Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Verstockung und Entstockung: Hat es nicht der Herr getan? Predigt aus Jesaja 42,18–25

Dienstag 18. Juni 2024 von Pastor Dr. Stefan Felber


Pastor Dr. Stefan Felber

18 Hört, ihr Tauben, und schaut her, ihr Blinden, dass ihr seht! 19 Wer ist so blind wie mein Knecht, und wer ist so taub wie mein Bote, den ich senden will? Wer ist so blind wie der Vertraute [meschullam: der Befriedete] und so blind wie der Knecht des Herrn? 20 Du sahst wohl viel, aber du hast’s nicht beachtet. Die Ohren offen – aber er hört nicht. 21 Dem Herrn hat es gefallen um seiner Gerechtigkeit willen, daß er sein Gesetz groß und herrlich mache. 22 Es ist aber ein beraubtes und geplündertes Volk; sie sind alle gefangen in Höhlen und versteckt in Kerkern. Sie sind zum Raub geworden, und da ist kein Erretter, geplündert, und niemand ist da, der sagt: Gib wieder her! 23 Wer ist unter euch, der das zu Ohren nimmt, der aufmerkt und es hört für künftige Zeiten?

24 Wer hat Jakob der Plünderung preisgegeben und Israel den Räubern? Hat es nicht der Herr getan, an dem wir gesündigt haben? Und sie wollten nicht auf seinen Wegen wandeln, und sie gehorchten seinen Weisungen nicht. 25 Darum hat er über sie ausgeschüttet seinen grimmigen Zorn und die Gewalt des Krieges, dass er sie ringsumher versengte, aber sie merken’s nicht, und sie in Brand steckte, aber sie nehmen’s nicht zu Herzen. [Luther 2017]

 

 

Liebe Gemeinde unter dem Wort!

Wir haben einen Abschnitt gehört, bei dem man erstmal in Deckung gehen möchte. Wie redet er denn mit den Seinen? Muß eine solche Beschimpfung denn sein? Geht es nicht etwas moderater, einfühlsamer?

Wenn sich der Prophet Jesaja erst einmal Rat bei Fachleuten für Kommunikation geholt hätte, dann er zu hören bekommen: So geht das nicht. Du mußt positive Botschaften verbreiten, wenn Du bei den Menschen ankommen willst. Konzentriere dich lieber auf Sprüche, die sich die Leute gegenseitig zum Geburtstag schicken können.

Nein, lieber Prophet, wenn Du so redest, gehen die Leute in Deckung. Die Menschen wollen akzeptiert werden. Sag ihnen etwas Gutes, dann hören sie dir zu. Sag ihnen, daß sie schon recht sind. Sag ihnen, daß es für Gott nicht so wichtig sei, unter welchem Namen er angebetet wird. Hauptsache, sie haben überhaupt einen Gott. Sag ihnen, daß es nicht wichtig ist, welche Art von Liebe sie pflegen, Hauptsache, sie lieben überhaupt.

Aber Jesaja hat die modernen Kommunikationsberater nicht konsultiert. Er hat sich nicht mit Fleisch und Blut besprochen, sondern war – mit Furcht und Zittern – in den Rat Gottes hineingenommen worden. Sein Auftrag bei seiner Berufung lautete: „Predige: Höret und versteht’s nicht! Sehet’s und merket’s nicht!“ Und: „Verstocke das Herz dieses Volkes und laß ihre Ohren taub sein und ihre Augen blind, daß sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren, nicht genesen“ (Jes 6,9f.).

Autsch. Das macht ja gar keinen Sinn, oder?

Liebe Freunde, auf den ersten Blick – in der Tat. Sinnlos. So kann man nicht predigen: Reden und erwarten, daß man nicht verstanden wird. Wenn ich meinem Kind sage: Hole mal die Marmelade aus dem Schrank!, dann erwarte ich, daß es das tut, was ich sage und nicht durch mich hindurchschaut als wäre ich aus Glas. Doch hier geht es nicht um Alltägliches, sondern um geistliche Dinge. Israel, das sich von Gott abgewandt hat, wird in seiner Abwendung verfestigt. Es ist wie bei einem Zug, der mit 200 auf den Abgrund zurast. Er müßte sofort anhalten und den Rückwärtsgang einschalten. Doch Gottes Botschaft durch Jesaja beschleunigt den Zug auf 400, statt die Richtung umzukehren.

