verkündigen lässt. Dafür könnte es zwei Erklärungen geben: Entweder nahm Muhammad einen jüdischen Einwand auf und sagte, dass Isaak der zu opfernde Sohn gewesen sei, oder er wollte nachträglich Isaak als den zweiten Sohn Abrahams von dem ersten (Ismael) – nicht mit Namen Genannten – abheben. In diesem Sinne wird im Islam gelehrt, dass Ismael der zu opfernde Sohn gewesen sei, und in diesem Sinne erscheint in V. 113b eine kritische Bemerkung über die Juden als die Nachkommen Abrahams und Isaaks, unter denen es fromme und frevelhafte Menschen gibt. Auf jeden Fall dürften die Verse 112f. eine Auseinandersetzung mit jüdischen Gesprächspartnern Muhammads widerspiegeln und damit auch ein Licht auf die komplizierte Entstehungsgeschichte der koranischen Texte werfen.

3.  Abraham als Gesandter Allahs

Sein Kampf gegen den Götzendienst

Das wichtigste Thema ist im Koran die Auseinandersetzung Abrahams mit dem Götzendienst. Es erscheint in vielen Variationen. Ein typischer Text ist Sure 21,51-71. Er besagt, dass Allah Abraham zum wahren Gottesglauben geführt habe (51), weshalb er die Götzenbilder seines Vaters und seiner Sippe kritisierte (52). Die Beschuldigten verteidigten sich mit dem Hinweis auf die Tradition, aber Abraham hielt ihnen ihren Irrtum vor (53f.). Daraufhin unterstellten sie Abraham Unaufrichtigkeit (55), aber dieser bekannte sich zu Allah, dem Schöpfer (56), und kündigte an, die toten Götzen zu überlisten (57). Er zerschlug die Götzenbilder bis auf eins (58). Man verdächtigte einen jungen Mann (!) namens Abraham des Frevels und stellte ihn zur Rede (59-62). Abraham gebrauchte eine Lüge, um die toten Götzen zu verspotten, und verursachte dadurch einen Streit unter den Götzendienern (63f.). Wieder verkündigte Abraham den Glauben an den einen Gott und erklärte Götzendienst für Dummheit (66f.). Daraufhin wollten seine Gegner ihn verbrennen, aber Allah kühlte das Feuer ab und rettete Abraham. Die Gegner wurden dagegen vernichtet (68-70).

Verschiedene Verse thematisieren die Auseinandersetzung Abrahams mit seinem Vater Azar. Abraham kritisierte seinen Götzendienst (6,74) und rief ihn auf, ihm auf „einen ebenen Weg“ zu folgen (19,43). Er mahnte ihn, nicht Satan zu dienen (19,44) und warnte ihn vor der Strafe Allahs sowie vor der Freundschaft mit Satan (19,45). Umgekehrt mahnte Azar seinen Sohn, die Götter nicht zu verschmähen, drohte ihm mit Steinigung und wollte ihn nicht mehr sehen (19,46). Azar war deshalb ein Feind Allahs (9,114), und Abraham hätte deshalb Allah nicht um Vergebung für ihn bitten dürfen. Das hatte er angekündigt (19,47) und auch getan (26,86), um seinen Vater vom Irrtum wegzuführen. Die unterschiedlichen Aussagen des Korans zur Fürbitte für irrende Angehörige sind auffällig.

Abraham argumentierte in seiner Predigt, dass Götzen Gebete nicht erhören (26,72) und weder nützen noch schaden können (26,73). Deshalb ermahnte er „seine Leute“, Allah zu dienen, weil Götzendienst Lüge ist und Götzen im Gegensatz zu Allah keinen „Lebensunterhalt“ geben können (29,16). Die Götzendiener seien zwar jetzt untereinander Freunde, aber am Tag der Auferstehung werden sie sich streiten und verfluchen (29,25). Sie kommen in die Hölle, wo ihnen niemand hilft.

