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Homophobie?

Freitag 7. Februar 2014 von kath.net


kath.net

von Mag. theol. Michael Gurtner

Es bedarf mehr Wachsamkeit gegenĂŒber der sprachlichen Manipulation durch die Homo-Lobby! 

Salzburg (kath.net) Goethe lĂ€ĂŸt in seinem „Faust“ Mephistopheles in der der Szene in Auerbachs Keller, als dieser die Trinkgesellschaft narrt, sagen: „Falsch Gebild und Wort, VerĂ€ndern Sinn und Ort“. Auch wenn der Kontext freilich ein anderer ist und in der Szene die Magie des Teufels im Spiel ist, so hat dieser Satz dennoch mehr natĂŒrliche GĂŒltigkeit als man ihm zunĂ€chst zuschreiben mag. Er ist nĂ€mlich nicht allein auf die Magie beschrĂ€nkt, sondern ist eine Art allgemeingĂŒltige GesetzmĂ€ĂŸigkeit. Es bedarf nicht der Magie, um Sinne und Denken der Menschen durch Worte – auch falsche Worte – wirksam zu manipulieren.

Wir sind uns nur relativ wenig darĂŒber bewußt, welche Macht letztlich in der Rhetorik gelegen ist. Diese Macht des Wortes ist zunĂ€chst weder in sich gut noch in sich schlecht – es kommt vielmehr darauf an, ob man diese Macht, die automatisch wirkt ob wir sie nun bewußt anwenden oder nicht, zum Positiven und daher Gottgewollten nutzt, oder zum Negativen mißbraucht. Es ist wie das Messer das nicht in sich gut oder schlecht ist, sondern nur dessen Verwendung – zum Mord oder um Leben zu erhalten oder zu erleichtern – den Kategorien von moralisch gut oder schlecht unterworfen ist.

Durch gezielte Rhetorik wurde das Denken großer Bevölkerungsanteile bewußt und gezielt manipuliert. Der Inhalt der Worte wirkt auf eine sehr kleine intellektuelle Minderheit – die Assoziationen, welche ein Wort in sich insgeheim mittrĂ€gt auf die breite Masse. Diese Mechanismen werden recht erfolgreich angewandt und können das „allgemeine Denken“ weiter Bevölkerungsanteile weitreichend beeinflussen – positiv wie negativ.

Datenmanipulation ist ein Weg der oft und erfolgreich gegangen wurde (etwa als es in den 70er Jahren in Amerika darum ging, eine gesellschaftliche Akzeptanz fĂŒr die Abtreibung kĂŒnstlich herbeizumanipulieren), Rhetorik ein anderer Weg – und fĂŒr gewöhnlich werden beide Methoden in Kombination angewandt. Geschieht dies mit einer gewissen BestĂ€ndigkeit, so ist der Erfolg gerade in einem Zeitalter, in welchem man auf die UnterstĂŒtzung vieler Medien zurĂŒckgreifen kann, garantiert. Gerade auch die GlĂ€ubigen mĂŒĂŸten sich dieser Mechanismen besser bewußt werden, um sie durchschauen und sich ihnen zur Wehr setzen zu können – und speziell die Intellektuellen wĂ€ren gerufen, vermehrt das Wort zu ergreifen!

Der Begriff der „Homophobie“ ist eine gezielte Manipulation durch die Homolobby

Ein Beispiel fĂŒr das bewußte Verwenden irrefĂŒhrender AusdrĂŒcke ist jenes der sogenannten „Homophobie“. Dieser Begriff kam durch Kreise (speziell durch die Gender- und Homolobby) in den Sprachgebrauch, die eine breitere Akzeptanz fĂŒr Homosexuelle erreichen wollten, welche in der Gesellschaft so nicht gegeben war, und vermutlich auch heute weit weniger gegeben ist als es vielfach dargestellt wird. Dies zeigt die Tatsache, daß in der Umgangssprache Begriffe wie „schwul“ oder „Homo“ ĂŒber deren eigentliche Bedeutung hinaus auch hĂ€ufig als Schimpfwort oder als Ausdruck gebraucht werden, um etwas Schlechtes oder Ekelerregendes auszudrĂŒcken. Was den Begriff der sogenannten „Homophobie“ angeht, so ist dessen manipulativer Gebrauch gleich auf zwei Ebenen gegeben. Zum einen auf der semantisch-semasiologischen Ebene, zum anderen auf der assoziativen Ebene.