Auf diese Weise wurde das Gericht ausweichlich. Das Israel des 8. Jahrhunderts vor Christus mußte damit rechnen, in Kürze von anderen Mächten übernommen und aus dem eigenen Land vertrieben zu werden (Jes 6,11–13). Mit dem nördlichen Landesteil geschah es auch, mit dem südlichen etwas später.

In dieser Lage wäre es um so wichtiger gewesen, daß Gott wieder Gehör findet. Aber wie gesagt: Er steigert die Geschwindigkeit noch. Unbegreiflich, aber wahr. Die Verstockung und die spätere Entstockung des Gottesvolkes sind die zentralen Dinge, die Jesaja zu wirken und auszurichten hatte. Gott sei Dank: Zum Jesajabuch gehört auch die Botschaft von der Aufhebung der Verstockung, von der Vergebung der Sünden und vom Gottesknecht, der die Sünden des Volkes auf sich nimmt.

Doch zunächst bleiben wir bei der Diagnose Jesajas über Israel.

18 Hört, ihr Tauben, und schaut her, ihr Blinden, daß ihr seht! 19 Wer ist so blind wie mein Knecht, und wer ist so taub wie mein Bote, den ich senden will? Wer ist so blind wie der Vertraute und so blind wie der Knecht des Herrn? 20 Du sahst wohl viel, aber du hast’s nicht beachtet. Die Ohren offen – aber er hört nicht.

Das Volk Israel wird von Jesaja als taubblinder Knecht und Bote angesprochen. Ein taubblinder Bote – untauglich für seine Aufgabe.

Israels Aufgabe wäre es gewesen, für den Herrn ein Volk von Zeugen zu sein – Zeugen für den Schöpfer und Erlöser, Zeugen vor der ganzen Welt für Gottes Wort. Israels Nachbarn hätten staunen sollen über das gute Gesetz, das Gott seinem Volk offenbart hatte (5. Mose 4). Sie hätten dieses Gesetz bestaunen und übernehmen sollen. Statt dessen hat Israel, als es im Land niedergelassen war, sich angesehen, welche Götter die anderen Völker verehren, was sie opfern (nämlich auch die eigenen Kinder), wie sie Feste feiern, wie sie Kriege führen, oder: daß sie selbstherrliche Könige haben, die sich wie Götter verehren lassen usw.

Vergessen haben sie die Mahnung in 3. Mose 18,1–5:

Und der Herr redete mit Mose und sprach: Rede mit den Israeliten und sprich zu ihnen: Ich bin der Herr, euer Gott. Ihr sollt nicht tun nach der Weise des Landes Ägypten, darin ihr gewohnt habt, auch nicht nach der Weise des Landes Kanaan, wohin ich euch führen will. Ihr sollt auch nicht nach ihren Satzungen wandeln, sondern nach meinen Rechten sollt ihr tun und meine Satzungen sollt ihr halten, daß ihr darin wandelt; ich bin der Herr, euer Gott. Darum sollt ihr meine Satzungen halten und meine Rechte. Denn der Mensch, der sie tut, wird durch sie leben; ich bin der Herr.

Wenn ich jetzt versuche, die Worte Jesajas auf unsere Kirche zu übertragen, denke ich nicht an die Verhältnisse bei Ihnen in Rumänien, denn die kenne ich viel zu wenig. Aber ich denke an die Verhältnisse in den deutschen evangelischen Kirchen – und diese haben manchmal einen schlechten Einfluß auf die Kirchen in anderen Ländern.

 

 

  1. Was dem Menschen gefällt (V. 18–20 und 22)

Mit Jesaja spreche ich aus großer Flughöhe, ohne an eine einzelne Gemeinde zu denken. Aber was er über Israel sagt, stimmt für den Protestantismus in weiten Teilen eben auch (für den Katholizismus, gerade den deutschen mit seinem „Synodalen [Holz-]Weg“ gilt das auch, in gewisser Weise sogar für die Orthodoxe Kirche. Jesaja stellt ein Siechtum aufgrund von Mangelernährung fest. Man liest die Bibel zu wenig, und alles mögliche andere zu viel. Der Sportverein ist wichtiger als der Konfirmandenunterricht. Der nächtliche Ausgang und das Ausschlafen am Wochenende läßt die Jugendlichen den Gottesdienst verpassen. Tiktok, Instgram und Youtube werden zu Zeitfressern, die die Intelligenz reduzieren. Smartphone ist in, Bibelverslernen ist out.