Abraham als Diener Allahs

Vielen Koranstellen sagen, dass Abraham sich als Muslim bekannte (z.B. 2,131), der seine Söhne ermahnte, ebenfalls Muslime zu sein (2,132). Bezeichnend ist die Aufzählung in 26,77ff: Abraham glaubte an den „Herrn der Menschen in aller Welt“ (77), d.h. an Allah, der ihn geschaffen hat und „recht leitet“ (78), ihm zu essen und zu trinken gibt (79), von Krankheit heilt (80) sowie sterben lässt und auferwecken wird (81). Abraham hoffte, dass Allah ihm am Tag der Auferstehung seine Sünden vergeben wird (82), bat Allah um Urteilskraft und Aufnahme unter die Rechtschaffenen (83) und um einen „guten Ruf unter den späteren“ Menschen (84). Er erbat sich von Allah, „Erbe des Gartens der Wonne“ (des Paradieses) zu sein (85), bat um Gnade am Tag der Auferstehung (87) und erkannte, dass am Tag des Gerichtes weder Vermögen noch Söhne etwas nützen (88), sondern nur ein „gesundes Herz“ (89).

Nach dem Koran war Abraham ein „einsichtiger Diener“ Allahs (38,45), der die Menschen an die jenseitige „Behausung“ erinnerte (38,46) und deshalb im Jenseits zu „den Auserwählten und Frommen“ gehört (38,47). Sein Bekenntnis zu Allah hatte unter seiner Nachkommenschaft Bestand (43,28). Abraham leitete die Seinen nach Allahs Befehl, tat gute Werke, verrichtete das (rituelle) Gebet und entrichtete die Armenabgabe (21,73). Nach 60,4 war er ein „schönes Beispiel“ für die Muslime, weil er und die Seinen sich vom Götzendienst ihrer Landsleute lossagten. Dadurch kam es allerdings zu „Feindschaft und Hass“ zwischen ihnen „für alle Zeiten“, sofern sie sich nicht bekehren. Abraham diente Allah in einem Maße, dass Allah als der „Gott Abrahams“ bezeichnet werden konnte (2,133).

Da Abraham vor Mose und Jesus lebte, betont der Koran polemisch, dass er weder Jude noch Christ war (2,140). Deshalb sei ein Streit über Abraham überflüssig; Thora und Evangelium seien erst nach ihm offenbart worden (3,65). Abraham sei wahrhaftig „Prophet“ gewesen und „in der Schrift“ (welcher?) angekündigt worden (19,41).

Der Islam als die „Religion Abrahams“

In der Auseinandersetzung mit Juden und Christen behauptete Muhammad nach Sure 2,135, dass die Glaubensgemeinschaft (arab. milla) Abrahams die wahre Religion sei, weil er ein Gottgläubiger (arab. hanîf) und kein Heide war. Folglich müssen die Araber nicht Juden oder Christen werden, sondern Muslime, die der Glaubensgemeinschaft Abrahams folgen (3,95). Denn die Religion Abrahams ist die „bessere Religion“ (arab. dîn) (4,125). Demnach entstand der Islam nicht durch Muhammad, sondern war bereits die dem Abraham „anbefohlene“ Religion (42,13). Nach 22,78 verkündigte Muhammad den Arabern, dass die Religionsgemeinschaft „eures Vaters Abraham“ eine nicht bedrückende Religion sei. Nur Toren würden die milla Abrahams, des von Allah Auserwählten, verschmähen (2,130).

Abraham als Offenbarungsempfänger und „Schriftprophet“

Abraham hatte einen „höheren Rang“ als seine Zeitgenossen (6,83). In verschiedenen Zusammenhängen sagt der Koran, dass Abraham ein prophetischer Gesandter für seine Sippe war (9,70) und göttliche Offenbarungen erhielt (2,136), die als „Blätter von Abrahams“ sogar schriftlich festgehalten wurden (87,19). Genau wie später Muhammad sollte Abraham als Gesandter Allahs nur die göttliche Botschaft ausrichten, auch wenn sie von den Zeitgenossen „für Lüge erklärt“ wurde (29,18); denn Allah nahm auch von dem Propheten Abraham „eine feste Verpflichtung“ entgegen (33,7). Deshalb ist er ein „Imam“ (Vorbild, Vorbeter) für die Menschen (2,124).