Die Manipulation auf der semantisch-semasiologischen Ebene

Die Semantik bezeichnet die Wissenschaft von der Zeichenbedeutung im Allgemeinen, worunter auch Sprache und Wörter fallen. Die Semasiologie als Teilgebiet der Semantik befaßt sich mit der Frage, was ein konkreter Begriff denn bedeute. Dieser Wissenschaftsbereich wĂŒrde beispielsweise die Frage stellen: „Was bedeutet das Wort Homophobie?“. Unter einer „Phobie“ versteht man im Allgemeinen einen Angstzustand, welcher sich gegenĂŒber bestimmten Situationen, Objekten oder Subjekten einstellt, und zwar auch dann, wenn man um deren Harmlosigkeit weiß. Es ist daher ein Zustand, der sich von selbst und gleichsam „zwanghaft“ einstellt. Eine Phobie ist normalerweise eine psychische Störung, weil sie keine begrĂŒndete, sondern eine unbegrĂŒndete Angstreaktion ist. „Homo“ hingegen gibt an, worauf sich diese „Phobie“ bezieht, nĂ€mlich auf (sĂ€mtliche) homosexuellen Belange. Im Falle der „Homophobie“ hingegen hat man dem „Phobie-Anteil“ dieses Wortes im Vergleich zum normalen Gebrauch dieses Begriffes eine etwas andere Bedeutung zugeschrieben. Man erklĂ€rt den Homophobie-Begriff offiziell so, daß er keine Phobie im eigentlichen Sinne sei, sondern mehr eine Aversion (manchmal wird es auch in die NĂ€he des Hasses gerĂŒckt) gegen Schwule.

Um es als Zwischenergebnis festzuhalten: nach offizieller ErklĂ€rung ist die Homophobie keine Phobie, sondern eine Aversion gegen eine Menschengruppe, die bis zum Haß gesteigert sein kann.

Dieser Aversion jedoch, so wird es oft erklĂ€rt, liegt sehr wohl eine Angst/Phobie zugrunde. NĂ€mlich die Angst vor eigenen homosexuellen Tendenzen, die man sich nicht eingestehen will, die man ablehnt, oder die man durch Ablehnung Homosexueller in sich zu unterdrĂŒcken und zu bekĂ€mpfen sucht.

Diese fehlerhafte und manipulative ErklĂ€rung hat leider auch in Teilen des Klerus seine AnhĂ€ngerschaft gefunden, was nicht geringe Probleme mit sich bringt – wir werden etwas spĂ€ter noch darauf zurĂŒckkommen mĂŒssen.

Diese ErklĂ€rung ist sehr gewieft und hochgradig manipulativ. Denn sie schließt vom vorne herein eine jegliche Möglichkeit aus, HomosexualitĂ€t abzulehnen, ohne dabei selbst von genau dem betroffen zu sein, was man („nach außen hin“) ablehnt. Gerade indem man die angebliche „Phobie“ in der zweiten Ebene, d.h. nicht im Verhalten/in der Haltung selbst, sondern im auslösenden Grund fĂŒr dieses verortet, wird dieser logische Schluß zwingend, daß ablehnendes Verhalten gegenĂŒber HomosexualitĂ€t selbst genau diese zur Ursache habe.

Die Möglichkeit, als normal veranlagter Mensch aus objektiven GrĂŒnden gegen HomosexualitĂ€t zu sein, wird durch dieses ErklĂ€rungsschema von vorneherein ausgeschlossen. Stellungnahmen gegen HomosexualitĂ€t können demnach sofort als „ungewolltes outing“ interpretiert werden.