Die Alternativen zu Bibel und Gemeinde sind aber häufig nicht einfach neutral, sondern haben einen unguten Einfluß auf Glaube und Leben, auf Ehe und Familie, Kirche und Staat.

Das Volk Gottes sollte, wie Jesaja und das dritte Buch Mose sagen, ein Gegenüber zur Welt sein, nicht die Welt nachmachen, sondern der Welt den Spiegel vorhalten: So seid ihr in Gottes Augen. Statt dessen hält sich die Kirche den Spiegel vor: So und so kommen wir in den Augen der Welt an. Wenn wir gut ankommen wollen, müssen wir tun, was die Kommunikationsberater sagen. Und so werden in kirchlichen Pressestellen weltliche Regeln übernommen. Kirchliche Gemeindeblätter lesen sich vielerorts wie weltliche Zeitungen. Jesaja oder die Paulusbriefe hingegen lesen sich nicht wie Einladungszettel für jemanden, der Jesus noch nicht kennt – und Paulus (so missionarisch er war!) hat damit auch kein Problem. „Ich spreche doch zu solchen, die das Gesetz kennen“ (Röm 7,1)!

In den Verlautbarungen der EKD bekommen (über die letzten Jahrzehnte) andere Themen ein viel größeres Gewicht: Gender, Liberalisierung der Abtreibung, Homosexualität, Klimaschutz und immer wieder der gesellschaftliche Zusammenhalt. Diese Themen bekommen nicht nur ein viel größeres Gewicht, sie werden auch inhaltlich anders eingeschätzt. Über diesen Themen gerät aus dem Blick, wie reichhaltig die Bibel ist. Ihre Goldkörner bleiben unentdeckt.

Und genau auf diese Weise beschleunigt sich der Zug der Kirche, wenn er einmal in die falsche Richtung unterwegs ist, von selbst. Wenn Gott dann noch Gas gibt, indem er verstockt, wird die Richtung unumkehrbar. Das alte Israel mußte es erleben. Die heutigen evangelischen Kirchen sind dabei. Aus menschlicher Perspektive ist die Richtung unumkehrbar. Aus göttlicher Perspektive gibt es Veränderung – aber nur aus Gottes Wort. Die moderne Theologie ist die Theologie der leeren Kirchen.

Zu wenig Bibel: Vitaminmangel.

Vitaminmangel heißt: Immunschwäche.

Immunschwäche heißt: Selbst kleine Infektionen führen zur Auszehrung.

Dann kann es passieren, daß manche, um sich zu schützen, auf die Genderideologie so antworten: „Wichtig ist nur die Beziehung zu Gott, und über anderes will ich nicht urteilen!“ Doch wer aber so urteilt, hat das Leben an die Ideologie verloren. Die Beziehung zu Gott wird beliebig, wenn aus ihr nichts Konkretes mehr für das leibliche Leben folgt.

Jesaja nennt sein eigenes Volk ein beraubtes und geplündertes Volk, gebunden in Gefängnissen und verschlossen in Kerkern (V. 22). Und heute? Die Genderideologie verspricht Freiheit, aber sie bindet an Ideologie und Medizin; sie verspricht Toleranz, grenzt aber die aus, die kritische Fragen stellen; sie verspricht Vielfalt und Buntheit, bringt aber alle Farben durcheinander in ein graues Einerlei. Selbst der Sport leidet: Zweckfrei Fußballspielen war gestern. Heute muß der Fußball instrumentalisiert werden gegen Rechts, gegen Rassismus, gegen Homophobie usw., aber nicht gegen islamistische Ausfälle. Fans und Sportlern wird das zweckfreie Spielen verleidet.

 

 

  1. Was Gott gefällt (V. 21)

Zwischen den Aussagen über das blinde Gottesvolk steht bei Jesaja ein Satz, der im ersten Moment erschaudern macht. Aber ich denke, wir müssen auch daran ein wenig kauen, bevor wir ihn schlucken können. Wir müssen diese Pille schlucken, um nicht am Vitaminmangel zu sterben! Der Satz lautet:

Dem Herrn hat es gefallen um seiner Gerechtigkeit willen, daß er sein Gesetz groß und herrlich mache.

Das, was dem Herrn gefallen hat, ist im Kontext die Blindheit und Taubheit seines Volkes. Das ist es, was erschaudern läßt: Wie kann denn das heilige Gesetz Gottes verherrlicht werden, wenn es nicht einmal im Gottesvolk Gehör, geschweige Gehorsam findet?