Abraham mit Ismael in Mekka

Nach dem Koran war Abraham der Begründer des Allah-Kultus an der Kaaba in Mekka. Eine Zusammenfassung findet sich in der späten Sure 2. Nach V. 125 war „das Haus“ (d.h. die Kaaba) eine Stätte der Einkehr für die Menschen, ein Ort der Sicherheit und als Gebetsstätte ein „Platz Abrahams“ – ein Haus, das Abraham und Ismael für die Wallfahrer reinigen sollten. Abraham bat Allah um Segen für die Muslime Mekkas (V. 126), nachdem Abraham und Ismael „die Mauern des Hauses“ errichtet hatten (V. 127). Abraham bat Allah, dass er und Ismael sowie ihre Nachkommen als gute Muslime leben und ihnen ihre (Wallfahrt, Fasten, rituelles Gebet) gezeigt werden (V. 128). Nach V. 129 bat Abraham Allah sogar um einen „Gesandten aus ihren eigenen Reihen“, womit wahrscheinlich Muhammad gemeint ist. Damit verknüpfte Muhammad Abraham mit sich selbst.

Bereits frühere Texte zeigen Abraham als Beter an der Kaaba. Er bat Allah, Mekka sicher zu machen und ihn sowie seine Söhne vor dem Götzendienst zu bewahren (14,35). Nach 14,37 siedelten die Nachfahren von Abraham im unfruchtbaren Tal (Mekka) bei „deinem geheiligten Haus“ (der Kaaba) und baten Allah um Gunst bei den Einwohnern.

4.  Konsequenzen

Muhammad und der Islam haben Abraham gewissermaßen „den Juden weggenommen“ und ihn den Muslimen als ihren großen Ahnherr zugeeignet, denn nach Sure 3,68 stehen die Muslime und Muhammad Abraham am nächsten. Im Grunde deutete Muhammad damit die ganze göttliche Heilsgeschichte, wie sie die Heilige Schrift Alten und Neuen Testamentes bezeugt, in seinem Sinne um, indem er sich selbst zum Zielpunkt dieser Heilsgeschichte machte. Darin sehe ich das eigentlich Dämonische hinter Muhammad und dem Koran. Leider scheinen viele Christen im Westen diese Täuschung nicht zu erkennen bzw. um der religiösen Harmonie willen zu verdrängen.

Mit Hilfe der Abraham-Projektion machte Muhammad die biblische Heilsgeschichte von Abraham bis Jesus im Grunde bedeutungslos. Während in der Bibel die Linie des göttlichen Heils von Abraham über Isaak, Jakob und Mose zu Jesus Christus hin verläuft, machte Muhammad Ismael an Stelle von Isaak zum wahren Erben des Glaubens Abrahams. Deshalb kann Abraham keine gemeinsame Plattform für den Gottesglauben von Juden, Christen und Muslimen sein. Die Islamisierung Abrahams ist vielmehr eine Abkehr von dem in der Bibel bezeugten Gott Israels und Vaters Jesu Christi.

Der biblische Abraham war kein Kämpfer für den Monotheismus, sondern erlebte Gott als eine lebendige Wirklichkeit. Er erfuhr, dass Gott seine Versprechen wahr macht und trotz menschlichen Versagens an ihnen festhält. Die mit Abraham begonnene Geschichte des Heils ist die Geschichte des treuen Bundesgottes, die ihr Ziel im Neuen Bund in Jesus Christus erreicht.

Eberhard Troeger, Wiehl, den 12.06.2013

INFORMATIONSBRIEF der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, Nr. 282, Dez. 2013, 22-26, und Nr. 290, Febr. 2015, 18-22.

[1] Koranzitate jeweils nach Paret 2001.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 2. März 2015 um 12:51 und abgelegt unter Weltreligionen.