Die Manipulation auf der assoziativen Ebene

Die zweite Ebene, auf welcher eine Manipulation angestrebt wird, ist die Ebene der Assoziationen. Dies ist die vielleicht noch wichtigere und wirksamere Ebene, da sie im Gegensatz zur ersten Ebene auf die breite Masse und den „Eindruck“ der Menschen wirkt. Die Entscheidung, Argumente und persönliche Einstellungen gegen HomosexualitĂ€t mit dem PrĂ€dikat einer „Phobie“ zu etikettieren – trotzdem die offizielle Deutung dann sagt, es handle sich um keine Phobie – lĂ€ĂŸt in der breiten Masse nĂ€mlich genau jenen Eindruck entstehen, der in der ersten Ebene (fĂŒr diejenigen, die denkgewillt sind und nicht sofort auf den sprachlichen Trick hereinfallen) genau nicht gemeint ist, nĂ€mlich daß die ablehnende Haltung selbst eine Phobie sei. Dabei wird darauf abgezielt, daß das Faktum „Ablehnen der HomosexualitĂ€t“ mit den beiden Hauptassoziationen verbunden wird, welche das Wort „Phobie“ hervorruft. Diese sind „Störung/Krankheit“ und „negativ“. Die Assoziation, welche durch die fĂ€lschliche Verwendung des kĂŒnstlichen Begriffes der „Homophobie“ manipulativ hervorgerufen werden soll, ist also: „gegen HomosexualitĂ€t zu sein ist eine Phobie, deshalb eine psychische Störung und daher nicht ganz normal und folglich negativ“.

Freilich folgt dann sogleich der Umkehrschluß: „wenn ich also normal und positiv sein will, dann muß ich der HomosexualitĂ€t gegenĂŒber wohlgesonnen, oder aber zumindest neutral eingestellt sein“.

Geschickt eingesetzt, um gegnerische Stimmen durch subtilen Druck auszuschalten

Mit dieser Rhetorik hat man sich ein sehr geschicktes Instrument geschaffen, um gegnerische Stimmen auszuschalten. Und damit knĂŒpfen wir bei dem vorhin bereits angeschnittenen Punkt an, daß die Annahme dieser Begrifflichkeiten durch nicht unerhebliche Teile des Klerus zu einem nicht zu unterschĂ€tzenden innerkirchlichen Problem gefĂŒhrt hat.

Denn nun ist es gelungen, die eigene homosexuelle Neigung dadurch vor allgemeiner und konkreter Kritik zu schĂŒtzen und dieser zu entziehen, indem man die Kritiker selbst dessen verdĂ€chtigt und zu „ĂŒberfĂŒhren“ vorgibt, was sie eigentlich kritisieren, nĂ€mlich der homosexuellen Neigung.

Wer wagt sich gegen HomosexualitĂ€t zu Ă€ußern, kann sofort als selbst gegen die kirchliche Lehre stehend abgetan werden. Es gibt dadurch also nur zwei Möglichkeiten: entweder man befĂŒrwortet HomosexualitĂ€t, oder man lehnt sie ab, was nach dieser manipulativen Logik aber nur bedeutet, daß man sie innerlich eben doch befĂŒrwortet. Denn ein Ablehnen bei normaler Veranlagung ist ja nach entsprechender Rhetorik ausgeschlossen. Das fĂŒhrt zu einer Art „leisen Erpressung“: entweder Du verhĂ€ltst Dich wohlwollend uns gegenĂŒber, mindestens aber neutral und störst nicht durch ablehnende Meldungen, oder wir mĂŒssen in Deiner Ablehnung selbst das Abgelehnte erkennen.

Es ist aus dem deutschen Sprachraum etwa von mehreren Priesterausbildnern -ob noch amtierend oder nicht tut nichts zur Sache – bekannt, daß sie mit potentiellen Kandidaten beim EintrittsgesprĂ€ch oder auch spĂ€ter noch genau dieses Spiel betreiben: wird die Frage bejaht, ob jemand heterosexuell veranlagt ist, so folgt die Frage was man denn so ĂŒber HomosexualitĂ€t denke. Antwortet man gemĂ€ĂŸ der kirchlichen Lehre, so kommt gleich die Andeutung, daß es nach geltender psychologischer Allgemeinlehre doch auch sehr leicht sein könne, daß diese Antwort selbst auf eine dementsprechende Neigung hindeute.