Gott gefällt die Blindheit seines Volkes?!? Ich suche die Erklärung in zwei Richtungen.

Zum einen wird sich die Prophetie bewahrheiten, daß Israel wegen seiner Taubheit das Land verlieren wird. Gottes Wort ist wahr auch im Gericht. Gottes Gesetz ist wahr, sowohl in der Gnade für den Hörenden wie im Gericht für den Tauben. Wäre die Gerichtsankündigung der Propheten, gegeben aufgrund des mosaischen Gesetzes, nicht eingetroffen, d.h. hätte Israel nicht tatsächlich sein Land verloren, so hätten wir die Prophetenbücher nicht mehr. Sie wären irgendwann aussortiert worden, weil sie sich nicht erfüllt hätten. Das ist der eine Grund, warum Gottes Gesetz auch im Gericht sich als herrlich erweisen wird.

Der zweite Grund liegt in der Fernwirkung der Verstockung Israels. Als Jesus auftrat, konstatierte er mit einem langen Zitat aus dem Jesajabuch, warum die Juden seiner Zeit seine Gleichnisse vom Reich Gottes nicht verstehen konnten: Sie sind verstockt. Jesus zitiert den ganzen Verstockungsauftrag Jesajas (als immer noch oder als erneut wirksam)! Die Fernwirkung der Verstockung war die Kreuzigung Jesu wegen Hochstapelei.

Daß Gott sein Gesetz groß und herrlich macht, bedeutet also: Es erfüllt sich auch durch Kreuz und Auferstehung Jesu Christi, nicht nur durch das Gericht über Israel. Nichts macht das Wort des Alten Bundes so groß wie seine Erfüllung durch Jesus Christus (in Gnade und Gericht).

 

 

  1. Was Gott tat und tut (V. 23–25)

23 Wer ist unter euch, der das zu Ohren nimmt, der aufmerkt und es hört für künftige Zeiten? 24 Wer hat Jakob der Plünderung preisgegeben und Israel den Räubern? Hat es nicht der Herr getan, an dem wir gesündigt haben? (…)

Das Gericht kommt vom Herrn. Haben wir das Gute vom Herrn angenommen, sollten wir nicht auch sein Gericht annehmen? So fragt Hiob seine Frau, die ihn wegen des Unheils zum Unglauben bringen wollte. Doch damit wäre die Verzweiflung nur noch gesteigert worden. Hiob war nicht verstockt. Er hielt in der Not an Gott fest.

Wer im Leid nicht mehr beten kann, leidet doppelt.

Wer im Glück nicht danken kann, ist der Ärmste von allen, denn er wird binnen kurzem nicht nur von Gott, sondern wegen seiner Selbstgefälligkeit bald auch von Menschen verlassen sein.

Beides, Glück und Unglück, kommen von Gott. „Wer hat Jakob der Plünderung preisgegeben und Israel den Räubern? Hat es nicht der Herr getan?“ (V. 24) Und in Kap. 45:

5aIch bin der Herr, und sonst keiner mehr, kein Gott ist außer mir. Ich habe dich gerüstet, obgleich du mich nicht kanntest, damit man erfahre vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang, dass keiner ist außer mir. Ich bin der Herr, und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der Herr, der dies alles tut.

Die Klarheit und Unbekümmertheit, mit der Jesaja die Macht Gottes über die Geschichte ausspricht, sollte auch bei uns zu einer neuen Klarheit und Unbekümmertheit führen. Besonders in den deutschen Kirchen mangelt es von solcher, biblisch gegründeter Unbekümmertheit. Evangelische Theologen haben es sich seit 200 Jahren immer mehr versagt, mit dem schlichten: „So spricht der Herr, so steht es geschrieben, und daher können wir nicht anders“ aufzutreten.

Immer wieder heißt es, so ein Auftreten sei unbescheiden oder hochmütig. Doch ist es wirklich bescheidener, es besser zu wissen als Gott, was in der Schrift Gottes Wort sein kann und darf und was nicht? Ist es bescheidener, besser als die Schrift zu wissen, wieviel Geschlechter es gibt, was eine Ehe, was gar eine Frau ist, wer Sommer und Winter, Wetter und Klima lenkt? Nein, es ist nicht bescheidener, es ist in Wirklichkeit unglaublich hochmütig.