Die „Opfer“ dieser geschickten und bewußt eingesetzten Manipulation sind aber keineswegs nur Novizen, Priesteramtskandidaten oder junge KaplĂ€ne, sondern ebenso PĂ€pste und Bischöfe! So erschien etwa 2010 ein Buch ĂŒber Papst Benedikt, welches durch die absurdesten „Beobachtungen“ (etwa die stĂ€ndige PrĂ€senz dessen SekretĂ€re) nachweisen möchte, daß der Papst selbst schwul sei. Bischöfe, welche in der Sexualmoral die rechte katholische Lehre vertreten (und dadurch bei den Medien freilich „anecken“) werden von Priestern ihres Bistums selbst als homosexuell verdĂ€chtigt mit der BegrĂŒnding, daß sie ansonsten ja nicht immer wieder darĂŒber sprĂ€chen bzw. ansonsten ja nicht dagegen wĂ€ren.

Dasselbe Schema wird auch als Waffe gegen die traditionelle Lehre und Liturgie eingesetzt

Mit dieser falschen und manipulativen Konstruktion: „wer gegen HomosexualitĂ€t ist, ist selbst homosexuell“, die im Begriff der Homophobie einen gewissen Höhepunkt erreicht, sind die Schleusen geöffnet, um mit demselben „Druck“ auch gegen jegliche traditionelle Haltung und auch gegen eine jedwede SakralitĂ€t, besonders in der Liturgie, vorzugehen. Dasselbe Schema wird gegen alles angewandt, was liberalen Kreisen ein Stachel im Fleische ist. Gegen die traditionelle (Moral)Lehre, aber auch gegen alles, was nach SakralitĂ€t aussieht – an sich unabhĂ€ngig von der Ritusform, aber besonders hĂ€ufig gegen den klassischen Römischen Ritus. Professoren der Pastoraltheologie, welche in ihren Vorlesungen entsprechende Bemerkungen gegen Kleriker aller RĂ€nge tĂ€tigen, welche schön gearbeitete Spitzenrochette und -alben tragen, sind leider RealitĂ€t.

Erst neulich wurde der Bischof von Chur in einem offensichtlich manipulativen und gehĂ€ssigen Artikel in ein „zweifelhaftes Licht“ gerĂŒckt, weil er in Wien ein feierliches altrituelles Pontifikalamt las – und mit ihm alle, welche dieser Ritusform und einer hochentwickelten liturgischen Kultur der Gottesverehrung anhĂ€ngen.

Das Schlimme dabei ist: die Methode wirkt teils auch noch, und so mancher Priester wĂŒrde zwar gerne das ein oder andere Meßgewand oder die eine oder andere Spitzenalbe zu Festtagen verwenden, traut es sich aber nicht, weil er Angst hat, sonst in einen gewissen Verdacht zu kommen. Es ist ein handfester Skandal, daß diese manipulative Methode bislang relativ unbehelligt und unwidersprochen blieb, und noch mehr, daß man sich ihr beugt! Gerade in der Kirche bedarf es einer sehr viel höheren Wachsamkeit gegenĂŒber der sprachlichen Manipulation seitens der Homoideologen und deren Lobby, und eines bestĂ€ndigen Hinweisens der GlĂ€ubigen auf diese PhĂ€nomene. Denn das, was immer wiederholt wird, wird irgendwann auch allgemein geglaubt – sei es Wahrheit oder Unwahrheit. Und mehr als uns lieb ist gilt das, was Mephisto in Auerbachs Keller sagte: „Falsch Gebild und Wort, VerĂ€ndern Sinn und Ort“

Mag. theol. Michael Gurtner ist katholischer Theologe aus der Erzdiözese Salzburg

Quelle: www.kath.net am 9.1.2014

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 7. Februar 2014 um 10:34 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Sexualethik.