Wer hat das Gottesvolk der Plünderung preisgegeben: Hat es nicht der Herr getan?

Sollte Gott uns nicht vielmehr helfen? fragen wir, auch mit Blick auf andere Worte Jesajas und in den Psalmen. Die ältere Theologie, vor allem die Reformatoren, konnten Gericht und Gnade viel besser zusammenhalten als die modernen Theologen. Es gab noch eine umfassendere Lehre vom Wesen Gottes, viel umfassender als die moderne Vorstellung, in der Gott zu einem wohlmeinenden Kindermädchen degradiert ist. Krankheit, Krieg und Krisen – auch sie kommen von Gott. Wenn die moderne Theologie sagt, Gott könne das nicht wollen, hat sie die Rechnung ohne Wirt, ohne Bibel gemacht.

Gott wartet nicht passiv ab, bis es uns einfallen könnte, daß wir uns einmal um ihn kümmern. Nein, er gibt uns aktiv dahin, wenn er uns gleichgültig ist. Er ist für den Sünder wie Eiter und Wurmfraß, sagt der Prophet Hosea, für sein selbstherrliches Volk ist sein Wort wie ein zerschlagender Hammer, ein fressendes Feuer, sagt Jeremia. Wie weit davon entfernt ist die harmoniebedürftige (und sogenannte wissenschaftliche) Theologie!

Was tut Gott?

Gott sei Dank, fand sich ausgerechnet durch die Verstockung Israels – zur Ehre von Gottes Gesetz! – auch die Lösung. Gott ließ den Zug des verstockten Volkes auf seinen Sohn prallen, damit das Volk lebe, auch wenn es dem Sohn das Leben koste.

Das, genau das, ist das Paradox, das Skandalöse des Glaubens.

Wer auch immer dies annehmen kann, preise den Herrn, denn durch den Glauben, den Gott uns durch sein Wort schenkt, endet die Verstockung. Wer dies alles glaubend faßt, darf sich auch über die Fortsetzung bei Jesaja freuen:

Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!  (Jes 43,1–2)

Hier bricht die Morgenröte für das Gottesvolk an, also für die Kirche Gottes. Wir erkennen: Es ist der Herr selbst, der durch Leid die Echtheit unseres Vertrauens prüft; es war der Herr Jesus selbst, der unser tiefstes Leiden, unsere Gottesfinsternis, auf sich genommen hat. Wir erkennen: Der Niedergang der Kirchen ist erster Linie nicht von der Gesellschaft her zu verstehen, als würde die Kirche nur einen allgemeinen individualistischen Trend mitvollziehen, an dem auch Parteien und Vereine leiden. Die soziologische Erklärung ist Selbstvertröstung, und ist im Grunde auch eine Form von Verstockung, die in der modernen Theologie wirksam ist, so daß man die wahren Ursachen nicht sieht.

Der Niedergang ist vielmehr zu verstehen als geistliche Krise, als Ergebnis der jahrzehntelangen Mangelernährung, als zu wenig an Bibel, als zuviel an Allotria. „Hat es nicht der Herr getan, an dem wir gesündigt haben?“

Wenn uns wieder das Gesetz Gottes, d.h. die ganze Bibel groß und herrlich wird, dann ist das Ziel des Gerichts erreicht. Dann kommt der Vitaminstrom wieder aus dem Wort Gottes in die Herzen, und die Gemeinde wird nach innen und außen wachsen.

Zusammenfassung

Wir haben gehört:

  1. Was dem Menschen gefällt (V. 18–20 und 22) – das Angenehme ist nicht immer das Wahre.
  2. Was Gott gefällt (V. 21): daß sich sein Wort erfüllt, sei es in Gnade, sei es im Gericht.
  3. Was Gott tut (V. 23–25): In Jesu Kreuz erfüllt sich die Verstockung – und wenn wir seinem Wort im Glauben Raum geben, endet sie.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 


 

Mögliches Psalmgebet: Psalm 94-95.

Diese Predigt wurde erstmals am 16.6.2024 im Siebenbürgischen Mediasch gehalten (Evang. Kirche Mediasch-Biserica Sf. Margareta).
Den ganzen Gottesdienst kann man ansehen unter https://www.youtube.com/watch?v=8wMo1WocibI. Die Predigt beginnt bei Minute 25:50.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 18. Juni 2024 um 18:40 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Predigten / Andachten, Sexualethik.